Beiträge von Beorn

    Hallo, Juliane!


    Da bist du ja wieder. :)
    Die Eule ist putzig, aber deine selbstgemachten Figuren gefielen mir noch besser. ;)
    Aber auch so ist das eine schöne Frühlings - Farbenpracht.


    Bei -1- könntest du aus "versicolor" noch "subtomentosum" machen. Schichtpilz (Stereum) stimmt natürlich aber der Striegelige wäre "hirsutum", deiner ist aber vermutlich der Samtige Schichtpilz. Mit dem Farbspiel käme noch der Prächtige Schichtpilz (Stereum insignitum) in frage, aber ob der schon soweit nach norden gewandert ist? Das müsste man letztlich wohl mikroskopisch ermitteln.


    2: Mit "TuFur" (= Trompetenschnitzling / Tubaria furfuracea) liegst du richtig. :thumbup:



    LG, Pablo.

    Hallo, Dieter!


    Eventuell ist die Sporenpulverfarbe von Rhodocybe bei manchen Arten variabler, als man glaubt.
    Letztes Jahr hatte ich eine Kollektion von Rhodocybe caelata, da war das Pulver im Abwurf auch eher cremefarben, beim zusammenschieben ganz blass fleischockerlich. Da kam mir erst auch nicht in den Sinn, daß das ein Tellerling sein sollte.


    Doku zu Rhodocybe caelata:





    LG, Pablo.

    Hallo, Ralf!


    Das wäre jetzt nur mal ein Gedankenspiel, weil ich ja mit diesen Arten keine Ahnung habe:
    Wenn eine Art in der Lage ist, sowohl Asci mit 128 als auch mit 256 Sporen zu bilden, wäre es dann nicht logisch, wenn bei größerer Anzahl von Sporen / Ascus die einzelnen Sporen etwas kleiner wären? Also in dem Fall kürzer, was dann auch den Quotienten verändert?
    Basidiomyceten treiben ja auch solche Spielchen, wenn man eine überwiegend viersporige Art hat, dazwischen aber ein paar 2-sporige Basidien, dann sind die Sporen an den zweisporigen oft größer. Könnte hier ja so ähnlich funktionieren.



    LG, Pablo.

    Hallo, Andreas!


    Die Augen halte ich offen. Kollektionen aus dem Umfeld finden sich hier eigentlich regelmäßig. Gut dabei, wenn es nicht an massivem Substrat sein muss, denn da war >dieser Fund< (wenn auch kein direkter Holzkontakt ersichtlich war) für mich schon eine Ausnahme. Ansonsten eher auf mit Detritus versetzem Erdboden, zwischen kleinen Zweiglein oder Spänen. So was Dunkles habe ich noch nicht gesehen, aber vielleicht auch zu wenig drauf geachtet.



    LG, Pablo.

    Hallo, Jens!


    >Böhmische Verpel<, Fingerhutverpel (Verpa conica) und Käppchenmorchel (Mitrophora semilibera = Morchella semilibera = Morchella gigas ss. auct.) sind drei unterschiedliche Arten. Bei den beiden Verpeln sind Stiel und Hut nur ganz oben an der Stielspitze verwachsen, bei der Käppchenmorchel ist der Übergang von Hut zu Stiel etwa in der Hutmitte. Die Böhmische Verpel hat einen viel runzligeren Hut als die Fingerhutverpel, aber das ist manchmal nicht einfach zu beurteilen. Mikroskopisch sind beide auf den ersten Blick leicht und sicher zu unterscheiden: Asci 2-sporig bei Verpa bohemica, Asci 8-sporig bei Verpa conica.


    Schmecken tun sie alle drei. :)


    Starke Fundkombis, Clavulina. :thumbup:



    LG, Pablo.

    Hallo, Romana!


    Wenn die Becherchen in einigermaßen gutem Zustand bei Zotto ankommen bin ich sicher, daß ihr da einen namen für bekommt. :)
    Das von mir war nur so eine spontane Idee, in dem Bereich kenne ich mich wirklich kaum aus.
    Vielleicht meldet sich Ingo W(agner) noch zu diesem Thema, aber wenn ihr da schon eine Sendung zusammengebastelt habt, kann man auch einfach auf das Ergebnis warten.



    LG, Pablo.

    Hallo, Romana!


    Eine Orbilia kann es nicht sein, die haben niemals Randhaare.
    Makroskopisch würde ich jetzt ganz grob zu Olla tendieren, also so was >in diese Richtung<. Mikroskopisch braucht man noch ein paar mehr Details (siehe auch Dokus von Ingo im Link), aber Paraphysenform und Sporenform würden auch dazu einigermaßen passen.



