Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo Klaas,


    ich habe oben "sarcitulum" geschrieben, meinte aber "sarcitum".


    Im Gröger läuft das so:


    B mit Trichterlings-Habitus --> Teilschlüssel t

    1b Zystiden fehlend --> 12

    12b Frk gefärbt --> 16

    16b Sp länglich --> 21

    21b Stiel nicht blau --> 22

    22b Stiel gefärbt --> 24


    Jetzt kommt die Frage nach dem HDS-Pigment. Leider hast Du auch in der zweiten Bild-Runde die Kondensor-Blende so weit geschlossen, dass ein "schön scharfes" Bild rauskommt. Was beim Fotografen oft eine gute Idee ist, ist im Mikro-Bereich ein Problem. Du müsstest die Huthaut untersuchen mit einer Blende, die so weit offen ist, dass das Bild matt und flau ist und fast keinen Kontrast hat. Das einzige, was man dann noch an Strukturen erkennt, sind pigmentierte Huthaut-Inkrustationen. Erkennt man gar nichts mehr, fehlen diese - oder die Blende ist zu weit offen. Das ist zugegeben ein Rezept, das ein paar Fragezeichen hinterlässt...


    Am intrazelluzären Pigment gibt es keinen Zweifel. Es gibt auch keinen Zweifel an lichtbrechenden Inkrustationen - aber danach wird nicht gefragt.


    Frage ist, ob auch die Inkrustationen noch Pigment tragen - das kann ich anhand der Bilder nicht beurteilen. Außerdem musst Du auch in der Subkutis nach inkrustiertem Pigment suchen - manchmal ist es nur dort.


    Gruß,

    Wolfgang


    Hi Klaas,


    der hat doch Schnallen.


    Bei Entoloma (wie bei manchen anderen Gattungen) erkennt man das oft nur daran, dass das Septum einen Knick oder eine Stufe hat. Bei den Arten ohne Schnallen ist die Hyphe an der Verbindung stark eingeschnürt.


    Weil neue Basidiolen gerne aus der Schnalle herauswachsen, kann man Schnallen meist nur an den ganz jungen Basidiolen unverwachsen erkennen.


    Gruß,

    Wolfgang




    Hi Klaas,

    "Schnallen sind nirgendwo zu finden" kann ich fast nicht glauben.


    Kannst Du mal ein Zupfpräparat der Lamelle (richtig vollständig mit 2 Nadeln zerzupft, nicht gequetscht) in Kongo zeigen, so dass die Basis von lauter einzelnen Basidiolen zu sehen ist?

    Nach etwas Nachgrübeln und Nachlesen wäre ich jetzt bei E. sarcitulum, auch vom Standort, aber dafür braucht's natürlich Schnallen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    für einen Trichterling wären die die Lamellen schon sehr weit stehend.


    Gibt's noch einen trockenen weißen Schneckling? Wie hat der Pilz gerochen?

    Bei den Schnecklingen wäre ich 'raus, die gibt's bei mir im Flachland nicht...


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Klaas,


    Gute Foto-Doku und welcome back! Sieht für mich nach einem schwierigen Fall aus, und leider zeigst Du keine Schnallen an Basidien, und für die zuverlässige Beurteilung der Pigmentierung ist die Blende etwas zu weit geschlossen (dadurch sehen auch optisch transparente Inkrustierungen dunkel aus und täuschen ein Pigment vor).


    Die knotigen Sporen und sterilen Schneiden, zusammen mit (vermutlich) gemischter Pigmentierung gibt es z.B. bei E. enderlei. Mach' ein Exsikkat, das nicht zu heiß getrocknet wurde, da wird ggf. eine Sequenz nötig. E. farinasprellum hätte fertile Schneiden, aber passt ansonsten auch ganz gut. Das müsste man nochmal sicherstellen, dass Bild 2 Cheilos sind.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hi Maria,


    10m zur Kiefer ist ja nicht so viel. Ich kenne die Art auch aus Steppenrasen bei Kiefer.


    Ansonsten gibt es aber allerlei mehr Mykorrhizapartner, als man sich normal so denkt: sehe ich da Blätter von Sonnenröschen? Bärentraube hat viele Ektomykorrhizen, und Cortinarius pratensis macht sogar Ektomykorrhiza mit Sauergräsern.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Wastl,


    noch ein Vorschlag:


    schneide doch einen Fruchtkörper der Länge nach durch und lege ihn auf ein weißes Zewa oder Tempo, das mit Brennspiritus (oder 80%igem weißen Rum etc. - Ethanol so pur wie möglich) getränkt ist.


    Dermocybe cinnamomea färbt in wenigen Minuten orangebraun aus, Gymnopilus penetrans blassgelb, andere Pilze eher gar nicht.


    Gruß,

    Wolfgang


    (ich bin dabei bei Dermocybe, würde aber keine Punkte drauf wetten)


    EDIT: Alis war schneller...

    Hallo an alle,


    so ausgeprägte Wasserflecken auf dem Hut kenne ich eigentlich nur von Lepista-Arten, nicht vom Mönchskopf. Den sehe ich aber nicht so oft und C. alexandri noch gar nicht.


