Beiträge von Bibobb

    Natürlich gab es auch Myxomyceten.


    Allgegenwärtig ist z.Zt. Mucilago crustacea



    Dann gab es noch Trichia decipiens (wahrscheinlich var. olivacea, das wird sich zeigen, wenn sie fertig ausgereift ist). Das ist keine Stack-aufnahme, daher auch nicht sonderlich scharf.



    Und dann gab es noch diese kleinen weißen Kügelchen. Ich lasse sie 'mal ausreifen; entweder es werden Myxos ..... oder sie laufen davon, wenn es Insekteneier oder so sind.



    Mal schauen, was die anderen noch an Bilder bringen.


    LG,
    Bernd

    Norbert,
    du bist aber flott; ichhabe noch nicht einmal die Bilder von der Kamera auf den Laptop gebracht.


    Daher zunächst einmal die Teilnehmerliste; es war schön mit euch:
    Wolfgang Prüfert (Wolfgang P.)
    Reinhard Wegner
    Norbert Schmidt (Norbert S.)
    Heidi Pietsch (Saftlingsjägerin, Pilzliesl)
    Dieter Lode (Pfalz-Pilz)
    Pablo Schäfer (Beorn)
    Peter Keschner (Malone)
    Irmgard Bolf
    Petra Behrens (Taphrina)
    Bernd Behrens (Bibobb)


    Eine erste Version der Fundliste kommt asap und Bilder auch

    Nach einer längeren Sommerpause geht es weiter mit den Trichiida (Tricheales), der letzten Ordnung mit hellen Sporen.
    Zur besseren Übersicht hier noch einmal Links zu den bisherigen Teilen meiner Dokumentation:


    Teil 1: Allgemeine Einführung und Ceratiomyxaceae                                                                      
    Teil 2: Echinosteliida                                                                                                                                                                                                      
    Teil 3.1: Liceida ( Fam Enteridiidae ) und allgemeine Erklärungen.                      
    Teil 3.2: Liceida (die übrigen Familien)




    Allgemeine Kennzeichnung:
    Wie das Kladogramm zeigt, sind die Trichiida molekulargenetischen Untersuchungen zufolge das Schwestertaxon der Liceida. Die Monophylie gilt als gesichert.


    In den meist kräftig gefärbten Fruchtkörpern findet man stets ein echtes Capillitium aus massiven, röhrenförmigen, glatten oder skulturierten Fäden; eine Columella und Kalkknötchen fehlen stets. Die Sporen sind hell, oft gelb oder rot, selten grau oder hellbraun.


    Macbride beschrieb 2 Familien mit 14 Gattungen und ca. 100 Arten.


    Fam.: Dianemidae
    . Calomyxa
    . Dianema


    Fam.: Trichiidae
    * Trichia
    . Arcyriatella
    . Prototrichia
    . Cornuvia
    . Oligonema
    . Calonema
    . Arcyodes
    * Arcyria
    . Perichaena
    . Metatrichia
    * Hemitrichia
    . Minakatella


    In Mitteleuropa sind besonders die mit * gekennzeichneten Familien vertreten.


    Baumann et. al. [1] unterteilt in 3 Familien:


    Fam.: Dianemataceae (Calomyxa, Dianema) Capillitium aus massiven Fäden, nie netzbildend


    Fam.: Arcyriaceae (Arcyodes, Arcyria, Aryriatella, Metatrichia, Perichaena, Prototrichia) Capillitium aus röhrenförmigen Fäden, meist zu einem Netz verbunden, im polarisierenden Licht nicht oder nur schwach leuchtend.


    Fam.: Trichiaceae (Calonema, Cornuvia, Hemitrichia, Oligonema, Trichia) Capillitium im polarisierenden Licht leuchtend.



    Die Sache mit dem Verhalten im polarisierenden Licht scheint aktuell kein vernünftiges Kriterium für eine Trennung in zwei Familien zu sein.
    Nun zu den einzelnen Familien.


