Dunkelsporer unter Schwarzerle - Naucoria striatula?

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  • Hallo,


    bei der Begehung eines neuen Gebiets stieß ich auf diese kleinen Dunkelsporer mit Helmingshabitus:


    Fundort in einer morastigen Niederung unter Schwarzerle (ein Biotop mit dem ich bislang mykologisch wenige Berührungspunkte hatte). Die Pilze standen gesellig beieinander.


    Hut ocker- bernsteinfarben, Hutmitte dunkler und mit angedeutetem Buckel. Am Hutrand (mindestens 1/3) durchscheinend und dadurch gerieft wirkend Hygrophan; im Alter am Hutrand risspilzartig aufreißend.

    Lamellen ebenfalls ockerfarben, breit angewachsen und mit Zahn herablaufend. Lamellenschneiden nicht farblich abgesetzt.

    Stiel <2mm und sehr lang, gebogen; ockerfarben. Unterm Auflichtmikroskop kann man eine teils feine weißliche Überfaserung erkennen.

    Geruch unauffällig, Geschmack mild.






    Sporen 11,4 x 5,9µm; Q=1,93; grobwarzig; mandel- zitronenförmig.





    Vor Ort glaubte ich noch an eine Telamonie, aber zu Hause fand ich keinerlei Schleierreste am Stiel. Da der Fundort klarmachte, dass es sich um einen Erlenfolger handeln musste, habe ich einfach mal danach gesucht und bin schnell auf die Gattung Naucoria (Erlenschnitzlinge) gestoßen. Laut Literatur wird in den Schlüsseln zunächst nach Form der Cheilozystiden gefragt, also hab mal mein bestes mit der Rasierklinge gegeben und nach Cheilos gesucht: eindeutig brennhaarartig.





    Mit der Bestimmung tue ich mich schwer: bestimmungsrelevant sind die Hutfarben (immer ein streitbares Thema), der fehlende bittere Geschmack (wobei Ludwig erwähnt dass teils Sippen bitter oder nicht bitter sein können ) und die durchscheinende Radialzeichnung, die allerdings bei Abtrocknung verloren geht. Am besten gefällt mit Naucoria striata striatula, dem Gerieften Erlenschnitzling.


    Geht ihr bei der Bestimmung mit?


    P.S.: je länger ich mir meine eigenen Bilder ansehen, desto mehr Zweifel kommen mir: einer der Fruchtkörper (Bild 3 ganz oben; Bild vier ganz links) scheint optisch nicht ganz dazu zu passen, vor allem wegen des Stiels. Könnte ich hier vielleicht zwei Arten vor mir haben?

  • Hallo Thomas


    Ja, der eine mit dem gewölbten Hut und dunklen Stiel ist vermutlich was anderes.

    Welchen hast du mikroskopiert?


    Die mit dem flachen Hut könnten Naucoria subconspersa oder umbrina sein, wenn die Mikros von denen sind.

    Am besten gefällt mit Naucoria striata, dem Gerieften Erlenschnitzling.

    Naucoria striata ist eine dubiose, nordamerikanische Art. Du meinst vermutlich N. striatula? Der gilt als Synonym von N. umbrina.


    LG Raphael

  • Hallo Raphael,


    ich habe da tatsächlich den Namen verwechselt, ich meinte natürlich N. striatula. Ich finde das Schlüsseln in der FN anhand der Farben eher schwierig. Gibt es da etwas akuelleres?


    Ich fürchte dass ich nicht mehr exakt zusammenbringe, was ich mikroskopiert habe, weil ich an mehreren Fruchtkörper mit der Rasierklinge unter der Stereolupe herumdilettiert und verschiedentlich unters scharfe Glas gelegt habe. Glücklicherweise befindet sich der Fundort nur einen km von meinem Wohnort entfernt, so dass ich die Tage nochmal vorbeischauen und frisches Material holen werde. So kann man das ja nicht stehenlassen :)

  • Chorknabe

    Hat den Titel des Themas von „Dunkelsporer unter Schwarzerle - Naucoria striata?“ zu „Dunkelsporer unter Schwarzerle - Naucoria striatula?“ geändert.
  • Hallo Thomas

    Ich finde das Schlüsseln in der FN anhand der Farben eher schwierig. Gibt es da etwas akuelleres?

    Das liegt nicht an der FN; sondern an der Gattung ;)

    Auf die Farben kann man sich kaum verlassen, zumal wenn die Fruchtkörper nicht mehr topfrisch sind.

    Einen vollständigen Schlüssel gibt es leider nicht, in der FN fehlen auch einige Arten.


    Der Schlüssel hier ist ganz ok, aber auch veraltet: Henrici, A. 2009. Keys to Naucoria in Britain. Field Mycology 9 (2): 55-62


    Aus Italien gibt es eine recht gute Arbeit aus dem Jahr 2022:

    Consiglio, G.; Marchetti, M. 2022. Contributo alla conoscenza del Genere Alnicola. Rivista di Micologia 65(2): 5-95

    Leider aber auch nicht vollständig, und im Schlüssel sind nur die dargestellten Arten drin.

    Aber immerhin mit schönen Fotos und guten Beschreibungen. Zwar auf italienisch, aber das ist mit KI zum Glück kein Problem mehr.


    Oder sonst die belgischen Papers:

    de Haan, A. 2009. Waarnemingenin het genus Alnicola (Zompzwam) in Vlaanderen (1). Steerbeckia 29: 32-43

    de Haan, A. 2011. Waarnemingenin het genus Alnicola (Zompzwam) in Vlaanderen (2). Steerbeckia 30: 3-13

    de Haan, A.; Moreau, P.-A. 2012. Waarnemingen in het Genus Alnicola (zompzwam) in Vlaanderen (3). Sterbeeckia. 31: 3-15


    Und dann natürlich diverse Papers von Moreau, der sich aber auf die Beschreibung neuer Arten konzentriert und (fast) keine Schlüssel erstellt hat.


    LG Raphael