    LG, Pablo.

    Sporenvergleich Phlebia livida vs. Phlebia lilascens:


    Sporenvergleich Phlebia livida vs. Phlebia radiata:

    Phlebia radiata ist normalerweise leicht zu erkennen, doch bisweilen tritt diese auch in farbarmen Varianten mit violetten Verfärbungen auf, beim Überwachsen grob strukturierter Oberflächen (Bruchkanten des Substrats, Moose, Detritus etc.) ist auch die faltige Struktur von Phlebia radiata manchmal nicht mehr klar erkennbar. Dann kann es schon mal etwas kniffliger werden.


    Noch zwei Bildchen einer ziemlich großflächigen Kollektion von Phlebia livida, unterseits an einem auf nassem Boden liegenden Laubholzstammstückes gewachsen:


    Vergesellschaftet mit Xylaria hypoxylon, die kleinen Sägemehlhäufchen sind der Auswurf von Tierchen, die im Substrat wohnen und ihren Abraum ja auch durch die Pilzfruchtkörper hinaus schaffen müssen.



    LG, Pablo.

    Hallo, Andreas!


    In der Tat eine recht seltsame spadiceogrisea, die dort zu sehen ist.
    Hygrophan ist sie ja normalerweise immer ein bissschen (oder ein bisschen mehr), aber hier scheint der HUt so dunkel rotbraun zu sein, zudem mehr oder weniger papilliert.


    Die fast - büschelige Wuchsweise direkt an Holz hat auch eine Bedeutung, oder?



    LG, Pablo.

    Ahoi!


    Da schließe ich mich an. :thumbup:
    Stimmt, meistens funktioniert es nur, wenn man die Fruchtkörper auch genauer untersucht.
    "Verletzen" kann man den Pilz dabei nicht, denn der wohnt ja als feine Fäden im Erdreich oder dem Substrat, die Fruchtkörper, die wir sehen, sind nur die Fortpflanzungsorgane. Und das sind für den Pilz "Verbrauchsartikel", also dazu vorgesehen, von der Umgebung mehr oder weniger rasch "abgebaut" zu werden: Also von Schnecken und Käfern zerknabbert (die dabei die Sporen verbreiten), von Wildschweinen umgestolpert (und die Sporen in der Gegend verteilt) oder auch mal von Menschen abgesammelt zu werden.


    Bei diesen beiden Pilzen wird erfahrungsgemäß nichts anderes rauskommen als die beiden bereits vorgeschlagenen Bestimmungen.



    LG; Pablo.

    Hallo, Magellan!


    Hochwasser? Wie schön! :)
    Kannst du davon ein bissel was in den Süden raufschieben? Ich habe so langsam das Gefühl, daß den Pilzen hier der abgesackte Grundwasserstand gar nicht gefällt. Trotz mittlerweile immerhin oberflächlich nassem Boden gibt's hier kaum Fruchtkörper - Wachstum.


    Die Exidias dürften gut sporuliert haben: Das weiße Sporenpulver auf schwarzen Fruchtkörpern könnte diese graue Färbung verursachen.



    LG; Pablo.

    Phlebia livida (Pers.) Bres.
    Bleifarbener Kammpilz
    Synonyme:
    - Corticium lividum Pers.
    - Lilaceophlebia livida (Pers.) Spirin & Zmitr.
    - Merulius lividus (Pers.) Park.-Rhodes
    - incl.: Phlebia livida subsp. tuberculata Hallenb. & E. Larss.


