Beiträge von Beorn

    Hallo.



    ...aus Sicht des Artenschutzes (carbophile Pilze!) ist ein solches Verbot natürlich abzulehnen!!! 😀😀😀


    Einerseits.
    Andererseits killt das Nikotin aus einem einzigen ausgetretenen Zigarettenstummel im Umkreis von etlichen Zentimetern massenhaft Bodenbewohner: kleine Insekten, Würmchen, Bakterienkolonien und sicherlich auch Pilze. Was schon mal hilfreich wäre.
    Dennoch wird's schwer fallen...



    LG, Pablo.

    Hallo, Klaus!


    Wieder mal ein Wiederspruch in den Datenbanken:
    >Bei IF< ist pomaceus aktuell
    >Mycobank< führt tuberculosus als "current name".
    >Pilze-Deutschland< (und damit wohl auch Mykis) folgen anscheinend MB
    Das Basionym "Boletus tuberculosus Baumg." ist theoretisch älter, aber das muss ja nicht immer ausschlaggebend sein.
    Ich denke, "Phellinus tuberculosus" ist hierzulande etwas gebräuchlicher, aber das kann sich ja auch wieder ändern. Insofern: Wäre es eine Möglichkeit, auch in der NRW - Checklist Phellinus tuberculosus als Synonym einzufügen? Für die Kartierer wäre es vielleicht ganz praktisch, wenn sich der Name eh hin und wieder ändert.



    LG, Pablo.

    Hallo, Rainer!


    Stimmt. Ob es aber noch nach anderthalb Jahren funktioniert? Das kommt nun darauf an, wie zersetzt der Stumpf 2015 war. Theoretisch kann ein Porling auch mal 5 Jahre lang immer wieder Fruchtkörper am selben Stumpf bilden, bis das Substrat nichts mehr her gibt.
    Andererseits ist es nach so langer Zeit auch schwer zu sagen, ob neu gefundene fruchtkörper nicht auch zu einer anderen Art gehören können, die sich in der Zwischenzeit dort angesiedelt und die erste Art verdrängt hat.
    >Im Portrait< gibt es auch das eine oder andere Bild von jungen Schmetterlingen, aber bei so jungen Porlingen sind die Bestimmungen wirklich oft verzwickt. Bei den Bildern dort gab's halt auch mal den Aha - Effekt wenn man zwei Wochen später wieder an der Stelle vorbei kam.



    LG, Pablo.

    Antrodia sinuosa (Fr.) P. Karst.
    Knotige Braunfäuletramete
    Synonyme:
    - Polyporus sinuosus Fr.
    - Poria sinuosa (Fr.) Cooke
    - Amyloporia sinuosa (Fr.) Rajchenb.
    - Irpex lacteus subsp. sinuosus (Fr.) Bourdot & Galzin
    - Poria vaporaria Pers.


    Familie: Fomitopsidiaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper meist resupinat, an schrägen und senkrechten Bereichen des Substrates auch knubbelig mit flachen, knotigen –žHutansätzen–œ, aber kaum jemals mit richtigen Hütchen. Kontext bzw. Subikulum eher dünn, in rein resupinaten Bereichen der hier gezeigten Kollektionen kaum 1mm, an knotigen Stellen bis zu 2mm; Ränder unauffällig, schmal bis fehlend, im Alter mit Tendenz zum Ablösen an den Oberkanten; Röhren frisch weißlich, bald ockerlich einfärbend, zuletzt (vor allem vertrocknet) bräunlich; Poren anfangs schwach eckig mit kompletten Rändern, vor allem ain vertikalen Bereichen bald eingeschnitten, sinuos verlängert, bisweilen fast irpicoid; Konsistenz recht hart, frisch zäh korkig, getrocknet brüchig aber fest; Geschmack nach einiger Kauzeit deutlich bitter (ob immer so?).


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur dimitisch, Skeletthyphen unseptiert, sehr dickwandig, normalerweise inamyloid, in Kontext / Subikulum und in Röhrentrama dominierend; generative Hyphen dünnwandig, Septen mit Schnallen; Basidien 4-sporig, keulig, mit Basalschnalle; Zystiden fehlen, aber zwischen den Basidien und Basidiolen kommen häufig spindelige oder etwas diffus geformte Zystidiolen vor; Sporen zylindrisch, oft etwas gekrümmt, vereinzelt angedeutet S-förmig; 4-6 x 1,3-2 µm (eigene Messungen).


