Beiträge von Chorknabe


    Nach meiner gestrigen Recherche sollte es sich um Ringlose Butterpilze handeln, aber was meint ihr?


    Der Ringlose Butterpilz hat ein rosa Basismycel. D.h. an der Stielbasis sollte man rosaliche Stellen erkennen können bzw. die Mycelfäden (so nicht abgerissen) sind rosafarben.


    Das Zaubermittel in dem Fall ist dann immer noch der Eisen-II-Sulfatkristall. Übrigens danke für das Sternchen. :sun:


    Leider ist Eisen-II-Sulfat als Kristall gerade nicht zu bekommen (der "Zulieferer" vom Mykoshop hat Mühe neue zu züchten weil seine Ausgangs-Chemikalien nicht mehr erhältlich sind). Also doch die Lösung im Fläschchen - und die nimmt man für gewöhnlich nicht mit auf Tour :-/


    Sternchen gern geschehen ;)


    ..haben alle Fischgeruch (spätenstens nach dem Bräunungstest an den verletzten Stellen)...


    Ich habe jüngst erfahren müssen dass ich den besagten Fischgeruch nicht wahrnehmen kann. Meiner Freundin verzog angeekelt die Nase - ich roch lediglich einen alten Täubling. Das macht es natürlich etwas schwieriger einen Heringstäubling im Feld anzusprechen :(


    Da kommen wir genau auf den Punkt! Ich kann beim besten Willen da kein Spiel mit Gesundheit oder gar mit dem Leben erkennen (betrifft nur Erdritterlinge und Nebelkappen). Ich sehe keine Legatimation für so eine Deklaration. Wären die Arten tatsächlich giftig und nicht nur potentiell unverträglich wie alle Lebensmitteln, dann sollten sie zumindest EU-weit als solche deklariert werden. Es kann doch nicht sein dass man im 21. Jahrhundert die selbe Pilzart in Deutschland nicht zum Verzehr freigibt aber in einem Nachbarland auf dem Markt verkauft! Was die Leute bei DGfM sich dabei gedacht haben kann ich leider bei allem Respekt nicht nachvollziehen. Ein Toxikologe aus eigenen Reihen gibt Entwarnung, aber der Pilz bleibt auf der Liste der giftverdächtigen. Das passt nicht zusammen. Und was Shiitake auf der Giftpilzliste macht verstehe ich überhaupt nicht. Diese Beispiele können solche Listen leider sogar diskreditieren. Und das wäre sehr Schade.


    Ich kann absolut nachvollziehen dass die Faktenlage nicht geklärt und in höchstem Maße diskussionswürdig ist. Auch darüber wie sich die DGfM bezüglich solcher verdächtiger Pilze offiziell stellt. Aber ich wiederhole noch einmal: was ist so schlimm daran wenn ich vorerst den besagten Pilz einfach weglasse und nicht esse? Andererseits: mit welchem Argument setzt man sich über die Experten-Bewertungen hinweg? Und warum?


    Zu persönlichen Verträglichkeit: insbesondere bei Arten denen krebserregende Wirkungen nachgesagt werden oder die im Verdacht stehen Autoimmun-Rhabdomyolyse auszulösen ist die Aussage bezüglich der individuellen Verträglichkeit auf Basis einiger weniger Mahlzeiten - ganz vorsichtig ausgedrückt - schwierig. Diese Vergiftungsprozesse scheinen über Jahre abzulaufen bzw. häufigen Verzehr. Systematisch betrachtet kann eine einmalige (bzw. wenig häufigere) beobachtete Verträglichkeit nahezu alles bedeuten.

    Hallo Alexander,


    ich finde die angeregte Diskussion zum Erdritterling spannend - auf dem Gebiet ist ja gerade einiges in Untersuchung und es ist gut den neusten Stand zu erfahren. Aber: wenn ich Deine Beiträge hier lese habe ich eher das Gefühl Du möchtest eine Legitimation dafür dass Du Pilze isst die die DGfM aktuell als giftverdächtig deklariert. Die wirst Du aber von uns nicht bekommen.


