Parasol (Macrolepiota procera)? Riesenschirmling aus Mischwald bei Berlin – Bitte um Bestimmung

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 752 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Albus.

  • Hallo zusammen,


    wir haben heute, am 18. Oktober, in einem Mischwald bei Berlin einen größeren Schirmpilz am Wegesrand gefunden, an einem lichten, sonnigen Standort. Wir vermuten einen Gemeinen Riesenschirmling (Macrolepiota procera) und würden uns über eure Einschätzung freuen, besonders zu Verwechslungspartnern.


    Fundumstände

    - Region: Berlin, Mischwald, am Wegesrand, lichter und sonniger Standort

    - Funddatum: 18. Oktober


    Beobachtungen

    - Hut: ca. 15 cm Durchmesser, schirmförmig, hellbraun bis beige mit dunkelbraunen, abstehenden Schuppen, in der Mitte ein dunklerer Buckel

    - Lamellen: dicht, hell cremefarben bis beige, frei, sie enden vor dem Stiel

    - Stiel: hohl, bricht faserig, mit auffälliger brauner Natterung

    - Geruch: angenehm bis neutral, nichts Unangenehmes

    - Verfärbung: Das Fleisch verfärbt sich bei Druck und im Schnitt nicht. Im Stielquerschnitt wirkt es auf einem Foto stellenweise rötlich.

    - Ring und Stielbasis: bisher nicht ausreichend beurteilt, sie sind auf den Fotos nicht klar zu sehen

    - Sporenpulver: nicht gemacht


    Uns ist klar, dass diese Merkmale allein keine sichere Bestimmung erlauben.


    Unsere Fragen

    1. Ist Macrolepiota procera plausibel, oder sprechen Merkmale dagegen?

    2. Welche Merkmale grenzen den Fund von Chlorophyllum brunneum ab?

    3. Wie wichtig sind Ring, Stielbasis und Fleischverfärbung bei diesem Exemplar?

    4. Welche weiteren Fotos oder Untersuchungen helfen?


    Wir möchten vor allem lernen, die entscheidenden Merkmale selbst zu erkennen. Vielen Dank für eure Hilfe!


    Fotos: 1 Hutoberseite, 2 Stiel mit Lamellenansatz, 3 Längsschnitt, 4 Lamellen, 5 Stiel mit Natterung

  • Hallo und herzlich Willkommen im Forum!



    Zitat

    1. Ist Macrolepiota procera plausibel, oder sprechen Merkmale dagegen?

    Ich denke M. procera ist plausibel, aber meiner Einschätzung nach nicht gänzlich gesichert.


    2. Welche Merkmale grenzen den Fund von Chlorophyllum brunneum ab?

    Chlorophyllum bruneun hätte zum Beispiel unter anderem keine Natterung am Stiel. Diese ist bei deinem Exemplar deutlich zu erkennen.


    Ein Längsschnitt (wie du Foto 3 benennst) zeigst du jedoch nicht. Längsschnitt heißt den Pilz von oben bis unten zu Halbieren, der Länge nach, und die Innenseite fotografieren. Nicht den Stiel querzuschneiden, oder Längsschnitte in den Stiel und die Aussenseite fotografieren.

    Da hätte man sehen können, daß das Fleisch und die Lamellen nicht röten.


    Chlorophyllum bruneun würde ich ausschliessen aber es gibt noch sehr viele andere Riesenschirmlinge



    3. Wie wichtig sind Ring, Stielbasis und Fleischverfärbung bei diesem Exemplar?

    Der Ring wäre wichtig gewesen, aber der geht mal verloren oder fällt runter.


    M. procera hätte einen "doppelten Ring", der Gartensafranschirmling nur einen einfachen.

    Der Ring ist auch wichtig bei der Abgrenzung von anderen Großschirmlingen.


    Die eigentliche Fleischverfärbung sieht man wegen des fehlenden Längsschnitts nicht.

    Man kann jedoch vermuten, daß es keine Fleischverfärbung gibt, da die Lamellenenden, da wo sie verletzt sind nicht gerötet sind - so scheint es zumindest.

    Bei den Safranschirmling würden auch die verletzten Lamellen röten.


    Das der Stiel da wo er abgebrochen ist etwas rötet ist nicht untypisch für manche Unterarten und Varietäten der Großschirmlinge.


    Stielbasis kann man so mit Erde bedeckt nicht gut beurteilen.

    4. Welche weiteren Fotos oder Untersuchungen helfen?

    Wie gesagt ein Längsschnitt, Foto der Innenseite, oder vom Fleisch nach Abbruch eines Teils vom Hut, (und vom Ring).

    Ruhig auch den Pilzfruchtkörper stärker an den Lamellen / Hutfleisch verletzen gerade wenn man rötende Schirmlinge ausschliessen will!

    Fotos bei Tageslicht sind besser, geht aber nicht immer.


    Es gibt mehrere Riesenschirmlingsarten, die sehr ähnlich aussehen können, eine genaue Identifizierung ist manchmal nur durch Bestimmung der Sporenpulverfarbe, oder sogar erst nach einer genetischen Untersuchung möglich.


