Beiträge von Rada

    Nun, ein AKW ist bei uns nicht explodiert:) Auch sonst gibt es keine gravierenden lokalen Veränderungen. Klar sind viele Wiesen inzwischen der modernen Landwirtschaft anheim gefallen, werden gedüngt und bis zu vier mal im Jahr gemäht. Dort kann ich mir die Veränderungen auch erklären. Aber es gibt eben auch noch die alten Weiden mit Kühen und Pferden, und auch dort war die Veränderung spürbar. Die alten Buchenwälder stehen schon seit meiner Kindheit, z.T. altehrwürdige Buchen und Eichen, die noch nicht den Weg in die offenen Kamine gefunden haben. Fichten wachsen natürlich schnell und dort verändert sich auch das Ökosystem rasant. Aber es wird ja auch wieder aufgeforstet, so dass fast alle Altersklassen vorhanden sind.
    Dies alles erklärt m.M. nach nicht den kompletten Wandel einiger Arten.


    Wie schon gesagt würde mich stark interessieren, ob jemand ähnliche Beobachtungen gemacht hat, insbesondere auch das vermehrte Auftreten früher seltener oder gar nicht vorhandener Arten.

    Wenn man über 40 Jahre Pilze der Region sammelt, bekommt man natürlich auch Veränderungen mit. Dabei sind jährliche Schwankungen ja völlig normal, ebenso Veränderungen der Botanik durch Aufforstung, Kahlschläge und normales Wachstum.
    Einige Verändrungen lasen sich aber nicht so leicht erklären und sind anhaltend und langfritig.
    Ich gebe mal ein paar Beispiele.


    Bis vor ca. 20 Jahren konnte man bei uns jedes Jahr Unmengen von Wiesenchampignons finden. Zwar gab es auch dabei jährliche Schwankungen, aber grundsätzlich waren sie immer zu finden.
    Dafür fand man kaum Pfifferlinge. In einem " guten " Jahr konnte man grade mal eine Mahlzeit finden, dann war aber auch schon Schluß.


    Eben bis vor ca. 20 Jahren. Dann war plötzlich, innerhalb von 2 Jahren Schluß mit Champignons. Nur ganz selten und vereinzelt konnte man sie finden. Auch auf Wiesen, die nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden und die wie immer vom Vieh beweidet wurden. Dafür kam der Pfifferling, ebenfalls innerhalb von 2 Jahren enorm auf. Bald war es kein Problem mehr am Tag 2 -3 Kg zu sammeln, wenn man das denn hätte tun wollen.


    Der Champignon hat mich dann im vorigenJahr wieder überrascht. Noch Anfang Dezember !! konnte ich wenige Exemplare auf der Wiese hinter unserem Haus finden. Dieses Jahr kam er dann etwas häufiger auf, ohne jedoch wie früher in Massen aufzutreten. Dafür konnte ich ihn schon Anfang Mai finden, dann kam eine Pause ob der anhaltenden Trockenheit, danach sproß er dann etwas häufiger, was bis jetzt anhält. Den Pfifferling findet man allerdings weiter gut. Allerdings nun viel mehr im Laubwald als in den Fichtenschonungen.


    Ein weiters Beispiel ist der kahle Krempling und der Parasol. Kremplinge waren früher bei uns ebenfalls Massenpilze, Parasole dafür unbekannt. Auch hier spielte sich ein Wandel in gleichen Zeitraum wie bei Pfifferling und Champignon ab. Und auch hier gibt es dieses Jahr wieder reichlich Kremplinge, dafür aber nur wenige Parasole. Zuätzlich kommt seit damals der Fichtenreizker in Massen vor, wenn es halbwegs feucht genug ist. Den kannte man früher auch nicht, bzw er war sehr selten.


    Das Stockschwämmchen hat mir früher so manches Abendessen gesichert, heute lass ich ´s stehen, weil es so selten geworden ist.
    Dafür finde ich seit ein paar Jahren vermehrt den Flockenstieligen Hexenröhrling, der in diesem Jahr sogar extrem häufig ist.