    Öhrling schrieb schon: "Du bist in dieser Sache absoluter Herr deiner Meinung und deines Willens." Wenn Du also Pilze isst dann kann Dich niemand davon abbringen. Aber ein Hinweis sei mir dennoch gestattet. Die Faktenlage zu den Erdritterlingen ist ohne Frage dünn. Ebenso zum Grünling. Und beim Kahlen Krempling sind die exakten Mechanismen ebenso nicht wirklich offengelegt. Diese Pilze können bzw. könnten unter Umständen tödlich wirken. Ab welchen verspeisten Mengen setzt die Giftwirkung ein? Spielt der regelmäßige Verzehr eine Rolle? Was bedeutet "regelmäßig"? Gibt es regionale Unterschiede in der Giftigkeit? Spielen individuelle Verträglichkeiten eine Rolle? All das weiß man nicht wirklich. In diese ziemlich unklare Faktenlage hinein bereitetst Du Dir nun diese Pilze einmal zu und sagst "Also ich hab sie gut vertragen." Davon kann man - mit Verlaub - überhaupt nichts ableiten, nicht mal für Deine eigene individuelle Verträglichkeit.


    Ich persönlich kann nicht nachvollziehen wieso man hier mit der eigenen Gesundheit spielt und sich zwanghaft auf die Pilze stürzt die Experten zumindest als giftverdächtig deklariert haben. Der Wald steht voll von herrlichen Speisepilzen - was kostet es Dich diese wenigen Arten welche gerade umstritten und in der Diskussion sind wegzulassen? Welchen Schaden hast Du vom Verzicht? Wenn man Arten probieren möchte die als minderwertig oder als magen-darm-kritisch angesehen werden (Netzhexe bspw.) - warum nicht. Aber wozu muss man mit potentiell tödlich giftigen Arten herum experimentieren?


    Moin Thomas, ich würde eher in der Gattung Hebeloma nachblättern ;)


    Oje..da hab ich mich wohl verrannt. Bei dem Spp-Abdruck wäre Hebeloma natürlich genauso angezeigt gewesen wie Inocybe - aber ich hab das aus irgendeinem Grund gar nicht erst in Erwägung gezogen. Manchmal braucht es einfach einen sanften Schlag auf den.. :haue: Danke für den Hinweis! Ich habe mal in GPBW geblättert und bin bei H. sacchariolens heraus gekommen - wobei das ja mittlerweile eine Artengruppe zu sein scheint. Laut GPBW schwärzt bei H. sacchariolens das Exikat nicht beim Trocknen, bei einigen anderen dieser Artengruppe schon. Zumindest das kann ich ja mal über Nacht ausprobieren.


    Die Geruchsangaben in der Literatur zu dieser Art sind übrigens spannend: Tintling.com schriebt von "parfümierter Kakaoseife". Im GPBW heißt es "aufdringlich süßlich parfümiert"; Bon schreibt "süßlich-aromatisch nach Orangenblüten". Bon trifft es für mich am besten - der Geruch nach extrem süßlich duftenden Blüten wie Orange oder Jasmin ist wirklich frappierend. Wieder was gelernt :)

    Ich hab am vergangene Sonntag ein Fund gemacht den ich nicht so recht einsortiert bekomme.


    [font="Helvetica, Arial, sans-serif"]Fundort [/font][font="Helvetica, Arial, sans-serif"]auf Kalk im Hainbuchen-Laubwald. [/font][font="Helvetica, Arial, sans-serif"]Mittelgroßer Pilz, Hut eher glatt und auf den ersten Blick nicht radial faserig, hygrophan. Der eingetrocknete Hut ist nun creme-farben und hat eine seidige Oberfläche Die Lamellen angewachsen (fast frei wirkend). Ganz bemerkenswert ist der Geruch: extrem süßlich, für meine Nase eindeutig nach Jasmin. Spp-Abdruck ergab ein fahles braun das ich mal als grau-braun interpretiere. Ich denke dass es ein Risspilz sein könnte, da würde der Habitus auch passen. [/font]


    [font="Helvetica, Arial, sans-serif"]Leider ist im Eifer des Gefechts nur dieses eine Foto entstanden. Bekommt man den Fund mit meinen Angaben eingegrenzt?[/font]



    Dass der Schwefelporling auf Eibe giftig wird, weiß ich von Aussagen im Münchner Pilzverein. Solltest Du hierzu noch etwas finden, würde ich mich freuen, wenn du mich benachrichtigen würdest, da es ich mich auch sehr interessiert.


