Liebe Pilzfreunde,
angeregt durch Cornes Frühjahrs-Beitrag möchte auch ich euch ein paar Eindrücke von meinem Pilz‑Frühjahr im Vogtland schildern.
Willkommen zum Teil 1 von 2: „Ein kleiner Einblick in mein vogtländisches Frühjahr 2026“. Teil 2 findet ihr HIER im Forum.
Einige der Bilder hatte ich zwar schon gezeigt, meist im Bereich „Naturbilder“, aber hier passt das Ganze relativ gut zusammen.
Der Winter war dieses Mal irgendwie … seltsam. Vieles, was man sonst im Fichtenhochwald fast schon als selbstverständlich ansieht, blieb weitgehend aus.
Strobilurus esculentus (Fichtenzapfenrübling) und Mycena strobilicola (Fichtenzapfenhelmling), die es normalerweise massenhaft gibt, waren echte Raritäten.
Auch Clitocybe fragrans (Langstieliger Dufttrichterling) ließ sich nicht blicken – sonst eigentlich ein verlässlicher Begleiter hier in meinen Wäldern.
In einer wärmeren Phase im März tauchte dann immerhin Hypholoma capnoides (Graublättriger Schwefelkopf) auf – einer meiner Lieblingspilze für die Pfanne. In diesem Fall gleich ein ganzer, schon recht morscher Baumstumpf voll. Etliche FK versteckt im Gras. Das ergab eine sehr ordentliche Mahlzeit.
Danach ging es, wie jedes Jahr, auf die Suche nach Hygrophorus marzuolus (Märzschneckling).
Im März selbst habe ich ihn noch nie gefunden, bei mir war es bisher immer Mitte April. Zwei Exkursionsteilnehmer aus der Pilzschule-Vogtland berichteten von einem Fund bei Falkenstein. Also hin – und tatsächlich: Der Fund konnte verifiziert werden. Ich meine, selten sind sie hier im Vogtland nicht, jedoch eben nicht häufig.
Bei mir zu Hause waren die Fruchtkörper dank anfangs fehlender Schnecken noch weitgehend unversehrt, sodass ich ihre Entwicklung schön fotografisch begleiten konnte.
Eben kommt er aus dem Boden; die Hüte erreichen noch unterirdisch ihre fast volle Größe:
Der identische Pilz, nur der Stiel wächst später noch und schiebt den FK in die Höhe:
Besonders spannend finde ich die langfristige Entwicklung der Myzelien über mehrere Jahre.
Mitte April traten dann die Kiefernzapfenrüblinge in Erscheinung. Hier gibt es bekanntermaßen zwei Arten, die makroskopisch nicht zu unterscheiden sind: den Bitteren und den Milden. Wobei: Beide Arten können sowohl bitter als auch mild schmecken.
Ich hatte endlich einmal Strobilurus tenacellus (Bitterer Kiefernzapfenrübling). Geschmacklich kann man sich hier bekanntlich nicht verlassen – bitter und mild ist kein sicheres Merkmal, ohne Mikro geht da nichts.
Schön zu sehen die Pseudorhiza, welche den FK mit dem Zapfen verbindet:
Und dann kam natürlich die unvermeidliche Morchel-Zeit. Das alljährliche Theater wegen der Morcheln eben. Ein Pilzfreund von mir ist richtig krank, wenn er nicht ins Feld kann und ein gewisses Quantum findet …
Ich hatte dieses Jahr tatsächlich mein bislang bestes Morcheljahr: Reichlich Funde, verteilt über etwa sechs Wochen. Bei mir wuchsen mehrere Arten aus dem Bereich spitzer Morcheln (Spitzmorchel‑Gruppe) – das wäre eigentlich ein eigenes Thema.
Gegessen wurden sie am liebsten frisch, klassisch in Sahnesoße mit Bandnudeln. Aber nach dem dritten Mal reicht es dann auch.
Getrocknete Morcheln sind mir persönlich z. B. in Sahnesoße zu dominant – der Pilzgeschmack wird mir da einfach zu extrem. Ich wüsste nicht, was ich mit getrockneten Morcheln machen sollte, außer sie zu pulverisieren und mit ins Pilzpulver mischen.
Ein paar habe ich tiefgekühlt, da ich im Juni mehrfach Besuch bekomme von Leuten, die noch nie Morcheln gegessen haben.
Offen gesagt war ich ganz froh, als dann eines Tages keine Morcheln mehr nachkamen.
Teilweise gab es traumhafte Gruppen:
Parallel zur Morchel-Zeit gab es dieses Jahr auch reichlich Melanoleuca cognata (Cognacfarbiger Weichritterling):
Er wächst bei mir bevorzugt unter Astmaterial von Rodungsflächen und war – und ist – noch immer gut vertreten.
Ich habe etlichen Exkursionsteilnehmern davon mitgegeben, mit dem Hinweis, dass der Pilz geschmacklich nicht jedem liegt. Ergebnis: ausschließlich positive Rückmeldungen. Schön braun gebraten, nur mit Butter und Salz – kam richtig gut an.
Das war Teil 1 von 2: „Ein kleiner Einblick in mein vogtländisches Frühjahr 2026“.
Ich hoffe, ihr hattet Kurzweil beim Lesen und Freude beim Ansehen.
Wir sehen uns gleich wieder im Teil 2.
Viele Grüße,
Steffen