    Meine Beobachtungen sind sehr lokal und beschränken sich auf meine direkte Umgebung. Mich würde interessieren, ob jemand solche Beobachtungen auch an anderer Stelle gemacht hat. Vielleicht auch mit anderen Arten.
    Und natürlich auch die Gründe dafür, sofern sie sich irgendwie ableiten lassen. Da die Botanischen gegebenheiten sich bei uns nicht besonders geändert haben, fällt mir nichts anderes als das Klima ein.
    Wobei ich nicht von einem aussterben mancher Arten ausgehe, sondern eher von langfristig anhaltenden Temperaturänderungen. So halte ich es z.B. für möglich, dass der lang anhaltende und strenge letzte Winter dem Champignon recht gut getan hat. Vielleicht braucht er ja einen bestimmte Anzahl an Tagesminusgraden um sich richtig entwickeln zu können.


    Vielleicht ist das aber auch nur ein lökales Phänomen. Lasst uns doch mal ein bisschen spekulieren.

    Grad bin ich beim Spaziergang mit den Hundis zwangsläufig an der Schonung vorbeigekommen. Ohne Kamera, weil zu nass. Niemals kriech ich bei dem Wetter da rein. Niemals ??


    Ein Blick in eíne schmale Lücke der Schonung und da standen sie. Unmengen. Bin dann doch mal ein paar Meter rein und hab in 10 Minuten eine kleine Portion, so ca. 500g, eingesammelt. Ich habe mir den außergewöhnlichen Luxus erlaubt, nur ganz junge Exemplare bis ca. 8 cm einzusammeln. Ziemlich dekadent, aber angesichts der schieren Menge die dort wächst ohne schlechtes Gewissen.


    Leider ist die Schonung direkt am Waldweg, quasi der Eingang zum Wald und so wird das nicht lange unentdeckt bleiben. Ich seh sie schon mit Waschkörben da rauskommen.


    Sobald es etwas trocken wird, liefere ich mal ein paar Bilder.

    Das zerschneiden und liegenlassen ist auch bei uns zu beobachten, zum Glück nicht sehr ausgeprägt. Dafür sieht man oft umgetretene " Giftpilze " bei denen es sich oft um schöne Perlpilze handelt. Das sind dumme Menschen die zu wenig Respekt vor der Natur haben.
    Nicht zu verwechseln damit, mal einen oder zwei Pilze zwecks Bestimmungsversuch zu zerlegen.


    @ Cara


    Das ich den Hexenröhrling zum ersten mal probiert habe, und auch keine große Menge, kann ich noch nicht sonderlich viel sagen. Er schmeckte mir ( gebraten ) nussig mild, aber etwas intensiver als ein junger Steinpilz. Nun wird er ja öfter zur Mahlzeit gehören und man wird sehen.
    Möglicherweise variiert der Geschmack auch Standortbedingt. Mir kommt es so vor dass z.B. Steinpilze von trockeneren Laubwäldern intensiver schmecken als solche aus recht feuchten Fichtenschonungen. Aber das ist eine subjektive Sache.


    Ralf

    Hallo Jens,


    Gegessen hab ich den Flockenstieligen. Beim Netzstieligen sollen ja Unverträglichkeitserscheinungen vorkommen (auch ohne Alkohol).


    Mein Problem ist halt, dass ich keinerlei Freunde oder Bekannte habe, die sich mit der Pilzbestimmung gut auskennen. Drum bin ich auf mich alleine angewiesen und dabei extrem vorsichtig, vielleicht manchmal übervorsichtig. Also nehme ich Bedenken oder kritische Hinweise sehr ernst. Und wenn ich dann mal übervorsichtig verzichte, find ich das nicht tragisch.
    Zudem essen auch ab und an Freunde mit, und denen will ich auf keinen Fall zu Magengrummeln oder schlimmerem verhelfen.


    Und genau das ist ja auch der Grund, warum ich mich kürzlich hier im Forum angemeldet habe. Bisschen mehr Sicherheit gewinnen und vielleicht auch mal Kontakte zu erfahrenen Pilzbestimmern zu bekommen.


