Hallo.
So langsam wird es was...
Dieser Rötling, den Anna gezeigt hat, hat mir lange graue Haare, schiefe Zähne, einen Buckel und einen gerieften Hutrand wachsen lassen. und mein Mikroskop ist plötzlich hygrophan!
Das war nicht einfach in der Bestimmung.
Als Literatur hinzugezogen wurden: Entoloma - Monografie in Fungi Europaei von Noorderloos, Funga Nordica, Großpilze BWs und Ludwig (Pilzkompendium Teil II).
Heraus kam:
Entoloma lucidum = Glänzender Glöckling

Pigment der Huthaut sowohl intrazellulär (gelöst + vakuolär) als auch fein inkrustierend:

Schnallen spärlich, aber zumindest subbasidial recht regelmäßig vorhanden:

Sporen aus Abwurf vorwiegend etwas heterodiametrisch:

Einfach degegen die Geschichte mit:
Cystoderma carcharias = Starkriechender Körnchenschirmling

Der Geruch war vor Ort ja nicht so stark ausgeprägt. insofern galt es, Cystoderma ambrosii (Weißer Körnchenschirmling) und weiße Formen von Cystoderma amianthinum (der dort auch wuchs) auszuschließen.
Cystoderma ambrosii soll nicht diese fleischfarbenen Töne auf der Hutoberfläche haben und auch nicht nach "scheunenstaub" riechen. Aber Cystoderma amianthinum riecht natürlich so.
Zu hause beim Öffnen des Döschens hat mich der typische Geruch dann aber fast erschlagen.
Trotzdem sollen C. amianthinum und C. carcharias im Gegensatz zu C. ambrosii auch noch amyloide Sporen haben.
Ist im Mikro nicht liecht zu sehen, zumal meine Kamera die Blautöne gerne verschluckt. In der Kumulation geht es dann aber doch ganz gut oder man überprüft es makroskopisch, was ja auch ganz gut geht.


Dennoch bleibt die Frage ob carcharias oder amianthinum: Aber amianthinum sollte nicht so einen ausgeprägten Ring haben, zudem sind die Sporen länglicher, was eine andere Form ergibt.
Weiter mit der kleinen Koralle unter dem Laub auf der Wiese, die Peter auch schon gezeigt hat. Die erhält den Namen:
Ramariopsis kunzei = Weißliche Wiesenkoralle


Das Sporenornament ist sehr fein, in Wasser kaum darzustellen. Aber dennoch sehr wichtig für die Bestimmung, um überhaupt erst mal in der richtigen Gattung zu landen.
Nun kenne ich Ramariopsis kunzei zwar deutlich üppiger im Wuchs, aber das mag hier der Laubauflage geschuldet sein. Oder dem Standort, denn wir hatten so eine zierliche ja im letzten Jahr auch schon an genau der selben Stelle.
Wichtig ist aber: Die Stielbasis ist weiß striegelig - filzig (darum auch der Fokus etwas komisch eingestellt auf meiinem Bild). Mit dem habitus und den Farben wäre die Verwechslungsart noch Ramariopsis tenuicola bzw. Ramariospis tenuiramosa, die ebenfalls sehr zierlich wächst, aber wohl eine glatte Stielbasis haben soll.
Ramariopsis subtilis ist eine diffuse Art, wird von manchen Autoren als glattsporig interpretiert (dann natürlich als Clavulinopsis subtilis). Diese dürfte aber einen etwas anderen Habitus haben und von der Stielbasis her bräunen.
Kommen wir zu dem Dungbrösel.
An dem wächst ja ein Faserling, der nennt sich:
Psathyrella tenuicola = Wildschweindung - Faserling

Der wächst wohl nicht nur an Wildschweindung, darum ist die Bestimmung des Substrats immer noch nicht sicher.
Sporen:

Sorry wegen schlechtem Bild. Aber Keimporus, Form und ungefähre Größe sollten erkennbar sein, auch wenn ich die auf einer Huthaut eingesammelt habe.
Pileozystiden:

Dazwischen vereinzelt runde, granulierte Zellen, die ich als Velum identifiziert habe. Ist nicht ganz einfach, weil auch die Zellen der HDS selbst rundlich sind.
Cheilozystiden:

Pleurozystiden sind ähnlich, aber nur vereinzelt zu sehen. Im Schnitt vielleicht etwas gedrungener.
Dazu sitzt an dem Dung eine Masse von
Lasiobolus cuniculi = Schlankborstiger Haar - Dungbecherling

Das Bild hatte ich gestern abend schon gezeigt, hatte dann aber keiine bessere Makroaufnahme mehr hinbekommen. Kann man (wie fast alle Bilder von mir) anklicken, dann werden sie etwas größer und erscheinen auch in höherer Auflösung.
Mikroskopisch:

Sporen 20-25 x 12-15 µm
Haare an dicksten Stelle meist unter 25 µm breit, im Schnitt etwa 20 µm (nur die langen, am Rand sitzenden Haare gemessen):

Asci biseriat, breit und gedrungen:

So.
Fehlt immer noch was. Den schwarzen Punkt muss ich erstmal wieder suchen. und dann sind noch die Ramarien in Arbeit.
Da wurden mir im Laufe der Exkursion vier Stück in die Hand gedrückt. Ich kann noch nicht sagen, ob das auch 4 verschiedene Arten sind. Aber immerhin mal eine Gelegenheit, sich mich dem Christan vertraut zu machen.
Hier mal eine Übersicht:

RAM II habe ich von dir in die Hand gedrückt bekommen, Holger, stimmt das?
Und stammt die Probe von den Fruchtkörpern, die du auch oben auf deinem Bild zeigst?
LG, Pablo.