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letzter Beitrag von Bernd Miggel am

Hypoxylon cf. fuscum auf Hainbuchenast (PP-0014)

  • Liebe Pilzfreunde,


    hier mein Pyrenomyceten-Portrait Nr. 14: Hypoxylon cf. fuscum, Rotbraune Kohlenbeere.


    Aktuell gültiger Name (Index Fungorum): Hypoxylon fuscum (Pers.) Fr.


    Systematik: Sordariomycetes > Xylariales > Xylariaceae > – Hypoxylon


    Fund-Nr. Ex1711-04 vom 03.05.2017, Fundort: B.-W., Enzkreis, Gemeinde Keltern-Dietlingen, NSG 2.020 - Essigberg, Biotop 271172362074 Altholz. MTB 7117/21, Höhe 300 Mtr, unterer Muschelkalk.


    Substrat: Mäßig vermorschter Hainbuchenast am Boden.


    Die Stromta bilden halbkugelige bis kissenförmige, außen dunkel- bis rotbraune, innen schwarze Einzelstromata mit 0,5-3 mm Durchmesser auf der Rinde des Substrats (Abb. 1-2). Perithecien schwarz, kugelig, mit 0,1-0,25 mm im Durchmesser (Abb. 3).


    Ostiolen genabelt (umbilikat). Einige besitzen interessanterweise einen kleinen, konzentrischen, 30-50 µm breiten, weißen Ring.


    Das Stroma gibt in KOH 3% spontan rotbraunen Farbstoff ab (Abb. 11).


    Asci 8-sporig, Sporen im Ascus uniseriat, Porus IKI-positiv blau (Abb. 4-6).


    Sporen ellipsoid, einseitig flach, einzellig, braun, mit Keimspalte (Abb. 7), gemessen 9,5-13 x 5-6,5 µm (Abb. 8-10).


    Substratbestimmung (Hainbuche, Anfärbung mit Etzold-FCA):
    Der Querschnitt (Abb. 12) zeigt zerstreutporiges Laubholz mit Gefäßen in radialen Gruppierungen, zusammengesetzte Holzstrahlen sowie 1- bis 2-reihige Einzelstrahlen.
    Im Radialschnitt (Abb. 13) erkennt man Gefäße mir einfachen Durchbrechungen und Schraubenverdickungen sowie einen Holzstrahl mit großen Kreuzfeldtüpfeln.


    Als "Lernender" habe ich eine kleine Bitte an die Pyrenomycetengemeinde: Ab sofort werde ich meine Pyrenomyceten-Portraits anfangs als "cf.-Arten" angeben.
    Bitte diskutiert die Artbestimmung und übt Kritik, damit das "cf." = "unsicher" möglichst bald verschwinden kann!!



    Herzliche Grüße


    Bernd


    P.s.: Meine anderen Pyrenomyceten-Portraits: Suchbegriff "PP-0".



  • Hallo Bernd,


    für mich passt H. fuscum nicht. Dafür ist mir das Stroma etwas zu kugelig. Ich kenne das bei der Art mehr abgeflacht, wie eine "Hochebene" im Querschnitt. Ich sehe hier eher "flache Hügel" im Querschnitt und so kenne ich die Art nicht, wobei ich zugeben muss, dass ich die auch bisher nur 2-3 Mal hatte. Zudem sind auch die Sporen etwas zu klein. Zu einem entscheidenden Merkmal komme ich auch gleich noch.


    Um eine Sache möchte ich dich vorher noch bitten. Ich finde es toll, dass du uns die extrahierbaren Pigmente in KOH zeigst. Leider aber ist das für mich dein Bild wenig hilfreich, denn es ist schon wichtig, wie die Färbung in geringerer Farbstoffkonzentration aussieht. Am besten wäre du zeigst uns den gesamten KOH-Tropfen, insbesondere auch den "Rand", so dass ein besserer Vergleich möglich ist; am besten auch unter weißem Hintergrund. Im Falle von H. fuscum würde das dann so aussehen. Die extrahierbaren haben einen Olivton, den ich bei deinem Fund so nicht sehe. Ich sehe da eher ein rotbraun.


    Aus meiner Sicht hast du eine verkappte H. fragiforme oder eine Art, die ich nicht kenne, gefunden. Ich meine mich zu erinnern, dass ich einen ähnlichen Fund gemacht, den ich dann in meiner Not auch als H. fragiforme bestimmt habe, bzw. was mir gerade noch spontan einfällt: Warum nicht A. cohaerens?


    l.g.
    Stefan

    Risspilz hui; Rissklettern pfui.