    Vorkommen: Beide vorgestelleten Funde stammen aus Kiefern –“ Mischwäldern auf sandigem, schwach oberflächensaurem bis leicht basischem Boden in der Nördlichen Oberrheinebene zwischen Mannheim und Viernheim, jeweils an komplett entrindeten Kiefernstämmen –žim Luftraum–œ;
    Insgesamt scheint die Art nicht häufig zu sein, besiedelt neben Pinus auch andere Nadelhölzer wie Tanne und Fichte und ist anscheinend recht trockentolerant. Bei >Pilze-Deutschland< zeigen sich Verdichtungsgebiete um den Thüringer Wald, sowie in den Brandenburger Wäldern um Berlin und im westlichen Mecklenburg-Vorpommern. Ob die Art in den anderen Gebieten tatsächlich so selten ist oder wenig kartiert wird, bleibt offen.
    Wie alle Antrodia –“ Arten Braunfäuleerreger.



    Bilder (Anklicken, Vollansicht öffnet in weiterem Fenster)
    vom 26.02.2017:







    vom 22.02.2015:





    Sorry für die grausamen Zeichenversuche. Die Kollektion war stark verwittert und ganz schwer zu fotografieren, vor allem die wenigen Sporen.



    Verwechslungen: Antrodia ist ein komplizierte Gattung, für solide Artbestimmungen gehört neben einer aufmerksamen makroskopischen Beobachtung immer auch die mikroskopische Untersuchung, alleine schon zur Abgrenzung von anderen Gattungen. Der Fäuletyp ist wichtig (alle Antrodia –“ Arten sind Braunfäule –“ Erreger), aber oft hat man Holz mit Mischfäule, weil es von diversen Pilzarten besiedelt ist. Das Substrat zu bestimmen (zumindest ob Nadel- oder Laubholz) ist aber in jedem Fall wichtig für die Bestimmung.
    Kontrollieren muss man die Wuchsform der Fruchtkörper, Porenform und –“größe, Farben (Subikulum / Ränder + Röhren + Kontext), eventuell Geschmack, Sporenform und –“größe, Hyphenstruktur in Röhrentrama und Kontext sowie Reaktion der Hyphen auf KOH und auf Melzer.
    Einige Beispiele zur Unterscheidung ähnlicher und nahestehender Arten:
    Antrodia serialis kann extrem ähnlich aussehen, tendiert aber mehr zur Hütchenbildung und hat geringfügig kleinere Poren, ein sicheres Merkmal sind die größeren Sporen von Antrodia serialis.
    Antrodia heteromorpha hat noch größere, irregulär geformte Poren und deutlich größere Sporen.
    Ebenso verhält es sich mit Antrodia albida und Antrodia macra, die aber (fast?) nur an Laubholz vorkommen.
    Antrodia ramentacea hat nicht nur größere Sporen, sondern auch nur sehr spärliche, vereinzelte Skeletthyphen in der Röhrentrama, dafür aber dort dickwandige, septierte generative Hyphen; sie besiedelt bevorzugt noch berindetes Nadelholz.
    Antrodia gossypium hat weichere Fruchtkörper, eher spärlich vorkommende Skeletthyphen in der Röhrentrama (dabei aber kaum dickwandige generative Hyphen im Vergleich zu Antrodia ramentacea) und eine andere Sporenform.
    Antrodia vaillantii hat ähnliche Sporen wie Antrodia gossypium und vor allem noch ein dickeres, wattig weiches Subikulum mit dicken Fruchtkörperrändern.
    Antrodia xantha hat viel feinere Poren, riecht frisch nach Zitronat, hat getrocknet eine bröckelig –“ krümelige Konsistenz, oftmals amyloide Skeletthyphen, schmeckt aber ebenfalls so bitter wie Antrodia sinuosa.
    Weitere ähnliche Arten in der Gattung lassen sich anhand der oben genannten Merkmale abgrenzen.
    Ein paar Beispiele aus anderen Gattungen für ähnliche Arten:
    Cinereomyces lindbladii hat eine andere Sporenform, vor allem schwellen die Skeletthyphen dort in KOH (auch schon bei 3%) sofort an und lösen sich anschließend rasch auf.
    Diplomitoporus flavescens hat eine völlig andere Sporenform und –“größe.
    Schizopora paradoxa und Schizopora radula haben eine andere Sporenform und inkrustierte Hyphenenden an den Röhrenmündungen.
    Resupinat wachsende Formen von Heterobasidion annosum s.l. haben ornamentierte Sporen.
    Auf Nadelholz verirrte Oxyporus –“ Arten haben keine Schnallen.
    Skeletocutis –“ Arten haben fein inkrustierte Hyphen, meist feinere Poren und oft eine andere Sporenform.
    Resupinate Oligoporus –“ Arten haben eine andere Hyphenstruktur und vor allem frisch eine ganz andere Konsistenz.
    Ceriporia und Ceriporiopsis sind monomitisch.
    –¦
    Um das hier etwas abzukürzen: Weißliche, +/- resupinate Porlinge sind nicht so ganz einfach. ;)