    Als einzigen Vertreter der Fam. Dianemidae möchte ich Dianema harveyi vorstellen, den ich in Istrien gefunden habe. In Deutschland wurde diese Art erste wenige Male gefunden und gilt als selten:



    Eine ausführliche Beschreibung und weiter Detailbilder findet ihr hier:
    http://www.pilzforum.eu/board/thema-aus-istrien-myxomyceten



    Fam. Trichiidae, Gattung Trichia. (Merkmal: Capillitium aus verzweigten oder unverzweigten frei in der Fruktifikation liegenden Elateren (freie, 10 –“ 100 µm lange meist zugespitzte Fäden mit arttypischen Spiralbändern. Diese machen hygroskopische Bewegungen und dienen der Sporenausstreuung). Wichtige Merkmale der Elateren sind Dichte der Spiralornamente und Zahl der Spiralbänder (2-6) sowie die Länge der Elaterenenden (kurz, ausgezogen, gepufft).


    Im Folgenden stelle ich 5 der bei uns vorkommenden 15 Arten vor:

    Trichia scabra

    (Capillitium 3-4 Spiralleisten mit feinen Stacheln, Sporen mit kleinmaschigem Netz)


     


    Trichia varia





    Das Capillitium leuchtet im polarisierten Licht.



    Trichia decipiens var. olivacea (Capillitium als 70-100 µm lange olivgrüne Elateren mit 3-5 glatten Spiralleisten. Die unreifen Sporocarpe sind weiß)





    In Martin / Alexopoulos [3] findet man bei den Artbeschreibungen auch alle vorhergehenden Namen der Art, die zeigen, wie schwer eine korrekte Zuordnung sein kann.
    Für T. decipiens findet man hier z.B. Lycoperdon pusillum, Arcyria decipiens, Trichia fallax, Trichia virescens, Trichia cerina, T. fulva, T. furcata, T. Nana, T. Stuhlmannii, T. pusilla


    Trichia contorta (Elateren mit kurzen Verzweigungen und u.U. Doppelspitzen, Sporen ø 11-13 µm feinwarzig)



     


    [2] Nanenga-Bremekamp stellt sehr übersichtlich nebeneinander die Merkmale von Trichia favoginea, T. affinis und T. persimilis dar.





    Trichia affinis (Elateren mit 3-5 dicht gewickelten Spiralleisten, Sporen mit unvollständigem Netz, oft aus kleinen Netzmaschen aufgebaut.)



     



    Mit Trichia verwandt ist die Gattung Oligonema, die bei uns mit 2 Arten vertreten ist. Die häufigste Art ist

    Oligonema schweinitzii
    (nach dem deutsch-amerikanischen Biologen Lewis David von Schweinitz)





    Ebenfalls in die Trichia-Verwandtschaft gehört die Gattung Hemitrichia mit ca 10 Arten in unserem Gebiet.
    Die Gattung steht im Übergangsgebiet zu Trichia, Metatrichia und Arcyria.
    Das Capillitium besteht aus röhrenförmigen Fäden, die mehr oder weniger ein Netz mit freien Enden bilden. Die Fäden haben 3-6 meist deutlich ausgebildete Spiralleisten.
    Vorstellen möchte ich 2 Arten.


    Hemitrichia calyculata (Stiel ist deutlich vom Kopf unterscheidbar. Wenn die Peridie im oberen Drittel reißt, quillt das elastische Capillitium heraus.
    Mich erinnert der Fruchtkörper dann an ein Sektglas mit überschäumenden Sekt. Der Kopf kann manchmal auch deutlich wie ein Weinglas aussehen.)




    Diese Art unterscheidet sich von ihrer Schwesterart Hemitrichia clavata äußerlich nur den unterschiedlichen Stielansatz, der bei der H. clavata allmählich in den Kopf übergeht. Außerdem sind dann die Sporen deutlich gesäumt.


    Hemitrichia serpula bildet als Fruchtkörperform Plasmodiocarpien, d.h. das Plasmodium zieht sich nur minimal zu einem Netzwerk zusammen in dem die Sporen reifen.
    Pablo hat hierzu eine sehr gute Dokumentation gemacht http://www.pilzforum.eu/board/…a-serpula-netzschleimpilz



    Jetzt fehlen noch Arcyria und ihre Verwandten.


    Arcyria ist mit 18 bei uns vertretenen Arten recht häufig anzutreffen. Sie hat ein Capillitiumnetz mit Ringen, Halbringen, Stacheln, Warzen und anderen Ornamenten an den Röhren.


    Als erstes Beispiel zeige ich die auffällige Art

    Arcyria denudata
    . Die Peridie schwindet bis auf einen Becher ziemlich schnell und das leuchtend rote Capillitium kann expandieren.




