Blaufüßige Risspilze V: Unbestimmbare alpine Art

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  • Hier der letzte Teil der Serie: Es geht um eine Art aus dem alpinen Bereich, die ich bisher 5x gefunden habe, von 4 davon habe ich Herbarbelege. Eine stammt von saurem Boden, die anderen wuchsen über Kalk. Makroskopisch ähneln sie den Funden von I. praetermissum, ihr Sporen-Quotient liegt aber nur bei 1,95 bis 2,0 (1x 1,87) und die Sporenbreite ist mit einem Av. von 5,86-6,0 µm zu groß. Der Sporenquotient meiner Unbestimmbaren würde gut zu I. calamistratum s. str. (Neotypus) passen, deren Sporenbreite soll aber nur 4,6-5,6 µm (Av. 5,1 µm) liegen und der Hut deutlich struppiger, sparriger sein. I. subhirsutum (Komplex) mit einem Sporenquotienten um 1,6 ist mir bisher noch gar nicht untergekommen. Von den Mikro-Werten her liegen die Funde am Nähesten bei I. gracilentum, dafür scheinen sie aber makroskopisch nicht zu passen und die Cheilozystiden sind nicht so verbogen-gekrümmt wie in Teil III zu sehen. Allerdings habe ich bisher nur diesen einen m. E. sicheren Fund von I. gracilentum, keine ITS-Sequenzen und von daher nicht ausreichend Erfahrung, um die Variabilität dieser Art beurteilen zu können. Wenn es nicht noch eine unbekannte ähnliche Art gibt, dürfte es sich wohl doch um I. gracilentum handeln. Ich lege sie in meinem Archiv erstmal unter I. cf. gracilentum ab.

    Hier Standort-Fotos dieser Art(en) im Überblick:


    Die Aufsammlung aus 2018 (180829_12) erinnert auch makroskopisch an I. gracilentum, die bringe ich hier noch im Detail:

    Studio-Aufnahme von Inosperma cf. gracilentum 180829_12


    Cheilozystiden von Inosperma cf. gracilentum 180829_12


    Sporen von Inosperma cf. gracilentum 180829_12


    In meiner Sammlung fehlen mir bisher leider noch Nachweise von I. calamistratum s. str. und I. subhirsutum Agg.

    Gruß Helmut

  • Ach ja, hier noch die Mikro-Daten zu I. cf. gracilentum 180829_12:

    Sporen (9,3) 10,8-13,7 x 5,5-6,7 µm, Av. 11,9 x 5,86 µm, Q = 1,7-2,3, QAv = 2,0, Cheilozystiden 21-46 x 7-11 µm, Av. 35,1 x 9,4 µm.

    Die Sporenbreite ist dabei für mich noch der größte Widerspruch gegen I. gracilentum (sollte bei 6,0-7,7, Av. 6,5 µm liegen!).

  • Hallo Helmut


    Ich halte das auch für I. gracilentum.

    Die Sporenmasse sind bei all diesen Arten nicht wirklich verlässlich.

    Meine sechs Kollektionen haben folgende Werte:

    21.099: 11.8-12.8-14.6 x 6.0-6.7-7.6 µm, Q = 1.66-1.91-2.19 (sequenziert)

    24.137: 11.5-12.7-14.6 x 5.4-6.1-7.0 µm, Q = 1.88-2.10-2.38 (sequenziert)

    24.180: 8.7-10.1-11.1 x 4.9-5.6-6.1 µm, Q = 1.58-1.81-2.04 (nicht sequenziert)

    24.218: 9.3-10.6-12.1 x 5.1-5.8-6.2 µm, Q = 1.52-1.84-2.11 (nicht sequenziert)

    24.240: 10.8-12.3-14.6 x 5.3-5.8-6.4 µm, Q = 1.69-2.13-2.56 (nicht sequenziert)

    26.065: 8.6-10.6-12.3 x 5.2-5.6-6.3 µm, Q = 1.56-1.90-2.27 (von letztem Wochenende, nicht sequenziert)


    Da korelliert kaum etwas miteinander. Die Kollektionen mit langen Sporen können sowohl bei der Breite als auch beim Koeffizient unterschiedlich sein.

    Man kann allenfalls sagen: Die Kollektionen mit hohem Koeffizient (> 2) haben auch immer Sporen, die im Schnitt deutlich > 5.5 µm breit sind.

    Damit lässt sich zumindest eine vage Abgrenzung zu I. praetermissum machen.


    Man muss sich auf die Gesamtheit der Merkmale verlassen, das eine oder andere kann immer abweichen.

    Das makroskopische Erscheinungsbild ist ganz wichtig. I. gracilentum hat diese struppige Hutmitte, die sehe ich mindestens auf drei deiner Bilder.

    Das hat z.B. I. praetermissum nicht so ausgeprägt, da ist der Hut gleichmässig überfasert.


    Die Zystiden waren bei meinen Kollektionen oft so wie du es oben zeigst:


    24.137


    24.180


    24.240


    Die hier ist vom Wochenende, ich halte es auch für I. gracilentum.



    Meine sequenzierten Kollektionen zeigen immer etwa 1% Abweichung im Blast, vielleicht gibt es da wirklich noch eine weitere kryptische Art.

    Ich werde mal einen Baum erstellen...


    LG Raphael

  • so, weil mich die Sache nicht loslässt, habe ich mal ein Phylogramm mit einigen europäischen Sequenzen erstellt:



    Man sieht daraus folgendes:

    • subhirsutum könnte man vielleicht in zwei Arten aufteilen, das haben Esteve-Raventos et al. ja auch schon geschrieben.
    • Auch bei calamistratum s.str. gibt es zwei Clades
    • Meine Sequenzen (in blau) gesellen sich sehr schön zu subhirstutum II, gracilentum und praetermissum
    • Es scheint in Europa noich mindestens fünf namenlose Arten in der Gruppe zu geben. Meine Kollektionen gehören aber nicht dazu.

    Fazit: Sequenzieren lohnt sich in der Gruppe!


    LG Raphael