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letzter Beitrag von Bergwald am

Flechten entnehmen

  • Hallo zusammen, bekanntermaßen sind nicht wenige Flechten in ihrer Existenz gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Insoweit weist Wirth in seinem Flechten Buch richtigerweise daraufhin, dass es verantwortungslos sein kann, Flechten zu sammeln, die derart gefährdet sind. Dies ist uns allen natürlich klar. Mein Problem ist gerade als Flechten Anfänger, dass ich diese Arten erst gar nicht erkenne. Insoweit hätte ich folgende Frage. Wenn ich z.b. bei einer Blattflechte nur ein Drittel oder ein Viertel wegschneide, stirbt dann die restliche Flechte ab, oder wächst sie sogar nach, oder zumindest an den nicht abgeschnitten Stellen weiter? Wie macht ihr das? Hat jemand sonst noch diesbezüglich Ideen oder Erfahrungen?

    Viele Grüße.

    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ob Flechtenthalli eine Teilentnahme übel nehmen, kann ich nicht pauschal beantworten. Im Fall von Ramalina fraxinea, Ramalina fastigiata, Anaptychia ciliaris, Solorina saccata und Cetraria islandica hat es in meinem Fall nicht geschadet. Alle von mir "verstümmelten" Thalli dieser Arten existieren schon seit längerer Zeit munter weiter und sind sicherlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch etwas gewachsen :-) Viele Flechten können sich ja auch über Thallusbruchstücke verbreiten. Ein Freund von mir (erfahrener Mykologe) versucht gerade in seinem Garten an Ahorn ein Lungenflechtenstückchen aus Frankreich anzusalben und bewertet die Chancen optimistisch ;-)


    Mit dem Sammeln halte ich das so: Wenn ich von einer besonderen Art an einem Standort nur sehr wenige Exemplare finde, dann lasse ich die Finger davon, um die Population nicht zu schwächen. Wenn aber stabile Verhältnisse vorliegen, dann nehme ich schon mal ein Stückchen mit.

    Klar, ein Restrisiko wird bleiben, mal aus Unwissen eine sehr seltene und an ihrem Standort bedrohte Art mitzunehmen. Du kannst Dir ja mal gezielt die RL-Arten in den Büchern anschauen, dann hast Du gute Chancen dass es "klingelt" wenn Du einer davon mal begegnest...


    Liebe Grüße

    Ralph

  • Hallo Ralph,

    danke für deine ausführliche Antwort. Eine gute Idee, die Arten der Roten Liste mal eingehender zu studieren, um das Risiko eine seltene, oder gar vom Aussterben bedrohte Art zu entnehmen, auszuschließen. Weiter fiel mir ein, dass ich bei Rita Lüder mal gelesen hatte, dass man darüberhinaus in außergewöhnlichen Habitaten, möglichst nichts entnehmen sollte (ob Pilz 🍄 oder Pflanze etc.), da dort häufig hochspezialisierte Arten vorkommen, die per se selten sind, was natürlich einleuchtet.

    Ich denke im Laufe der Zeit bekomme ich hierfür auch ein Gespür, ich habe mit den Flechten eben erst angefangen.

    Liebe Grüße.

    Thomas

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