    Hallo Thomas,


    im Flammer wird die Aufnahme von Giftstoffen der Eibe durch Pilze erwähnt. Es gibt nicht nur dokumentierte Fälle von Schwefelporlingen an Eibe sondern auch glaubwürdige Vergiftungsfälle von Steinpilzen die unter einer Eibe wuchsen.

    zu 5)


    mir fällt auf den Bildern auf dass scheinbar blasenförmig eingeschlossene Luft unter der Huthaut zu sehen ist - genau so wie man es vom Bleiweißen Trichterling kennt (der wäre daher auch meine erste Idee gewesen). Ich kenne diese Eigenschaft nur noch von anderen Trichterlingen. Die Frage ist nun: "können" das auch Arten in anderen Gattungen?


    Das ist rein optisch m.E. T. terreum - typisch ist der filzige, fast wollige graue Hut...


    Hallo Konrad,


    eine Zwischenfrage: mir ist bei einigen Funden von Erdritterlingen aufgefallen dass die Lamelllenscheiden auffällig gesägt waren. Bei dem VFund hier kann man das im Ansatz auch ganz gut erkennen. Diese Eigenschaft haben wohl alle Erdritterlinge aber in unterschiedlicher Ausprägung? Ist das eher Streuung innerhalb der einzelnen Arten oder weisen bestimmte Arten hier eine besonders stark bzw. gering ausgeprägte Sägeblatt-Struktur auf?

    Hallo,


    wichtig wäre noch zu wissen: roch der Pilz nach Mehl? Riecht eine verletzte Stelle (Schnittfläche) nach Mehl? Schmeckt er nach Mehl?


    Ich sehe auf dem Bild Kiefernnadeln - da kommt mir gleich T. terreum in den Sinn. Der dürfte weder nach Mehl riechen noch schmecken.


    So ist es. :thumbup: Weder Geruch noch Geschmack sind bei Trich.terr. mehlgurkig.


    Danke für die Klarstellung - das scheint mir ein wichtiger Hinweis zu sein. Die Sache mit dem Mehl bei den Erdritterlingen ist schon sehr divers: manche riechen unverletzt danach, einige erst nach Verletzung, andere gar nicht. einige schmecken danach, andere nicht. Gefühlt scheint alles in allen Kombinationen vorzukommen ;)

    Hallo,


    ich danke Euch zunächst sehr für Eure Beiträge. Ich hatte ja gehofft dass der Gegenwind etwas geringer ausfällt - aber so ist es mir eigentlich noch lieber weil ich dadurch mehr für mich aus diesem Thread mitnehmen kann. :cool:


    Zunächst noch einige Anmerkungen zum Fundort: Der Park ist vermutlich schon sehr alt denn die Bäume dort sind allesamt sehr groß und stattlich. Man hat heimische und exotische Baumarten durcheinander gepflanzt (wie dass in Schlossparks nicht selten der Fall ist) - und Laub- wie Nadelbäume wechseln sich häufig ab. Zwischen den Bäumen sind teils verstrauchte Bereiche zu finden aber auch viele Wiesen unterschiedlicher Art. Direkt an den Wegen findet man auf den wiesen meist eine stark moosige Zone. Ob der Boden im Park eher kalkig ist weiß ich nicht - allerdings ist zu vermuten dass entlang der geschotterten Wege Oberflächenkalk vorhanden sein könnte.


