Ganoderma adspersum nur regional selten(er)?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 1.317 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Beorn.

  • Guten Abend zusammen,


    heute komme ich mal wieder mit einem Pilz(fruchtkörper), von dem ich immer mal wieder lese, er sei selten(er) und der ein oder andere habe ihn noch nie gesehen.
    Eigentlich wollte ich nur eine Efeuranke von einer anscheinend quicklebendigen aber verstümmelten Gleditsia triacanthos in einem totgewässerten Garten abreißen, aber dann grinste mich unten unter dem Efeu frech dieses Kakaopulver an, welches mich das finden ließ, was ich erwartete ... dieses Moped ...






    Der PFK ist fast so hart wie Chuck Norris und gewinnt im Fingernageln klar gegen mich. Ich habe den Versuch, ihn einzudrücken aufgegeben, als ich Angst bekam, mir dabei meinen Lieblingsfingernagel abzubrechen. :giggle:
    Das Sporenpulver ist lecker kakaopulverbraun und er wuchs am Stammfuß einer (dornenlosen) Gleditsien(sorte). Der Pilz verursacht eindeutig Weißfäule und ich kommte problemlos mit meinem Lieblingsfingernagel bis tief ins Innere des lebendigen Baumes graben, weshalb er sich auch ohne Weiteres vom Opfer lösen ließ.
    Auch wenn er wie ein Pfannkuchen daherkommt, habe ich es bisher unterlassen, darauf rumzukauen.
    Der Geruch ist für meine Nase erdig mit einer leichten Pilznote.
    Ich konnte nichts finden, was ich mit Zitzengalle benennen würde. Der PFK ist untenrum zwar ganz schön buckelig, aber das ist meines Erachtens eher dem Efeu geschuldet, das er umwachsen hat.
    Auf Befummeln reagierte er wie erwartet beleidigt und verfärbte sich braun.


    Nach meinem Dafürhalten habe ich also WIEDERMAL den angeblich selteneren wulstigen gefunden und den flachen noch nie zu Gesicht bekommen. Könnte das regional bedingt sein und der bei mir (Neuss) vielleicht sogar häufiger als der flache vorkommen? Oder bestimme ich die einfach nur alle falsch? Wo würdet ihr dieses Moped einsortieren wollen?


    Natürlich kommt das Teil nach der Bestimmung in die Pfanne! :yumyum:
    ... die liegt aber aus Altersgründen zum Glück im Müll und so muß ich das Moped nicht essen :evil: ... also den Pilz, die Pfanne könnte ich ja ruhig mal probieren, die ist bestimmt auch roh ungiftig :haue:

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

    Einmal editiert, zuletzt von Hessekopp ()

  • Hallo Hessekopp (netter Name :thumbup: )
    ich würde deinen Fund ja einfach als flachen Lackporling identifizieren. Ich denke mal, die können auch etwas wellig wachsen, oder? :/


    Liebe Grüße,
    Rotfüßchen

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

    Einmal editiert, zuletzt von Rotfuß ()

  • Hallo Rotfüßchen,


    ja, der kommt schon recht flach daher aber ist doch schon recht buckelig. Der hier ist zwar nen Klotz, wäre aber mit nur der ersten Porenschicht auch sehr flach daher gekommen und da er mehrere Wachstumsperioden ohne jede erkennbare Trennschicht zwischen den Röhrenschichten aufweist, schiebe ich den wie auch Beorn eher zu Ganoderma adspersum.
    Ich habe mir von den beiden in Frage kommenden Ganodermae viele Bilder angesehen und bin zu dem Schluß gekommen, daß flach allein nicht ausreicht, um ihn irgendwo hin zu schieben.


    Der hier hat nichts, was ich mit Rebhuhntrama assoziieren würde (muß ja nicht unbedingt sein, oder?).
    Der hier hat keine Zitzengallen (muß ja auch nicht sein).
    Der hier widersteht meinem Lieblingsfingernagel.


    Rein optisch hätte ich eher den aus dem anderen Thread zum flachen Lacki machen wollen, aber dem fehlten die Trennschichten zwischen den Porenschichten.


    Ich höre die Chöre im Hintergrund leise eine liebliche Weise anstimmen, in deren Refrain sowas wie "Kauf dir nen Mikro" vorkommt, aber soweit bin ich noch nicht.


    Vielen Dank für deine Einschätzung.

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

  • Hallo Hessekopp,


    ja die Chöre kenne ich auch. Aber es nützt nix ein Mikro zu haben (ich habe neuerdings eins) wenn man es noch nicht richtig benutzen kann ;)
    Aber es macht doch auch so viel Spaß, makroskopisch an seine Grenzen zu stoßen, ein bisschen zu spekulieren, ein bisschen rumzuraten... Das will ich noch nicht so richtig aufgeben.


