Beiträge von Oehrling

    Ich halte die allererste der Aufnahmen für am farbechtesten. Auf diesem Foto kommt die Hutbeschuppung mit einem deutlichen Lila-/Rosastich rüber. Das fände ich für Agaricus sylvaticus ungewöhnlich, dessen Schuppen sind mMn eindeutig rotbraun. Dagegen sind die Lamellen auf Foto Nr. 2 sehr sylvaticus-typisch.


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    Weitere Röter mit angenehmem Geruch und schwacher bis keiner Rotfärbung (ja, auch sowas gibt's) wären A. bisporus, A. campestris oder A. bitorquis, die hier alle auszuschließen sind.


    In Großpilze BW Band 5 werden, das habe ich jetzt nachgelesen, in dieser Gruppe zwei weitere mögliche Arten angegeben: A. cupreo-brunneus und A. porphyrocephalus. Aber was das jeweils genau sein soll, keinen Plan.

    Jetzt zeigt sich, ob man einen guten Agaricus-Schlüssel hat (ich habe ihn leider nicht!). Denn an sich kann es nicht viele Möglichkeiten geben. Die Lamellen des ersten Exemplares sind so schön rosa, dass eigentlich nur eine rötende Art in Betracht kommt. Jetzt das Problem: solche rötenden Arten mit brauner Hutschuppung röten entweder im Fleisch stark ("Waldchampignons") oder riechen unangenehm und kommen auf Komposthaufen zumeist rasig bis büschelig vor ("Kompostchampignons"). Nichts von alledem liegt hier vor, diese Merkmalskombination dürfte ziemlich einmalig sein.
    Die Geruchsangabe (angenehm nach Champignon) deutet eher auf eine Zugehörigkeit zur ersten der beiden möglichen Gruppen. Nun müsste man im Schüssel also forschen, ob es unter diesen Arten eine nichtrötende gibt - das wäre dann wohl die gesuchte Art.

    Bei Pilz Nr. 1 vermute ich den Sparrigen Schüppling, der sehr oft Obstbäume befällt. Auf dem Schnittbild kann man mMn erkennen, dass das Sporenpulver braun sein muss, außerdem ist der Hut des einen Exemplares sparrig-schuppig. Nr. 2 scheint was anderes zu sein.

    Mir sieht der Satansröhrling auch wie einer aus. Der einzige Pilz, bei dem ich leicht zögere, ist Coltricia perennis, dessen Hutoberseite ich weniger trichterförmig, glatt-ledrig und zoniert kenne. Eine mögliche Alternative wäre für mich Onnia tomentosa (Gestielter Filzporling), aber das entscheidende Merkmal für die saubere Trennung dieser beiden Arten ist mir irgendwie entfallen. Vielleicht kennt ja jemand Onnia tomentosa so gut, dass er diesen bestätigen oder ausschließen kann.


    Generell bin ich beeindruckt von dem Aufwand, den die beiden bezüglich der Pilzkunde betreiben und welche Artenkenntnis vorhanden ist. Ich meine da zwei große Hobbymykologen heranreifen zu sehen. Allerdings: jetzt sollte dann wirklich mal ein Mikroskop hin, so extrem teuer ist das ja nicht, und damit erschließen sich buchstäblich neue Welten.

    Deine Erfahrungen macht vermutlich jeder Anfänger, der nach Literatur Pilze bestimmen will. Das geht den Leuten in unserem Pilzverein z. B. auch so.


    Wenn du immer und immer wieder Pilze bestimmst, wird dir irgendwann mal auffallen, dass du mit bestimmten Büchern wirklich nie zu einem befriedigenden Bestimmungsergebnis kommst, weil die Beschreibungen alle an irgendwelchen Stellen nicht auf deine Funde passen. Umgekehrt gibt es Bücher, da kommst du sofort zu einem Ergebnis, auch bei solchen Pilzen, an denen du bisher immer erfolglos rumbestimmt hast, weil da auf einmal ein anderer Geruch/eine andere Art der Verfärbung usw. angegeben ist, und das trifft dann haargenau auf deinen Fund zu. Da erkennt man auch, ob ein Buchautor die Pilze wirklich kennt, die er da behandelt, oder ob er sie selber vielleicht nur zwei, drei Mal gesehen hat.


    Ohne jetzt Werbung machen zu wollen: letztes Jahr um diese Zeit habe ich mir das Werk "Funga Nordica" angeschafft. Es ist ein Bestimmungsbuch komplett ohne makroskopische Abbildungen und in englischer Sprache. Zudem sind nur Arten "mit Hut und Stiel" drin. Trotzdem ist es jetzt mein wichtigstes Bestimmungsbuch. Denn was da an Beschreibungen drinsteht, passt so gut wie immer zu 100% auf meine Funde. Ich weiß auch nicht, wie die das machen. Und zusätzlich habe ich jetzt einen ganz anderen Blick auf viele von mir vorher favorisierten Bücher.

