Hallo, Jürgen!
Zunächst mal ein Dankeschön, daß du den Text eingestellt hast. Wenn auch an anderer Stelle als geplant. 
Aber vielleicht lässt es sich so ja ganz gut duchdiskutieren.
Auch wenn es an der grundlegenden Tatsache (Artenschutz ist nur durch Biotopschutz möglich) nichts zu rütteln gibt.
Dennoch denke ich, daß man die Roten Listen nicht gleich zum Altpapier legen muss. Denn sie dienen ja auch als Leitfaden, was denn nun selten und besonders schützenswert sein könnte und was weniger.
Dazu müssten diese Listen aber in ganz anderer Art und Weise gepflegt werden, als sie es oft sind.
Und dann muss man auch mal daran denken, eben nicht schützenswerte weil sehr häufige und ökologisch nicht auf besondere Biotope angewiesene Arten wie Boletus edulis oder Cantharellus cibarius rauszunehmen.
Und Arten, die nicht aufgeführt sind, aber eine besondere Ökologie benötigen, die müssen stärker dokumentiert und aufgenommen werden.
Das beinhaltet aber auch eine gute Dokumentation. Dabei geht es nicht nur darum, eine reine Zahlenliste zu erstellen (wie oft wird eine Art beobachtet in einem bestimmten Quadranten), sondern auch darum, die ökologischen Gegebenheiten möglichst umfassend zu erfassen. Erst daraus können dann Rückschlüsse gezogen werden.
Und hier steht man vor einem Problem: Wer kann das, wer hat die Zeit dafür und das Wissen? Wer beurteilt, welche Daten und von wem aufgenommen werden und welche nicht? Welche offizielle Stelle ist überhaupt bereit, solche Daten zu bearbeiten? Und wer hat an sowas Interesse?
Ich glaube hier liegt noch viel Arbeit vor uns allen. Und das beschränkt sich ja nicht nur auf die Mykologie. Ohnehin wäre eine bessere Vernetzung von Mykologen, Ökologen, Botanikern, Ornithologen, Insektologen und so weiter sinnvoll.
Kleiner Punkt noch am Rande, bevor noch ein paar eher ketzerische Gedanken folgen:
Hat es wirklich keine Auswirkungen, wenn man von einer Art viele Fruchtkörper entfernt (zu welchen Zwecken auch immer)?
Auf das Mycel, das schon im Boden ist, sicher nicht.
Aber auch Pilze sind ja darauf angewiesen, sich zu verbreiten und zu entwickeln. Und das geht eben nur über die geschlechtliche Vermehrung duch Sporen. Auch wenn immer ein paar Fruchtkörper übrig bleiben: Wenn ein gewisser Prozentsatz eingesammelt wird, dann sinkt auch die Anzahl der Sporen, die auf die Reise geschickt werden. Was die Chancen auf eine Besiedelung anderer Gebiete und auf eine geschlechtliche Fortpfanzung rein mathematisch ja mal verringert.
Wenn man jetzt also mal davon ausgeht, daß sich Arten wie Boletus edulis oder Cantharellus cibarius in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet haben, warum müssen wir dann eigentlich in Deutschland die Bestände in Polen, Litauen und überall sonst plündern?
Weil der Pilz bei uns auf der Roten Liste steht?
Dann runter damit.
Dazu müsste man natürlich den Handel mit heimischen Pilzen stärker reglementieren. Dann könnten Leute mit Sachkunde einen Sammelschein erhalten und in freigegebenen Gebieten auch für den Handel sammeln. Unter entsprechenden Auflagen versteht sich.
Was den Vorteil hätte, daß man den ilegalen Sammelkolonnen, über die sich schon immer mal wieder beschwert wird, den Wind aus den Segeln nimmt bzw. die Existenzgrundlage entzieht.
Es gibt eben eine Nachfrage nach Wildpilzen, es gibt auch Möglichkeiten, diese aus eigenen Beständen zu erfüllen.
Das mal nur so als kleiner Denkanstoß zur Diskussion.
LG, pablo.