    Familie: Meruliaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper komplett resupinat, Ränder auch beim Antrocknen nicht ablösend; zunächst kleinfleckig, später zu größeren Flächen zusammenfließend; Oberflächen frisch wachsartig, oft fein bereift, höckerig –“ warzig, Warzen oft gedrängt und Cluster bildend, in den Randbereichen auch fast glatt, dort selten undeutlich radialfaltig; Ränder in Wachstumsphasen wuschelig bis gewimpert, später unauffällig oder fehlend, meist heller als in den zentralen Fruchtkörperbereichen; jung cremeweißlich bis bleigrau, bald mehr und mehr grauocker bis gelblich, oft mit blassvioletten Reflexen, alt mit dunkellila Flecken; trockene Fruchtkörper sehr dünn, hornartig –“ brüchig, aber Warzen nach wie vor deutlich als scharfe, körnige Erhebungen, normalerweise auch trocken ohne Risse.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, Septen mit Schnallen, generative Hyphen vorwiegend dünnwandig, im Subikulum auch dickwandig, bisweilen etwas gelifiziert; im Subhymenium aufsteigend und dicht verflochten und verklebt; im Hymenium finden sich einzelne, aus den Basidien ragende Leptozystiden, diese sind sehr schmal, spitz zulaufend, dünnwandig und ohne Inkrustierungen, dabei recht unbeständig und beim Quetschen schnell zerstört, so daß sie nicht immer einfach zu beobachten sind; Basidien schlank keulig, mit Basalschnalle und (2-)4 Sterigmen; Sporen zylindrisch bis suballantoid, um 3,5-5 x 2 µm;
    Vor allem in den Warzen sind die Fruchtkörper mit zunehmendem Alter von massiven Kristallansammlungen durchsetzt, diese Kristallagglomerationen durchwachsen dabei oft den gesamten Fruchtkörper vom Subikulum bis zum Hymenium.


    Vorkommen: Ziemlich häufige Art ohne spezielle Ansprüche an Bodentypen, Höhenlage oder thermische Gegebenheiten. Besiedelt wird meist optimalmorsches, liegendes Laubholz, aber auch Nadelholz kann als Substrat vorkommen. Auffallend vor allem aus eigenen Funderfahrungen ist die Bevorzugung von +/- bodenfeuchten bis nassen Gebieten mit hohem Grundwasserstand, sowie das oft versteckte Wachstum an Substratunterseiten, so daß man die Fruchtkörper häufig erst beim Umdrehen eines Astes oder Stämmchens findet.



    Bilder (Anklicken für Großdarstellung):


















    Verwechslungen: Nach einer ganzen Reihe von untersuchten Funden dieser Art ist die –žTrefferquote–œ beim Überprüfen der makroskopischen Voreinschätzung erstaunlich hoch. Typisch ausgeprägte Fruchtkörper mit den typischen Farbverläufen über grauweiß, bleigrau, rauchgelb und violett sowie den dichten, groben, stellenweise kumulierenden Warzen, der hauchfeinen Bereifung und der wachsigen Konsistenz, Wuchsweise an der Unterseite von morschem, feuchtem Totholz tendieren dazu, sich bei mikroskopischer Überprüfung als eben diese Art zu entpuppen.
    Dennoch ist bei solchen Krusten wenigstens ein kurzer Blick auf die mikroskopischen Merkmale Pflicht, weil es so viele ähnliche Arten gibt (auch in anderen Gattungen).
    Wichtige mikroskopische Kriterien sind die Hyphenstruktur: dicht verflochten und verklebt im Subhymenium, lockerer und mit deutlich gelifizierten Hyphen im Subikulum, monomitisch und mit Schnallen; die Kristallagglomerationen sind ein wichtiger Hinweis, ebenso wie die lang zugespitzten Leptozystiden, die schlanken Basidien in dichter Palisade und dazu die kleinen, suballantoiden Sporen.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phlebia lilascens = Lilafärbender Kammpilz<
    >Phlebia albida = Strohblasser Kammpilz<
    >Phlebia radiata = Orangeroter Kammpilz<
    >Phanerochaete tuberculata = Milchweißer Rindenpilz<
    >Phlebiopsis gigantea = Großer Zystiden-Kammpilz<
    >Hyphoderma mutatum = Veränderlicher Rindenpilz<
    >Hyphoderma roseocremeum = Rosafleckender Rindenpilz<
    >Dacryobolus sudans = Tränender Höckerrindenschwamm<
    >Peniophora quercina = Eichen –“ Zystidenrindenpilz<
    >Radulomyces confluens = Zusammenfließender Reibeisenpilz<
    >Sistotremastrum niveocremeum = Cremeweißer Scheinschütterzahn<


    Anmerkungen: Phlebia livida subsp. tuberculata (= Phlebia tuberculata (Hallenb. & E. Larss.) Ghobad-Nejhad) soll sich durch etwas andere Farbverläufe (heller, teils mit Olivton), eine etwas andere Form der Warzen (pp etwas zugespitzt) und vor allem dadurch von der subsp. livida unterscheiden, daß die Warzen auch bei getrockneten Fruchtkörpern noch persistent sind. Trockene Fruchtkörper der subsp. livida dagegen sollten glatt sein.
    Bei den oben gezeigten Funden fällt mir die Einordnung in eine der beiden Subspezies schwer: Die Farben und auch die Form der Warzen sind innerhlab einer Kollektion oft schon so variabel, daß sie durchaus zu beiden Unterarten passen können. Im Exsikat war zu beobachten, daß die Fruchtkörper zwar sehr dünn werden, aber dabei etwas körnig. Klar: Hyphen trocknen ein, kallbieren und das Gewebe wird hart und dünn, aber die Kristallansammlungen im Inneren bleiben:

    Phlebia lilascens (Bourdot) J. Erikss. & Hjortstam
    Lilafärbender Kammpilz
    Synonyme:
    - Corticium lilascens Bourdot
    - Lilaceophlebia lilascens (Bourdot) Spirin & Zmitr.
    - Corticium pallidoincarnatum Litsch.


    Familie: Meruliaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper komplett resupinat; oft großflächig; junge Fruchtkörper im Wachstum mit fein gewimperten Rändern aus leicht gelatinösen Fransen, ansonsten Ränder unauffällig; frische Fruchtkörper mit wachsartiger Konsistenz und nur bruchstückweise vom Substrat abzulösen; Hymenium glatt bis warzig, Warzen überwiegend flach und rundlich; cremefarben, bald ockerlich mit fleischfarbenem Schimmer, trocknend und alternd mehr und mehr trüb violett verfärbend; zunehmend rissig aufreißend, trocken bisweilen vom Substrat ablösend (vor allem an Risskanten aufplatzender Fruchtkörper) und insgesamt hart und brüchig; Subikulum dünn, weißlich, jung etwas gelatinös


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, Septen überall mit Schnallen, generative Hyphen dünnwandig, im Subikulum auch etwas dickwandig, gelegentlich gelifiziert, selten fein inkrustiert (Subhymenium), oft mit Inhalt aus Öltröpfchen; Hyphen vor allem im Subhymenium dicht verflochten und verklebt (und dadurch schwer zu beobachten), dort meist aufsteigend, im Subikulum etwas lockerer verknüpft; Basidien in dichter Palisade, schlank keulig, mit (2-)4 Sterigmen; Zystiden generell fehlend (ganz vereinzelt können zugespitzte, dünnwandige Zystiden auftreten); Sporen ellipsoid bis subzylindrisch, um 4-5 x 2,2-2,8 µm


    Vorkommen: Die Art scheint nur gebietsweise etwas häufiger zu sein. Das >Fehlen in größeren Teilen Deutschlands< könnte aber auch Resultat einer Unterkartierung sein. Eigene Funde waren bislang an liegenden Kiefernstämmen, aber die Art kann auch Laubholz besiedeln. Bevorzugt werden anscheinend dickere Stämme und Äste mit Bodenkontakt im Optimalstadium, gerne in bodenfeuchten Gebieten bzw. an Stellen mit einigermaßen hohem Grundwasserstand. Die Fruchtkörper werden dabei an offenen Stellen des Substrats gebildet (während man Phlebia livida oft erst nach Umdrehen eines Astes oder Stammes zu gesicht bekommt). Bodenacidität und Thermophilie der Umgebung scheint nach eigenen Beobachtungen kaum eine Rolle zu spielen, ebenso wenig wie die Höhenlage.



    Bilder:










    Verwechslungen: Neben den makroskopischen Eigenschaften (Konsistenz, Farben, Oberflächenstruktur) sind die mikroskopischen Merkmale zur Bestimmung hier unbedingt notwendig. Hyphenstruktur, Eigenschaften des Hymeniums und Sporen spielen eine wichtige Rolle, so daß eine Bestimmung nur nach Betrachtung dieser Parameter möglich ist.
    Neben einigen ähnlichen Arten aus der gleichen Gattung können auch Arten aus anderen Gattungen nicht nur makroskopisch, sondern teilweise auch mikroskopisch sehr ähnlich sehen. Zu beachten sind vor allem Arten aus Gattungen, wo ebenfalls Fruchtkörper mit wachsartiger Konsistenz gebildet werden. Beispielsweise bei Hyphoderma, Radulomyces, Ceraceomyces, Phanerochaete (und Weiteren).
    Hyphoderma und Radulomyces haben eine mehr aufgelockerte Hyphenstruktur, die Basidien sind meist breiter und unregelmäßiger in der Form, vor allem bei Radulomyces sehen die Sporen völlig anders aus. Phanerochaete hat keine Schnallen im Hymenium und Subhymenium (gelegentlich aber im Subikulum); Ceraceomyces –“ Arten können mikroskopisch sehr ähnlich sehen (jeweils ähnliche Sporengröße und –“form oder ähnliche Hyphenstruktur und Basidien), hier muss man sehr genau auf Zystiden, Schnallen und Sporen achten, aber auch auf makroskopische Eigenschaften wie Struktur des Hymeniums (bei Ceraceomyces serpens zB meruloid und nicht warzig).
    Innerhalb der Gattung Phlebia ist Phlebia livida eine sehr ähnliche Art, die makroskopischen Trennmerkmale sind schwer zu fassen (Struktur der Warzen, etwas andere Farbverläufe, leicht unterschiedliches Verhalten beim Trocknen der Fruchtkörper), mikroskopisch sehen sich die beiden auch sehr ähnlich, da die Zystiden bei Phlebia livida schwer zu finden sind. Gute mikroskopische Merkmale sind die kräftigen Kristallagglomerationen bei Phlebia livida und die etwas unteschiedliche Sporenform:


    Phlebia lilascens representiert möglicherweise einen Komplex aus morphologisch schwer trennbaren Arten. Taxa wie zB Phlebia lacteola sind morphologisch kaum zu unterscheiden, im erwähnten Fall sei die Unterscheidung nur anhand der blasseren (weißlichen) Fruchtkörper von Phlebia lacteola, den marginal kleineren Sporen und den undeutlichen, mit Kristallformationen durchsetzten Subikulumhyphen möglich. Alles drei wären aber Eigenschaften, die bei den meisten Arten der Gattung recht variabel und stark abhängig von Substrat, Wuchsweise, Alter und Durchfeuchtungszustand der Fruchtkörper. Insbesondere die Farben wechseln bei allen Phlebia –“ Arten je nach Alter und Durchfeuchtung der Fruchtkörper.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phlebia livida = Bleifarbener Kammpilz<
    >Phlebia albida = Strohblasser Kammpilz<
    >Phlebiopsis gigantea = Großer Zystiden-Kammpilz<
    >Sistotremastrum niveocremeum = Cremeweißer Scheinschütterzahn<
    >Cylindrobasidium laeve = Ablösender Rindenpilz<
    >Phanerochaete velutina = Samtiger Lamprozystidenrindenpilz<
    >Radulomyces confluens = Zusammenfließender Reibeisenpilz<
    >Dacryobolus karstenii = Nördlicher Höckerrindenschwamm<
    >Gloeocystidiellum luridum = Ockergelber Gloeozystidenrindenpilz<
    und viele mehr–¦

    Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden
    Ockergelber Kammpilz, Gelber Kammpilz
    Synonyme:
    - Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein.
    - Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden
    - Grandinia subochracea Bres.
    - Mycoacia subochracea (Alb. & Schwein.) Parmasto
    - Sarcodontia subochracea (Alb. & Schwein.) Nikol.
    - Phlebia danica (M.P. Christ.) M.P. Christ.


    Familie: Meruliaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper ausschließlich resupinat; aus kleineren Flecken bald zu großflächigeren Überzügen zusammenwachsend; Ränder im Wachstum weißlich, fein wuschelig, später undeutlich bis fehlend; Subikulum dünn, unauffällig, weißlich; Oberfläche frisch wachsartig, glatt bis deutlich warzig, Warzen vereinzelt bis dicht gedrängt, rundlich bis kantig; frisch blass zitronengelb oder cremefarben, bald ockergelb, goldgelb bis goldbraun, teilweise mit rötlichem Schimmer; getrocknete Fruchtkörper hornartig –“ brüchig und dünn.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, Septen überall mit Schnallen; Hyphen im Subikulum parallel zum Substrat, dünn- bis schwach dickwandig, gelegentlich etwas gelifiziert; im Subhymenium dicht verflochten und verklebt, aufsteigend, mit vereinzelten Kristallen durchsetzt, teilweise mit Öltröpfchen; im Hymenium mit spindeligen, zuspitzenden Leptozystiden (dünnwandig, ohne Inkrustierungen); Basidien schlank keulig in dichter Palisade; Sporen elliptisch bis subzylindrisch, glatt, dünnwandig, inamyloid, vital mit refraktärem Inhalt aus teilweise zu größeren Gebilden zusammenfließenden Tropfen; um 4,5-7 x 2,2-3 µm (eigene Messungen)


    Vorkommen: In den meisten Gegenden wohl eine eher seltene Art, bei >Pilze-Deutschland< sind Verdichtungszentren vor allem im Nordosten (Niedrungen von Mecklenburg-Vorpommern und östliches Schleswig –“ Holstein) zu erkennen, sowie im Oberrheingebiet. Der hier vorgestellte Fund stammt aus der südlichen Oberrheinebene, Auwald mit Altrheinarmen am Kaiserstuhl (wärmebegünstigte Region), seitlich und unterseits an einem dickem, liegendem Laubholzstamm in sehr feuchtem Gelände. Die Art scheint bodenfeuchte Gebiete zu bevorzugen, steigt eher nicht in die Höhenlagen von Mittelgebirgen auf, besiedelt vorwiegend gut durchfeuchtetes Laubholz.