    Verwandte und ähnliche Arten im Archiv (oder solche, die im Archiv fehlen):
    >Antrodia serialis = Reihige Braunfäuletramete<
    >Antrodia heteromorpha = Veränderliche Braunfäuletramete<
    >Antrodia ramentacea = Münzförmige Braunfäuletramete<
    >Antrodia gossypium = Weiche Braunfäuletramete<
    >Antrodia vaillantii = Wattige Braunfäuletramete<
    >Antrodia xantha = Gelbe Braunfäuletramete<
    >Cinereomyces lindbladii = Grauender Resupinatporling<
    >Diplomitoporus flavescens = Gilbender Duftporling<
    >Schizopora paradoxa = Veränderlicher Spaltporling<
    >Schizopora radula = Schmalporiger Spaltporling<
    >Heterobasidion annosum = Gemeiner Wurzelschwamm<
    >Oxyporus corticola = Krustiger Schichtporling<
    >Skeletocutis carneogrisea = Fleischgrauer Knorpelporling<
    >Oligoporus sericeomollis = Geschmeidiger Saftporling<
    >Ceriporiopsis aneirina = Grobporiger Wachsporling<

    Hallo, Peter!


    Ich habe mal versucht, das etwas besser zu formulieren.
    Ja, das Problem ist, daß der Winterporling durchaus gelegentlich einen bewimperten Hutrand haben kann. Darum die Schwierigkeit in diesem Punkt.
    Beim Weitlöchrigen sollte der Hutrand allerdings immer mehr oder weniger bewimpert sein.
    Was die Farben betrifft habe ich keine endgültige Meinung. Ich bin dem Weitlöchrigen bisher nur insgesamt recht hell begegnet, Funde vom Winterporling waren immer dunkler gefärbt. Die Porengröße und Form finde ich selbst anhand von Bildern oft schwer zu beurteilen. Aber du hast das schon richtig notiert: Wenn man einen Winterporling findet, der auch so langgezogene Poren hat, dann ist das meist nicht überall ausgeprägt, irgendwo finden sich immer Bereiche unterm Hut mit kleineren, weniger gestreckten Poren.


    Trotz aller Wertschätzung und Bewunderung für die herausragende Arbeit von Jahn und Kreisel: Die Erscheinungszeit ist nie bestimmungsrelevant. Das gilt aber nicht nur für diese beiden Porlinge sondern im grunde für alle Pilzarten. Manchmal ist sie ein Puzzleteilchen in einem Gesamtbild, aber als Schlüsselmerkmal für die Trennung von zwei Arten ist sie nicht zu gebrauchen.



    LG; Pablo.

    Hallo, Beli!


    Ja, mir ist Trichoderma / Hypocrea auch zu kompliziert. Zumal anscheinend nicht alle Artabgrenzungen so funktionieren, obwohl ich die Arbeit von Jaklitsch schon super und eine große Hilfe finde. Aber ich nehme die auch meistens nicht mit, weil es so schwierig ist mit der Bestimmung.


    Danke für das Lob wegen den Portraits. Das geht natürlich ans ganze Forum und an alle, die da mitarbeiten und sich beteiligen. Aber es ist auch längst nicht vollständig, so viele Arten fehlen noch, darum braucht man dennoch immer gute Literatur und auch das Internet.
    Aber ich stimme dir zu: Es ist oft sehr schwierig zu beurteilen, auf welche Seiten man sich verlassen kann und auf welche weniger.



