Aquatische Hyphomyceten

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  • Hallo zusammen.


    Anbei möchte ich euch ein paar Bilder von aquatischen Hypomyceten zeigen. Die Proben stammen alle aus (fixiertem) Schaum den ich von Fließgewässern abgeschöpft habe.

    Bei diesen bizarren Formen an Konidien kann ich es dann doch verschmerzen mir ab und an nicht lichenisierte Pilze anzuschauen.


    Diese Gruppe an Arten ist hier im Forum ja recht wenig gezeigt und dem möchte ich ein wenig entgegen wirken.

    Ich hoffe ihr habt genau so Spaß an den schönen Bildern wie ich beim machen hatte.


    Peter


    (1) Tetracladium marchalianum (DIC in Wasser)


    (2) Tetracladium setigerum (DIC in Wasser)


    (3) Tetrachaetum elegans (DIC in Polyvinylalkohol/Glyzerin/Milchsäure+Baumwollblau)


    (4) Clavariopsis aquatica (DIC in Polyvinylalkohol/Glyzerin/Milchsäure+Baumwollblau)


    (5) eine sehr elegante Alatospora acuminata (DIC in Polyvinylalkohol/Glyzerin/Milchsäure+Baumwollblau)


    (6) Flabellospora acuminata (DIC in Polyvinylalkohol/Glyzerin/Milchsäure+Baumwollblau)

  • Die aquatischen Hyphomyceten degradieren Biomasse - vorwiegend Blätter und Pflanzenbetandteile - im Wasser und schließen somit den Nahrungskreislauf zu den Kleinstlebewesen die oft nicht die Enzymausstattung haben um Pflanzengewebe zu verwerten (z.B. Lignasen). Die bizarren Formen dienen der Verbreitung im Wasser und schließlich dem Verfangen und Anhaften.


    Die Probenentnahme ist denkbar einfach - Schaum mit einem Küchensieb abschöpfen und entweder fixieren (ich verwende Formalin-Essigsäure-Methanol (FAA). Ausstreichen auf einem Objektträger und Eindecken mit LCB sollte aber auch gehen. Fixiert man nicht haften die Sporen an und keimen aus, dabei verlieren sie ihre typische Form. (nota bene: man kann auch Blätter in Kultur nehmen und schauen was darauf wächst, das ist aber ein anderes Thema).


    Viele der Arten sind kosmopolitisch und die Literatur ist (zum glück recht breit anwendbar) Bestimmungsschlüssel gibt es hier Gulis2005 undDescals1989 (letzteres ist ein wirklich guter Einstieg!). Die Arbeitstechniken sind gut in einem Artikel von Fay Newbery zusammengefasst. Sie hat im vergangenen Winter einen (online) Workshop organisiert in dem ich in das Thema eingestiegen bin.


    (7) Schaumansammlung an Pflanzen und Zweigen in einem kleinen Fuss


    (8) mit einem Küchensieb an einer Stange habe ich den Schaum abgeschöpft. Die 3m Teleskopstange erweitert den Radius ist aber nicht unbedingt nötig.


    (9) Mein Proben-Kit. Ein Plastikbecher (Urinbecher), Teleskopstange, Küchensieb, Klebeband zum Verbinden.

    Man braucht noch ein paar Tropfen Fixiermittel (ich habe Eppendorf-Tubes mit 500µl FAA dabei und schmeiße sie einfach in den Schaum - und schüttele dann alles, eine Tropfflasche tut es aber auch.

    (10) Zur Zeit versuche ich keine Einmal-Probenkits mit Becher, mini-Netz und Fixiermittel vorzubereiten. Diese sollen zusammengesteckt-und-fertig sein.

    So möchte ich zum einen eine spontane Probenentnahme ermöglichen, zum anderen ist die Idee diese Kits weiter zu geben um Proben aus vielen Lokalisation zu bekommen. Hierfür muss ich aber noch die Versandbedingungen abklären. Sowas sollte unter Gefahrgut in Begrenzten Mengen gem. 3.4 ADR/RID laufen. Vielleicht hat jemand von euch Erfahrungen wie sowas läuft.


