Cortinarius barbatus s.l. (C. emollitoides ?)

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  • Hallo zusammen, nach längerer Zeit wieder einen schönen Gruß aus dem Saarland.


    Wir sind mit unserer Gruppe mit einem Cortinarius vom Umfeld C. barbatus s.l. nicht weitergekommen.

    Eigentlich passt vieles recht gut zu Cortinarius (Thaxterogaster) barbatus, aber auch zu Thaxterogaster emollitoides (> siehe Punkt Literatur)

    Weitere Arten in diesem Zusammenhang: C. ochroleucus, C. eburneus C. cristallinus, wobei uns die Zuordnung, Synonyme und div. Beschreibungen in der Lit. Probleme bereiten.

    Wichtiger Hinweis: Wir haben kein Spezialwissen oder größere Erfahrung bzgl. Cortinarius.


    Fund

    Anfang Nov. 2023, Marpingen/Saarland in einem Park, mehrere Frkp. jeweils unter 2 einzelnen Weißtannen (Birke im Umfeld).

    Die Art beobachte ich jetzt schon seit 3 Jahren an gleicher Stelle, unter Weißtanne!


    Beschreibung: Mittelgroß, einzeln, Gruppe und büschelig.

    Hutdurchmesser 3-6cm, blass cremefarben, Mitte leicht ockerbraun, nicht weiß-glasig! Jung halbkugelig bis +/- stumpf gebuckelt, alt ausgebreitet oft mit breitem, flachem Buckel!

    Ränder oft fast rechtwinklig gebogen, manchmal etwas grob gerippt. Hutrand mit überhängender Huthaut! Rand heller, weißlich glänzend.

    Stiel Ca.4-7 cm x 0,8-1,5 cm, aber auch kurzstielig. Stiel apikal schwach wollig-faserig, nach unten oft verdickt und Basis zugespitzt, im Schnitt gelblich.

    Lamellen jung grau-gelb, alt auffallend (leuchtend) safrangelb!

    Cortina vergänglich, rotbraun gefärbt.


    Stiel frisch schwach bis stärker klebrig, aber nicht schleimig!!


    Hut nur frisch sehr schwach klebrig bis fast trocken. Später Stiel ohne Feuchtigkeit nur noch schwach klebrig, Hut trocken.


    Geschmack*

    Huthaut leicht bitter bis bitter, Fleisch mild bis leicht bitter.

    Geruch*

    Geruch frisch +-süßlich angenehm, später bei Zimmertemperatur stark unangenehm!

    * Geruch und +- bitterer Geschmack wurde von uns unterschiedlich stark wahrgenommen, jedoch beim unangenehmen Geruch nach Erwärmung waren wir uns alle einig.

    KOH-Reaktion auf Hut eher negativ.


    Sporen Abwurf Wasser: Mittel 7,7 x 4,7 / (6-9,5 x 4-6), Q = 1,65 (1,53-1,78), sehr feinwarzig, elliptisch-mandelförmig, schwach dextrinoid.

    Immer wieder im Präparat zerstreut, einzelne große Sporen von 9-9,5µm, jedoch 2sp Basidien (Vermutung) haben wir nicht gesehen.


    Anmerkungen zur Lit: Unser Pilz entspricht recht gut Cortinarius barbatus (Batsch) Melot wie (u.a.) abgebildet und beschrieben in Cort. Flora Photographica sowie bei Kr. BaWü Bd5 und FTE1-S 692.

    Fast alle Funde nach Lit. sind Laubbäumen, speziell Buche und Eiche zugeordnet. Kriegelsteiner BaWü 5 spricht von einem obligaten Buchenbegleiter.

    Bei BK Bd.5 Nr. 276, als C. eburneus, hört sich Beschreibung und Vorkommen auch unter Abies, sowie der Hinweis auf vereinzelt größere Sporen gut an, jedoch die Sporen sind zu breitelliptisch (Q =1,2-1,6).


    In FTE1 Vol1 692 wird unter C. barbatus auf C. emollitoides hingewiesen:

    Hut weniger schleimig, weniger bitter, Hut weniger glasig-weiß, mehr zimtfarbig,

    Passt eigentlich noch besser.

    Viele Fotos in: https://svampe.databasen.org/taxon/63485 zu Thaxterogaster leucoluteolus (Rob. Henry) Niskanen & Liimat,

    die auch gut zu unserem Fund passen würden, zumal hier auch viele Funde unter Weißtanne (!) aufgeführt werden.

    Th. emollitoides wird hier als als Synomym von Th. leucoluteolus aufgeführt.

    Weitere Lit: Soop & al. Cortinarius subg. Vibratilis , DNA Analyse / Schlüssel Kyper et al. 2011 / Funga Nordica: Schlüssel und Beschreibung Cortinarius barbatus und C. emollitoides.


    Vielleicht hat jemand ähnliche Funde zu C. barbatus s.l. spez. unter Weißtanne gemacht und kann zur Abgrenzung beitragen.

    Im Voraus vielen Dank für Rückmeldungen zu unserem Problem.


    Mit freundlichen Grüßen

    Armin Groß

  • Hallo Armin

    Schöne Dokumentation und Fund Beschreibung. Ich bin auch nur faszinierende Laie bei dieser Gattung. Aber übe mich in der Bestimmung, weil es sehr interessante Gattung ist.

    Mit so Milchkaffeefarbenen Lamellen, würde ich diesen noch anschauen;

    ->Cortinarius emollitus

    Oder bei Thaxterogaster alboamarescens.

    Les champignons du Québec


    BG Andy

  • Hallo Andy,


    danke für den Tipp.


    Sieht makroskopisch bei Mycoquebec recht gut aus. Jedoch passen, zumindest hier, die zu kleinen und fast subglob-eiförmig beschriebene Sporen mit einen Q von 1, 29 eher nicht.

    Ich werde den Vorschlag aber weiterverfolgen. Ob hier C. eburneus synonymisiert wird ? Ist schon ein Kreuz mit den vielen Synonymen.

    Gruß Armin

  • Hallo liebe Vibratilologen,

    den Fund kann man guten Gewissens C. leucoluteolus (= emollitoides) nennen. Ich habe heuer auch einen Fund unter Abies gehabt, kenne die Art aber auch unter Laubbäumen. Der bereift aussehende Hut, das fast milde Fleisch und der sich entwickelnde üble seifenartige Geruch weisen auf diese Art hin.

    C. alboamarescens hat kleinere Sporen, C. emollitus ist eine reine LW-Art auf eher sauren Böden und C. barbarus die Kalk-Laubwaldart.

    e scheener Gruß in die Heimat

    Günter

  • Hallo Günther,

    vielen Dank für deine Rückmeldung.


    Da hat es sich für uns als +/- Cortinarius - Laien doch gelohnt, sich intensiver mit unserem Fund zu beschäftigen.

    Viele Grüße und nochmals danke von den alten Bekannten aus dem Saarland.


    Gruß Armin