Hi.
Naja, dem Mycel, das die Fruchtkörper produziert, schadet das Absammeln nichts.
Die Sache ist nur die: Für den Gesamtbestand einer Art sind die Fruchtkörper wichtig, damit sich die Mycelien reproduzieren und entwickeln können. Je mehr Fruchtkörper im Wald stehen und Sporen verbreiten, desto besser funktioniert das evolutionäre System der genetischen Durchmischung, die Art (als Gesamtbestand aller einzelnen Organismen / Mycelien) kann sich viel besser auch kurzfristig an Veränderungen anpassen, wird wiederstandsfähiger und damit weniger bedroht.
Und die Sporulation funktioniert eben am besten, wenn die Fruchtkörper einfach da stehen blieben, wo sie wachsen. Allerdings: Bei einer häufigen Art wie dem Fichtensteinpilz (Boletus edulis) muss man dennoch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man Fruchtkörper sammelt. Nun ist es ja so, daß man alte Fruchtkörper ohnehin stehen lassen sollte, auch weil die einfach nicht mehr frisch sind und ersten nicht mehr so gut schmecken und zweiten rasch verderben oder schon verdorben sind. Zur Sporenverbreitung taugen sie aber allemal noch.
Bei Steinpilzen ist es so: Die Sporulation beginnt, wenn sich die Röhren umfärben (von weiß nach gelb). Vorher verbreitet der Pilz keine Sporen, die sind einfach nicht reif. Die Sporulation hält dann sehr lange an: Auch wenn der Reifeprozess abgeschlossen ist (also alle Sporen zur Reife gebracht sind und keine neuen mehr produziert werden), verteilt der "Steinpilzopa", der im Wald steht immer noch fleißig seine Sporen. In den Röhren, auf Hut- und Stieloberfläche eines vergehenden Fruchtkörpers liegen immer noch hunderttausende Sporen, die nach und nach in die Umgebung freigesetzt werden. und das auf ganz unterschiedliche Weisen: Nicht nur Wind und Regen verteilen die Sporen, sondern auch sämtliche Waldtierchen, die über den Pilz krabbeln, davon naschen und dann weiter ziehen. Die Sporenverteilung durch Tiere ist vermutlich noch effizienter als die durch die Luft. Die Sporen legen zwar keine so großen Distanzen zurück, werden aber im kleineren Umkreis großzügig verteilt, auch im Radius benachbarter Mycelien und direkt in der passenden ökologischen Nische, so daß eine sehr effiziente Durchmischung entsteht.
Bei ganz jungen ist es halt mengenmäßig wenig effizient, die zu sammeln, wenn sie nach zwei Tagen ausgewachsen sind, hat man da einen viel besseren Ertrag. Sofern nicht die Schnecken schneller waren. Und Sporen haben sie ja auch nicht verbreitet. Aber hier ist eben auch richtig, daß das Mycel in die versorgung und das Wachstum Energie verwendet, wenn der Fruchtkörper entnommen wird (egal ob von einer Schnecke oder von einem Pilzsammler verspeist), kann die Energie anders verwendet werden.
Persönlich nehme ich dennoch keine "Embryos" mit, also solche Fruchtkörper, die eben erst als noch völlig geschlossene Knubbel dir Erdoberfläche durchbrechen, bleiben immer stehen.
Und bei allen Röhrlingen lasse ich alles stehen, was einen weichen Hut hat oder einen weichen Stiel. Beides kann man ja testen ohne den Fruchtkörper abzumachen, da reicht ein leichter Druck mit dem Finger. Somit habe ich nur wirklich hübsche "Ware" im Korb und es bleiben immer eine Menge Fruchtkörper im Wald zurück.
LG; Pablo.