    Was Pilze angeht ist der Artenreichtum dieses Parks für mich absolut verblüffend. Auf meinen Touren durch die Kalklaubwälder um Jena habe ich weniger Arten entdecken können wie hier. Auf unserer Tour durch den Park habe ich bspw. so viele Schnecklingsarten gesehen wie nie zuvor; auch fanden sich hier und dort viele (unterschiedliche) stattliche Cortninarien. Risspilze unterschiedlicher Art waren auf einigen Wiesen in Massen vorhanden. Neben dem Park befindet sich ein alter sowjetischer Friedhof (ebenfalls sehr sehenswert) der nur von wenigen Besuchern betreten und vermutlich auch nicht allzu intensiv bepflegt wird. Hier fand sich auf den Wiesen bspw. gelbe und weiße Wiesenkeulen oder Saftlinge (Schwärzender S., Kirschroter S., Papageien-S.).


    Ich nehme an dass der Park durch seine sehr abwechslungsreiche Gestaltung auch sehr unterschiedliche Mikro-Biotope aufweist wodurch sich örtlich eng begrenzt spezielle Pilzarten ansiedeln. Das könnte erklären wieso so viele unterschiedliche (Erd-)Ritterlings-Arten vorhanden waren. Braune und weiße Ritterlinge waren übrigens nicht zu finden, lediglich der Schwefelritterling zeigte sich an einigen Standorten (unter riesigen Buchen).




    Die 4 ist aus meiner Sicht schlicht und einfach Tricholoma scalpturatum.
    Die Gruppe ist aber schon ziemlich bös, allerdings würde ich unter Tricholoma inocyboides auch einen sehr hellen (weißen oder fast weißen), ziemlich schmächtigen Pilz verstehen. Der Buckel kann mal rauswachsen im Alter, lässt sich aber auch dann meist noch ertasten.


    Ich gebe zu: meine Hypothese war doch "etwas" sehr mutig. Ich bekomme diesen Artenkomplex der Gilbenden Ritterlinge noch gar nicht auseinander - was schade ist weil die gilbenden Erdritterlinge zur Zeit auch im Stadtgebiet ein sehr häufig anzutreffender Pilz ist. Den Hinweis auf T. inocyboides als schmächtige Art nehme ich daher dankbar zur Kenntnis, ebenso das unterschiedliche Verhalten beim Gilben. :)




    Allerdings fehlen mir hier doch einige Informationen... Was für eine Ökologie lag vor?? ich vermute Kalk-Laub"wald"? Wie groß sind die Frunktkörper? Sehen alle so schmächtig aus.. Bilder von frischen FKern hätte ich zudem besser gefunden..


    Hallo Konrad,


    Danke für Deine Meinungen zu den einzelnen Funden. Deine Kritik ist berechtigt - Bilder direkt vom Fundort - am besten von einer Kollektion - hätten es schon sein sollen. Im Nachhinein ärgere ich mich selbst darüber. Das meinte ich mit meinem eingangs erwähnten Hinweis der "sauberen Arbeitsweise". Ich muss mir das unbedingt angewöhnen sonst komme ich bei der Bestimmung von solchen nicht einfach Artenkomplexen wohl nicht weiter. Leider lässt sich der Umstand der fehlenden Bilder für diese Funde nicht mehr korrigieren, aber fürs beim nächste Mal behalte ich das im Hinterkopf. Es fällt mir auch zugegebenermaßen schwer im Augenblick des "Jagdfiebers" für jeden Fund die notwendige Sorgfalt walten zu lassen: sichten, frei legen, zu ener Kollektion gruppieren, Bilder machen; mehrere Fruchtkörper vorsichtig entnehmen und am besten separiert mit einem Hinweis (wegen Zuordnung er Fotos) verstauen..




    T. basirubens ist ein Pilz mit dicht filzig-wolliger, nicht schuppiger Hutoberfläche, der an der Stielbasis leuchtend pink wird (fast wie ein Leuchtmarker, so dass man meint, jemand hätte den Pilz aus Scherz angemalt).
    [..]
    Leider sind auch hier keine Stielrhizoiden zu erkennen, deren Farbe man beurteilen könnte. Also: mit Restunsicherheit für T. orirubens.