    Arcyria ferruginea (Das Capillitium hängt bei der Reife nur noch mit ein paar Fäden an dem Peridienbecherrest.)




    Arcyria obvelata (Das Capillitium expandiert extrem. In meinen Bildern ist der obere Teil der Sporocarpien nicht ganz ausgereift, daher bleibt dort ein dunkler Knubbel.)





    Arcyria cinerea (Leider ist der Stack etwas misslungen, man erkennt aber die graue Färbung des Capillitiums, das nur minimal expandiert.)





    Bei der verwandten Gattung Metatrichia sind die Elateren einfach oder verzweigte Röhren mit Spiralstruktur in dunkelroten oder rotbraunen Farben, 3 Arten sind bei uns bekannt, die bekannteste Art stelle ich hier vor.


    Metatrichia vesparium (Etlliche Sporocarpien sitzen auf einem gemeinsamen Stiel und bilden ein Pseudoaethalium. Die Peridie verschließt als konkaver Deckel den noch unreifen Inhalt. Das Gebilde erinnert an ein Wespennest, daher auch der lat. Artname.)



    Hier ist das unreife Fruchtkörpergebilde von Schimmelpilzen umgeben.




    Ausgereifte Sporocarpien mit ziegelroten Elateren.



    Die letzte Gattung der Trichiida ist Perichaena. Sie bildet sitzende Sporocarpien oder Plasmodiocarpien. Das Capillitium besteht aus einfachen oder verzweigten Röhren ohne Spiralstruktur, oft mit unregelmäßiger Netz- oder Ringstruktur, Stacheln oder Einschnürungen.


    Leider habe ich selbst noch keine gefunden, aber Hartmut Schubert (Harzpilzchen) hat im Forum einiges dokumentiert:

    Perichaena luteola
    Sporen und Capillitium: http://www.pilzforum.eu/board/…hleimer-scharf-angeschaut


    Bei den nächsten Bildern von Hartmut weiß ich leider nicht, wo ich sie gefunden habe (Hartmut, wenn du es liest, schicke bitte die links):


    Perichaena vermicularis




    Perichaena corticales




    Soweit der Überblick über die Trichiida = Tricheales.
    Viel Spaß mit den Bildern, in Teil 5 geht es weiter mit den Physarida = Physarales in die Gruppe der Dunkelsporer.
    Bis demnächst,
    Bernd



    1. Hermann Neubert, Wolfgang Nowotny, Karlheinz Baumann, Heidi Marx: Die Myxomyceten Deutschlands und des angrenzenden Alpenraumes unter besonderer Berücksichtigung Österreichs. Bd. 1–“3, Karlheinz Baumann Verlag, Gomaringen 1995


    2. N.E. Nannenga-Bremekamp: A Guide to temperate Myxomycetes (Translation oft he Original –žDe Nederlandse Myxomyceten–œ (1974). British Library Biopress Limited, 1991, reprinted 2007


    3. G.W. Martin, C.J. Alexopoulos: The Myxomycetes. University of Iowa Press, Iowa City 1969


    4. Michel Poulain, Marianne Meyer, Jean Bozonnet: Les Myxomycètes. Bd. 1 Bestimmungsschlüssel frz. Und engl, Bd. 2 Bildband. Fédération mycologique et botanique Dauphiné-Savoie, 2011


    40. A.-M. Fiore-Donno, C. Berney, J. Pawlowski, S.L. Baldauf: Higher-Order Phylogeny of Plasmodial Slime Molds (Myxogastria) Based on Elongation Factor 1-A and Small Subunit rRNA Gene Sequences. In: Journal of Eukaryotic Microbiology, 52, S. 201–“210, 2005

    Letzte Woche wanderten wir am Rhein von Oberwesel nach Bacherach und fanden auf einer Wiese einige alte Peridien vom Vorjahr des Hasenstäublings (Lycoperdon utriforme).


    Die aufgerissenen Beutel sind frostresistent.


    Vielleicht hat sie derOsterhase im letzen Jahr hier vergessen?






    LG,
    Bernd

    Hallo Pablo,


    ich glaube, daß ich so einen auch bei uns gefunden habe.