    Zu Lepista passt aber die Ökologie nicht so gut. Für mich nicht vom Bild bestimmbar. Mikros erwünscht.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo romo,


    vom Bild sollte Deine Artbestimmung passen, wobei ja eine Bild-Kommentierung niemals eine Essensfreigabe ist.


    Hallimasch ist roh sehr giftig, wird nicht von allen Menschen vertragen, und wirkt leicht abführend.

    Die Leute, die ihn trotzdem essen, finden ihn meist sehr lecker.


    Gut durcherhitzen ist aber zwingend!


    Gruß,

    Wolfgang

    Benjamin,

    Du kommst nicht herum, von jedem Fruchtkörper die Geschmacksprobe zu machen.


    Die biegsamen Lamellen unterscheiden den Frauentäubling von anderen violett-grünen Arten wie den Grauvioletten Reif-Täubling oder den Papageientäubling. Alle drei sind mild und sind deswegen eßbar.


    Gruß,

    Wolfgang

    Aber das ist auch ein Saprobiont. Ein Symbiont, der von seinen Wirtsbäumen abhängig ist, könnte vermutlich auch mit deren Ableben ein Problem bekommen.

    Hi Marion,


    deswegen ist ein Mykorrhiza-myzel nicht nur mit einem Baum verbunden, sondern mit vielen. Je nach Pilzart sogar mit verschiedenen Baumarten. So kann der Pilz seine Abhängigkeit von einzelnen Baumpartnern reduzieren.

    Der Pilz übermittelt ja sogar organische Nährstoffe vom Mutterbaum an seine Sämlinge - das hilft dem Baum seine Kinder groß zu ziehen, und der Pilz ist gleich mit den Bäumen von morgen verbandelt.


    Dass Pilze potenziell unendlich alt werden können, mag stimmen. Allerdings ist hierzulande die letzte Eiszeit erst 10.000 Jahre zu Ende, und danach mussten erstmal die Bäume und die Pilze über Samen bzw. Sporen einwandern. Buchen gibt es ja erst seit 8000 Jahren wieder. Und die wurden dann zu Beginn der Industrialisierung fast flächendeckend abgeholzt und "verköhlert".


    Das, was Mykorrhizapilze wirklich nicht vertragen, ist eine Forstwirtschaft mit Kahlschlag. Oder der Wechsel der Baumart, z.B. von Eiche/Hainbuche zu Fichte wie vielerorts im 19. Jahrhundert (als Grubenholz für die Stahlindustrie und den Kohlebergbau), oder von Fichte zu (amerikanischer) Douglasie, wie es jetzt wegen dem Klimawandel diskutiert bzw. schon praktiziert wird.


    Bis sich eine stabile Douglasien-Pilzgemeinschaft bildet, wird es Jahrhunderte dauern. Für wirklich langlebige Pilze sind die Umweltbedingungen in Deutschland also viel zu wechselhaft.


    Grüße,


    Wolfgang

    Was ist die Lebenswerwartung eines Pilzes in Jahren? Sagen wir zB eines Steinpilzes?

    Hallo Julian,


    der eigentliche Pilz im Boden lebt Jahrzehnte bis Jahrhunderte, vielleicht -tausende? Hängt sicher von der Art ab, aber gerade die Dickröhrlinge finden sich meist in Wäldern mit langer konstanter Waldbewirtschaftung. Das deute ich als Zeichen, dass sie sehr alt werden.


    Vergleiche mit dem größten Lebewesen der Welt:

    Gift- und Speisepilze: Das weltgrößte Lebewesen - Lebensmittel - Gesellschaft - Planet Wissen


    Der Fruchtkörper des Pilzes, also das was wir landläufig "Pilz" nennen, ist gewöhnlich erstmal für viele Wochen erbsengroß im Boden, um sich dann in Rekordzeit von wenigen Tagen mit Wasser vollzupumpen und aus dem Boden zu strecken ("Wachsen" im Sinne von Zellteilung muss er dann nicht mehr). Nach ca. 2 Wochen hat er dann seine Sporen ejakuliert und ist zerfallen.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi allmende,


    das ist einer der kleinen weißen Trichterlinge.


    Die genauer zu bestimmen ist eine besondere Kunst. Ich belasse es daher bisher immer bei "kleiner weißer Trichterling", selbst wenn ich sie selbst finde und mikroskopieren könnte.

    Und bevor Du nachfragen musst: giftig weil Muscarinhaltig.


    Gruß,


    Wolfgang

    Halle,

    Stefan F. war so nett, mir den nützlichen Artikel von VIZZINI et al. zu schicken.


    Dort wird ein Neotypus für fuliginosa definiert, und zwar als "grauer Parasol". Weil die ITS identisch mit procera ist, heißt er jetzt erstmal "procera forma fuliginosa". Der dunkle, rötende heißt "procera forma permixta".