    Bei Nr. 1, 3 und 4 stimme ich zu, dagegen fällt mir bei Nr. 2 auf, dass die von dir gezeigte Koralle zumindest auf meinem Monitor gar nicht dreifarbig (= unten weiß, in den Ästen lachsorange, in den Spitzen hellgelb) rüberkommt.
    Möglichkeit 1: mein Monitor bringt's nicht
    Möglichkeit 2: die Koralle ist schon alt oder hat eine sehr kalte Nacht überstehen müssen, weswegen sie nicht mehr dreifarbig ist
    Möglichkeit 3: es ist eine andere Korallenart


    Freundliche Grüße
    Oehrling

    Hallo Graubart,
    diesen Fund würde ich auch als T. stiparophyllum ablegen, auch wegen der Größe der Pilze (12 cm und mehr sagtest du). Pilze halten sich nicht immer an das, was in den Pilzbüchern über sie steht. Insbesondere Ritterlinge sind makroskopisch manchmal derart variabel, dass ich aus der Angabe "60 bis 100 Lamellen erreichen den Stiel" kein KO-Kriterium machen würde. Ich weiß auch nicht, wieviele Pilzexemplare Gröger sich angeschaut hat, um eine solche Aussage zu machen.
    Mit "Staubig-erdig" meine ich nicht den Staubgeruch bei beginnendem Regen (das riecht auch für meine Begriffe anders), sondern einen stechenden Geruch nach alter, staubiger Scheune, in der so manches andere vor sich hin müffelt, verbunden mit einer deutlichen Komponente nach Roter Beete. Ohnehin ist nicht wichtig, was ich rieche, sondern was du riechst. Präge dir also den Geruch gut ein, für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass du später T. lascivum oder T. album findest, die du dann mit deiner Nase von T. stiparophyllum unterscheiden kannst.


    Freundliche Grüße
    Oehrling

    Hallo Dave,


    dein Vorhaben ist wahrscheinlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Seit Jahrhunderten sucht die zivilisierte Menschheit nach einem zuverlässigen Indikator für Giftpilze. Sie hat die mitgekochte Zwiebel und den mitgekochten Silberlöffel gefunden, die beide nichts taugen. Seither hat sie aufgehört, in diese Richtung zu forschen.


    Es gibt dutzende, möglicherweise hunderte für den Menschen unverträgliche Stoffe in Pilzen, darunter wahrscheinlich auch noch jede Menge unentdeckte und unerforschte. Nachweisen kann man nur bekannte Stoffe, was aber ist mit den unbekannten? Hättest du tatsächlich einen Indikator für sämtliche bekannten Giftstoffe, wäre dieser Indikator demnach nicht hinreichend zuverlässig.


    Freundliche Grüße
    Stephan Weißer

    Das soll bedeuten: wenn du bei einem aufgeschirmten Exemplar auf die Hutunterseite schaust, erkennst du, dass zwischen dem Stiel und den Lamellenansätzen ein heller, durchgehend um den Stiel laufender Ring zu sehen ist (das helle, das man dabei sieht, ist der Hutboden). Man kann stattdessen auch sagen: Riesenschirmpilze haben freie Lamellen.


    Gibt es denn ein gutes Buch z.B. um besser zu werden?


    Ein gutes Buch hierfür wäre "Grundkurs Pilzbestimmung" von Rita Lüder. Es gibt auch einige "Pilzbilderbücher", die methodisch anspruchsvoller sind, die z. B. gute makroskopische Schlüssel in sich haben (etwa "Handbuch für Pilzsammler" von A. Gminder oder "Pareys Buch der Pilze" von M. Bon), damit du das Schlüsseln lernst.


    Um in der Pilzbestimmung besser zu werden, ist es auch sehr wichtig, dass du dich erst mal mit den für Neulinge wichtigen Gattungen und Familien auseinandersetzt und die vielen kleinen grauen, braunen oder weißen Pilzchen links liegen lässt. Zum Besserwerden gehört es anfangs nicht, solchen Pilzen Namen geben zu können. Ein erster Schritt wäre herauszufinden, welche Gattungen und Familien für Neulinge überhaupt wichtig sind und welche Arten darin vorkommen. In einem zweiten Schritt setzt du dir Ziele, indem du möglichst genau definierst, was du dazulernen willst (z. B. alle Raustielröhrlinge auseinanderhalten können, den Pantherpilz vom Grauen Wulstling und vom Perlpilz unterscheiden können, das Stockschwämmchen und den Gifthäubling auseinanderhalten können, einen Champignon sicher und zweifelsfrei erkennen...). Der dritte Schritt besteht darin, alles zu tun, um ebendieses dazuzulernen - und alles auszulassen, das nicht dazugehört.

    Das ist ein typischer Berater-Denkfehler, nicht nur in der Pilzberatung, sondern generell. Es kommen immer wieder neue Anfänger mit immer den gleichen Anfängerfehlern. Der Berater, der das ANDEREN Anfängern schon hundertmal erklärt hat, denkt bei sich: jetzt habe ich das schon hundertmal erklärt, und noch immer kapieren sie's nicht. Und reagiert dementsprechend unwirsch.