    Bilder:








    Verwechslungen: Auch wenn das Aussehen mit Oberflächenstruktur und Farben recht markant ist, sind Bestimmungen hier nur nach Beobachtung einiger mikroskopischer Merkmale möglich.
    Gelbe Rindenpilze mit Warzen oder kleinen Stacheln / Zähnchen gibt es schon eine ganze Reihe, aber wenn man neben den Farbverläufen, Oberflächenstruktur und Konsistenz auch einen Blick auf die Hyphenstruktur, Zystiden und Sporen wirft, ist die Bestimmung eigentlich kein Problem.
    Phlebia fuscoatra hat zB in den Stachelspitzen grob inkrustierte Hyphen und Hyphenenden, Phlebia uda hat anders geformte Zystiden, beide Arten haben markanter ausgeformte Zähne (fuscoatra) bzw. Stacheln (uda).
    Phlebia adiata ist nur entfernt ählnich und lässt sich schon makroskopisch durch das viel mehr faltige Hymenium gut untescheiden, dort fehlen auch die zugestpitzten Leptozystiden.
    Ceraceomyces sulphurinus soll sich durch grob inkrustierte Zystiden unterscheiden; Cristinia eichleri hat gar keiine Zystiden und andere Sporeneigenschaften; Phanerochaete –“ Arten haben keine Schnallen im Hymenium und Subhymenium (höchstens gelegentlich im Subikulum); Xenasmatella vaga hat eine andere Basidienform und warzige Sporen; Xylodon spathulatus hat nicht nur eine andere Konsistenz, sondern ist auch durch die ganz andere Sporenform leicht zu unterscheiden.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phlebia ochraceofulva (eventuell auch ein Synonym zu P. subochracea)<
    >Phlebia fuscoatra = Schwärzender Zähnchenkammpilz<
    >Phlebia uda = Wachsgelber Zähnchenkammpilz<
    >Phlebia radiata = Orangegelber Kammpilz<
    >Ceraceomyces sulphurinus = Schwefelgelber Wachsrindenpilz<
    >Cristinia eichleri = ???<
    >Phanerochaete raduloides = Raspelzahn - Zystidenkruste<
    >Xenasmatella vaga = Schwefelgelber Stachelspor - Rindenpilz<
    >Xylodon spathulatus = Plattzahniger Zähnchenrindenpilz<



    Anmerkungen: MycoBank sieht Phlebia ochraceofulva (Bourdot & Galzin) Donk als Synonym zu Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden, IndexFungorum jedoch führt beide Arten getrennt und Bernicchia (Fungi Europaei 12) trennt die beiden anhand der durchschnittlichen Sporenbreite (3-4 µm bei Phlebia ochraceofulva) und der –žstärker verklebten Hyphentextur–œ bei Phlebia ochraceofulva. Gleichzeitig weißt sie aber auf die große Ähnlichkeit der beiden Arten hin.
    Bei der hier vorgestellten Kollektion sind die Hyphen im Subhymenium Phlebia –“ typisch stark und dicht verkelbt, die Sporen nicht über 3 µm breit. Ob hier tatsächlich zwei Arten vorliegen kann ich nicht beurteilen und würde sie im Zweifel vorerst versuchen zu trennen, wo es möglich ist, alleine schon um einen Datenverlust bei Kartierung und morphologischen Dokumentationen zu vermeiden.
    Die andere Frage ist, ob Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden mit dem Basionym Grandinia subochracea Bres. das Gleiche sein soll wie Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden mit dem Basionym Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein.?
    Eriksson, Hjortstam & Ryvarden nutzen in –œCorticiaceae of North Europa– Bresadolas Grandinia subochracea als Basionym (und hinterfragen ebenfalls die Eigenständigkeit von Phlebia ochraceofulva, trotz der festgestellten Unteschiede).
    Nakasone, Burdsall & Nell gehen auch von Grandinia subochracea Bres. aus (untersuchter Holotypus), verstehen Phlebia ochraceofulva (Bourdot & Galzin) Donk als Synonym (untersuchter Lectotypus). Siehe Mycotaxon 14(1):3-12
    Bernicchia weicht hier ab mit der verwendung von Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden; ein Basionym von Giacomo Bresadola taucht hier gar nicht auf, ebenso wenig bei IndexFungorum.
    Letztlich nicht entscheidend, da sowohl in –žCorticiaceae of North Europe–œ als auch in –žFungi Europaei 12–œ der gleiche Pilz unter dem gleichen Namen beschrieben wird, nur mit abweichendem Autorenzitat.
    Solche taxonomischen Verwirrungen machen stutzig, auflösen kann ich es momentan nicht.
    Für den Moment sollen hier nur die eindeutigen Synonyme berücksichtigt werden, wobei Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein. älter wäre (1805) als Grandinia subochracea Bres. (1894)–¦
    –¦Spitzfindigkeiten. Wem es nur um die Bestimmung dieser außerordentlich hübschen Phlebia geht, kann das Taxonomie –“ Wirrwarr einfach ignorieren.