    Das Ziel wären "mehr Punkte auf der Karte"

    (11) iNaturalist Karte des "Aquatic Hyphomycetes" Projekts.

  • Lieber Peter,


    vielen Dank für diesen spannenden Beitrag!


    Das macht tatsächlich Lust, das auszuprobieren.


    Noch eine ganz blöde Frage: Gibt es angesichts dieser Formenvielfalt ein einfaches Merkmal, an dem ich bei irgendwas, das ich aus dem Wasser gefischt habe, sehe, dass ich tatsächlich etwas Pilzartiges habe und nicht .... naja, irgendwas anderes halt, was es in Gewässern sonst noch so gibt? Oder merke ich das erst, wenn ich mich durch den Schlüssel gewurschtelt habe und nichts Passendes finde?


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Sabine,


    die Anfärbung mit Baumwollblau (die man auch dringend braucht wenn man kein Phasenkontrast oder DIC hat) macht schon recht deutlich was Spore ist und was nicht. Viele von denen haben ganz charakteristische Formen und man kommt schon rein. Diatomeen und andere Algen erkennt man am Chlorophyll. Nematoden sehen manchmal aus wie "sigmoidale" Sporen aber die will man eh nicht am bearbeiten ;)


    Ein guter Start ist das auch heute immer noch sehr gut lesbare Paper von Ingold 1942 der das Thema mit Leben gefüllt hat. Ich möchte gar nicht daran denken wie er 1942 Naturforschung betrieben hat. Die Welt heute ist mir ja schon zu viel...


    Peter


    PS: In der Übersicht sehen solche Präparationen so aus

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    (12) Übersicht aus einer Schaumpräparation. Eindeckmedium PVA/Glycerin mit Baumwollblau. LCB sollte aber ein ähnliches Bild geben. Das blaue sind eigentlich alles Sporen.

  • Ich hoffe es stört euch nicht wenn ich noch ein paar weitere Funde zeige (sie sind so schön!)


    (13) sehr klein: Lateriramulosa uniinflata

    (14) Tricladium splendens. Die Arme zeigen eine abrupte Einschnürung am Übergang zur Hauptachse.


    (15) Tricladium castaneicola - finde ich nicht so häufig wie Tricladium spendens aber in einer aktuellen Probe doch reichlich vorhanden (Dafür kein T. splendens). Diese Art hat konische Form an der Insertionsstelle der Arme.


    (16) Tetracladium breve (das kleine in der Bildmitte). Sieht aus wie T. setigerum - mit 3 Fingerartigen Auswüchsen) (vgl. Bild 2) nur in miniklein. Daneben T. marchalianum mit zwei rund-ovalen Auswüchsen.


    (17) Heute sind haufenweise Spiralen von aero-aquatischen Hyphomyceten (Helicosporium?) in mehreren Varianten drin. Die sind wohl alleine anhand der Konidien nicht bestimmbar. Eigentlich (!) hatte ich mir vorgenommen nicht noch groß nach Proben zu suchen sondern wollte mich auf den Schaum beschränken. Ob das klappt weiß ich nicht mehr so recht.


    (18) Da es aktuell stärker geregnet hat finde ich auch Arten die wohl eher von Bäumen gewaschen wurde wie diese Tridentia sp.



  • Hallo Peter,


    tolle Vorstellung dieser selten beachteten Pilzgruppe! Danke auch für den Einblick in dein Vorgehen.

    Ich hatte zwar bereits von aquatischen H. gelesen, vermutete jedoch, dass eine Bestimmung ohne Kultur/PCR für den Laien kaum möglich sein dürfte.

    Schön, dass du das offenbar widerlegt hast, vielleicht traue ich mich doch bei Gelegenheit mal heran.

    Muss ich halt mal etwas FFA anschaffen oder wie du vorgeschlagen hast die Präparate mit LCB vor Ort anzufertigen und mit Nagellack vor Verdunstung sichern.

    Dazu hätte ich noch eine Frage: lässt du die Probe eigentlich auf dem OT festtrocknen nach der Färbung? Oder wie verhinderst du dass du die Konidien beim anschließenden Ausspülen alle mit ausspülst? Oder Spülst du gar nicht nach dem Färben?


