Noch zwei weitere Zoofunde

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  • Hey, die Funde von heute Morgen.


    Die Beschreibung gibt es später. Ich bin noch mit meiner Tochter unterwegs.


    1. Kandidat im Wurzelbereich einer Palme bücheliger Wuchs.


    Edit: Der Habitus und die stark gegabelten Lamellen mit helleren Schneiden, der ausgesprochen buckelig gerifte Hut lassen mich an Gattung Arrhena / Adernmossling denken.

    Aber eine solch ausgeprägter Bücheliger Wuchs ist für einen Adermossling wohl ungewöhnlich.









    Õkologie


    2. Kandidat: Ein einzelner Braunsporer


    Edit: Die schnutzigen, fast freie Lamellen und die helleren Schneiden könnten zu einem Iocybe passen. Die Hutschuppung und die Randzone des beigen Hutes sind sehr aufällig. Ich tendiere zu einem Risspliz, der Geruch wird noch geprüft.

    Ich habe beide Pilze mitgenommen.


    Edit 2: Der überständiger FK kann nicht mehr genauer bestimmt werden






    Ökologie



    Bisher hatte ich noch keine Zeit zur Recherche. Heute Abend komme ich erst dazu.


    Die Bilder zur Voransicht.


    LG Rainer

  • Hallo Rainer,


    was Du für Sachen findest, wenns nicht so weit weg wäre, würd ich ja glatt mal selbst in dem Zoo suchen wollen. :)


    Nr. 1 ist schon wieder sehr spannend. Makroskopisch kannst Du einen Sporenabwurf machen, ob der weiß oder irgendwie braun wird. Ich seh auf den Hüten keine eindeutige Sporenablagerung, die das schon eindeutig machen würde.

    Spontan fiele mir ein, wenn es ein Braunsporer ist, Galerina nana, die kommt gern in Gewächshäusern, aber habituell glaub ich das erst mal nicht wirklich.

    Bei Weißsporern wird's dann kompliziert, in Warmhäusern ist Gymnopus luxurians allgegenwärtig, jedenfalls da wo ich suche, aber dafür sind mir die schon zu schmächtig. Dann kämen natürlich nicht heimische Arten v.a. aus den Gattungen um Gymnopus und Hydropus s.l. (genetisch nicht einheitlich) in Betracht, da wirds dann heftig, weltweit sind die Gattungen sehr artenreich und der Großteil gar nicht mal beschrieben.

    Nr. zwei sollte ein Dachpilz sein, schon ziemlich verwittert, daher trau ich mir jetzt keine Prognose zur Art zu. Die Sporenpulverfarbe ist das typische "Mykologen-Rosa", also rosabraun, Inocybe-Sporen sind anders gefärbt.


    Wenn Du willst, schick die wieder zu mir (oder sammel vorher noch mehr, dann musst nicht so oft was abschicken ;)), schaue ich mir gerne an, würde dann aber wohl ein bisschen dauern, bis ich durch bin.


    Viele Grüße

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hey Matthias, die beiden ersten mitgenommen Kandidaten wollen nicht aussporen. Die Exemplare sind aber auch sehr vergänglich.

    Gestern Abend war nicht mehr viel mit ihnen anzufangen.

    Ob wir es also mit einem braunen oder weißem SSP zu tuen kann ich noch nicht sagen.


    Eine Makroskopische Einschätzung ohne erhebliche Erfahrung in diesem tropischen Segment ist wohl zu unrealistisch ^^


    Ein wenig Gattungskunde ist wohl mal wieder dringend notwendig.


    Gibt es eine zugängliche Datenbank für global zu finden Gattungen/Arten?

    Z.b. Gattung Gymnopus.


    Mal sehen, wann ich wieder hinkommen, um mir frischen Nachschub zu organisieren


    LG Rainer

  • Könnte ersteres der gesellige Glöckchennabeling sein? LG Sebastian

    Hey Sebastian, dieser Geselle sieht deinem Vorschlag sehr ähnlich.


    Dieser Wächst aber nach meiner Erkenntnisse nur auf einem Nadelholzstubben.


    Mein Fund scheint aber bevorzugt Fischschwanzpalmen - Caryota zu bevorzugen.


    Es gab noch eine weitere Stelle in der Nähe und dort wuchs die gleiche Art ebenfalls im Wurzelbereich von

    Caryota mitis. Zufall? ich glaube nicht






    LG Rainer

  • Könnte das Substrat eine Rolle spielen? Nadelholzmulch?


    Siehe z.b. hier Seite 46: https://www.zobodat.at/pdf/Z-M…Vaw027bJ7THabnN2Y5APsQLg4


    Ich bin aber auch kein Experte und ohne Mikro wird's wohl schwierig Gattungen zu bestätigen oder auszuschließen. Vielleicht hat ja auch Xeromphalina ausländische Verwandtschaft. Wäre vielleicht zu recherchieren. LG Sebastian

  • Hi zusammen,


    Xeromphalina campanella glaub ich nicht, die Papille beim einen Exemplar, der Standort, selbst wenn die auf Holzstückchen wachsen, die X. campanella kenn ich nur von massiverem Substrat, auch optisch ist der Fund zwar ähnlich, aber das würde mich sehr wundern, wenn es die Art wäre, kann ich nicht recht glauben. Außereuropäische Xeromphalinas gibt es auch, aber beschrieben sind gar nicht so viele Arten im Verhältnis zu Gymnopus o.Ä.