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Moin!


    Aber ist nicht die mit den überwiegend kugeligen Stromata eher die Hypoxylon fragiforme?
    Ich finde jedenfalls, daß die von Bernd gezeigte Verfärbung (Ausfällung von Rostfarbenem Farbstoff in KOH) ganz gut zu dem vergleich bei Pyrenomycetes.fr passt.
    Übrigens: In der >Beschreibung auf eben der Seite< werden für H. fuscum ja gerade "kissenförmige Stromata" erwähnt.
    Wie so oft muss man natürlich im Netz bei der Bildersuche aufpassen, da ist glaube ich Vieles nicht richtig benannt. Also >sowas< zum beispiel erinnert mich doch viel eher an Hypoxylon howeanum ohne Nebenfruchtform.
    Aber andererseits kenne ich mich bei Pyrenos ja nun gar nicht aus und vertraue darum tendenziell nur Seiten, von denen ich weiß, daß sie gut sind (also hier zB Pyrenomycetes.fr), oder halt Leuten wie euch, von denen ich weiß, daß sie davon mehr verstehen als ich. :)



    LG; Pablo.


  • Hi,


    ich kenne auch nur die 10-12 Standardpyrenos. :D Ich hab oben auch nur meine Einschätzung zu Bernds Fund gegeben. Inwieweit ich damit Recht habe, weiß ich auch nicht. Fakt ist nur, dass H. fuscum bisher "flach, aber erhaben", gefunden habe; teilweise mit leicht eingesenkter Mitte. Hauptproblem ist, dass ich auf dem Foto von Bernd eine andere Farbe sehe, als beim Vergleich mit pyrenomycetes.fr. Das kann aber auch sehr gut "nur" an meinem Monitor liegen...


    l.g.
    Stefan

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    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


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  • Guten Morgen!


    Danke für die Diskussion!
    Mir persönlich passt der Fund recht gut zu den Beschreibungen von Hypoxylon fuscum in der Literatur. ;)
    Was m.E. für Hypoxylon fuscum spricht:


    1) Substrat = Hainbuche passt sehr gut. H. fuscum kommt vornehmlich an Hasel, Erle und Hainbuche vor.


    2) Die Stromata des Fundes sind fladenartig bis halbkugelig; passt sehr gut. Nicht etwa halbkugelig bis kugelig wie bei H. fragiforme.


    3) Stroma-Oberfläche glatt und gewellt; passt sehr gut. Nicht etwa spitzhöckrig wie bei H. fragiforme.


    4) Ostiolen nabelförmig, nicht etwa eine Zwischenform nabelförmig-papillenförmig wie bei H. fragiforme oder rein papillenförmig wie bei H. cohaerens.


    5) Sporengröße des Fundes: 9,5-13 x 5-6,5 µm, ist durchaus realistisch. Denn:
    Pilze der Schweiz: Sporen 12-13 x 5-6 µm.
    Enderle: Sporengröße (11)12-15(16) x 5-6(7) µm. Aber weiter unten im Text: "Aufsammlungen von H. fuscum an Carpinus betulus (Hainbuche) etwas kleinere Sporen als z.B. an Corylus oder Alnus".
    Medardi: Sporen 11,5-13 x 5 µm.


    6) KOH 3% mit Stroma rotbraun; das passt sehr gut zum Foto in Björns Buch (ich hatte extra beim Fotografieren einen Weißausgleich auf das ungefärbte KOH gemacht).


    Die Sporenmessung will ich heute wiederholen und dabei auf Folgendes achten:
    a) Nur frei schwimmende Sporen messen.
    b) Die Aperturblende am Mikroskop voll öffnen, um nur plan liegende Sporen zu berücksichtigen.


    Außerdem fotografiere ich nochmal die Stroma-KOH-Reaktion, diesmal mit mehr Umgebung.


    ......


    Hier das Ergebnis:


    A) Stromata bei reinem Tageslicht im Schatten (Fensterbank) fotografiert. Farbe purpurbraun; Form flach kissenfürmig/fladenfärmig bis halbkugelig; teilweise zusammenfließend:




    B) Ostiolen in der Draufsicht mit weißen "Kringeln" von 30-40 µm Durchmesser:





    C) Stroma in KOH 3%, bei reinem Tageslicht fotografiert) ergibt braune Farbe mit Olivstich:





    D) Sporen in Wasser vermessen (23 Stück), dabei die kleinste und größte Spore weggelassen: 11,3-13,6 x 5,6-7 µm:





    Herzliche Grüße


    Bernd

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