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Cartilosoma rene-hentic = Ockerweiße Weichtramete

  • Cartilosoma rene-hentic Rivoire, Trichies & Vlasak (2015)
    Ockerweiße Weichtramete
    Synonyme:
    - Antrodia rene-hentic (Rivoire, Trichies & Vlasak) Melo & Ryvarden (2017)


    Familie: Fomitopsidiaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper vorwiegend effus-reflex, vor allem an senkrechtem Substrat und Substratoberseitenmit deutlicher Hütchenbild; Einzelhüte eher dünn, schmal, ineinander wachsend oder dachziegelig in Gruppen; Hutoberseiten fein anliegend filzig bis samtig, zunehmend verkahlend, meist etwas uneben durch radiäre Markierung aus feinen Rippen und Falten; anfangs weißlich bis blass ockergelb, später von der Ansatzstelle her dunkler (bis ockerbräunlich); Hutfleisch dünn, weißlich-faserig; Resupinatanteile vor allem an Substratunterseiten und schräg überhängendem Substrat deutlich und weitläufig, dort mit dünnem, weißlichem Subikulum; Röhren eher kurz, weiß; Poren weißlich, unregelmäßig eckig bis sinuos, 1-4/mm; frische Fruchtkörper weich, biegsam, zerreißbar; recht leicht vom Substrat zu lösen; getrocknet hart und fest; Fleisch ohne besonderen Geruch oder Geschmack.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur in Röhrentrama monomitisch: Generative Hyphen im Subhymenium meist dünnwandig; in der Trama vorwiegend dickwandig, teilweise mit sehr dünnem Lumen, septiert, gewunden und gelegentlich etwas sinuos; einige dickwandige Hyphen können recht langzellig sein (von Septe zu Septe), so daß sie auf den ersten Blick Skeletthyphen ähnlich sehen. Es finden sich aber stets an diesen Hyphen auch Septen mit Schnallen.
    Im Kontext / Subikulum können neben den dickwandigen, auch hier oft knorzeligen generativen Hyphen vereinzelt echte Skeletthyphen auftreten (in KOH +/- unveränderlich, nicht anschwellend). Diese sind allerdings schwer zu beobachten, weil man einzelne Hyphen über eine lange Strecke verfolgen können muss, um das Vorkommen von Septen auszuschließen.
    Hyphenwände in KOH3% etwas anschwellend und teils gelifizierend, ohne Reaktion in Melzer oder Baumwollblau; alle Septen mit Schnallen;
    Hymenium homogen; Zystiden fehlen, Basidien überwiegend schlank keulig, viersporig, mit Basalschnalle; Sporen glatt, hyalin, dünnwandig, inamyloid, nicht dextrinoid, überwiegend zylindrisch (seltener ellipsoid bis subzylindrisch), manchmal am Apikulus einseitig etwas gebogen; in der Größe recht variabel: (6)7-9(10) x (2,2)2,5-3(3,2) µm


    Vorkommen: Die ökologische Amplitude der Art ist noch unzureichend erfasst. Die Art wurde erst 2015 beschrieben und fehlt in den meisten (eigentlich allen) Standardwerken zu poroiden Pilzen, daher sind kaum Funde dokumentiert.
    Vermutlich ist die Art in Deutschland nicht selten, zumindest in den etwas wärmeren Stromtälern (Rhein, Main, Neckar, Mosel, Donau, Elbe, Oder) dürften weitere Funde zu erwarten sein. Die Art ist bislang nur von Laubholz bekannt (Braunfäuleerreger), vorwiegend an liegenden oder schräg im Luftraum hängenden, noch berindeten Ästen und dünneren Stämmen (Initialphase), kann aber wohl auch an etwas dickerem, morscherem und +/- entrindetem Substrat Fruchtkörper bilden.
    Näheres zu eigenen Funden siehe unten.



