Hallo in die Runde!
So schön war's wirklich.
Dieser Herzhaubenpilz ist mir gar nicht aufgefallen. Aber kein Wunder, aus dem Sumpf bin ich rasch geflohen.
So klein sind die Sumpfhaubenpilze übrigens gar nicht, Claudia.
>Hier< ist ein Bild mit Skala dabei, also auf normalkariertem Standardpapier (1 Kästchen = 5mm).
Nur haben sie die Angewohnheit, im wahrsten Sinne des Wortes im Sumpf zu stehen. Am liebsten in flachem, langsam fließendem Wasser.
Also ich werd' jetzt mal ein bissel nerdig.
Wem das zu viel ist, einfach die folgenden Bilder rasch runterscrollen, bestimmt schreibt noch jemand was Spannendes. Stefan zB, aber der ist erst am Wochenende wieder zu hause. Und Norberts Bilder sind auch noch zu erwarten. Stimmt nämlich gar nicht, daß die nicht gut wären.
Also wo sich die Meute am ersten Ziel zwischen den Lorcheln rollte, habe ich auch noch ein paar Nerdpilze gefunden.
Darunter Hyphodontia alutaria (Ledergelber Zähnchenrindenpilz):




an einem alten Kieferstamm, vergesellschaftet mit Resinicium bicolor (Harzzahn):


Ein Stückchen weiter, an der Unterseite eines dicken Buchenastes eine schöne Kollektion von Ceriporia reticulata (Netzporiger Wachsporling):




Noch einen Buchenstamm weiter eine Trechispora hymenocystis (Blasenzellen - Stachelsporling):






Als ein paar Leute mit mir Stöckchen gespielt haben, war das erst recht erfreulich. Beim ersten Stöckchen kam Basidioradulum radula (Reibeisenpilz) raus:



Das Stöckchen, das Peter für mich geworfen hat war dann umso iinteressanter und offenbarte eine ganz junge Kollektion von Cartilosoma rene-hentic (Ockerweiße Weichtramete):




Auch wenn die Art wahrscheinlich nicht selten ist, könnte das ein Erstnachweis für Hessen sein. Immerhin wurde der Pilz erst vor wenigen Jahren beschrieben.
Später verirrten wir uns auf eine Art Müllhalde in der Peripherie von Offenbach. Natur ist viel schöner als Stadt, weil die sich kümmert. Und zur richtigen Jahreszeit sehen Müllhalden dann auch mal so aus:

Danke, Wald. 
Den ganzen Schrott überwachsen, und dazwischen auch noch Pilze.
An einem ganz nass liegenden Laubholzstamm dachte ich makroskopisch erst mal an Phlebia livida, hat sich dann aber doch als Radulomyces confluens (Zusammenfließender Reibeisenpilz) entpuppt:




In der Umgebung der Sumpfhauben - Standorte dann noch mehr Nerdpilze. Wie zB Eriopezia caesia (Braunscheibiges Wirrhaarbecherchen):




Dacryobolus karstenii (Nördlicher Höckerrindenschwamm):




An Weymouthkiefer... oder als was hatten wir diese fünfnadeligen Konipheren bestimmt?
Dann gab's noch Anamorphes. Normalerweise nicht so meine Baustelle, aber der sah einfach zu putzig aus. Und dank Hermine weiß ich auch, daß der irgendwie bei Helicosporium eingeordnet werden sollte. Was die Nebenfruchtformen von Tubeufia wären. Verfallene Pyrenos sitzen jedenfalls genug drunter. Also sagen wir mal: Helicosporium cf vegetatum (= Tubeufia cf cerea):




Der dünne, weiße Flausch daneben ist auch was Anamorphes. Sieht aus wie ein Haplotrichum (Anamorphe von Botryobasidium), aber ich kann es nicht bestimmen.
Unbekannt:

Das war bei den Buchenstämmen, wo man Pause mit FomFoms (Zunderschwamm, Fomes fomentarius) hatte:

War ohnehin erstaunlich, was dort alles am Buchenholz in üppigsten Kollektionen hervortrat. Wie zB Trametes gibbosa (Buckeltrameten):

Oder Trametes versicolor (Schmetterlingstrameten) + Trametes gibbosa (Buckeltrameten) + Daedaleopsis tricolor (Dreifarbige Blättertramete) + Inonotus nodulosus (Knotiger Schillerporling, verfallene Fruchtkörper):

... gemeinsam an einem Stammstück. Und hätte man noch einen näheren Blick riskiert, hätte man sicher noch weitere 5 bis 10 Arten daran finden können.
Aber irgendwo muss mal schluss sein. Uli und Isa hatten Kartoffelsalat gemacht, und der war mal gut. Mit richtigen Kartoffeln, nicht mit dünnen Krümeln.
Und nun wär's wieder Zeit für ein paar Bilder von richtigen Pilzen. 
Alle Bilder in diesem Beitrag könnte man anklicken, die sind eigentlich deutlich größer als in der normalen Beitragsansicht. Könnte man, muss aber nicht.
LG, Pablo.