    Auf diesen (letztlich naheliegenden) Verdacht bin ich selbst nicht gekommen, danke für den Hinweis. Jetzt wo Du aber die kräftige Margenta-Verfärbung der Stielbasis bei T. basirubens erwähnst (kannte ich so noch nicht) - genau dies ist mir bei meinem Fund auf den Bildern aufgefallen: lokale und abgegrenzte margenta-farbene Verfärbungen an der Stielbasis (auf den Bildern kann man vielleicht erkennen was ich meine). Allerdings schreibt FNE4 dass T. orirubens nicht nur blaue sondern auch magenta-Verfärbungen aufweisen kann - was mich wieder etwas ratlos zurücklässt. Wie kann man nun die beiden rötenden Arten verlässlich auseinander halten?


    So, jetzt zum Tigerritterling. Wie ihr wisst, experimentiere ich seit zwei Jahren mit diversen Reagenzien an Ritterlingen herum. Da Ritterlingsarten sehr unterschiedlich auf Guajak reagieren, in etwa mit Täublingen vergleichbar, könnte dies zur Bestimmung eingesetzt werden, wenn es sich als hinreichend reliabel herausstellen sollte. Bei Ritterlingen reagiert das Guajak generell etwas langsamer als bei Täublingen. Es erwies sich als am praktikabelsten, nach dem Auftragen etwa 30 Sekunden abzuwarten und dann das Foto zu machen. So ergaben sich die größten Abweichungen in der Reaktion.
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    Hallo,


    das sind spannende Experimente die Du uns hier vorstellst. Wenn die kräftige Reaktion beim Tigerritterling tatsächlich reproduzierbar wäre dann wäre das in der Tat ein tolles Werkzeug um diese Art von den ähnlich aussehenden Erdritterlingen abzugrenzen. In jedem Fall ermutigt mich Dein Bericht selbst mal gefundene Erdritterlinge mit Gujak zu traktieren. :cool: Ich freu mich auf weitere Erkenntnisse zu diesem Thema!

    Hallo,


    schöne Funde die Du uns hier zeigst! Den Grünling oder den Frostschneckling durfte ich selbst noch nicht finden, insofern freue ich über die Bilder dieser Arten ganz besondern. ;)


    Moment mal, mag sich jetzt so mancher denken - Oehrling im Leindorfer Sandkasten, und keine Weißbraunen Ritterlinge zu sehen? Doch, es gab auch von denen welche, nur wollte ich dazu einen eigenen Beitrag aufmachen. Also bitte ich um noch etwas Geduld.


    Ich bin schon sehr gespannt auf diesen angekündigten Beitrag! :)

    Mittlerweile hat sich der Hallimasch - zumindest hier in Thüringen - doch noch aus dem Versteck getraut. Vor einer Woche war er im Kalk-Laubwald die häufigste Artengruppe und wuchs teilweise wie gesät überall durchs Laub und scheinbar direkt auf dem Boden; man konnte keinen Schritt tun ohne Fruchtkörper zu zertreten. Auch dieses Wochenende war er bspw. in einer Parkanlage extrem häufig vertreten.

    Hallo,


    am gestrigen Sonntag unternahm ich mit einem Bekannten aus der ThAM eine gemeinsame Exkursion. Er zeigte mir ein wirklich tolles Gebiet - der Schlosspark rund um das Schloss Belvedere in Weimar. Ich kenne die Anlage dort natürlich von Besuchen - aber Pilze hab ich dort noch nicht gesucht. Ein Fehler - der Artenreichtum ist wirklich immens.


    Neben unzähligen Arten die wir dort finden konnten gab es dort auch zahlreiche Erdritterlinge, denen schon bei der Auffinde-Situation anzusehen war dass es sich nicht immer um die gleiche Art handelt. Ich habe mal einen ganzen "Schwung" mit nach Hause genommen und mich an einer Bestimmung versucht. Als Literatur stand mir hauptsächlich das Fungi of Northern Europe Band 4 (FNE4) zur Verfügung. Ich möchte hier mal meine Versuche vor- und zur Diskussion stellen.