    LG,
    Bernd
    [hr]
    In der Nähe des Humberbturms in Kaiserslautern habe ich letzte Woche diese Prachtexemplare gefunden und bin natürlich prompt wieder unsicher, Flacher Lackporling oder doch Feuerschwamm?






    LG,
    Bernd

    Hallo Björn,


    ich finde es immer wieder toll, wenn ab und zu allgemeinverständliche Erklärungen der grundlegenden Fachbegriffe erscheinen.
    Es kommen ja immer wieder neue Pilzbegeisterte hinzu, die zunächst von dem "Fachchinesisch" erschlagen werden und dann dankbar sind, wenn jemand das Wesentliche für den Einstieg zusammenfasst.


    Wenn ich mr Deine Homepage anschaue, bin ich überzeugt, dass Du auf dem Asco-Gebiet zu den Top-Experten gehörst.


    Danke,
    Bernd
    (Ich finde den / das "Daumen-hoch-Smiley" nicht) :-)

    Hallo Agnes,


    herzlich willkommen im Forum.
    Ich wünsche Dir gute Kontakte und bin gespannt auf Deine Beiträge.


    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein sonniges Wochenende.


    Bernd

    Hallo Pablo,


    deine Portraits der Stielboviste sind sehr aussagekräftig und definieren gut die Unterschiede zwischen den Arten. Die Bilder zeigen sehr schön die charakteristischen Kennzeichen.
    Danach könnte sogar ich - vielleicht - die Arten unterscheiden :-)


    Herzliche grüße,
    Bernd

    Hallo Kuschel,
    danke für dein Interesse.
    Das Bestimmen und Fotografieren hat ca. 1 Std gedauert, dazu kommt ungefähr 30 min für die Bildbearbeitung und 45 min für das Erstellen des Beitrags. Ich schreibe das ganze erst in Word und kopiere dann blockweise in den Editor.
    Aber das sind alles Schätzwerte, ich glaube, so genau schaut keiner auf die Uhr, wenn ihn ein Thema wirklich interessiert.
    LG,
    Bernd

    Vielen Dank für Eure lieben Kommentare.
    Diese Bachniederung ist nur wenige Fahrminuten von uns zuhause, da werde ich jetzt regelmässig nach Myxos Ausschau halten.


    Nobi, Deine Minis sind für mich eher Unbekannte, aber ich finde es toll, wie Du sie in Scene setzen kannst und warte immer gespannt auf Neuigkeiten aus der "Ködel-Fraktion" ;-)
    Liebe Grüße an Deine bessere Hälfte,
    Bernd

    Hallo Ulla,



    vielen Dank für Deine Kommentare.


    Zu Deinem Fragen:


    1. Lycogala epidendrum vs. Lycogala terrestre: Das wurde hier im Forum ja auch schon diskutiert: http://www.pilzforum.eu/board/…rum-vs-lycogala-terrestre
    Martin und Alexopoulos, The Myxomycetes, 1969 führen L. terrestre Fries, Symb. Gast. 10, 1817 als Synonym zu L. epidendrum (L.) Fries, Syst. Myc. 3; 80, 1829 auf und die Beschreibung deckt auch beide Formen sowohl bzgl Farbgebung als auch bzgl. Pseudocapillitiumdurchmesser ab.
    Nannenga-Bremekamp, De Nederlandse Myxomyceten, engl. Übersetzung von 1989 bezieht sich ebenfalls auf Fries 1829 und erklärt, dass die verschiedenen Farbvariationen (Blasses Aethalium mit pinkfarbigen Sporen oder dunkles Aethalium mit grauer Sporenmasse) wahrscheinlich als verschiedene Varietäten getrennt werden sollten.
    Neubert, Nowotny, Baumann, Die Myxomyceten 1995 bezieht sich ebenfalls auf Fries 1829 und beschreiben die Farbfariationen beim Aethalium und Sporen, sowie die unterschiedlich dicken Pseudocapillitiumfäden. Obwohl bei Ihnen der Begriff terrestre nicht auftaucht, äußern sie auch die Vermutung, dass es sich um eine Sammelart handeln könnte, obwohl eindeutige mikroskopische Trennmerkmale fehlen.
    Poulain, Meyer, Bozonnet, Les Myxomycètes 2011 haben zwar beide im Schlüssel L. epidendrum und E. terrestre = E. epidendrum var. terrestre, unterscheiden aber nicht im Bildteil.
    Wahrscheinlich muss man eine Sequentierung abwarten, um über Art oder Varietät zu entscheiden - ich neige eher zu der Varietät-Alternative.


