Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    am 9.4.2026 habe ich auf dem Weg zur Arbeit eine Gruppe Ficaria verna mit Befall durch Entyloma ficariae gefunden. Der Brandpilz verursacht helle Flecken auf den Blättern (nicht zu verwechseln mit hellen Flecken, die das Scharbockskraut manchmal auch ohne Befall bildet), die im Gegenlicht dunkel erscheinen. Auf der Blattunterseite findet sich auch regelmäßig das anamorphe Stadium des Brandpilz.



    Björn

    Hallo zusammen,


    bei der letzten APR-Exkursion am Hohenstein in Witten konnten wir an bekannter Stelle wieder mal den Brandpilz Entyloma bellidis auf Bellis perennis finden. Der Pilz bildet helle Blattflecken und ist im Winterhalbjahr nicht selten. Verwechslungsgefahr besteht mit Protomycopsis bellidis, einem Wucherling, der ebenfalls helle Blattflecken verursacht. Zur Unterscheidung sollte man sicherheitshalber immer einmal kurz reinmikroskopieren. Beim Entyloma finden sich Brandsporen mit Durchmessern um 10 µm, beim Wucherling ascogone Zellen mit Durchmessern um 40 µm.



    Björn

    Hallo zusammen,


    bei der letzten APR-Exkursion am 12.4.2026 im Naherholungsgebiet Hohenstein in Witten konnten wir am Lehrbienenzentrum auf angepflanzter Primula elatior Ramularia interstitialis finden. Der Pilz verursacht blattoberseits Blattflecken auf deren Unterseite dann ein weiß-gräulicher Rasen aus Konidienträgern gebildet wird. Da es mit Ramularia primulae noch eine zweite Art auf Primula gibt, muß man hier reinmikroskopieren. Bei R. interstitialis werden die Konidien einzeln gebildet, sind alle einzellig und messen 8-16 µm x 5-8 µm. Die Verwechslungsart bildet Konidien in Ketten und hat 1-3-zellige Konidien, die 10-35 µm x 3-6 µm messen. Wenn ich das richtig überblicke, ist unser Fund der erste Nachweis dieser Art in NRW.


    Konidienmaße der Aufsammlung:

    12.8±2.6 µm × 7.4±1.0 µm, Q=1.7±0.3

    8.5-18.5 µm × 5.2-9.2 µm, Q=1.3-2.4


    Björn

    Zitat
    warum sollen eigentlich Andere dafür Verantwortung übernehmen? Wenn bei dir solch eine Nahrungsknappheit herrscht, wäre es doch besser nahrhaftere, eiweißhaltigere Organismien zu testen. Weichtiere oder stärkehaltige Wurzeln bieten sich da eher an. Man kann Pilze gut genießen, aber zu den Grundnahrungsmitteln zähle ich sie nicht.

    Aber Stefan,


    Essen ist doch weit mehr als nur Ernährung! Da gibt es doch auch eine kulinarische Komponente. Denk doch nur an das knusprige Gefühle, wenn du herzhaft auf einen Fruchtkörper von Leptosphaeria acuta beißt, gefolgt von dem cremig-sinnlichen Erlebnis, wenn sich dann die Sporenmasse auf deiner Zunge verteilt und schließlich das angenehme Prickeln, daß die zugespitzten Sporen auf der Zungenspitze verursachen.


    Oder der Nervenkitzel, wenn man die Sporenmasse von Urocystis colchici probiert und sich wie beim Genuß von Fugu fragt: Hat der Koch auch wirklich nur die Sporen erwischt oder ist in der Portion auch eine tödliche Menge Colchicin von der Wirtspflanze?


    :D


    Björn

    Hallo zusammen,


    wenn wir hier über die Organisation der Portraits sprechen, möchte ich auch vorschlagen, daß man bei den Basidiomyceten noch die Unterkategorien Pucciniomycotina und Ustilaginomycotina für Rost- und Brandpilze erschafft. Sonst hängen die etwas im luftleeren Raum.


    Björn

    Hallo Christoph,


    hier im Ruhrgebiet gibt es in Ermangelung von Kalk leider praktisch keine Anemone ranunculoides und entsprechend auch keine Tranzschelia pruni-spinosae. Ich kenne die Art aber aus der Eifel und dem Sauerland. Mit den Aeciosporen infiziert der Pilz dann übrigens Prunus-Arten, wie hier Prunus spinosa vom 9.9.2023 in der Nähe von Altenbeken und bildet dort Uredien (die waren bei meinem Fund aber schon durch) und Telien.