    Zu deiner Versandfrage:

    Hierfür muss ich aber noch die Versandbedingungen abklären. Sowas sollte unter Gefahrgut in Begrenzten Mengen gem. 3.4 ADR/RID laufen.

    Ich habe mit dem speziellen Fall zwar natürlich keine Erfahrung aber wären es nur die Proben hätte ich überhaupt kein Problem, wenn diese aus einem öffentlich zugänglichen Gewässer stammen für das kein Bade- oder Befahrungsverbot aufgrund pathogener Organismen wie E..coli, Blaualgen & Co

    besteht, diese zu verschicken.


    Aufgrund der Formalin Fixierung denke ich aber du musst sie nach P650 verpacken/ beschriften, aber da kennst du dich selbst ja am besten aus… ist halt teuer.

    Evtl liesse sich eine Fixierung in Alkohol leichter verschicken wenn eine bestimmte Menge nicht überschritten wird?


    VG

    Ingo


  • Hallo Ingo,


    ich schichte einen Tropfen auf einen OT (bzw. je nach Gehalt der Probe mehr oder weniger) und lasse ihn Verdunsten. Dann decke ich mit Polyvinylalkohol (nach einem alten Rezept von Felix Schumm) ein. Im ggs. zu LCB wird das mit der Zeit fest und schmiert nicht so rum. Wenn ich Zeit habe bereite ich das vor und lasse es einfach Trocknen, wenn ich es abends schnell haben möchte lege ich die OT auf eine kleine "Kaffeewärmer" Heizplatte dich ich auch für die Flechtenschnitte/Färbungen verwende und beschleunige den Prozess.

    Für die Aquatic Hyphomycete Gruppe hatte ich eine kleine Präsentation zum Vorgehen gemacht.



    Blaualgen, E. coli etc. das ist ja durch die Fixierung komplett tot. Der Rückversand wäre als biologische Probe noch einfacher. Fällt ja noch nicht mal unter exempt vetenary oder exempt human specimen. Ich höre mich nochmal im Institut um und schau wie das geregelt wird wenn wir vorbereitete Probengefäße mit Formalin an Einsender verschicken.


    Schreib mir mal wenn Du magst, dann schicke ich Dir Einschlussmedium und FAA.


    Peter

  • Peter, das finde ich so klasse, dass du das alles so ausführlich beschreibst!


    Ich muss dringend mal Schaum suchen (ich hatte schon mal ein bisschen Wasser aus unserem Teich gefischt, weil ich dachte, wenn die im Wasser sind, finde ich da vielleicht auch was. Aber die sind dann vielleicht zu verdünnt. Habe jedenfalls nichts gefunden - hat offenbar seinen Grund, dass Schaum dafür benutzt wird).


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Sabine,


    Aus Wasser kann man auch arbeiten. Dafür filtriert man ein bekanntes Volumen unter Sog durch einen Filter und mikroskopiert den. Dann kann man sogar quantitativ arbeiten. Den Aufwand habe ich mir noch nicht gemacht.


    Im Schaum reichern sich die Sporen an und finden keine Oberfläche die das Auswachsen anregt.


    Gruß

    Peter

  • Hallo Peter, Hallo Mitleser,

    ich habe am Wochenende mal einen nahegelegenen Bach besucht um auszuprobieren ob es mir gelingt diese empfindlichen Sporen, wie Peter oben vorgeschlagen hat, nur mit LCB "Fixierung" darzustellen.

    Dazu habe ich mir ein kleines Objektträger-Döschen vorbereitet, außerdem eine Pipette mit etwas gewöhnlichem LCB vermischt mit Glycerin (nur damit die Flüssigkeit nicht so schnell verdunstet, das hatte ich noch zur Autopflege in der Garage) und ein Döschen Deckgläser.



    Vor Ort habe ich dann etwas Schaum auf den mit LCB Tröpfchen vorbereiteten OT getropft und mit Deckgläschen abgedeckt zum Transport wieder im Döschen verstaut. (etwas aufpassen muss man hierbei nicht zu viel Flüssigkeit zu verwenden sonst rutschen die Deckgläschen während des Transports herum und man hat eine schöne Sauerei... beim 2. Versuch hat das dann gut geklappt).


