Vertrockneter Erdstern

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 384 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von carolin.

  • Moin,


    eigentlich wollte ich heute nur die Okulare putzen, aber dann ist mir noch ein Erdstern über den Weg gestanden, zwar schon ziemlich trocken, aber probieren konnte ich es ja.


    So ganz zufrieden mit den Fotos/der Foto-Fokussierung bin ich auch noch nicht, aber für den Anfang sicher auch nicht ganz schlecht. Zum Ausmessen reicht es jedenfalls.

    Habitat: städtische Parkanlage (ca 70m üNN), v.a. unterschiedlichste Büsche, direkt neben einem geschotterten Fußweg und benachbart zu einer vielbefahrenen Straße, auf der Schattenseite.


    Ich habe einen Fruchtkörper von mehreren gesellig wachsenden mitgenommen, die Größen der anderen habe ich mir nicht gemerkt/gemessen..


    Mit ausgebreiteten, dünnen Exoperidien ca 5cm Durchmesser, Endoperidie 1.5cm Durchmesser. Kein Vorhof erkennbar, keine tiefe Furchung erkennbar.

    Ist das da zumindest noch ein ganz kurzer Stiel?


    Die Bilder sind vom Capillitium(?), das an der Peridienöffnung schon rausschaute, einfach in Wasser und gequetscht. Mit dem Immersionsöl hatte ich noch ein paar Probleme, das nicht direkt schön gleichmäßig verteilt war, aber hatte auch drei Messpositionen und hatte auch versucht eine Stelle aus der Endoperidie selbst herauszuschneiden, aber das hat auch nicht so gut geklappt und damit hatte ich noch ein paar Probleme, das Wasser gleichmäßig unter das Deckglas zu bekommen.

    Hyphen im Capillitium Durchmesser ~4μm


    Bei den Hyphen hatte ich den Eindruck, dass sie selbst auch wieder eine Oberflächenstruktur hatten und insgesamt auch etwas längsfasrig aussahen. Ist das so, ist das vielleicht nur Dreck/Erde/halbzerstörte Sporen/was-auch-immer-noch oder irgendwelche Artefakte?

    Die Sporen sehen stachelig ornamentiert aus, die <0.8μm lang sind (ans Färben hab ich mich noch nicht getraut.. Was nimmt man da bei Erdsternen? Bringt das noch mehr Erkenntnisse?). Die Sporen selbst habe ich mit (3.1)4.8±0.4 x 4.5±0.4(5.3)μm (N=46 in 1 Bild, Q~1.1) gemessen.


    Wenn ich nach dem Schlüssel von Groß [1] gehe, lande ich bei 1b-2b-12a (das ist doch wahrscheinlich kein Stiel?)-13b- Danach komme ich nicht weiter. Oder hab ich dadurch, dass der schon ziemlich eingetrocknet ist, eh keine Chance mehr?

    Rein vom optischem aus Fungi of temperature Europe finde ich den G rufescens gar nicht so verkehrt, aber die Exoperidien sind halt doch schon ziemlich eingetrocknet...


    Hat irgendwer da einen Tipp?



    Bis zu welchem Zeitpunkt könnte man noch Basidien in Erdsternen finden, wo verstecken die sich und wie ließe sich das präparieren?



    [1] https://www.dgfm-ev.de/publika…esrepublik-und-westberlin

  • Moin,


    interessante Fundvorstellung. :thumbup:


    Ich hab mich auch vor kurzem mit einem Erdstern-Fund auseinandergesetzt: Geastrum pectinatum - Kamm-Erdsterne


    Für mich war es die erste ernsthafte Bestimmungsauseinandersetzung innerhalb dieser Gattung. Ich hab zum Schlüsseln auch Groß et al. genommen, habe aber noch weitere Literatur von Gattungskennern aufgetrieben, die ich Dir hier gern mal einstelle (siehe Anhänge).


    Meinen Fund konnte ich dann hier mit der Hilfe einiger alter Hasen und anhand reineweg makroskopischer Merkmale soweit dingfest machen, aber ich will dann meine Mumie (Sammelexemplar) - sowie ich etwas Zeit finde - auch noch mikroskopieren. Ich bin schon sehr gespannt, was sich da noch ergibt und ich bin gespannt, was Du bei Deinem Fund möglicherweise für eine Bestimmung erhältst.


    Beste Grüße

    Marcel

  • Hallo Carolin,

    Bei Deinem Fund könnte ich mir Geastrum coronatum vorstellen.

    Dazu paßt das fimbriate Peristom ohne Hof, der ganz kurze Stiel der Endoperidie der mehr nur nach abgesetzter Apophyse aussieht.

    Das Vorkommen in anthropogenen Gebüschen paßt auch.

    Die Mikromerkmale von Erdsternen sind meist nicht so unterschiedlich, Deine Angaben zu den Sporen und dem Capillitium paßt auch.

    Aber bei so alten Exemplaren ist es immer schwierig.

    Den Rötenden Erdstern würde ich aber ausschließen, der bildet keine auch nicht kurze Stiele aus, ist sitzend.


    VG Ulla

  • An den coronatum hatte ich auch kurz dran gedacht, aber war etwas verunsichert vom "rather rare" im FoTE. Danke!

    Beim zurückschlüsseln passt die Größe nicht so wirklich, aber vielleicht war es einfach ein kleines Exemplar (da steht was von Fruchtkörper >3cm breit)

    Dann wäre es umgekehrt 1b-2b(fasrig-gewimpertes Peridiom)-12b(gestielt)-22b(>4 Lappen, Myz-schicht nicht ablösend)-24b(Exoperidie nicht hygroskopisch)-25b(>3cm, Endoperidie ohne Kristalle, in Gärten/Laubwald)-26b-27a

    Tendentiell definitiv plausibel und jetzt weiß ich auch, dass wenig Stiel immer noch ein Stiel ist, ich hatte irgendwie die ganzen deutlich gestielten wie (schaut nach...) striatum vor Augen.



    Coronatum im Paper von Dörfelt hat aber wiederum deutlich größere Sporenangaben. Wieviel "Fehler" gibts da normalerweise bei Erdsternen oder läuft das eigentlich komplett makroskopisch?

    Da würde ich auch den minimum nicht komplett rauswerfen, aber ich habe keine Ahnung...