Morgen!
Prunus avium kann richtig schöne Bäume mit langem, dickem, geradem Stamm bilden.
Auch Prunus serotina kann bisweilen recht "baumig" aussehen, aber so lang und gerade wie hier hätte ich die noch nicht gesehen. Und dabei ist die gesamte nördliche Oberrheinebene und teils angrenzende Hügelländer von Prunus serotina verseucht, die wuchert hier überall alles zu - sofern sie nicht vom noch scheuslicheren Götterbaum verdrängt wird.
Tyromyces chioneus und Postia tephroleuca (= Oligoporus lacteus) sind makroskopisch am Fäuletyp unterscheidbar (Postia = Braunfäule, Tyromyces = Weißfäule), was aber im Feld so gut wie nie funktioniert, weil in so einem Stamm grundsätzlich mehrere PIlze aktiv sind, und zwar sowohl Braun- als auch Weißfäuleerzeuger. Von den anderen müssen keine Fruchtkörper zu sehen sein, aber sie sind da und verwerten das Holz.
Theoretisch sollte sich bei Postia tephroleuca der Kontext mit H2SO4 (60%) violett verfärben - das konnte ich aber bisher nicht konstant bei meinen Funden nachvollziehen.
Sichere Trennmerkmale zwischen den beiden Arten sind im grunde nur die Hyphenstruktur (Postia tephroleuca konstant monomitisch - Tyromyces chioneus im Kontext mit einzelnen skeletoiden, ev. auch echten Skeletthyphen, die recht dünn sind aber eben unseptiert). Die Sporenform ist etwas unterschiedlich (Sporen von T. chioneus minimal kürzer und breiter, also anderer Quotient).
Geruch und Geschmack sind in dem Bereich irrelevant: Die mehlartige Komponente ist ein Artefakt bzw. eine atypische Ausprägung des "normalen" säuerlichen Porlingsgeruches. Geschmack wäre nur dann relevant, wenn hier bemerkenswert bitter.
LG; Pablo.