    Außerdem: von oben sehen Pfifferlinge und Semmelstoppelpilze schon sehr ähnlich aus, so dass man da als Anfänger durchaus schief liegen kann.

    Hallo Graubart,


    Glückwunsch zu deiner Entscheidung, diesen Pilz nicht geschmacklich zu testen. Das würde ich mich auch nicht trauen. Höchstens wenn es innerhalb der Gattung Cortinarius um Phlegmacien mit nicht-gelben Lamellen geht.


    Nach dem Betrachten der Bilder würde ich auch an C. cinnabarinus denken, den ich dieses Jahr zum ersten Mal und dann gleich mehrfach gefunden habe - der scheint ein relativ starkes Jahr zu haben. Für den ebenfalls kräftig roten, allerdings mehr braun-/blut- als knallroten, C. sanginarius (Blutroter Hautkopf) passt der Standort (mineralischer Laubwald) nicht, dies ist eher eine Art des sauren Nadelwaldes.


    Ideen für das Bestimmen von C. cinnabarinus (der eine Mittelstellung zwischen den Dermocyben und den Telamonien hat):
    - mit einem spiritusgetränkten weißen Taschentuch an der Schnittfläche des längs durchgeschnittenen Pilzes die roten Farbstoffe herauslösen - wenn das gelingt und das Taschentuch rot wird, dann hat man die mögliche Artenzahl auf drei beschränkt: C. cinnabarinus, sanguineus, purpureus
    - die Stielrinde prüfen: orangegelb mit rotem Velumüberzug --> C. purpureus, einheitlich rot --> C. cinnabarinus oder sanguineus
    - KOH 20/30 % auf den Hutrand und die Stielrinde schmieren - das müsste bei C. cinnabarinus beides augenblicklich schwarz werden, bei C. sanguineus dagegen nur langsam graubraun. Wie du auf Foto (5) das Purpurrot hingekriegt hast, weiß ich zwar nicht, aber genau das wird in GP BW Band 5 für C. cinnabarinus beschrieben
    - die Pilze antrocknen lassen; C. sanguineus verliert seine schöne rote Färbung und driftet mehr ins Braune ab, bei C. cinnabarinus verstärkt sich dagegen das leuchtende Rot und wird noch etwas heller und leuchtender


    EDIT: Jetzt habe ich auf deinen Fotos Anzeichen der Hygrophanität entdeckt, dies würde ebenfalls für C. cinnabarinus sprechen.


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    [quote='Beorn','https://www.newboard.pilzforum.eu/board/index.php?thread/&postID=198563#post198563']
    > Wo hast du denn den deutschen Namen "Zinnoberroter Hautkopf" für C. cinnabarinus her? Und was hat / hatte der mit den Gürtelfüßen zu tun? 8|


    Gminder stellt C. cinnabarinus in "Großpilze Baden-Württembergs, Band 5" zu den Telamonien - wenn du so willst, also zu den Gürtelfüßen. Wohl weil er mit KOH stark (schwarz) reagiert. Er hat aber auch alkohollösliche Anthrachinone, weshalb man ihn mMn genausogut zu den Hautköpfen stellen könnte.


    > Ich kenne C. cinnabarinus unter folgendem Namen: Zimt - Hautkopf oder Zimtblättriger Hautkopf.


    Der wissenschaftliche Name des Zimt-Hautkopfes lautet C. cinnamomeus. Der Pilz hat einen rotbraunen, schuppig-filzigen Hut, einen gelben Stiel und jung leuchtend orangefarbige Lamellen, ist also farblich was völlig anderes.


    Freundliche Grüße
    Oehrling

    Und vor allem sollte man sich den Geruch wirklich einprägen. Es gibt keinen anderen Pilz, der so wie Lepista nuda riecht, so dass man diesen zur Not sogar mit verbundenen Augen erkennen könnte.

    [quote='Jop','https://www.newboard.pilzforum.eu/board/index.php?thread/&postID=198371#post198371']
    > Ich brauche nur zu wissen den Ort


    Wie genau muss der Ort sein? Reichen MTB oder MTB/Q aus?


    > die Menge


    Was hat die Menge mit der Verbreitung zu tun?


    > und möglicherweise das Wetter.


    Was genau willst du über das Wetter wissen? Das Wachsen von Totentrompeten ist doch nicht vom aktuellen Wetter abhängig, sondern vom Wetter, das zwei bis drei Wochen zuvor herrschte. Meinen Erfahrungen zufolge brauchen Totentrompeten mindestens drei bis vier Wochen konstant feucht-kühles (d. h. herbstliches) Wetter, bis Fruchtkörper erscheinen.

    Ich kenne mindestens zwei Leute, die Nebelkappen nicht vertragen und die darauffolgende Nacht auf dem Klo verbringen mussten. Also überleg es dir gut, ob du solche Pilze essen willst.