Hallo Azalee,
Das, was Du beobachtest sind Röhren, die noch im Wachstum sind und die noch, vereinfacht gesagt, weiße Hyphenschöpfe am äußeren Ende haben. Diese hellen Hyphenschöpfe ergeben den Farbunterschied auf Deinem zweiten Bild. Die Entwicklung der Röhrenschicht erfolgt kurz gesagt so: Bereits in jüngsten Stadien mit 1cm Hütchen kann man feststellen, dass die Anzahl der Röhren bereits festgelegt ist (an den Rändern kommen anfangs noch welche dazu. Diese haben anfangs einen Durchmesser quasi 0 aber spannenderweise bald schon eine Wanddicke, die bis zum Ende der Röhrenentwicklung gleich bleibt.
Diese Röhrchen wachsen dann nach unten, immer mit fast gleichbleibender Wanddicke mit weißem Hyphenschopf am Ende, so lange, bis alle Strukturen, zB die Sporentragenden Basidien, ausgebildet sind. Die Röhrendurchmesser wachsen inzwischen. (Das weiße Stielnetz ist auch nix anderes als eine Fortsetzung der Röhren am Stiel, mit Sporen!... auch wenn am Hut die Röhren mit freien Auge noch gar nicht erkennbar sind, kannst Du schon Sporen am Stiel finden*. Ein mikroskopisches Präparat, ein Längsschnitt durch die Röhren würde Deine Fragen gut beantworten: Du würdest die jungen Röhren im Längsschnitt sehen, wie einen umgekehrten Springbrunnen von Hyphen, der in einen langen Schopf von Hyphen übergeht.
Du würdest hier einen Befall daran erkennen, dass Du auf den Röhren noch andere, üblicherweise nicht dazugehörende Strukturen wie Hyphen mit anderem Durchmessern, anderem Aufbau, oder auch konidienbildende Strukturen (vereinfacht gesagt zB Schimmelpinselchen) sehen. Vermutlich hätte der Befall auch mit freiem Auge andere Farben, Form. Das zu erkennen braucht natürlich Erfahrung, doch Du könntest da ja die Erfahrung eines PSV nutzen, dem Du anhand konkreter Funde diese Frage stellst.
Hoffe die Antwort ist nicht zu lang ausgefallen, aber vielleicht stellte sich ja sonst auch mal wer die Frage, wie Steinpilze eigentlich wachsen**.
Ps: ich sehe gerade, Claudia hat dazu ein makroskopisch gut erklärendes Bild zum Thema hinzugefügt.
Liebe Grüße, Eberhard
* wie wir in Innsbruck mal in (m)einer Arbeit, Rekonstruktion der Fruchtkörperentwicklung bei Boletus edulis, Steiner (&Pöder) 2003, dokumentiert haben.
** die mal genauer zu ergründen unser Ziel war 