    Damit sind diese Namen belegt und der hellere, grobschollige (der sich auch genetisch unterscheidet) muss anders heißen. Für diesen wäre rhodosperma der älteste Name. Damit wäre das für mich schon mal geklärt.


    Am Ende bleiben nach ITS also nur 4 europäische "Arten" übrig:

    procera s.l. , rhodosperma, mastoidea s.l. , excoriata


    Bis auf weiteres müsste man es wohl auf dieser Ebene belassen, sofern man sich nicht selbst taxonomisch betätigen will.


    Zurück zum Anfang des Threads: 1+3 wären also mastoidea s.l., 2+4 wären rhodosperma


    Gruß,


    Wolfgang

    also ich hätte deinen Fund gemäß Gernots- Artikel aus dem Tintling M. rhodosperma genannt und gut.

    Hi Stefan,

    Du meinst jetzt 2+4? Der könnte gut auf "rhodosperma" sensu Gernot Friebes rauslaufen, soweit man das von den Bildern beurteilen kann.


    1+3 eher nicht, denn der ist unterhalb des Rings komplett weiß und ungeschuppt. Sowas gibt es, z.B. bei subsquarrosa. Wenn es nicht doch alles das gleiche ist, und die Stielschuppung variabler als alle glauben ...


    Als Lit. ist bei Gernot glaube ich alles wichtige zitiert. Wobei ich sehr viel von Else Vellinga halte, und ihre Kommentare z.B. in der Flora Agaricina Neerlandica höher gewichte als das meiste andere, was über die Gattung geschrieben wurde. Danach hat fuliginosa sensu Vellinga, was das gleiche ist wie rhodosperma und wie konradii sensu Breitenbach/Kränzlin, vor allem unterhalb des Rings Schüppchen oder Bänder.


    Aber letztlich müsste man in einer Multi-Gen-Analyse nach Loci suchen, anhand derer man Arten trennen kann. Irgendwelche Namen zu benutzen, von denen man gar nicht weiß, was der Erst-Autor damit gemeint hat, bringt letztlich niemanden weiter.


    Hat jemand zu rhodosperma zufällig die Literatur? Irgendwann würde ich mir gerne mal selbst ein Bild davon machen, wie gut dieser Name denn verwendbar ist.


    MIGLIOZZI: Boll. Gruppo Micol. 'G. Bresadola' (Trento) 38(5-6): 140 (1995)

    ORTON: Notes R. bot. Gdn Edinb. 41(3): 591 (1984)

    VIZZINI: Mycotaxon 117: 158 (2011)


    Aber jetzt gehe ich erstmal raus zu den Pilzen...


    Gruß,

    Wolfgang

    Wolfgang, du meinst, der ist einfach nur klein gewachsen?

    Hi Seph,

    das weiß ich nicht. Vielleicht ist er auch normal gewachsen, und gehört zu einer kleinwüchsigen Art oder Sippe (für die Gattung klein - absolut gesehen als Pilz ja immer noch mittelgroß).

    Geh mal in den Supermarkt und guck Dir die Fruchtkörper von Solanum lycopersicum (Tomate) an. Du findest alles von 2 bis über 10 cm Durchmesser, aber trotzdem alles eine Art.


    Gruß,

    Wolfgang

    Weil Macrolepiota macht bei der Größe (Bild 1 +3) keinen Sinn.

    Hi Seph,


    dann müsstest Du leider Dein gedankliches Konzept der Gattung etwas erweitern.

    Es gibt definitiv Macrolepiota mit dieser Größe und diesem Hut-Stiel-Verhältnis.


    Ansonsten hat der Pilz ja sowieso alles, was man für diese Gattung braucht: doppelter Ring, schuppiger Hut, knollige Stielbasis, freie Lamellen, etc.


    Lepiotas in dieser Größe und mit einem Ring mit so schöner Laufrille gibt es dagegen nicht.


    Grüße,

    Wolfgang

    Btw. das Röten kann beim Safranschirmling schon mal recht karg ausfallen. Ich weiß momentan nicht von welchen beiden du redest - ich gehe von 2 Arten aus. Bild 1 +3 und 2 +4,5

    Hallo an alle,

    An Chlorophyllum glaube ich bei keinem von beiden, ohne Mikros bleibt das natürlich reine Raterei.

    Ich habe aber sowas wie 1+3 auch schon letztes Jahr im Binger Wald (saurer Buchenwald) gefunden und konnte es nicht bestimmen - war aber eine echte Macrolepiota.


    2+4 hätte ich früher "konradii" genannt, aber da sich unter diesem Namen scheinbar zwei Arten verstecken, einer davon aus der procera-Gruppe aber kaum genattert (heißt jetzt auch mal rhodosperma), und der andere aus der mastoidea-Gruppe, traue ich mich nicht mehr, diesen Namen zu benutzen, bis mir jemand den Unterschied erklärt hat.


    Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass alle Bilder die gleiche Art darstellen - zumindest wachsen im Binger Wald auch solche Formen durcheinander. Wir müssen manchen Arten vielleicht einfach mehr Variationsbreite zubilligen.


    Gruß,

    Wolfgang