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letzter Beitrag von Beorn am

Woher kommt der Name, Mai-Morchel?

  • Oft hört man von der Mai-Morchel, sollte dies gar eine eigene Art sein, Bilder werden unter selbigem Namen gepostet, selbst mein Bruder behauptet, dass es diese gibt, ich könnte ja auch behaupten es gäbe die März-Morchel, oder die April-Morchel , nur weil ich sie in diesen Monaten fand, und was ist mit der Januar-Morchel?


    Auch wird felsenfest behauptet, dass sie anders aussehen, goldgelb, größere Waben usw.



    Ich fand vor einigen Jahren noch im Mai die Speisemorcheln und ja, da waren auch gelbe, genau neben den grauen.
    Vielleicht weiß jemand mehr.



    Übrigens, bei uns dürfte die Morchelsaison für dieses Jahr vorbei sein, :crying: ohne viel gefunden zu haben, ich meine natürlich die m. esculenta



    Gruß
    Schleiereule

    The first morel the shepherds did see
    In the springtime beneath a dying elm tree:
    Morel, morel,
    Morel, morel!
    Where we find them we never will tell,
    Morel!

  • Hallo.


    Wenn du wissen willst, ob etwas die gleiche Art ist, dann musst du dich an den lateinischen namen orientieren.
    Meines Wissens ist die "Maimorchel" nichts anderes als Morchella esculenta. Irgendwer wird die mal im Mai gefunden haben und dann hat sich irgendwie dieser Name geprägt. Die Erscheinungszeit alleine taugt nie etwas, um eine Art von einer anderen zu trennen.
    Da müssen schon härtere Kriterien her. Mittlerweile wird das danna uch genetisch untersucht.
    Im Grunde ist es aber tatsächlich so: Hinter Morchella esculenta verbergen sich wohl einige weitere Arten. Man kann also von einem sog. "Artenschwarm" sprechen.
    Wie sich die einzelnen Arten unterscheiden, ist heftig umstritten. Morchella umbrina bis Morchella steppicola...
    Was nachher was ist, werden wohl erst ausgiebige Sequenzierungsreihen und detailliertere Untersuchungen zeigen.
    Ich selbst halte mich zurück und ordne erstmal alles unter Morchella esculenta s.l. ein. ;)



    LG, Pablo.

  • Hallo.


    Das Taxon an sich vielleicht nicht.
    Aber je nach dem, wie es interpretiert wird, schließt es eben eine hohe Variationsbreite ein. Und da zwischen den meisten aus der Gruppe beschriebenen Arten nahtlose Übergänge bestehen und es auch keine konstanten mikroskopischen Trennmerkmale gibt, muss der ganze Bereich überarbeitet werden.
    Weil eine zuverlässige Bestimmung oft kaum möglich ist. Erst recht wenn man versucht Kollektionen zu beurteilen, wo gelbe und graue, große und kleine, eher rippige oder eher wabenförmige Fruchtkörper munter durcheinander stehen und das auch noch in diversen Übergangsstufen.


    Ich glaube sehr wohl, daß es - wie auch im Bereich Morchella conica / elata - mehrere Arten gibt.
    Ich sehe mich nur nicht im Stande, diese nach gängiger Literatur und eigenen Funden sicher zu trennen.
    Und dann bleibt nur die Option "Morchella esculenta s.l.".
    Diese Vorgehensweise ist ja nichts Neues. So wird aus einem taxon eben mal eine Sammelart gebacken. Ansonsten müsste man alles unter "Morchella sp." ablegen, was sich nicht eindeutig einer Beschreibung zuordnen lässt. Also in meinem Fall ungefähr 70% aller Funde.


    In der Tat wurden die meisten - teils als eigenständige Arten betrachteten - Taxa ürsprünglich als Varietäten zu M. esculenta beschrieben (var. rigida, var. rotunda, var. crassa, var. vulgaris...).
    Die Varietäten erstmal wegfallen zu lassen, weil die Trennunugskriterien sich auf viele Funde nicht anwenden lassen, ist da erstmal ein durchaus legitimer Weg. So kommt man eben zu dem "s.l." (=sensu lato = in weiterem Sinne).
    Es ist auch nicht auszuschließen, daß laufende Untersuchungen zu dem Schluss kommen, daß Morchella esculenta tatsächlich eine morphologisch sehr variable Art (sogenanntes Chamäleon) ist. Und man etliche dieser Taxa wieder unter dem Namen subsummieren muss.


    Wie zB auch bei Boletus edulis: Genetisch sind Boletus betulicola, Boletus persoonii, Boletus venturii etc konspezifisch und können nur noch als reine Wuchs- oder Farbformen betrachtet werden.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo,




    danke für die ausführliche Erklärung, jetzt muss ich nur noch meinen Bruder überzeugen.
    Deine Bemerkung: –žEs ist auch nicht auszuschließen, daß laufende Untersuchungen zu dem Schluss kommen, daß Morchella esculenta tatsächlich eine morphologisch sehr variable Art (sogenanntes Chamäleon) ist.–œ gefällt mir, sie versteht sich, seiner Umgebung und dem Boden anzupassen.



    Gruß Joachim

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  • Hallo, Joachim!


    Ich weiß nicht, ob du den ersten Band der "Pilze der Schweiz" besitzt. Oder irgendwo mal reingucken kannst.
    Die Anpassung an Bodengegebenheiten, Wachstumsbedingungen führen auch Breitenbach & Kränzlin an, um die Unterschiede in der Form und Farbe zu erklären. Wobei es da wohl weniger um die Tarnung geht, als viel mehr darum, wie die Fruchtkörper bei unterschiedlicher Nährstoffversorgung, Bodenbeschaffenheit und Witterung ausgeprägt werden.
    Aber man kann das ja auch mal andersrum sehen. Und dann sind die Morcheln wirklich Meister der Tarnung. :)



    LG, Pablo.

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