    Deute ich Deine Frage richtig, dass Du beide Sorten für unbedenklich hältst ?


    Ralf

    Nachdem ich mich lange und eindringlich in die Unterscheidung zwischen dem Flockenstieligen und dem Netztstieligen Hexenpilz eingearbeitet habe ( bei uns kommen beide vor) hab ich gestern den ersten Selbstversuch gemacht.
    Nachdem es mir heute gut geht, hab ich ´s richtig gemacht.:)


    Nu, was soll ich sagen, die werden sich in Zukunft vor mir verstecken müssen. Sehr guter Geschmack und vor allem eine schöne, feste Konsistenz des Fleisches.

    Wir finden die Steinpilze bei uns ( Kürten/Bergisches Land) nur sehr selten in Laubwäldern. Einzelne Exemplare gibts schonmal an dicht bewachsenen Wegrändern mit unterschiedlicher Flora.


    Massenhaft tritt der Steinpilz bei uns in Fischtenschonungen auf. Die Fichten müssen eine bestimmte Höhe haben, so ca. 4 - 5 Meter. Ab ungefähr dieser Wuchshöhe kommen dann die Steinpilze. Grad gestern hab ich in einer neuen Schonung zum ersten mal reichlich Steinpilze gefunden. Ich beobachte diese Schonung schon seit zwei Jahren, weil ich immer damit rechne, dass die Steinpilze dort erscheinen.
    Licht und Moos spielen dabei keine Rolle. Die Schonung ist noch so dicht, dass es darin fast dämmrig ist. Sie wachsen sowohl zwischen den Fichtenreihen, als auch direkt unter den jungen Fichten, wo es sehr trocken und am dunkelsten ist. Die Suche dort ist extrem, weil alles noch durch verdorrte Brombeerranken verhauen ist.
    Anfangs findet man in diesen Schonungen massenhaft Steinpilze. Meist ist die Mahlzeit nach 10 Minuten zusammen.
    Dieser Zustand hält sich über mehrere Jahre, bis die Fichten zu groß sind. Das ist in etwa bei einer Höhe von 10m der Fall. Also dann, wenn man relativ mühelos durch die Schonung kommt. Danach kommen die Steinpilze nur noch ganz vereinzelt vor. Nach einer Durchforstung oder wenn die Fichten so um die 15 Meter groß sind, ist Feierabend. Mit zunehmender Größe kommt mehr Licht in die Schonung. Und dort, wo sich dann Moospolster bilden, erscheinen dann die Maronen.


    Der Hinweis auf den Förster oder Jäger sei erlaubt. Ich kenne die Verantwortlichen bei uns recht gut und es ist kein Problem, ab und an mal durch die Schonung zu kriechen. Mehr als einmal in der Woche sollte man das aber nicht machen, um das Wild nicht permanent zu beunruhigen.


    Schwierig wird ´s dann, wenn die Schonung als gute Fundstelle bekannt wird, und Hinz und Kunz jeden Tag drin rumstreifen und Waschkörbeweise Steinpilze abschleppen. Das ist der Zeitpunkt, wo ich mich von dort fernhalte und lieber neue Fundstellen suche. Das ist ann auch der Zeitpunkt, wo die Jäger einen (berechtigten) dicken Hals bekommen.


    Will mal sehen, ob ich die Tage mit der Kamera in die Schonung krieche und ein paar Fotos schieße. Die stell ich dann hier rein.

    Nettes Thema.


    Ich taste mich da immer ganz langsam ran. Zunächst mal wird nur versucht, den Pilz zu betimmen. Dann schau ich mir, manchmal über mehrere Jahre, diese Pilzart immer wieder an und vergleiche, bis ich sicher bin ihn genau zu kennen.
    Als nächstes nehme ich ein schönes Exemplar mit, von dem ich die Hälfte zubereite und verkoste. Die andere Hälfte bleibt solange im Kühlschrank, bis ich sicher bin, dass ich ihn gut vertragen habe. Als nächstes kommen dann drei oder vier Exemplare in die Pfanne. Überstehe ich auch das, gilt der Pilz für mich als sicher bestimmt und Eßbar.
    Das ist keine " Versuch und Irtum " Taktik, gegessen wird erst, wenn ich zu 99,9 % sicher bin um was es sich handelt.
    So hab ich mich über 10 Jahre lang Schritt für Schritt an den Perlpilz herangetastet und bin heute absolut sicher in der Bestimmung, bzw. bleiben Exemplare die nicht zu 100 % in mein Bestimmungsraster passen, stehen.
    Der Flockenstielige Hexenröhrling ist heute abend mit dem ersten kleinen Selbstversuch dran.