    2. Tubulifera dictyoderma hat vor ein paar Jahren ein Bekannter von einer Pilztour aus dem Pfälzer Wald mitgebracht. Leider war eine genauere Standortangabe nicht möglich. Das Pseudoaethalium ist auf einem Stück faserigem hellen Holz (wie kann ich Laub- oder Nadelholz unterscheiden?). Leider war das für mich bisher auch der einzige Fund.


    3. Erratum: die Enteridium-Arten heißen aktuell scheinbar wieder Reticularia, da dies der ältere Name ist (Reticularia Bull. Herb. France pl. 326, 1787-88, statt Enteridium Ehrenb. Jahrb. Gewächsk. 1: 55, 1819), also Reticularia lycoperdon.


    Alls weitere Reticualria-Art habe ich bisher nur Reticularia olivacea var. simulans gefunden:



    Welche Arten hast Du noch zu bieten ;-)


    LG,
    Bernd

    Weiter geht es mit den Liceida (Liceales) im Teil 3/2 mit Lycogala, Enteridium, Dictydiaethalium und Tubifera




    Zur Wiederholung:
    Die Fruchtkörper der Liceida sind einfach gebaut; es fehlen in der Regel ein echtes Capillitium, eine Columella und Kalkknötchen. Es gibt höchstens ein Pseudocapillitium in Aethalien und bei bestimmten Cribraria- und Dictydinium-Arten CaCO3-Kristalle. Sie sind alle Hellsporer.
     
    Dictydiaethalium plumbeum:


    Die einzige bei uns vertretene Art dieser Gattung bildet fladenförmige Pseudoaethalien aus palisadenartig angeordneten 6-seitigen Einzelfruktifikationen, deren Seitenwände bei Reife bis auf die Kanten verschwinden mit einem baldachinartigen, gewölbten Deckel. Die Kanten bilden ein Pseudocapillitium.


    Jede Fruktifikation beinhaltet ein Capillitium aus welligen Fäden.







    Enteridium:
    Der ursprüngliche Name Reticularia musste zugunsten der zuerst beschriebenen Flechtengattung Reticularia aufgegeben werden.

    Enteridium lycoperdon
    :


    Die Cortex (also die gemeinsame Hülle der im Aethalium verschmolzenen Einzelfruktifikationen) ist zunächst glatt und glänzend, dann aber sehr flüchtig, so daß die Sporen dann frei liegen.




    Tubulifera:


    In unserem Gebiet gibt es 2 Arten.

    Tubulifera dictyoderma
    :


    Dieses Pseudoaethalium sieht fast aus wie Dictydiaethalium plumbeum, aber die Peridie der Einzelfruktifikationen ist dauerhaft und bildet dadurch duch den gesamten Fruchtkörper feste miteinander verwachsene Wände und die Sporen sind mit 5,5 –“ 6,5 µm Ø nur halb so groß wie bei D.




    Interessant ist die bienenwabenartige Struktur der Oberfläche.




    Tubulifera arachnoides:


    Der alte Name ist Tubulina ferruginea. Im Gegensatz zu T. dictyoderma sind die Einzelsporocarpien hier noch deutlich zu erkennen.



    Rechts neben dem rechten Fruchtkörper steht die Cribraria cancellata, die ich in Teil 3.1 vorgestellt habe!
    Hier etwas näher. Links erkennt man noch sehr gut den Hypothallus des Pseudoaethaliums von T. arachnoides.




    Das Capillitium ist spärlich und besteht höchstens aus dünnen, mit der Wand verbundenen Fäden mit anhaftenden Sporen.





    Lycogala:


    Bildet kugel-, kegel- oder polsterförmige Aethalien. Die Cortex ist derb und im reifen Zustand von unregelmässigen Schuppen bedeckt. Bei uns kommen 4 Arten vor.

    Lycogala conicum
    :


    Kugelige bis konische Aethalien, 0,8 –“ 2,5 mm Øund 1-3,5 mm hoch.





    Lycogala epidendrum –žBlutmilchpilz–œ:


    Einer der bekanntesten und häufigsten Myxos unserer Wälder.




    Sieht er in der Abendsonne nicht richtig goldig aus?