    LG, Pablo.

    Hallo, Stefan!


    Wenn das der ist, an den ich denke, dann passt erstens Eberhards Pfahl sehr gut und zweitens auch deine Angaben zur Häufigkeit.
    Aber weil der zu einer Gruppe gehört, die nicht allzu viele Pilzfreunde interessiert, scheint der in einigen kleineren Nachschlagewerken (zB Pareys) trotz der Häufigkeit nicht drin zu sein. Aber immerhin im BLV müsste er zu finden sein, im Netz gibt es auch tausende schöne Bilder, also einfach mal die Spürnasen aufsetzen und den Fährten folgen.



    LG; Pablo.

    Hallo, Maria!


    Schlehengewächse gehen auch für den Pflaumen - Feuerschwamm.
    Nur bei Sanddorn muss man aufpassen: Da gibt es mit dem Sanddorn - Feuerschwamm (Phellinus hippophaeicola) noch eine sehr ähnlich aussehende Art.
    Achte auf die Festigkeit der Fruchtkörper, du kannst auch mal versuchen, einen mit dem Messer anzuschneiden. Funktioniert bei Inonotus ohne Probleme, bei Phellinus braucht man eher eine Axt oder eine Kreissäge, um da durch zu kommen. :)



    LG; Pablo.

    Ahoi!


    ...oder auch Schmetterlingstrameten. :)
    Wird sich aber vielliecht zu erkennen geben, wenn man in einer Woche oder so noch mal vorbei guckt. Die Bedinungen in den kommenden Tagen dürften recht gut wachstumsfördernd sein, endlich auch mal bei uns in der Gegend.



    LG; Pablo.

    Hallo, Enrico!


    Sehr schöne Portrait mit Datenblatt im Antilocal - Style. :thumbup:
    Das wäre mal ein Pyrenomycet, den ich auch gerne mal finden würde, zumal der ja noch deutlich dicker und "Untertassenartiger" daherkommen kann.
    Allerdings spendiere ich noch ein "i" für den Gattungsnamen und würde gerne Biscogniauxia draus machen, so wie zB >hier< oder >hier<.



    LG, Pablo.

    Ahoi!


    Na, dann muss er aber spätestens am Aschermittwoch verschwunden sein, der Beitrag. ;)


    Ohne Spaß: Jede Anfrage ist doch willkommen, Maria. Selbst wenn man zu keiner sicheren Bestimmung kommt, irgendwas nimmt man ja immer mit aus einer Diskussion.
    Ist auch letztlich nicht so wichtig, wo das Thema steht, wenn's einen hübschen Pilz zum angucken gibt.



    LG; Pablo.

    Hallo, Stefan!


    Nö. Aber ich wüsste keinen Inonotus an so dünnen Stämmchen, der zugleich so eine Wuchsform und so eine unstriegelige Oberfläche hat.
    Aber wie gesagt: Nur wenn er hart ist. Wenn er weich ist müsste man doch Inonotus noch mal durchgehen.



    LG, Pablo.

    Hallo, Dieter!


    Einmal habe ich den bisher gefunden. Und einmal "vielleicht", da war ich aber noch unmikroskopiert.
    Nach einigem Hin- und Her mit Funga Nordica und Gröger kam ich bei Clitocybe sinopica raus, und der sah immerhin ziemlich genau so aus wie deiner, wuchs auf einer Friedhofswiese unter Roteiche und roch extrös mehlgurkig.



    Und das Peinliche: Ich habe auch keine brauchbaren Mikrobilder. :shy:
    Aber ihr bekommt zum Glück welche zustande, da bin ich sicher.


    LG, Pablo.

    Hallo, Maria & Stefan!


    Oder aber der war mehr oder weniger steinhart, gehört dann zu Phellinus und mit der Wuchsform würde ich erstmal stark von Phellinus tuberculosus (Pflaumen - Feuerschwamm) ausgehen. Der bei weitem nicht nur an Pflaumengewächsen wohnt.



    LG, Pablo.

    Hallo zusammen!