    Vielleicht bin ich da übervorsichtig, aber bei selbsterfahrenen Bestimmungen ist das vielleicht nicht die schlechteste Taktik.
    Bildern und Fotos vertraue ich meine Gesundheit jedenfalls nicht an.


    Drum hab ich mich ja auch hier angemeldet, um mich vielleicht mal bestimmungssicheren Experten anschließen zu können, resp. diese zu einem gemeinsamen Ausflug in unsere Gegend zu bewegen.


    Bestimmungsarbeit " vor Ort " ist m.M. nach durch nichts zu ersetzen.

    Bei meiner letzten Exkursion hab ich durch Zufall diesen Kollegen hier gefunden. Er stand in einer hohen Laubschicht und ich hab ihn beim laufen versehentlich umgestoßen, ansonsten hätte ich ihn nicht bemerkt. Länge ca. 6 cm, Dicke ca. 1 cm. Vorsichtiges Nachsuchen im tiefen Laub brachte nur noch zwei geschlossene Fruchtkörper, die ich dummerweise nicht fotografiert habe. Es waren halt weiße, kugelige Fruchtkörper von 2-3 cm Durchmesser.
    Liege ich mit der Bestimmung " Hundsrute " richtig ?

    Bilder

    • P8190046.JPG

    Muss jetzt auch mal dumm fragen. Parasole sammle ich gerne und sie sind zu bestimmten Zeiten auch nicht selten bei uns.
    Nun lese ich hier oft, dass der Parasol im Anschnitt nicht rötet. Bei den letzten Bildern des Themenstarters ist die Schnittfläche gut zu sehen und deutlich verfärbt. So ist das bei meinen Parasolen eigentlich auch immer, bzw. werden sie nach kurzer Zeit tief dunkelbraun. Und auch bezüglich der letzten Bilder wurde ja ein Parasol vermutet.
    Wie verhält sich das nun mit der rötung des Anschnitts ?

    Hallo Pilzgemeinde,


    ich heiße Ralf und komme aus dem Bergischen Land bei Kürten.
    Pilze " fange " ich schon seit 40 Jahren, allerdings nur einen kleinen erweiterten Kreis der üblichen Verdächtigen. Also neben Pfifferling, Marone und Steinpilz auch Perlpilz, Reizker, Parasol, usw.


    Ich behaupte mal, in diesen Jahren so ziemlich alle Pilze kennengelernt zu haben, die in meinem direkten Umfeld wachsen. " Kennen " heißt in diesem Fall aber nicht wissen wie sie heißen, sondern " man kennt sich halt vom sehen " :cool:


    Das möchte ich ändern, denn ich will wissen mit wem ich mich da unterhalte.


    Dabei steht bei mir nicht unbedingt das Sammeln zu Speisezwecken im Vordergrund. Eine Portion zum frischen Verzehr ab und an ist mir genug.
    Wobei ich natürlich nix dagegen habe, eine Pilzpfanne mal mit was Neuem zu bereichern. :)


    Ganz besonders interessiert bin ich an gemeinsamen Ausflügen mit Leuten, die sich wirklich in der Pilzbestimmung auskennen. Gerne in meiner Gegend und an meinen Stellen. Bestimmungen nach Bildern reichen mir in den meißten Fällen nur unvollkommen aus, zumindest was den Lernerfolg und die Sicherheit zum etwaigen Verzehr angeht.


    So, erst mal genug. Werd mich mal einlesen und der Rest kommt dann ( hoffentlich) automatisch.