    Um eines vorweg zu nehmen: ich muss mir unbedingt angewöhnen sauberer zu arbeiten. Gerade in einem sehr alten Park mit sehr vielen unterschiedlichen und teils exotischen Bäumen sollte ich mir unbedingt die Fundsituation aufzuschreiben. Das habe ich leider unterlassen - und so kann ich mich nun bei den wenigsten Funden erinnern welche Bäume in unmittelbarer Umgebung standen (und welche nicht). Ich bitte Euch mir diese Unterlassung nachzusehen - bei meinen kommenden Exkursionen muss ich mir das ganz dringend angewöhnen. Zu allem Überfluss rutschte mir kurz vor Ende der volle Pilzkorb aus der Hand - und alles war durcheinander. Ich musste daher zu Hause jeden Fruchtkörper einzeln bearbeiten, so einige Fruchtkörper überlebten diesen Unfall auch nicht.


    Sämtliche Detail-Bilder sind etwa 24 Stunden nach dem Fund erfolgt, die Pilze lagen über Nacht in der warmen Küche (ich wollte eventuell Farbreaktion forcieren).



    Hier zunächst ein Bild mit allen Funden:





    3) Fundort vermutlich an bei Laubbäumen (aber welche?). Beim Finden fiel mir die bläuliche Verfärbung an der Stielbasis noch nicht auf; zu Hause war sie jedoch recht auffällig. Im Grunde kam hier nur noch T.orirubens und T.atrosquamosum in Betracht. Gelbliches Basismycel konnte ich nicht entdecken; allerdings hatte ich den Pilz auch nicht besonders achtsam "geerntet". Nach einem Tag liegen lassen fand ich die Lamellenscheiden und Hutrand merklich errötet vor. Ich traue mich daher diesem Fund den Arbeitstitel T. orirubens zu verpassen.




    4) Die recht einheitlich hell gefärbten Hüte dieses Fundes erinnerten mich gleich an den Gilbenden Erdritterling - und der Verdacht bestätigte sich beim Umdrehen: Fraßgänge in den Lamellen waren kräftig gelb verfärbt. Der merklich mehlige Geruch des unverletzten Fruchkörpers und der mehlige Geschmack waren weitere Indizien. Auffällig ist auch die kräftige Gelbverfärbung an der Stielbasis die meines Erachtens erst über Nacht so richtig auftrat. Leider habe ich es versäumt einem jungen Fruchkörper mitzunehmen - ich meine aber einen solchen in der Hand gehabt und einige zwischen Hut und Stiel gespannte Cortina-Fäden entdeckt zu haben. Andererseits hatte ich an diesem Tag viele Erdritterlinge in der Hand - war es genau an der Fundstelle dieses hier abgebildeteten Fruchkörpers?! Wen dem so wäre und zudem annehmend dass diese nur sehr gering ausgerpägte Cortina repräsentativ ist dann könnte man T. scalpturatum ausschließen (dieser weißt keine Cortina auf) und T. argyraceum ebenso (dieser hat eine kräftig ausgeprägte Cortina?) - und ich lande bei T. inocybeoides. Aber letzten Endes ist das jetzt alles nur wild spekuliert. Wie bekomme ich (ohne Mikro?) diese drei Arten halbwegs sauber auseinander dividiert?





    5) Dieser Fund erinnerte mich sofort an den Gemeinen Erdritterling, und freudig bemerkte ich das Vorhandensein von herrlichen alten und sehr mächtigen Kiefern in unmittelbarer Umgebung. Der Hut war auffallend dicht und fein grau geschuppt; die Lamellen sehr hell, fast weiß. Der Stiel ebenfalls nahezu weiß und nicht von schwärzlichen oder bräunlichen Fasern/Schüppchen überzogen. Der Geruch war nicht mehlig, weder beim intakten noch beim zerschnittenen Fruchkörper. Auch der Geschmack war nicht mehlig. Ich meine daher hier T. terreum vor mir zu haben.