    Bilder (zum vergrößern Anklicken)
    A) 17.04.2016; Schwetzinger Hardt, liegender, noch berindeter Laubholzast; auf sandigem, +/- frischem Boden, Übergang vom sandigen Rotbuchen –“ Kiefern –“ Mischwald zum bachnahen Gelände mit Auwaldcharakter (Eschen, Weiden, Ahorn, Pappel):




    B) 25.12.2016; Auwald bei Weissweil (Südbaden) am Rhein; an berindeten, schräg im Luftraum hängenden Laubholzstämmchen und Ästen:








    C) 02.04.2017; Offenbacher Stadtwald; recht frischer, berindeter Laubholzast, liegend auf sandigem, oberflächlich trockenem Boden (hoher Grundwasserstand vermutlich):





    Verwechslungen: Die wesentlichen Charakteristika dieser Art sind das Hyphensystem ohne echte Skeletthyphen in der Röhrentrama aber mit vielen dickwandigen, sklerifizierten generativen Hyphen. Die Septen und Schnallen an diesen Hyphen sind oft auf den ersten Blick zu sehen, auch wenn sie hin und wieder etwas länger ohne Septierung durchlaufen. Im Gegensatz zu Oligoporus –“ Arten sind im Subikulum / Kontext vereinzelt echte Skeletthyphen vorhanden.
    Diese Hyphenstruktur findet sich annähernd bei Antrodia ramentacea wieder, wo aber auch in der Röhrentrama vereinzelte Skeletthyphen vorkommen können. Die Sporen beider Arten sind sich sehr ähnlich, ebenso die Struktur des Hymeniums (Basidienform, fehlende Zystiden). Antrodia ramentacea bewohnt aber Nadelholz (vorzugsweise Kiefer) und tendiert weniger zur Hütchenbildung (wenn überhaupt werden nur kleine, schmale Hutkanten entwickelt).
    Antrodia hyalina ist im frischen Zustand ebenfalls recht weich und besiedelt auch Laubholz, wächst aber vorwiegend resupinat und unterscheidet sich durch zahlreiche & deutliche, +/- parallel verlaufende Skeletthyphen in der Röhrentrama.
    Antrodia gossypium (und ein paar Nachbararten) sind zwar frisch recht weich, aber Nadelholzbewohner und haben eine etwas andere Sporenform (und –“größe); Antrodia serialis hat zwar ähnliche Sporen (und kann selten auch Laubholz besiedeln), ist aber frisch viel zäher und fester, mit deutlichen Skeletthyphen in der Röhrentrama.
    Weitere Laubholzarten der Gattung wie Antrodia serpens (= Antrodia albida) oder Antrodia malicola sind viel stabiler in der Konsistenz (ausgeprägte Skeletthyphen in Röhrentrama), oder wären deutlich feinporiger oder würden rein resupinat wachsen.
    Ein sehr ähnliches Hyphensystem haben Arten der Gattung Oligoporus s.l. (inklusive Postia, Tyromyces usw.), doch in der Kombination aus effus-reflexem Wuchs + Sporengröße + Porengröße + Hymenium ohne Zystiden würde man in der Gattung beim Schlüsseln zu keinem sinnvollen Ergebnis kommen.
    Antrodiella –“ Arten haben durchweg kleinere Sporen und ein deutlich dimitisches oder trimitisches Hyphensystem.
    Alle Trametes –“ (s.l.) –“ Arten sind ausgeprägt dimitisch oder trimitisch und viel fester, zäher und stabiler in ihrer Konsistenz.
    Bjerkandera fumosa hat feinere Poren, andere Sporen und eine dünne, dunkel –“ gelatinöse Schicht zwischen Hutfleisch und Röhren.
    Oxyporus –“ Arten haben Hyphensepten ohne Schnallen und meistens Zystiden im Hymenium.
    Die Fruchtkörper von Dichomitus campestris schwärzen mit der Zeit deutlich, alle Arten der Gattung sehen mikroskopisch ganz anders aus.


