Hallo zusammen!
Ich muss sagen, daß ich ganz begeistert bin von der Zusendung und den Pilzen. 
Eine ausgesprochen hübsche Kollektion, sehr gut konserviert und in hervorragendem Zustand. Mal abgesehen davon, daß tatsächlich kaum Sporen zu finden sind, aber da steckt man nicht drin und bei diesen Stielporlingen sind die Chancen immer recht hoch, daß die sich gerade in einer "sporenfreien Phase" befinden.
Im grunde ist das aber auch gar nicht schlimm, denn: Die Sporen der meisten Polyporus - Arten sehen ziemlich gleich aus. Die feinen Unterschiede in Form und Größen kann man tatsächlich nur bestimmungsrelevant beurteilen, wenn man sie aus einem Abwurfpräparat von einem reifen, voll entwickelten Fruchtkörper entnimmt.
Ich bin absolut überzeugt, daß das hier Polyporus tubaeformis (nennen wir den mal: Trompetenförmiger Stielporling) ist, wie Christoph schon zu Beginn vorgeschlagen hat.
Zudem glaube ich, daß diese Art sich auch makroskopisch meistens schon gut bestimmen lässt. Wichtig sind hier die ziemlich feinen Poren, aber eben nicht so fein wie bei Polyporus badius, der zudem wesentlich kräftigere, dickere Fruchtkörper bildet.
Die Hutoberfläche hat - auch im Exsikat noch! - eine etwas andere Haptik als die von Polyporus leptocephalus: Etwas glatter, die Fasern stärker eingewachsen, und tatsächlich ein wenig speckig (beim vorsichtigen Befeuchten), wie Polyporus badius. Aber: Hüte von Polyporus leptocephalus bleiben entweder ockergelb oder blassen sogar noch etwas aus beim Trocknen. Hier werden sie offensichtlich dunkler und zum Schluss richtig braun, ein verhalten, daß ich bei Polyporus leptocephalus noch nie beobachtet habe.
Polyporus melanopus letztlich ist ebenfalls eine Art mit eher kräftigen, fleischigen und großen Fruchtkörpern, die zudem wohl überwiegend an vergrabenem Holz oder neben dem Holz auf dem Erdboden wächst. Auch sollten da die Poren noch ein kleines bisschen gröber ausfallen als hier. Die Hüte von Polyporus melanopus dürften wohl kaum jemals so trichterig vertieft sein wie hier, sondern wellig-flach oder sogar etwas konvex.
Eine Ähnlichkeit der Ähnlichkeiten zwischen Polyporus melanopus und Polyporus tubaeformis ist übrigens der Stiel: Wie bei Polyporus melanopus wird er auch bei Polyporus tubaeformis beim Trocknen zunehmend schwarz und grob längsrunzelig. Allerdings wäre er durch den Wuchs direkt auf Holz bei P. tubaeformis wohl nie wurzelnd.
Mikroskopisch konnt ich keinen Vergleich mit Polyporus melanopus anstellen, den den hatte ich noch nie in der Hand.
Der Unterschied zu Polyporus badius ist klar: Der hat keine Schnallen.
Einen Polyporus leptocephalus hatte ich zwischendurch noch eingesammelt und auch verglichen, da immerhin gibt es (von den Sporen abgesehen, das ist hier nicht zu beurteilen) schon einen bzw. zwei recht deutliche Unterschiede.
Zum einen sehen die Hyphen anders aus, was sich besonders gut im Hutfleisch beobachten lässt, zum Anderen beobachte ich auch einen deutlichen Unterschied im Aufbau der Hutkruste. Zu letzterem finde ich keine Erwähnungen in der mir zugänglichen fachliteratur, insofern mag das nicht konstant sein. Aber die unten abgebildete Huthautstruktur bei P. tubaeformis fand sich konstant in allen vier Fruchtkörpern, von denen ich dazu ein Präparat gemacht hatte.
Eventuell ist das aber auch altersbedingt, da müsste man mal einen ganz jungen Fruchtkörper untersuchen.
Alles Weitere kann man hoffentlich den Bildern entnehmen, die man wie üblich anklicken kann, um sie zu vergrößern.
Polyporus tubaeformis:





Polyporus leptocephalus (= Polyporus varius):



LG, Pablo.