    6) Diesen Fund fand ich bereits bei Entdecken spannend weil mir solch eine große Hutschuppung bislang selten begenet ist. Leider ist mir der Pilz beim Transport in seine Einzelteile zerfallen. Bäume in der Nähe vermutlich nur Laub. Der Geruch des intakten Fruchkörpers war nicht mehlig sondern leicht süßlich mit einer stechenden Note die man als pfeffrig interpretieren könnte. An der Schnittfläche roch jedoch deutlich mehlig. Geschmack war mehlig und mild. Verfärbungen am Stiel oder Lamellen konnte ich am Abend des Fundtages nicht feststellen. Auffällig erscheint mir der kräfitg überfasterte/bzw. geschuppte Stiel mir schwärzlichem Filz. Mit dem FNE4-Schlüssel bin ich dann recht zügig bei T. squarrulosum gelandet.



    7) Dieser Fund landet unter der Annahme im Korb es sei vermutlich die gleiche Art wie Pilz 6. Zu Hause bemerkte ich dann jedoch Unterschiede. Der Geruch war zunächst nicht mehlig, im Schnitt trat dann aber eine Mehl-Note zutage. Der Geschmack war kräftig mehlig und mild. Nach einer Nacht im Warmen wies der Fruchtkörper jedoch eine merkliche rötliche Verärbung an der Stielbasis auf die mir Tags zuvor nicht aufegfallen war. Nach einem weiteren halben Tag ist nun der gesamte untere Bereich des Stiels leicht rötlich angelaufen. Ich bin daher versucht diesen Fund T. basirubens zu benennen.




    1) Hier kenne ich die Fundsituation nicht mehr. Hut ist grau und fein geschuppt, Lamellen sehr hell. Geruch nicht mehlig, auch Geschmack nicht. Der Stiel ist ebenso fast weiß und kaum überfasert. Verwundert hat mich der keulig verdickte Stiel. Im Schnitt viel der hohle Stiel auf. Nach einem Tag liegen lassen fällt keine Verärbung an Lamellen oder Stiel auf. Ich würde ihn daher als T. terreum bezeichnen. Detail-Bilder habe ich leider nicht gemacht.


    2) Zur Bearbeitung dieses Fundes bin ich nicht gekommen. Nach einem Tag liegen fiel mir beim Fotografieren die bläuliche Stielspitze auf. Die Lamellenscheiden haben sich zudem rötlich/bräunlich verfärbt. Daher könnte man hier (ohne Geruchs- und Geschmacksprobe) ebenfalls den Namen T. orirubens vergeben? Detail-Fotos liegen leider nicht vor.



    8) Bei diesen Funden fand ich den extrem dünnen Stiel auffällig; mangels Zeit habe ich mich jedoch mit diesen Funden nicht befassen können; nun liegen sie nur noch arg eingetrocknet vor. Detail-Fotos liegen leider nicht vor.




    Fazit: wieso immer Wald wenn der Park mindestens ebenso viel zu bieten hat? Der Artenreichtum war wirklich gewaltig; allein Hygrocybe und Hygrophoris zusammen brachten mehr als 10 Arten zusammen. Dass derartig viele mutmaßlich! unterschiedliche Erdritterlinge auf so kleinem Terrain zu finden sind hat mich ebenfalls sehr überrascht.


    Ich freue mich über Meinungen und Kritik zu meinen Bestimmungsversuchen. Ritterlinge machen mir gerade viel Freude (weil man ohne Mikroskop doch recht weit kommt) - daher bin ich über jedwede Anmerkungen zu meinem obigen Bericht sehr dankbar.

    Nachtrag: mittlerweile ist mir klar wieso sich die Pilze auf der kleinen Wiese so schnell verbreiten konnten. Nur wenige Tage nach meinen Post kamen die Rasenmäher und die gesamte Wiese wurde - mit allem was dort drauf steht und kein Baum ist - sehr knapp über dem Boden gekappt und in sehr kleinen Stücke zerhexelt über die Wiese verteilt. Das ist fast noch effektiver als der Sporentransport mittels Wind :cool:

    Zitat


    23) Ein paar alte mutmaßliche Sparrige Schüpplinge (Pholiota squarrosa) durften auch mit aufs Bild.