    Lycogala flavofuscum:


    Sieht fast aus wie Enteridium lycoperdon, ist aber meist auf waagerechtem Untergrund. Außerdem ist die Cortex ausdauernd und sehr fest aus mehreren Schichten.




    So, das soll als Überblick über die Liceida = Liceales genügen.


    Viel Spaß mit den Bildern, in Teil 4 geht es weiter mit den Trichiida und dann wird es richtig bunt.


    Bis demnächst,


    Bernd




    1. Hermann Neubert, Wolfgang Nowotny, Karlheinz Baumann, Heidi Marx: Die Myxomyceten Deutschlands und des angrenzenden Alpenraumes unter besonderer Berücksichtigung Österreichs. Bd. 1–“3, Karlheinz Baumann Verlag, Gomaringen 1995


    40. A.-M. Fiore-Donno, C. Berney, J. Pawlowski, S.L. Baldauf: Higher-Order Phylogeny of Plasmodial Slime Molds (Myxogastria) Based on Elongation Factor 1-A and Small Subunit rRNA Gene Sequences. In: Journal of Eukaryotic Microbiology, 52, S. 201–“210, 2005

    Liebe Pilzgemeinde,


    trotzt des unschönen Wetters gibt es auch in dieser Jahreszeit Myxos. Am letzten Samstag habe ich in einer Bachniederung bei uns in der Nähe folgenden Schleimi gefunden:


    Physarum bitectum

    Vollständiger Name: Physarum bitectum G. Lister. In Lister: Mycet. Ed. 2. 78; 1911



    Synonyme:



    Bei der folgenden Beschreibung halte ich mich im Wesentlichen an Baumann, et. al. [1]


    Ethymologie des Namens:
    Physarum [physa, gr. Blase] bitectum [bi-, lat. zwei, doppelt; tectus, lat. bedeckt, überzogen]

    Plasmodiocarpien: kurz wurmförmig, leicht gekrümmt, bis 6 mm lang, bis 1 mm breit du hoch, manchmal reihig das Substrat entlang wachsend.


    Sporocarpien:
    kugelig auf verschmälerter Basis, 0,5-1mm Ø, in lockeren Gruppen, seltener.

    Peridie
    : doppelt (daher der Artname), äußere Schicht oben weiß bis hellgrau, nach unten dunkler, runzelig und unregelmäßig abblätternd, mit Kalk besetzt.
    innere Schicht grau bis blassbraun mit lila bis rosa Beiton


    Columella:
    fehlend

    Capillitium: weiße Kalkknoten unregelmäßiger Form durch hyaline Fäden verbunden.

    Sporen: Braun bis dunkelbraun, rund, mit mehr oder weniger markanten, unregelmässig angeordneten Stacheln, auf der Seite des späteren Öffnung heller (Erkennungsmerkmal!), 10-14 µm Ø.

    Plasmodium: Weiß.


    Vorkommen: Bei uns vereinzelt vorkommend mit Haupterscheinen in September –“ November. Fruktifiziert meist an Bachrändern, insbesondere an toten Blättern, Ästchen, Gras.

    Die hier vorgestellte Aufsammlung wurde am 14.02.15 auf Moos und auf einem Ästchen in einer Bachniederung nahe Kaiserslautern gefunden.

    Verwechslung: Makroskopisch mit P. bivalve verwechselbar, diese Art öffnet sich aber schlitzartig entlang der Oberkante der Fruktifikation und hat kleinere, weniger deutlich skulturierte Sporen ohne helleren Bereich.

     





    Hier hat es nicht mehr zum Auflagern von Kalk gelangt. Mit der runzligen Peridie sieht das fast wie eine Licea aus, aber wenn man einen Sporocarp aufmacht, sieht man das typische Capillitium.




    Capillitium mit Kalkknoten und dünnen Verbindungsfäden.




    Kalkknoten aus globulärem Kalk mit hyalinen Verbindungen




    Sporen bei 1000 x. Deutlich sind die Warzen zu erkennen und dass die eine Seite heller ist.



    [1] Hermann Neubert, Wolfgang Nowotny, Karlheinz Baumann, Heidi Marx: Die Myxomyceten Deutschlands und des angrenzenden Alpenraumes unter besonderer Berücksichtigung Österreichs. Bd. 1–“3, Karlheinz Baumann Verlag, Gomaringen 1995