Erfahrungen bei der DGfM: Ausbildung Fachberater/in für Mykologie

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  • Hallo Pilzfreunde,

    hat jemand von euch diese Ausbildung vielleicht abgeschlossen und kann vielleicht seine Meinung zu dem Lehrgang hier mitteilen? Ich studiere momentan Biologie im 4. Semester und überlege, ob ich mich auf das Thema Mykologie spezialisieren möchte und ob diese Ausbildung ein richtiger Schritt für mich ist. Was hat euch diese Ausbildung jobtechnisch gebracht? Hat sie sich gelohnt? In was für einem Bereich arbeitet ihr jetzt oder was für Bereiche gibt es, bei dem das ganze einen Mehrwert hat?

  • Hi,

    würde mich auch mal interessieren, wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat und davon leben kann.


    Ich glaub ja, dass hier 99% der User Hobby Mykologen sind und damit - wenn überhaupt - höchstens nen schmalen (eher ehrenamtlichen) Taler machen.

    Vielleicht macht der eine über sozial Media etwas Geld, oder über geführte Pilzwanderungen und -kurse. Ein anderer züchtet Pilze. Ich glaub es gibt auch welche die kartographieren das Vorkommen von Arten in bestimmten Gebieten. Der eine hat ein Buch veröffentlicht, der andere betreibt einen Pilzshop. Und dann wirds schon dünne, oder?


    Kann man mit seinem Pilz-Know-How Geld machen? Das ist vermutlich nicht der Grund, warum man in die Pilze einsteigt.

    Und wenn man das Know-How schon mal hat - kann man damit Geld machen? .. keine Ahnung, bin gespannt, ob jemand die Hand hebt.


    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das überhaupt wöllte - also aus ein Spass-Hobby eine Ernst-Arbeit machen ....

    VG

    Etwaige Bestimmungen meinerseits sind mit keiner "Verzehrfreigabe" verbunden. Bitte sucht hierfür einen Sachverständigen auf, der sich die Pilze vor Ort genau ansehen und sie hinsichtlich Verzehr viel besser bestimmen bzw. ihren Zustand bewerten kann.


    100-10(APR2024)+3(APR2024)=93

  • Hallo Kuba,


    ich fürchte, die Zahl der fertigen Fachberater in Überschneidung mit der Zahl der eu-Foren-User tendiert gegen null.


    Was ich so mitbekommen habe, gibt es unter den Fachberatern solche, die schon einen Job hatten und es als Fortbildung genutzt haben, und solche, die es mit der vagen Hoffnung auf einen Job angefangen haben. Frag' doch eher mal bei Hermine Lotz-Winter, die die Ausbildung koordiniert, ob sie E-Mail-Kontakt zu erfolgreich in Job gekommenen Fachberatern vermitteln kann.


    Mykologie ist für Biologen leider (noch?) kein Gewinner-Thema. Die letzten Stellen, bei denen mykologischer Sachverstand gefragt war und die die DGfM daher als Ausschreibung an ihre Mitglieder verteilt hat, wurden dann letztlich (aufgrund von persönlichen Beziehungen?) an Nicht-Mykologen vergeben.


    Grüße,


    Wolfgang

  • würde mich auch mal interessieren, wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat und davon leben kann.

    Es gibt eine Handvoll Leute, die sich mit Pilzkursen und Kartierungsaufträgen über Wasser halten können.


    Der Bedarf nach Pilzkursen ist aktuell riesig. Die Frage ist, von was man die restlichen 10 Monate seine Miete bezahlt.


    Grüße,


    Wolfgang

  • Ich studiere momentan Biologie im 4. Semester und überlege, ob ich mich auf das Thema Mykologie spezialisieren möchte und ob diese Ausbildung ein richtiger Schritt für mich ist. Was hat euch diese Ausbildung jobtechnisch gebracht? Hat sie sich gelohnt? In was für einem Bereich arbeitet ihr jetzt oder was für Bereiche gibt es, bei dem das ganze einen Mehrwert hat?

    Hallo Kuba,

    ich arbeite in einem biologischen Institut an einer Uni, wir bilden jede Menge Biologen aus. Ob ein Biologiestudium nun überhaupt ein sinnvoller Schritt ist, wenn man später einen gut bezahlten Job haben will, ist durchaus fraglich. Nicht wenige Biologen drängen sogar nach dem Bachelorabschluss in meinen Beruf (BTA), teilweise sogar mit Doktortitel. Das sagt eigentlich schon viel aus. Natürlich kenne ich auch viele Biologen. Meine beste Freundin hat einen Master und lange Zeit für eigentlich viel zu wenig Geld gearbeitet. Nichtsdestotrotz werden Biologen oft gerne genommen, z. B. um Mikroskope zu reparieren etc (angestellt beim Hersteller). Der Grund ist einfach: Die sind auch mit Doktor bedeutend billiger zu haben als andere Naturwissenschaftler.

