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Kneiffiella barba-jovis = Jupiterbart

  • Kneiffiella barba-jovis (Bull.) P. Karst. (1889)
    Jupiterbart
    Synonyme:
    - Hydnum barba-jovis Bull. (1790)
    - Hyphodontia barba-jovis (Bull.) J. Erikss. (1958)
    - Odontia barba-jovis (Bull.) Fr. (1838)
    - Grandinia barba-jovis (Bull.) Jülich (1982)
    - Xylodon barba-jovis (Bull.) Chevall. (1826)
    - Kneiffia irpicoides P. Karst. (1889)
    - Hyphodontia irpicoides (P. Karst.) Burds. & M.J. Larsen (1983)


    Familie: Schizoporaceae
    Ordnung: Hymenochaetales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper resupinat ausgebreitet; mit ziemlich dicht angeordneten, bis ca. 3mm langen Stacheln und Zähnchen; Stacheln +/- zugespitzt, apikal oft etwas ausfransend; Fruchtkörperränder unauffällig; frisch und feucht mit schwach wachsartiger Oberfläche, generell aber ziemlich fest und einigermaßen fibrös-biegsam, ziemlich dauerhaft; jung weißlich, bald blass ockerlich bis gelbockerlich, wenn im Alter von Algen besiedelt auch grünlichgelb; keine nenneswerte Reaktion auf KOH 5% beobachtet


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, Septen mit Schnallen; Hyphen im Subhymenium dünnwandig, dicht und relativ kurz verknüpft, in Subikulum und Stacheltrama auch mit verdickten Wänden und weitestgehend parallel arrangiert; in der Stacheltrama zentral auch mit dickwandigen, unseptierten –žPseudozystiden–œ, so daß die Stacheltrama auf den ersten Blick pseudodimitisch wirken kann;
    Zystiden tubular, normalerweise unseptiert, apikal abgerundet, deutlich dickwandig (Wanddicke zentral bis 1,5 µm) nur apikal dünnwandig; meistens aus der Stacheltrama entspringend und dort in parallelen Bündeln angeordnet, besonders an den Stachelspitzen büschelig herausstehend, aber auch im Hymenium zahlreich und die Basidien oft überragend;
    Basidien keulig, reif auch etwas eingeschnürt, viersporig, mit Basalschnalle;
    Sporen dünnwandig, glatt, IKI-, überwiegend subglobos (bis breitelliptisch), um 3,5-5,5 x 3-4,5 µm


    Vorkommen: in Zentraleuropa weit verbreitet und nicht gerade selten in diversen Laub- und Mischwaldgesellschaften; meist an liegendem, +/- stark zersetzen Laubholz (selten auch an Nadelholz), an dickeren Ästen und Stämmen, auch an Stümpfen



    Bilder (zum Vergrößern anklicken):








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    Verwechslungen: Durch die langen, auch an den Stachelflanken aus dem Hymenium ragenden, dickwandigen Zystiden ist die Gattung Kneiffiella innerhalb von –žHyphodontia s.l.–œ recht gut erkennbar, daneben ist unbedingt auf das Hyphensystem (keine –žechten–œ Skeletthyphen, Schnallen an allen Septen) zu achten: Fibrodontia gossypina ist dimitisch, sollte also auch im Subikulum und der Stacheltrama echte Skeletthyphen bilden, diese müssten insbesondere in den Stachelspitzen auch auffällig inkrustiert sein. Ins Hymenium ragende –žZystiden–œ sind dort schmaler.
    Darüber hinaus ist das Fehlen von anderen Zystiden (zB eingeschnürte, +/- apikal zuspitzende Leptozystiden und Zystidiolen) und kopfigen Elementen zu beachten. Die Sporenform ist vor allem wichtig zur Abgrenzung von anderen Kneiffiella - Arten mit odontioidem Hymenophor: Die Sporen von Kneiffiella abieticola sind noch recht ähnlich, allerdings schlanker und deutlicher ellipsoid, bei Arten wie Kneiffiella floccosa sogar regelrecht zylindrisch bis allantoid.
    Hyphodontia s.str. (makroskopisch extrem ähnlich zB Hyphodontia arguta) bildet Lagenozystiden, aber keine tubularen, dickwandigen Zystiden.
    Diese Zystiden fehlen auch bei allen weiteren Gattungen innerhalb von Hyphodontia s.l.
    Eine unvollständige Liste mit Vergleichsvorschlägen siehe im Anschluss.


    Vergleichsvorschläge:
    >Kneiffiella abieticola = Föhrenbart<
    >Kneiffiella floccosa = Flockenbart<
    >Hyphodontia arguta = Spitzstacheliger Zähnchenrindenpilz<
    >Fibrodontia gossypina = Drahtiges Krustenbärtchen<
    >Schizopora paradoxa = Veränderlicher Spaltporling<
    >Xylodon brevisetus = Kurzstoppeliger Zähnchenrindenpilz<
    >Xylodon spathulatus = Plattzahniger Zähnchenrindenpilz<
    >Xylodon quercinus = Eichen - Zähnchenrindenpilz<
    >Irpex lacteus = Milchweißer Eggenpilz<
    >Radulomyces molaris = Gezähnter Reibeisenpilz<
    >Basidioradulum radula = Reibeisen - Rindenpilz<
    >Hyphoderma transiens = Variabler Rindenpilz<
    >Sidera lunata = Modsichelsporiger Kristallknorpelporling<
    >Resinicium bicolor = Harzzahn<
    >Radulodon erikssonii = Erikssons Stachelkruste<
    >Phlebia uda = Wachsgelber Fadenstachelpilz<
    >Phlebia aurea = Goldgelber Fadenstachelpilz<
    >Phanerochaete omnivora = Dichtstachelige Zystidenkruste<
    >Dentipellis fragilis = Zarte Zahnhaut<
    >Sarcodontia crocea = Apfelbaum - Stachelbart<
    >Kavinia himantia = Ausgebreitetes Hängezähnchen<
    >Mucronella calva = Rasiges Pfriempilzchen<
    >Sistotrema brinkmannii = Brinkmanns Schütterzahn<



    Anmerkungen: Die Aufspaltung der ehemals ziemlich großen und genetisch wie morphologisch sehr herterogenen Gattung Hyphodontia ist bestimmt nicht für alle Pilzfreunde ein großartiges Vergnügen, macht aber in vielen Punkten durchaus Sinn. Allerdings sind die Grenzen zwischen den einzelnen Gattungen innerhalb von –žHyphodontia sensu lato–œ in Teilen noch fließend, da wird sich möglicherweise noch einiges verändern in den kommenden Jahren.
    Daher ist es durchaus vertretbar, hier wie bei anderen Arten aus anderen Gattungen des Komplexes für den Alltagsgebrauch vorerst bei –žHyphodontia–œ zu bleiben.
    Innerhalb der polyphyletischen –žHyphodontia s.l.–œ lassen sich folgende Gattungen ingegrieren:
    - Alutaceodontia
    - Botryodontia
    - Chaetoporellus
    - Deviodontia
    - Hastodontia
    - Hyphodontia s.str.
    - Kneiffiella
    - Lagarobasidium
    - Lyomyces
    - Palifer
    - Rogersella
    - Schizopora
    - Xylodon
    Für eine zusammenfassende Übersicht zu einzelnen Gattungen, Taxa und einen –žWeltschlüssel–œ von Hyphodontia s.l. siehe auch >Yurchenko & Wu in MycoKeys 12: 1-27 (2016) –žA key to the species of Hyphodontia sensu lato–œ<.

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