    Befallene Blätter am Fundort


    Telien auf der Blattunterseite. Anders als bei der Verwechslungsart Tranzschelia discolor werden die Teliosporen nicht in Faszikeln gebildet


    Teliosporen in Wasser. Beide Zellen sind rund und dunkel befärbt. Außerdem ist Wand der obere Zelle an der Spitze nicht verdickt. Die Keimpore der oberen Zelle befindet sich an der Spitze (auf den Fotos hier leider nicht sichtbar). Bei Tranzschelia discolor sind die unteren Zellen länglicher und blasser, meistens auch deutlich weniger warzig und die Wand der oberen Zelle ist an der Spitze deutlich verdickt. Die Keimpore der oberen Zelle ist dann in der Nähe der Trennwand zwischen den Zellen zu finden.


    Björn


    PS: Jetzt müßte das Portrait nur noch zu den Basidiomyceten verschoben werden. Auch wenn die Aecien becherförmig sind, ist es ja kein Schlauchpilz :)

    Hallo Lena,


    bei derart jungen Fruchtkörpern ist die Bestimmung meistens bloß wilde Raterei. Da man auf einigen der Fotos aber eine lackiert-wirkende orangene Stelle an der Außenseite sieht und da das Susbtrat Nadelholz zu sein scheint, könnte ich mir bei einem Pilz in dieser Größe am ehesten Fomitopsis pinicola vorstellen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich möchte hier den Brandpilz Urocystis colchici vorstellen, den man jetzt im Frühling auf Blättern der Herbstzeitlosen Colchicum autumnale finden kann. Im jungen Zustand macht der Pilz sich durch bleigraue Streifen in den Blättern bemerkbar. Bei Reife platzen diese Streifen dann auf und die schwarze Sporenmasse tritt zu Tage. Mikroskopisch besteht die Sporenmasse aus Sporenballen mit 1-3 braunen Sporen, die mehr oder weniger vollständig von einer Schicht hyaliner, steriler Zellen umgeben sind. Der vorgestellte Fund stammt von dne Lohrsdorfer Orchideenwiesen in Lohrsdorf und Bad Bodendorf im Ahrtal in Rheinland-Pfalz vom 6.4.2026.



    Björn

    Hallo zusammen,


    ich möchte noch einmal kurz auf das allererste Bild der Sporen zurückkommen. Da erkennt man zwar alles, was man erkennen muß, ich möchte aber trotzdem dafür werben, daß man Sporen anhand eines Sporenabwurfs untersucht. Da ist man dann wirklich sicher, daß alle Sporen auch richtig reif sind. Und wenn man geschickt ist, schafft man es sogar, eine einzige Monolage an Sporen zu präpararieren, wodurch man ein sehr flaches Präparat hat und dadurch das gesamte Blickfeld in der Fokusebene.


    Da ich offenbar noch nie Stockschwämmchen mikroskopiert habe, hier ein Sporenfoto des giftigen Doppelgängers:


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich werde wahrscheinlich erst etwas später dazustoßen, habe aber Morcheln, Verpeln und jede Menge tolle Phytos im Gepäck.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich habe das Bild mit den Skeletthyphen hier in voller Auflösung hochgeladen. Falls das nicht das richtige Bild war, einfach noch mal kurz bescheid geben.


    Bei den markierten Hyphen mag ich nicht so recht an Bindehyphen glauben. Die sollen laut Ryvarden & Melo nicht in allen Fruchtkörpern vorkommen und dort wo sie vorkommen vor allem nahe der Anwachsstelle zu finden sein. Im Hymenium würde ich sie also erstmal nicht erwarten. Ich denke, daß die knorzeligen Elemente eher generative Hyphen sind, die aber so zerstückelt sind, daß sie "leer" sind und sich entsprechend nicht mit Phloxin B anfärben ließen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich ergänze mal ein paar Mikrobilder eines Fundes aus Giershagen bei Marsberg im Sauerland vom 4.4.2026, der auf Picea abies wuchs.


    Poren

    Sporen in Wasser

    Trama mit Skeletthyphen und generativen Hyphen. Bindehyphen sollen laut Literatur auch vorhanden sein, aber wohl nur sehr zerstreut in der Trama zu finden sein

    Hymenium mit generativen Hyphen (mit Phloxin B angefärbt) und Skeletthyphen


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich nutze Mykis selber nicht direkt. Ich habe von unserem Landeskoordinator eine Excel-Tabelle bekommen (die auch mit LibreOffice problemlos bearbeitet werden kann), in die ich meine Funde eintrage. Er kann die dann problemlos nach Mykis importieren und gut ist.