    Aber es gibt natürlich auch solche, die Erfolg haben und gut verdienen. Manche in Anstellung, manche aber auch freiberuflich bzw selbstständig. Letzteres gilt gerade für die Biologen, die kartieren oder Gutachten schreiben, ob für Gemeinde/Land oder für Firmen (wie Rheinbraun). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Biologen in ihrem späteren Berufsleben oft nur noch nebenbei mit Biologie zu tun haben, z. B. als Vertreter, die Laborzubehör oder Mikroskope verkaufen. Falls überhaupt.

    Wenn man in der Biologie was werden will, dann muss man schon ordentlich was leisten und am Ball bleiben. Bereits im Studium sollte man "netzwerken", aber vor allem sollte man wirklich mit Herzblut Biologe sein, sonst wird das nichts. Unsere Post-Docs sind allesamt in ihrer täglichen Arbeit Molekularbiologen und um die mache ich mir auch keine Sorgen, aber die stehen halt im Labor oder sitzen im Büro. Stellen im öffentlichen Dienst sind häufig nur befristet. Unbefristete und gut bezahlte Stellen sind heiß begehrt und entsprechend viel Konkurrenz hat man bei Bewerbungen. Wenn man dann kein gutes Netzwerk hat, nur wenig Veröffentlichungen mit hohen impact factor, dann ist das nicht so gut.

    Ich will dich nicht entmutigen, aber es ist halt hart. Mit hoher Motivation über viele Jahre und ein bisschen Glück kann man aber durchaus Erfolg haben. Dazu muss man meist räumlich flexibel sein, was bei vielen ab ungefähr 30 schon ganz anders eingeschätzt wird, wenn man einen festen Partner hat und sich vielleicht schon irgendwo niedergelassen hat, Familie hat.

    So und nun speziell zu dem Fachberater Mykologie: Es lohnt sich eigentlich nur, wenn du daran hohes Interesse hast. Ein Karrierevorteil ist es eher nicht, da müsstest du schon ausgesprochen viel Glück haben. Vielleicht entstehen solche Stellen irgendwann, aber die Haushaltslage spricht nicht sehr dafür. Und es gibt da sicherlich auch viele andere Bewerber auf die wenigen Stellen, wo der Fachberater ein Vorteil wäre.

    Ich habe auch überlegt den Fachberater zu machen, aber habe es erst mal hinten an gestellt, weil es zurzeit Wichtigeres für mich gibt und diese Ausbildung meine wirtschaftliche Lage eher nicht verbessern würde. Aber: Man kann da natürlich auch prima netzwerken und man lernt quasi das Who is who der Mykologie kennen. Wenn man ohnehin in die Mykologie will, dann ist das sicher nicht verkehrt.

    Am besten macht man, was einen interessiert, denn nur so kann man bestehen und nur dann hat man später eine Chance. Also spezialisiere dich auf Mykologie, mach den Fachberater, wenn du dich sehr für das Thema interessierst. Aber zu viele Hoffnungen im Hinblick auf die Karriere würde ich mir nicht erhoffen, jedenfalls nicht durch den Abschluss (Fachberater) allein. Mykologie kann man nicht überall studieren, an unserer Uni z. B. nicht.

    An deiner Stelle würde ich erst mal weiter studieren. Den Fachberater kannst du immer noch machen, auch nach dem Bachelor oder auch im oder nach dem Master. Bis dahin hast du vielleicht ausreichend Praktika gemacht, sodass du vieles schon weißt oder kannst, z. B. richtig mikroskopieren, Präparate herstellen, steril arbeiten, mikrobiologische Methoden etc. Da es ja eh einzelne Kurse sind, machst du den Fachberater aber ohnehin "nebenbei" über ein paar Jahre. Wenn du schon an einer passenden Uni bist, ist das natürlich einfacher, als wenn du für jeden Kurs extra anreisen musst, dich als Gasthörer eintragen musst, natürlich auch eine Unterkunft brauchst.

    Wenn du dann deinen Master oder besser noch Doktor hast, dann hast du ein genaueres Bild von dem, was du kannst und willst, was dich interessiert, wo es welche Möglichkeiten gibt. Im vierten Semester wissen die meisten noch gar nicht so genau, wo sie später mal hin wollen. Grob gesagt kannst du später halt entweder freiberuflich kartieren und Gutachten schreiben oder an Forschungsprojekten mitwirken oder dir eine unbefristete Anstellung im öffentlichen Dienst suchen oder in der freien Wirtschaft arbeiten. Es gibt Schnittmengen mit anderen Themen, wie z. B. Landwirtschaft/Pflanzenzucht, da Pilze mit Bäumen Mykorrhiza bilden, aber Rost- und Brandpilze auch gefürchtete Pflanzenparasiten sind. Das ist dann aber vermutlich auch nicht der Traumjob eines Mykologen, ebensowenig wie mit Aspergillus biotechnologisch irgendwas herzustellen. Letztlich muss es jeder selbst wissen und sich seinen Weg suchen. Im vierten Fachsemester stehst du noch ganz am Anfang. Natürlich kannst du auch den Fachberater schon beginnen, dann ist vieles da für dich neu, aber das kannst du dann teilweise in späteren Praktika und Klausuren gebrauchen.

    LG Oliver