    Eine Verzehrfreigabe gibt es generell in diesem Forum nicht.


    Mit freundlichen Grüßen,

  • Hallo Albus,

    herzlichen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort!

    Ich habe den Pilz jetzt von oben bis unten der Länge nach halbiert (Foto 1). Hut- und Stielfleisch sind innen weiß, und im Schnitt kann ich keine Rötung erkennen. Auch an den verletzten Lamellen sehe ich keine Rötung.

    Die Stielbasis habe ich abgewaschen, die Erde klebt aber so fest, dass ich sie nicht vollständig abbekommen habe (Foto 2).

    Die Natterung am Stiel und die übrigen Merkmale sprechen für mich weiterhin am ehesten für Macrolepiota procera. Mir ist aber klar, dass die Bestimmung anhand der Fotos nicht abschließend gesichert ist.

    Vielen Dank noch einmal!

    Viele Grüße

    Fotos: 1 Längsschnitt, 2 Stielbasis

  • M. procera wäre hier auch mein Favorit. Bei Riesenschirmlingen ist auch der Ring zur Bestimmung hilfreich.


    Sehr schöne Anfrage für's erste mal! Du lieferst viele Infos, das ist löblich.

    Tipp für die Fotos: In der Natur ist die Farbtreue besser als im Kunstlicht und wenn du sie gleich am Fundort machst, sind auch Hinweise zur Ökologie und Begleitbäumen gleich mit dokumentiert.

  • Hallo mycelissimo1 ,


    Sehr gern geschehen.


    Es macht Spaß solche gut gegliederte und ausführliche Anfragen zu beanworten, die sind ansonsten eher selten. Kompliment!

    Besonders toll finde ich, daß du auch deine Fragen nummeriert hast 1. 2. 3.

    So kann man Punkt für Punkt gezielt anworten, und es entstehen keine Mißverständnisse.

    Freut mich auch, daß der FK oben am Hut wie ich's mir gedacht hab, nicht gerötet hat.


    Viel Spaß weiter bei der Pilzbestimmung und im Forum wünsche ich Dir,

    m.f.G.

  • Hallo Albus, hallo Grafei,


    vielen Dank euch beiden für die freundlichen Worte und die hilfreichen Tipps!


    Was ich aus dem Thread mitnehme:

    1. Ein echter Längsschnitt heißt, den Pilz von oben bis unten zu halbieren und die Innenseite zu fotografieren.

    2. Lamellen und Hutfleisch ruhig kräftig verletzen, um rötende Schirmlinge auszuschließen.

    3. Der Ring ist wichtig (bei M. procera doppelt), ebenso eine saubere Stielbasis. Das war in meinem Fall schwierig, da kein Ring mehr sichtbar und die Stielbasis mit hartnäckiger Erde bedeckt war.

    4. Manche Riesenschirmlinge lassen sich nur über die Sporenpulverfarbe oder sogar erst genetisch sicher trennen.

    5. Fotos möglichst direkt am Fundort bei Tageslicht machen, dann stimmen die Farben, und Standort und Begleitbäume sind gleich mit dokumentiert.


    Sehr hilfreich fand ich auch den Vortrag von Christoph Hahn über Riesenschirmlinge auf dem YouTube-Kanal der ÖMG und BMG, der ausführlich auf die Verwechslung mit Safranschirmlingen eingeht:

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    Er hat mich zusätzlich darin bestärkt, dass es sich hier wohl um M. procera handelt.


    Viele Grüße

  • Ja, es ist zu 99% M. procera:


    Hinzufügen wollte ich vielleicht noch folgende Aspekte:


    Ja deiner war zu 99% M.procera.


    1. Bei großen Schirmlingen würde ich immer zuallererst den Stiel begutachten ob eine Natterung vorhanden ist.

    Der Grund ist, daß die Natterungsschüpchen beim Transport oder durch Anfassen auch mal runterfallen können, und wenn das passiert beginnt man dann wieder unsicher zu sein.

    Wenn eine Natterung da ist /da war kann man nicht viel falsch machen.


    2. M. procera hat eine starke Natterung, muß eine haben.

    Die häufigsten Verwechslungspartner des Parasls sind der Zitzenschirmling und der Sternschuppige Schirmling.


    3. Der Sternschuppige hat auch eine Natternung, jedoch nicht so dunkel und so deutlich wie der Parasol.

    Beim Zitzenschirmling ist die Natterung eher schwach oder man kann sie manchmal kaum erkennen.

    Wenn man sich unsicher ist zwischen diesen dreien muß man dann auch die anderen Merkmale vergleichen, und da kgibt es manchmal Grenzfälle wo erst Sporenpulverfarbe (oder Gentest) 100%ige Gewissheit bringen.


    Als Anfänger erst mal alle rötenden und nicht genatterten Schirmlinge absolut meiden, und wenn von den rötenden sich nur langsam eventuell an den Dunklen (Wald)Safranschirmling rantasten. Der Gartensafranschirmling ist giftig.!


    Schöne Grüße,