    Gibt es eine zugängliche Datenbank für global zu finden Gattungen/Arten?

    Z.b. Gattung Gymnopus.

    Es gibt z.B. Indexfungorum und Speciesfungorum, da sind praktisch alle Namen gelistet, die es gibt mit Synonymangaben, etc. Hauptsächlich praktisch ist die Datenbank zum Nachschauen welche Arten beschrieben sind, um einen Überblick zu bekommen, bei Gymnopus z.B. aber sehr schwierig wegen der schieren Menge.

    Index Fungorum - Search Page

    Species Fungorum - Search Page


    Ausgehend von den Namen, die ja mit Hinweis auf die Literatur sind, wo sie beschrieben wurden, kann man dann recherchieren. Das kann sehr aufwändig werden, viele Beschreibungen sind nicht öffentlich zugänglich, manche schon, aber schwer zu finden und gerade ältere Beschreibungen sehr kurz und ungenau. Das macht das Bestimmen auf weltweitem Niveau so schwer, zudem sind sehr viele Arten schlicht unbeschrieben.

    Besonders schwer bei Gewächshausfunden, man weiß ja nicht mal aus welchem Erdteil die Arten kommen. In Bayreuth und Tettau finden sich auffallend viele Arten aus Hawaii, obwohl mir nicht bekannt wäre, dass von dort speziell viele Pflanzen herkommen.

    Das wird noch ein weites schwieriges Forschungsfeld werden, woher die Pilze in Tropenhäusern wirklich kommen, vielfach sind es ja ähnliche Arten, aber überall gibt es wieder spezielle Arten dazu, siehe Rainers gelbes Pilzchen. In Bayreuth kamen seit o.g. Artikel von Christian u.a. zwei offenbar unbeschriebene Hydropus s.l. hinzu, etliche heimische Arten sowie ein nicht heimischer Hyphomycet (Dictyocheirospora heptaspora). Letzterer Fund ist nicht veröffentlicht und auch nicht per Sequenz gesichert, Material zu spärlich. Solche Winzlinge sucht auch kaum jemand in Tropenhäusern, die Vielfalt wäre aber auch sehr interessant zu untersuchen.


    Sebastian, Dein Link funktioniert bei mir nicht, bei wem er auch nicht geht, der hier sollte funktionieren:

    https://www.zobodat.at/pdf/Z-Mykologie_78_2012_0009-0052.pdf?ved=2ahUKEwicnJH0nd2EAxW7OTQIHYfUCHEQFnoECBMQAQ&usg=AOvVaw027bJ7THabnN2Y5APsQLg4


    Viele Grüße

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo zusammen,


    dieser Fund ist spannend.

    Allesamt lagen wir daneben, ein Sporenawurf hätte es schnell gezeigt, denn das ist ein Braunsporer.

    Und der hat schöne Sporen, deutlich warzig mit sich ablösendem Perispor.

    Immerhin hab ich die richtige Gattung schon genannt, aber mir ist da keine Art mit dem Aussehen bekannt.


    Es ist eine Galerina, aber keine, die ich bei uns aus dem Freiland kennen würde, ja schon makroskopisch nicht. Ich werd alle Merkmale aufnehmen, dann versuchen alles, was bei uns bekannt ist auszuschließen. Bei 493 beschriebenen Namen in Galerina, wird es ein Ding der Unmöglichkeit alle zu prüfen, hier wird es wahrscheinlich auf eine Sequenzierung hinauslaufen müssen.


    Vorab hier schon mal eine Sporenfoto in KOH:


    Viele Grüße

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.

  • Hallo an alle, die es interessiert,


    bin noch nicht dazu gekommen, mich ausführlicher mit der Bestimmung zu beschäftigen, was Heimisches ließ sich erst mal nicht finden, was passt.

    Hier schon mal ein paar Fakten:


    HDS aus liegenden Hyphen, (20.9) 29.7 - 39.5 (57.5) × (4.0) 5.2 - 8.1 (11.3) µm, oft mit inkrustierendem Pigment und mit Schnallen:


    Basidien 4-sporig, (20.1) 20.5 - 26.7 (28.4) × (6.0) 6.03 - 7.0 (7.1) µm

    Sterigmen: 4.2 - 5.2 (5.5) × (1.5) 1.7 - 2.1 µm


    Bei den Zystiden ist noch nicht alles geklärt: Keine Pileozystiden, auch keine Kaulozystiden gesehen. Bei der Lamellenschneide gibt es noch Unsicherheiten. Vermutlich fertil und mit verstreuten Cheilos, die den Pleuros ähnlich sehen, nur im Schnitt etwas kürzer. Aber nicht ganz klar, die Schneide könnte bei den Exemplaren auch etwas kollabiert sein.

    Pleurozystiden sicher vorhanden: (44.1) 44.5 - 65.2 (68.2) × 8.9 - 11.0 (12.1) µm


    Sporen deutlich warzig, mit sich deutlich ablösender Hülle:

    (7.0) 7.5 - 8.5 (9.2) × (4.1) 4.3 - 4.9 (5.5) µm

    Q = (1.5) 1.6 - 1.8 (1.9) ; N = 40

    Me = 8.0 × 4.6 µm ; Qe = 1.7


    Viele Grüße

    Matthias

    Je intensiver man sich mit Pilzen beschäftigt, desto komplizierter wird es, sie zu bestimmen.