    Und die hatten auch schuppige Stiele? Hätte ich gar nicht erkannt. Muss an der Farbe liegen.


    Hallo Ingo,


    ich gebe zu dass meine (im sonstigen wirklich tolle) Kamera bei gelben Farben mitunter die Segel streicht. Das ging mir bereits neulich so als ich einen Schwefelritterling im Moos ablichten wollte - auf dem Bild war der Pilz dann allenfalls creme-Farben und keinerlei Spur vom Gelb war mehr zu sehen. Gut möglich also dass das auch bei diesem Bild zugeschlagen hat. Ich hab die Pilze auf jeden Fall sehr viel gelblicher in Erinnerung.


    19) Ein kleiner Unbekannter; meine spontane Idee waren (Feuer)Schüppling.


    Ich greife meinen Faden nochmal auf: könnte es sich bei diesem obigen Unbekannten um den Schuppigen Raukopf handeln? Ich hätte meinem Fund doch mal ein Spp-Abdruck abringen sollen, dann hätte ich zumindest etwas mehr Sicherheit..


    zur späten Stunde noch ein paar Fotos des Grünspan-Träuschlings, - Stropharia aeruginosa - vom nun vergangenen Wochenende. All zu häufig finden wir ihn nicht, diesen wunderschönen Pilz. Den Fund möchten wir teilen.


    Hallo Markus,


    schöne Bilder! Dass er bei Euch selten ist wundert mich etwas, bei uns ist er zur Zeit im Laubwald (auf Kalk) ein Massenpilz 8|


    Ansonsten muss ich dich unbedingt mal besuchen kommen. ICH WILL PHLEGMACIEN. :cool: Deren Bestimmung macht großen Spaß. :sun:


    Leider kann ich dir bei den anderen Cortinarien nicht helfen. Wenn du dich da weiter mit Schleierlingen befassen willst, dann 2 Ratschläge.


    1. Besorg dir 20-40%iges KOH
    2. Besorg dir die Funga Nordica (sie wird bad wieder erhältlich sein)


    Hallo Stefan,


    dann sollten wir mal über einen Besuch in Jena sprechen.. ;)
    Du schreibst dass die Funga Nordica bald wieder erhältlich sein wird - hast Du da genauere Infos?




    P. S.: als PSV darf man ruhig auch mal was selbst zu bestimmen versuchen, was man zunächst für unbestimmbar hält, das schärft die persönliche Kompetenz ;)


    Hallo Stephan,


    Kritik angekommen :shy: Ich gebe zu dass ich bei den Schleierlingen nicht mal versucht habe zu bestimmen. Allerdings ist im Bücherschrank nur Bon und GPBW vorhanden - aber damit hätte man durchaus mal starten können. Den Täubling wollte ich nach Ermittlung der Spp-Farbe schlüsseln. Den viel beschworenen Heringsgeruch konnte ich bislang nie als solchen wahrnehmen (was die Bestimmung als Heringstäubling nicht einfacher macht); bei meinem Fund fehlt bis jetzt jeglicher Geruch. Der Test mit Eisensulfat schlug leider fehl - meine Reagenz ist (wieder mal) "abgelaufen". Ein Kristall ist zur Zeit leider nicht zu bekommen, ich brauche also wieder ein neus Fläschchen (was dann wieder nur ein Jahr halten wird).


    Zu den Schleierlingen: ich werde heute Abend mal mit KOH panschen.




    Sehr schöner Beitrag! Zu den Schleierlingen vermag ich nichts zu sagen, aber das Grüne über deinem Täubling ist Hypomyces viridis. Schöner Fund übrigens ;)


    Danke für die Bestimmung! Hypothetisch gefragt: ich könnte den befallen Täubling trotz des Befalles essen?