    Wenn ich mich zwischen M. zephirus und M. maculata entscheiden müsste, dann auf jeden Fall der Gefleckte (Mycena maculata). Mycena zephirus habe ich noch nie so büschelig wachsen sehen, zwar sehr gesellig, teils dicht rasig, aber eben nie büschelig.



    LG, Pablo.

    Hallo.


    Wurzelschwamm im weiteren Sinne (also Heterobasidion annosum sensu lato / s.l.) sollte schon stimmen. Die Hutoberfläche kann schon auch so verkahlt sein, Porenform und Farbe, Wuchsform und Schnittbild passen dafür sehr gut. An NAdelholz kann man noch mal zwei weitere Arten trennen, wobei die Trennmerkmale wohl sehr schwammig sind und anscheinend nicht immer funktionieren.



    LG, Pablo.

    Hallo, Beli!


    "Trichoderma" (im strengen Sinne) sind die Nebenfruchtformen von Hypocrea - Arten.
    Du kannst mal nach Bildern von "Trichoderma viride" suchen, das wäre eine davon, die so aussieht wie dein Fund.
    Zu Hypocrea gibt es die Artbeiten von Jaklitsch:
    >Grünsporige Arten<
    >Hyalinsporige Arten<
    Wo bei jeder behandelten Art auch Bilder der Anamorphe / Nebenfruchtform dabei sind.


    Was das Weiße an dem FomFom ist, kann ich nicht sagen. Joe hat recht: Es könnte auch die Ausscheidung von kleinen Tierchen sein, die in dem Porling wohnen.
    Ein Pilz ist auch möglich, aber es gibt sehr viele ganz unteschiedliche Arten, die auf Porlingen wohnen. Neben anderen Porlingen können das diverse Rindenpilze und Kernpilze (darunter übrigens auch etliche Hypocrea - Arten) sein, Heterobasidiomyceten machen sowas (sehen aber meistens nicht so aus), dann natürlich haufenweise Nebenfruchtformen / Schimmelpilze, und Schleimpilze.
    Bei so vielen ganz unterschiedlichen Möglichkeiten hilft leider auch nur noch das Mikroskop. Und gute Literatur.



    LG, Pablo.

    Hallo, Uwe!


    Die dicken Fruchtkörper sind ja gerade ein wesentliches Merkmal zur Abgrenzung von anderen Arten. Aber du hast recht: Manchmal ist es nicht ganz so einfach, dann hilft nur das Mikroskop weiter. :(
    Ich hatte vorhin für die Art noch ein >Portrait< gebastelt, vielleicht hilft das noch irgendwie weiter.



    LG, Pablo.

    Phlebiopsis gigantea (Fr.) Jülich
    Großer Zystiden - Kammpilz



    Synonyme:
    - Thelephora gigantea Fr.
    - Corticium giganteum (Fr.) Fr.
    - Phanerochaete gigantea (Fr.) S.S. Rattan
    - Phlebia gigantea (Fr.) Donk
    - Scopuloides gigantea (Fr.) Spirin & Zmitr.
    - Peniophora gigantea (Fr.) Massee


    Familie: Phanerochaetaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Beginnend als kleine Flecken, die sich aber bald ausweiten und zu großflächigen Belägen von teils stattlicher Ausdehnung zusammenfließen; Oberfläche weißlich, bleigrau, ockergrau bis orangeocker; Fruchtkörper ziemlich dick, frisch von wachsartiger Konsistenz, trocken eher fest schaumstoffartig und dann auch gelegentlich ablösend, undeutlich zweischichtig (dünne Hymenialschicht und dickeres Subikulum); Ränder unauffällig, schmal bis fransig gewimpert, meist hell; Oberfläche selten glatt, oft unregelmäßig warzig, auch mit annähernd zähnchenförmigen bis stacheligen Auswüchsen, die zu größeren Gebilden zusammenfließen können und auf Stämmen und Stümpfen abgelagerten Detritus umwachsen und so noch irregulärere Formen annehmen.