    Liebe Grüße
    Rotfüßchen

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

    Einmal editiert, zuletzt von Rotfuß ()

    • Offizieller Beitrag

    Hej.


    Wirklich entscheiden möchte ich mich hier nicht. Vom Gesamteindruck her eher Tendenz zum Flachen, aber die Merkmale beider Arten überlappen sehr stark.
    >GanodAus< ist zumindest gebietsweise gut verbreitet und in meiner Ecke (um Mannheim herum) nicht selten. Das warme Klima mit allerhand "Stadtbäumen" gefällt ihm ganz gut, vermutlich verhält sich das in anderen Metropolregionen nicht anders.



    LG, Pablo.


  • ...
    Wirklich entscheiden möchte ich mich hier nicht. Vom Gesamteindruck her eher Tendenz zum Flachen
    ...



    Hallo Beorn,


    ich mache solche Aussagen gelegentlich auch und die kommen dann "aus dem Urin heraus" und ich kann das dann nicht immer erklären.
    Ich stelle trotzdem mal die böse Frage ... Wieso? :haue:
    Kein Rebhuhntrama, keine Zitzengallen, Hutkruste widersteht der Nagelprobe und mir ist der in der Seitenansicht etwas zu "dicklippig" (mich erinnert der in der Seitenansicht irgendwie an die Oberlippe eines Muppetmonsters) für nen Flachen. Ist er dir insgesamt eher zu untypisch flach für nen Wulstigen, oder ist er dir nicht "dicklippig" genug, oder ist es gar was ganz anderes?


    Letztenendes könnte es mir völlig wurscht sein, welcher von beiden es ist, die Konsequenz für den Baum ist die selbe ... aber man will ja dann doch mehr als bloß "Ganoderma kettensägensis", das befriedigt mich nicht. Tschuldigung, wenn ich da deshalb nochmal nachfrage.


    Ich habe hier quasi Hollandklima, so richtig kalt wird es hier im Winter eher selten bis garnicht und hier stehen viele Gehölze in den Gärten, die im Rest des Bundesgebiets nur als Topfpflanzen gehen. Warm genug sollte es hier für Ganoderma adspersum also sein.

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

    • Offizieller Beitrag

    Moin!


    Pilzerkennung über Bilder (auch mit guter zusätzlicher Beschreibung) und mit dem Pilz in der Hand sind halt nochmal zwei unterschiedliche paar Schuhe. Da bin ich schon oft genug ins Fettnäpfchen getreten.
    Sowohl von GanodApp als auch von GanodAus habe ich diverse Kollektionen schon untersucht, bisweilen war ich selbst überrascht, was am Ende beim Vermessen der Sporen dabei raus kam. Die Sporengröße jedenfalls scheint mir das solideste Trennmerkmal zu sein, gefolgt von der Kontextfarbe: Das meint nicht, ob es hellere, weißliche Einschlüsse im Hutfleisch gibt, sondern ob die Fasern in Massse satt dunkel rotbraun sind oder mehr schokoladenbbraun bis milchkaffeebraun. Das drittsolideste merkmal ist nach meinen bisherigen Erfahrungen die Wuchsform und Wuchsweise, also wie sich die Fruchtkörper entfalten. Das ist aber relativ schwer zu beurteilen und funktioniert nur bei +/- ausgewachsenen Fruchtkörpern, die nicht aus Substratoberseiten (zB Schnittflächen von BBaumstümpfen) fruchten, sondern an mehr oder weniger senkrechtem Substrat.


    Aus der Dicke und Stabilität der Hutkrusten konnte ich bisher eher wenig ableiten, manchmal passt es ganz gut zu den weiteren merkmalen, manchmal aber auch nicht. Auch das scheinnt mir stark vom Alter der Fruchtkörper und den Wuchsbedingungen abhängig zu sein, viel mehr jedenfalls als zB die Farbe der Fleischfasern.
    Ganoderma australe wird allerdings - zumindest weltweit gesehen - noch wesentlich komplexer dadurch, daß es nnoch eine reihe weiterer Arten gibt, die morphologisch mehr oder weniger identisch, aber genetisch unterschiedlich sind und unterschiedliche verbreitungsräume haben. Das muss uns aber vorerst für Mitteleuropa nnicht interessieren.



    LG, Pablo.

  • Gunaaaamd,


    dir ist hier also das Hutfleisch zu "hell" und daher siehst du hier eher G. applanatum.


    Danke dir.

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

    • Offizieller Beitrag

    Hej.


    Nö, mir scheint das Hutfleisch eben so "dazwischen" zu sein, und ich weiß, daß solche Farbnuancen anhand von Bildern (auch wenn sie noch so gut sind) am Monitor schwer zu beurteilen sind. DArum mag ich mich nicht festlegen. ;)



    LG, Pablo.