    Außerdem habe ich noch ein kleines Fläschchen (Kontaktlinsenbehälter) mit Schaum gefüllt um zu testen ob der Schaum vielleicht doch stabil bleibt bis ich wieder zu Hause bin.


    Tatsächlich waren beide Varianten erfolgreich!


    Ich bin sogar erst abends dazu gekommen die Sachen zu mikroskopieren, der Schaum war in diesem Fall also sogar über 6h stabil. Ich hatte allerdings auch einen sehr feinen Schaum hinter einem kurzen kanalisierten Abschnitt des Baches unterhalb des Rohres entnommen. Dort war der Schaum fast "stichfest".


    Schaumprobe ca 6h nach Entnahme. Etwas zusammengefallen, aber immer noch verwendbar


    Ich habe darauf geachtet für das Präparat nur Schaum aus der Mitte des Gefäßes zu entnehmen- darin konnte ich keine gekeimten Sporen/Hyphen finden. Sie haben also offenbar innerhalb des Schaums keinen Kontakt zum Glas/Deckel bekommen.

    Im Vergleich der Direktpräparate zu den nachträglich aus dem Schaumfläschchen erstellten Präparaten war auch kein Unterschied in der Sporenzahl bzw Sporen/Arten-zusammensetzung zu finden. Umgekehrt hat den Konidiosporen im Direktpräparat die lange Einwirkzeit im LCB auch nicht geschadet, im Gegensatz zu Ascosporen gibt es keine Schrumpfungsartefakte.


    Das bedeutet: so kompliziert ist das ganze gar nicht :) einfach mal ausprobieren


    Für die spontane Probenentnahme wären natürlich mit Fixationslösung vorbereitete Eppis genial, dann könnte man auch mal auf einer Wanderung oder im Urlaub oder sonstwo schnell eine Probe nehmen und dann irgendwann, wenn man mal Zeit hat untersuchen..


    Viele Grüße Ingo


  • Ich möchte euch heute abend ein paar kleine und große Funde vorstellen.


    large.jpg

    (19) der kleine Fund: Lateriramulosa uni-inflata. Eine wunderhübsche filigran gestaltete Spore (Bildmitte) und Heliscella stellata (links)Lateriramulosa uni-inflata


    original.jpg

    (20) Hier nochmal eine Lateriramulosa uni-inflata an einer Tetracladium setigerum (mit 3 fingerförmigen Fortsätzen) sowie eine Alatospora acuminata (rechts) ... letztere merken wir uns.


    original.jpg

    (21) hier noch was ganz großes. Actinospora megalospora oder wie sie jetzt ein bisschen moderner heißt: Miladina lecithina. Rechts oben wieder ein paar der allgegenwärtigen Alatospora acuminata.

  • Nicht per se aquatische Hyphomyceten - aber man kommt doch immer wieder drüber - Conidien die von Pflanzen ins Wasser gewaschen werden, insbesondere wohl bei Regen.


    Gerade Retiarius hat es mir heute angetan. Meine Spore mag nicht so recht zu einer der 4 Gattungen die ich auf GBIF gefunden habe passen (wenn am ehesten R. bovicornutus, dafür ist der Stil aber zu wenig septiert). Ansich eine faszinierende Pilzgattung die sich auf Parasitismus von Pollen spezialisert hat.


    Trinacrium kommt wohl auch "von oben". Langsam finde ich die Hinweise wie man die Sporen bestimmt. Hier geht wohl auch was ohne den Rest vom Pilz.


    large.jpg

    (22) Retiarius sp. - denke ich zumindest


    large.jpg

    (23) Trinacrium sp.


    large.jpg

    (24) Trinacrium sp.


    large.jpg

    (25) Tripospermum myrti (mitte). Daneben Tricladium curvisporum.

  • PBR

    Hat den Titel des Themas von „Aquatische Hyphomceten“ zu „Aquatische Hyphomyceten“ geändert.