    Vergleichsvorschläge:
    >Antrodia ramentacea = Münzförmige Braunfäuletramete<
    >Antrodia serpens = Weiße Braunfäuletramete<
    >Antrodia malicola = Zimtfarbene Braunfäuletramete<
    >Antrodia hyalina = Durchscheinende Braunfäuletramete<
    >Antrodia gossypium = Weiche Braunfäuletramete<
    >Antrodia serialis = Reihige Braunfäuletramete<
    >Oligoporus undosus =Geschlitztporiger Saftporling<
    >Oligoporus floriformis = Blütenförmiger Saftporling<
    >Oligoporus tephroleucus = Grauweißer Saftporling<
    >Oligoporus alni = Fastblauer Saftporling<
    >Oligoporus romellii = Schlankzystiden –“ Saftporling<
    >Tyromyces wakefieldiae =Wakefield–™s Saftporling<
    >Antrodiella hoehnelii = Spitzwarzige Tramete<
    >Antrodiella pallescens = Blasse Kleinsportramete<
    >Trametes cervina = Hirschbraune Tramete<
    >Trametes pubescens = Samtige Tramete<
    >Trametes ochracea = Ockertramete<
    >Trametes trogii = Blasse Borstentramete<
    >Bjerkandera fumosa = Graugelber Rauchporling<
    >Oxyporus ravidus = Rinden –“ Schichtporling<
    >Oxyporus latemarginatus = Breitrandiger Schichtporling<
    >Dichomitus campestris = Schwärzender Haselporling<
    >Heterobasidion annosum = Gemeiner Wurzelschwamm<
    >Skeletocutis carneogrisea = Grauweißer Knorpelporling<
    >Schizopora paradoxa = Veränderlicher Spaltporling<



    Verwendete Literatur = Originalbeschreibung:
    Rivoire, B; Trichies, G; Vlasak, J. 2015. CARTILOSOMA RENE-HENTIC (BASIDIOMYCOTA, POLYPORALES), UNE ESPÈCE NOUVELLE DANS LE GROUPE D–™ANTRODIA RAMENTACEA. Bulletin Mensuel de la Société Linnéenne de Lyon. 84(1-2):5-18
    Die makro- und mikroskopischen Beschreibungen oben basieren auf der Beobachtung der eigenen Funde. Deren Bestimmung orientiert sich maßgeblich an der Erstbeschreibung (danke an Frank für die Einsicht) und Literaturvergleichen mit potentiell ähnlichen Arten (in –žEuropean Polypores–œ, –žPoroid Fungi of Europe–œ, –žFungi Europaei 10–œ, –žPilze an Bäumen–œ, –žNorth American Polypores–œ, weitere Artikel zu Antrodia, Antrodiella, Oligoporus) und eigenen Fundbeobachtungen ähnlicher Arten.
    In der Neuauflage der "Poroid Fungi of Europe" von Ryvarden & Melo wird der Pilz unter Antrodia rene-hentic vorgestellt.

  • Hallo Pablo,


    ein sehr schönes Portrait von einen Pilz der mich auch schon zum Verzweiflung brachte. Es ist mir aufgefallen das dein Fund noch gar nicht eingetragen ist in Pilze Deutschland, wie kommt`s?


    Hier noch ein paar Bilder meines Fund aus der Ohligser Heide.



  • Hallo, Mario!


    Dachte ich doch, daß deine Bilder hier auch noch dazu kommen. :alright:
    Den hessischen Fund (C, Offenbacher Stadtwald) müsste Hermine Lotz-Winter eintragen, sie war sogar bei der Exkursion dabei, wo wir den gefunden haben.
    Daß die beiden BaWü - Funde noch nicht drin sind, liegt an meiner Schlafmützigkeit. Die Einpflegerei aller meiner Funde ins Mykis schiebe ich schon seit fast einem Jahr gekonnt vor mir her und komme einfach nicht recht dazu. Da können Dagmar Gödert (für den Schwetzinger Fund) und Björn Wergen (für den Weissweil - Fund) nichts eingeben, wenn sie keine Daten von mir haben.



    LG; Pablo.

  • Gruß Mario
    Ein Gruß aus den Bergischen Land


    Pilzchips 40 / 13 PC fürs APR.


    Bei Geschmackprobe bitte nicht runter schlucken.

  • Tach.


    Noch eine Kollektion von neulich, Oberrheinebene nördlich Mannheim; Rotbuchen-Mischwald auf sandigem schwach saurem Boden; an einem noch recht stabilen, liegenden und eher dünnen Rotbuchenstämmchen; Fruchtkörper wohl durch den steten Wechsel von sonnig-heiß zu klatschnass-kühl ziemlich stark verfärbt.









    LG, Pablo.

  • Ahoi!


    Noch einer, an schmächtigem "Dürrständer" von Rotbuche; Käfertaler Wald / Viernheimer Heide, hart an der Grenze zwischen BaWü und Hessen, aber rechts vom "Grenzweg", also noch BaWü. Den Pilz wird's nicht interessieren, wie wir da die Bundesländer einteilen.





    LG; Pablo.

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