    Zur Kartierung im Feld nutze ich den guten alten Notizblock.


    Insgesamt denke ich auch, daß Mykis sicherlich aus der Zeit gefallen ist (und in den aktuellen Zeiten ist es sicherlich auch nicht sinnvoll sich in irgendwelche Abhängigkeiten von amerikanischen Tech-Konzernen zu begeben). Wer nichts anderes kennt, wird das eventuell für die beste aller möglichen Welten halten, aber wer etwas von der Welt gesehen hat, wird das ggfs. anders sehen. Nicht umsonst hat die DGfM ja jetzt auch ein Portal mit moderner Haptik für die Pilzkartierung geschaffen. Das ruckelt zwar hier und da noch, aber das läßt sich bei einem derart großen Projekt wohl nicht vermeiden und man sieht ja, daß es dort Fortschritte gibt.


    Ansonsten würde ich in leicht abgewandelter Form Uwes Frage aber schon stellen. Es gibt ja bereits mit dem DGfM-Tool, Obsidentify und iNaturalist mehrere Plattformen, die eine unkomplizierte Funderfassung bieten. Klar schadet es nicht, wenn es noch weitere Tools gibt, mit denen man als Einzelperson dann vllt. noch etwas besser klarkommt. Ich sehe aber die große Gefahr bei solchen Ein-Personen-Projekten, daß die Entwickler:in sich dann nach 2 Jahren überlegt, daß sie doch keinen Spaß mehr daran hat und dann steht man mit einem im schlimmsten Fall nicht mehr funktionierenden Tool da oder aber zumindest mit einem, daß im Laufe der Jahre vor offenden Sicherheitslücken nur so klaffen wird. Bei den drei oben genannten Tools stehen hingegegen große Gruppen dahinter, d.h. selbst wenn dort eine Person ausfällt, wird das aufgefangen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der beiden Arten ist übrigens, daß T. pruni-spinosae Spermogonien auf beiden Blattseiten bildet, während O. ariae nur auf der Blattoberseite Spermogonien bildet. Daneben ist O. ariae wohl nur sehr selten auf A. ranunculoides zu finden.


    Björn

    Hallo Bernhard,


    ich würde deine Funde auch für P. alnetorum halten. P. graminis und P. phragmites hätten größere Telien und die Teliosporen sähen, wie du ja auch schreibst, etwas anders aus. Bei P. magnusiana sind die Teliosporen nicht so zugespitzt:



    P. alnetorum habe ich selber zwar noch nicht an Phragmites gefunden (nur an Clematis:


    aber insbesondere wenn man mit den Sporenzeichnungen von Gäumann vergleicht, bleiben da eigentlich keine Zweifel. Was die Sporengrößen angeht, sollte man da bei Rosten nicht ganz so viel Gewicht drauf legen. Zum einen schwanken die Sporenmaße doch stärker als bei anderen Pilzen, zum anderen beziehen sich Literaturwerte meistens auf Messungen an Herbarmaterial in Lactoglycerol.


    Björn

    Hallo Achim,


    ich kann ja verstehen, daß du nicht tiefer in die Pilzbestimmung einsteigen willst. Aber Pilzbestimmung anhand von Bildern geht nun mal in den meisten Fällen nicht. Pilze sind Mikroorganismen, da kommt man eben nur mikroskopisch zu einer sicheren Bestimmung (und auch oft nicht einmal so). Es ist aber ja auch nicht so, daß es auf Wikipedia nicht genug gute und ordentlich bestimmte Pilzfotos gibt. Es gibt auf inaturalist ja jede Menge Pilzkenner:innen, die ihre (guten) Bilder inklusive mikroskopischer Details dort unter CC-Lizenzen einstellen und die von dort aus in der Wikipedia landen. Außerdem ist es ja so, daß bei inaturalist auch viele Augen auf die Beobachtungen schauen und Bestimmungen bestätigen oder korrigieren.

    Vorteil der Bilder, die von Expert:innen gemacht werden, ist auch, daß dort die für die Bestimmung relevanten Merkmale deutlich gezeigt werden. Da wird dann also im Zweifelsfall nicht ein vertrockneter Pilz von oben gezeigt, sondern es wird eine Kollektion von Pilzen in allen Altersstadien gezeigt, ein Pilz liegt umgedreht dabei, so daß man Stiel und Hutunterseite erkennen kann etc.


    Das soll dich jetzt natürlich nicht vom Fotografieren von Pilzen abhalten, ich persönlich denke aber, daß der Großteil deiner Fotos dann eben doch etwas für die Kategorie unbestimmbare Pilze sein wird.


    Björn