Hi,
ich befürchte, dass oben meine Intention mit den Fragen misverstanden worden sein könnte; deswegen jetzt noch eine Antwort.
Hallo zusammen,
ich hänge mich mal rein, weil ich zitiert wurde.
Meine Meinung deckt sich mit vielen Aussagen. Insbesondere mit der Gewichtung morphologischer vs. molekularer Merkmale. Letztere nutze ich persönlich nur wenn ich nicht mehr weiter weiß, um ein weiteres Merkmal zu gewinnen, oder weil (wie es sich heuer eingebürgert hat) mir sonst niemand glaubt. Manchmal denke ich auch insgeheim, es scheint sich eine ungeheure Bequemlichkeit breitgemacht haben. Erstmal sequenzieren, dann gucken. Auf diesem Wege hat sich übrigens ein Riesenhaufen Datenmüll in der Genbank angesammelt. Und ebenso heimlich weitergedacht, so richtig scheint sich die hardcore-Wissenschaft nicht mehr für die Morphologie zu interessieren.
Und kurz noch zu Dieters fatua. Ich kenne tatsächlich keinen Trick, spadiceogrisea und fatua immer perfekt zu trennen. Die Merkmale sind schwammig. Also greife ich hier gerne zur Sequenzierung, zumal der Typus von fatua definiert ist. Und wenn dann die höchste Übereinstimmung bei diesem greift, dann ist das halt fatua.
Dieters Beispiel von spadiceogrisea LO92-01 (DQ389682) ist allerdings casca (sorry für den Schlaumeiermodus).
Beste Grüße,
Andreas
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Hallo Andreas,
ich finde den Schlaumeiermodus an dieser Stelle sehr wohl angebracht. Ich hatte ja, wie oben erwähnt letztes Jahr den Kurs bei Marco besucht. Natürlich haben wir uns auch über Sequenzierung und Morphologie ausgetauscht. Er war auch der Meiunung, dass die Sequenz nicht allein den Ausschlag geben darf, ob ein Fruchtkörper eine neue Art bildet. Eine andere Art sollte seiner Meinung auch sich morphologisch unterscheiden sollte. Ich halte es durchaus auch für legitim, dass nach der Sequenzierung zweier ähnlicher Arten erst die morphologischen Unterschiede "gesucht" werden. Es ist dann durchaus so, dass bestimmte Erkennungsmerkmale nicht im Standardprogramm der Pilzbestimmung verankert sind. Wenn diese Unterschiede aber erstmal gefunden und in anderen Exsiccaten (auch mit Sequenzierungsdaten untestützt) dieser Art gefunden werden und in der ähnlichen Art nicht, dann ist das ein übersehenes Unterscheidungsmerkmal. Ditte hat in Ihrem Vortag zur DGfM-Tagung auch 1-2 Beispiele von Ihrer Abeit in ihrem wunderbaren Vortrag erwähnt.
Hallo Dieter
meine Fragen oben haben bezüglich Stammbaum und Bootstrap-Werten durchaus auch einen fachlichen Hintergrund gehabt. Marco meinte, dass bei einer gescheiten genet. Untersuchung der Stammbaum mit dazugehört. Du kannst dafür sehr gut auch Sequenzen aus den Datenbanken nehmen und diese vergleichen. Da kommen spannende Erkenntnisse bei rum. Zum Beispiel gibt es in den Datenbanken Sequenzen von Hypholoma fasciculare, die nie und nimmer von ein und derselben Art stammen können. Das beweist aber auch, dass es Sequenzdaten gibt, die falsch benamst sind, und somit "Müll" (wurde ja auch schon erwähnt). Da ist es auch wichtig zu sehen, wer diese Daten eingestellt hat etc. Ich hatte damals einen eigenen Fund von Hypholoma elongatum selber sequenziert. Leider gab es keine Daten von Hypholoma polytrichi, was ich sehr schade fand. 
Wenn ich also kritisch nachfrage, ist das keine Beleidigung von mir. Bei solchen Sequenzierungen ist es immer wichtig zu verstehen was geschieht und das man die Daten kritisch und mit Bedacht auswertet. Alles andere ist in meinen Augen nicht seriös.
Die obigen Zeilen sind eine Wiedergabe meiner Einschätzung zu dem Thema und sollen bitte nicht als Einschätzung der Arbeitsweise deiner erwähnten Experten misverstanden werden.
l.g.
Stefan