    Das wird schwierig, ohne einen Blick auf die Unterseite zu werfen.


    Aber den haben wir doch. :)


    Oh. Da schau her. OK, so wie das aussieht, schlägt mein Pendel auch mehr zu deiner Idee aus. Aber so ganz erkennen, ob es nicht doch die gespaltenen lamellen eines Spaltblättlings sind, kann ich noch nicht. Wobei natürlich Habitus und die eher unhaarige Hutoberfläche eher Indizien für Adernzählinge sind...
    LG; Pablo.

    Moin!


    Beim ersten Fund sprechen Wuchsweise und Farben schon für den Striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum).
    Ein genauer Blick auf die Oberseiten der Hütchen würde noch helfen, ob da tatsächlich so ein abstehender Pelz drauf ist, wie bei den Striegeligen Trameten (Trametes hirsuta, heißt ähnlich, hat auch Haare auf der Oberseite, aber eben unten Poren: Darum ganz verschiedene Gattungen).



    LG, Pablo.

    Hallo, Peter!


    Na, "Monster" ist doch ein wenig übertrieben. Soclhe Funde entpuppen sich oft als lediglich unglücklich untypisch ausgeprägte fruchtkörper von ganz trivialen Arten.
    Aber klar: Ich nehme den gerne, wenn du bei Gelegenheit beim Postamt deines Vertrauens vorbei kommst. Klappt auch ohne Morcheln, ich hoffe, ja, daß ich die eigenen Vorräte in diesem jahr auffrischen kann. Sofern sich der Grundwasserspiegel wieder etwas erholt, dürfte das kein Problem sein. Momentan stösst man hier in der Gegend beim Bohren nach Wasser zunächst auf Neuseeland, bevor man was Feuchtes findet. ;)



    LG; Pablo.

    Hallo, Ralf!


    Es kann aber auch sein, daß Scheibenlorcheln unbedingt Substrat benötigen, das vorher von einer zertifizierten Hexe verzaubert worden ist.
    Insofern... Wie oft warst du zB mit Melanie auf der Runde?


    Ach ja, so am Rande, wo du es gerade erwähnst: Frühlings - Weichritterlinge sind auch ein Mythos! Die gibt es gar nicht, jedenfalls habe ich selbst noch keinen davon gesehen. Schon auffällig, bei so einer angeblich häufigen Art. Letzten Herbst hatte mal jemand ein paar Atrappen zur Pilzberatung mitgebracht, aber das waren eben sehr geschickte Modellationen, die einfach nur sehr präzise das Aussehen dieser Legende nachgeahmt haben. In Wirklichkeit waren es einfach nur ein paar zusammengedübelte und umlackierte Fruchtkörper einer viel häufigeren Art wie zB Orangerote Dachpilze.



    LG, Pablo.

    Hallo, Peter!


    Jedenfalls ist deine Nummer 4 ganz interessant. Vermutlich aber auch fester in der Konsistenz als der Zimtfarbene Weichporling (der ja eine ganz andere Porenfarbe hätte)?
    Von oben schaut das aus wie eine Hirschbraune Tramete (Trametes cervina), aber das fällt aufgrund der Porenform aus. Kann es nicht sein. Ebenfalls ählich ist natürlich die >Reihige Braunfäuletramete<, aber da fehlen die Resupinatanteile und das Vorkommen an Laubholz wäre ungewöhnlich. Dennoch könnte ich mir gut vorstellen, daß man da eher bei Antrodia suchen muss als bei Trametes, wobei die beiden Gattungen mikroskopisch schwer zu trennen sind (wenn es nicht gerade eine der eindeutig trimitischen Trametes - Arten wäre). Das beste Trennmerkmal der beiden Gattungen wäre eigentlich der Fäule - Typ, was im Feld aber meistens nicht funktioniert, weil man mehrere Pilze am Substrat hat und damit eine Mischfäule. Muss man wohl aufmerksam mikroskopieren und dann auch mal beide Gattungen schlüsseln.