    mikroskopische Eigenschaften: Subikulum aus dickwandigen, septierten Hyphen, meist ohne Schnallen (lt. Literatur hier auch mit vereinzelten Schnallen), diese +/- parallel zum Substrat und überwiegend in dichten Bündeln verknüpft und verklebt; Hyphen im Subhymenium mehr aufsteigend, ebenfalls in dichter Struktur, hier alle Septen ohne Schnallen; Basidien schlank keulig bis zylinrisch, vor allem bei jungen Kollektionen sehr lang, meist mit 4 Sterigmen und immer ohne Basalschnalle; Zystiden als Lamprozystiden (dickwandig), meist stark und grob inkrustiert, gelegentlich mit einer oder mehreren Septen, spitz zulaufend oder apikal etwas abgerundet, oft im Hymenium eingebettet (Ursprung im Subhymenium oder Hymenium) einzelne Zystiden aber auch herausragend; keine Gloeozystiden oder Leptozystiden; Sporen recht variabel: Elliptisch bis zylindrisch, oft mit einer abgefachten Seite; im Mittel 5-8 x 2,5-4 µm (eigene Messungen)


    Vorkommen: Häufige Art, in (vor allem beforsteten) Gebieten wo Waldkifer dominiert wohl einer der häufigsten Rindenpilze überhaupt. Pinus sylvestris (Waldkiefer) ist das bevorzugte Substrat, kann aber auch an anderen Nadelhölzern vorkommen; vor allem an dickeren, liegenden Stämmen und Ästen, sowie an Stümpfen in der Initialphase bis zur frühen Optimalphase der Vermorschung; überzieht oft großflächig Stämme und Stümpfe, besonders auffällig ist das massive Auftreten an relativ frischen, gelagerten Stämmen; dort oft vergesellschaftet mit Stereum sanguinolentum (Blutender Nadelholz –“ Schichtpilz) und Trichaptum abietinum (Gemeiner Violettporling).



    Bilder (Anklicken für volle Auflösung):













    Verwechslungen: Trotz etlicher sehr ähnlicher Pilze (sowohl makro- als auch mikroskopisch) lässt sich Phlebiopsis gigantea schon im Feld relativ treffsicher ansprechen. Die großflächigen, dicken, wachsartigen Fruchtkörper mit allerhand irregulär –“ warzigen Auswüchsen, dem weißlichen, cremefarbenen bis ockergelblichen Farbspiel und üppigem Wachstum an relativ frischem Totholz von Nadelbäumen sind einigermaßen charakteristisch. Dennoch lohnt es sich, auch die Mikromerkmale ins Auge zu fassen. Zum einen um eine Bestimmung wirklich abzusichern, zum anderen weil es einfach spannend aussieht.
    Ähnliche Phlebia –“ Arten haben Schnallen an den Septen (vor allem subbasidial kontrollieren), ausgenommen ein paar Arten um Phlebia deflectens, aber da finden keine Lamprozystiden statt. Die fehlen natürlich auch bei Phlebia centrifuga.
    Bei Phanerochaete –“ Arten mit Lamprozystiden (wie zB Phanerochaete velutina, sordida, laevis, leprosa, sanguinea usw.) sind die Hyphen im Subikulum anders strukturiert, bilden eine viel lockerere Textur; dadurch ist das Subikulum bei Phanerochaete meist auch in der Haptik anders: lockerer, weicher, mehr gaze –“ artig und auch im Frischzustand nicht so wachsartig wie bei Phlebiopsis.
    Hyphoderma –“ Arten (einschließlich Peniophorella) haben Schnallen an (nahezu) allen Septen, Hyphoderma –“ Arten ohne Schnallen haben keine Lamprozystiden. Peniophora –“ Arten haben entweder Schnallen, oder (wenn sie keine haben) größere Sporen oder zusätzlich Gloeozystiden.
    Dacryobolus hat eine andere Sporenform, D. karstenii istzudem dimitisch.
    Phlebiopsis roumegueri (= Phlebiopsis ravenelii) soll Laubholz besiedeln (ob ausschließlich?) und hat kleinere Sporen. Wer mit Fungi Europaei 12 arbeitet: Im Schlüssel zu den beiden Phlebiopsis –“ Arten sind die Sporengrößen vertauscht. In den Beschreibungen stimmt es dann wieder.


