Moin.
Die Gefahr, daß Arten nur per Sequenz bestimmbar sind, sehe ich eigentlich nicht. Ich glaube nämlich, daß jede eigene Art (also mit einer so weit abweichender, eigener Sequenz, daß sie mit einer anderen Art nicht mehr fortpflanzungsfähig ist) sich auch irgendwie mit ökologischen und / oder morphologisch Parametern beschreiben lässt. Nur sind diese Parameter nicht immer klar. Dazu ist es ja auch so wichtig, von einer Art ganz viele Sequenzen und immer mit ausgiebiger Beschreibung / Dokumentation zu haben.
Es ist ja immerhin auffällig, daß die noch relativ neue Methode der Sequenzanalyse in sehr großen Bereichen schlichtweg die Arbeit der Mykologen bestätigt, die zuvor die Arten ohne dieses Mittel beschrieben haben.
Sicher gibt es einige Grenzfälle. Bei den Röhrlingen wäre das zB die Unterscheidung zwischen Xerocomus communis, Xerocomus rubellus und Xerocomus bubalinus. In ihren typischen Ausprägungen gut und schon makroskopisch erkennbar, aber eben mit jeweil hoher Variationsbreite (auch mikroskopisch!), wo da welche Art anfängt und welche aufhört, muss einfach noch genauer untersucht werden. Am besten mit Sequenzierungen als Unterstützung.
Und dann natürlich solche Bereiche wie Nectria s.l., wo es in manchen Gruppen eben noch gar keine verlässlichen Daten gibt, was nun welche Art auszeichnet.
Um es ritterlich auszudrücken: Auch da gibt es ja noch offene Fragen. Neben akribischen Untersuchungen und auch der Suche nach Trennmerkmalen (Was macht die KOH - geschichte, Stephan?) wären auch da weitere Sequenzierungen wünschenswert, um einen zusammenhang zwischen abweichenden merkmalen und abweichender DNS feststellen zu können.
Aber klar: Das alles hat nichts mit dem mE recht unpraktischen Gattungssplitting zu tun. Ich stimme Harald immerhin zu, daß die Umordnung zB bei den Rüblingen und Tintlingen auch gewöhnungsbedürftig war, aber eben auch durchaus nachvollziehbar ist. Da geht es aber um sehr viel mehr Arten. Ebenso ist es ja sinnvoll, daß nicht mehr jedes kleine, weiße, behaarte Becherchen eine Dasyscypha ist. Ob das bei Cortinarius so kommt, da warten wir mal ab.
Denn nach wie vor bin ich der Meinung, daß man auch einfach in einem etwas weiter gefassten Gattungsbegriff Untergattungen, Sektionen und Subsektionen anlegen kann. So wie es bei Cortinarius und Inocybe ja der Fall ist. Und das ergibt dort aus meiner Sicht viel mehr Sinn, als gleich alles in Dutzende Gattungen aufzulösen.
LG, pablo.