    LG, Pablo.

    Hallo, Joe!


    Optisch wäre der >Rosa Saftporling< schon am wahrscheinlichsten.
    Eine Schwierigkeit bei Porlingen (unud auch etlichen Rindenpilzen) sind die artunspezifisch sehr wandelbaren und auch recht unterschiedlich intesiven Gerüche. Ein paar Arten gibt es schon, die zumindest in manchen Wachstumsphasen einen recht charakteristischen geruch haben. Andere Arten dagegen können mal einen sehr markanten Geruch annehmen, aber ohne daß das für eine Art representativ wäre.


    Einige solche Beispiele hatte ich auch selbst schon in der Hand, also irgendwelche Porlinge mit einem sehr starken, sehr spezifischen Eigengeruch, ohne daß das bei anderen Kollektionen der gleichen Art auch auftreten würde oder irgendwo in der Literatur Erwähnung fände.



    LG, Pablo.

    Hallo, Thorben!


    Immer wenn ich wieder was sehe, wovon ich noch nie gehört oder gelesen habe (Gattung: Pachnocybe) weiß ich wieder mal ganz genau, warum mir Pilze solchen Spaß machen. Und ebenso klar das Bewusstsein, daß sie auch weiterhin Spaß machen werden.
    Kulturversuche finde ich übrigens ganz hervorragend. Das liefert bei guter Beobachtung der Kulturen oft noch erhellendere und aussagekräftigere Daten als Sequenzierungen. :thumbup:



    LG, Pablo.

    Hallo, Ralf!


    Das ist eben diese Sache mit den Pilzen. Es ist völlig egal, wie viele Jahre lang und wie intensiv ein Gebiet gescannt wurde. Es sind immer noch nicht alle dort vorkommenden arten nachgewiesen. 300 Jahre später, das gleiche Gebiet, weiterhin waren jeden Tag mehrere Fachleute mehrere Stunden unterwegs, aber selbstverständlich sind immer noch nicht alle Arten dokumentiert.
    Klar, weil einie Art bildet nur alle 305 Jahre Fruchtkörper, und eine weitere hat sich erst vor 5 Jahren angesiedelt.


    Solche Funde sind dann aber besonders spannend!
    Und eine Scheibenlorchel mit reifen Sporen habe ich noch nie gefunden. Dabei hatte ich sogar mal welche, die kurz vor dem Vermatschen standen.
    Wenn die Sporen sich analog zu Urnenbechern oder Frühjahrslorcheln entwickeln, dann werden die tatsächlich erst dann reif, wenn von den Fruchtkörpern nur noch ein stinkender, halbflüssiger Brei übrig ist. Hol' dir mal in drei Wochen noch eine Probe. ;)



    LG; Pablo.

    Hallo, Rudi!


    danke dir. :thumbup:
    So hell und so früh im Jahr im leptoporoiden Stadium kam es mir gar nicht in den Sinn, aber du hast recht: Nun macht der Pilz einen logischen Sinn. :)


    PS.: Dankeschön an Abeja für's Portraitbild der orangerosagoldenen Phlebia tremellosa. :thumbup:



    LG, Pablo.

    Hallo, Beli!


    Tolle Sache. :)
    Solche üppigen Schwärme von Pfifferlingen und Steinpilzen kenne ich aus meiner Kindheit aus dem Hochschwarzwald, ein beeindruckender Anblick.
    Pilz 4 ist kein Fuchsiger Streifling (amanita fulva), sondern wohl eher eine Art aus dem Umfeld vom Zewifarbigen Streifling (Amanita battarrae), da gibt es ein paar recht schwer zu trennende und auch kontrovers diskutierte Arten...
    Pilz 10 kann gut >Lactarius scrobiculatus< (Grubiger Milchling) sein, wenn der Milchsaft gelb war. Standort (montan bei Nadelbäumen) würde jedenfalls passen.
    Pilz 13 erinnert an den >Zitronengelben Raukopf<, der ja auch gerne in solchen Gebieten vorkommt.



    LG, Pablo.