    Anmerkungen: Wenn die momentane Definition der Verwandschaftsbeziehungen (Einordnung in Gattungen, Familien, Ordnungen–¦) auf ITS –“ Sequenzen basiert, sollte man mittelfristig mit Korrekturen dieser Einordnung rechnen. Sobald sich herauskristallisieren lässt, welche Sequenzen für eine Einschätzung von Verwandschaftsbeziehungen jenseits der Artdefinition besser geeignet sind als ITS, die in der Hinsicht nicht immer ein sinnvolles Bild zu ergeben scheint.
    Morphologisch ist die Abgrenzung der Gattungen Phanerochaete –“ Scopuloides –“ Phlebiopsis heikel. In allen Gattungen gibt es Arten mit Lamprozystiden (teils auch mit Septozystiden), Schnallen fehlen überall oder sind nur vereinzelt im Subikulum ausgebildet, alle sind monomitisch und in Basidienform und sonstigen Merkmalen sehr ähnlich.
    Scopuloides ist von Phanerochaete und Phlebiopsis dadurch zu unterscheiden, daß die Fruchtkörper nie ein deutliches Subikulum bilden. Das fehlt entweder völlig oder besteht nur aus einer sehr dünnen Lage horizontal verlaufender Hyphen, die kaum von den Hyphen des Subhymeniums zu unterscheiden sind.
    Phanerochaete und Phlebiopsis sollen sich durch die Konsistenz unterscheiden, was nicht immer funktioniert, da auch frische Phanerochaete –“ Fruchtkörper gelegentlich deutlich wachsartig in der Haptik sein können. Damit bleibt zur Trennung von Phanerochaete und Phlebiopsis im Grunde nur noch die Beschaffenheit des Subikulums, das bei Phanerochaete aus lockerer verknüpften, nicht bündelig ineinander verklebten Hyphen besteht. Doch auch hier sind die Übergänge fließend, und da die aus ITS –“ Sequenzen erstellten Verwandschaftsbäumchen zu hinterfragen sind, kann man auch den Autoren folgen, die Phlebiopsis bei Phanerochaete einordnen.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phlebiopsis roumegueri = Laubholz –“ Zystidenkammpilz<
    >Phlebia centrifuga = Heidelbeerfarbiger Kammpilz<
    >Phlebia deflectens = Ockerlila Kammpilz<
    >Phlebia livida = Bleifarbener Kammpilz<
    >Phanerochaete velutina = Samtiger Lamprozystidenrindenpilz<
    >Hyphoderma setigerum = Feinborstiger Rindenpilz<
    >Peniophorella pubera = Flaumiger Samtrindenpilz<
    >Dacryobolus karstenii = Nördlicher Höckerrindenschwamm<
    >Scopuloides rimosa = Feinzahniger Lamprozystidenrindenpilz<
    –¦ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

    Hallo, Beli!


    Jan-Arnes Einschätzung teile ich:
    >Terana caerulea< hat eine andere Färbung (ohne Grüntöne, solange man kein KOH drüberschüttet) und vor allem eine andere Oberfläche: Die ist niemals so fusslig - filzig.
    Man kann noch >Byssocorticium atrovirens< im Hinterkopf haben, aber hier glaube ich auch vielmehr an eine Trichoderma.
    >FomFom< ist eindeutig, der Corti zum Schluss muss unters Mikro, sonst verrät der seinen Namen nicht.



    LG, Pablo.

    Hallo!


    Mycena tintinnabulum (Winterhelmling) kenne ich insgesamt etwas "graubrauner", oft mit abgeflachteren Hüten (muss aber wohl nicht nach Mycena.no) und vor allem: Breit angewachsenen oder sogar etwas bogig herabluafenden Lamellen. Die wären hier ja deutlich ausgebuchtet bzw. aufsteigend angewachsen.
    Das muss aber nicht viel heißen, weil von Helmlingen verstehe ich nicht besonders viel.



    LG, Pablo.

    Moin, Hartmut!


    Wow, das sind so ziemlich die verwegensten Sporen, die ich je gesehen habe. 8|


    Und oh weh, was ich da losgetreten habe. :D
    Nun macht auch noch Ingo zwei Leute aus dir, Hartmut. Obwohl... Das könnten wir ja alle gebrauchen, noch einen Klon in der Hinterhand, der all das erledigt, wozu man sonst nicht kommt bei diesen blöden Tagen, die unsinnigerweise jeweils nur 24 Stunden haben.



    LG, Pablo.