Beiträge von Toffel

    Hallo zusammen,


    schon seit längerem will ich die beiden Arten gegenüberstellen. Aber wovon soll man schreiben, wenn man die Thematik selbst nicht zu 100 % nachvollziehen kann...? Vielleicht kann ich mit diesem Beitrag zu Untersuchungen und zur Diskussion anregen.


    Zunächst einmal die Gegenüberstellung der Unterscheidungsmerkmale aus der Literatur:[1]


    L. epidendrum s. str.:
    Aethalium: dunkel grau, rau, 4-7 mm im Durchmesser
    Schuppen der Cortex: dunkel, lappig
    Sporenmasse: grau, olivlich verblassend
    Pseudocapillitium: zerbrechlich, unter 12 µm im Durchmesser
    Plasmodium: rot bis karminrot, ohne orangene Töne


    L. terrestre:
    Aethalium: rosa bis gelbbraun, 5-15 mm oder mehr im Durchmesser
    Schuppen der Cortex: blass, verzweigt
    Sporenmasse: pink, pfirsich- oder lachsfarben, ockerlich verblassend, niemals mit Olivtönen
    Pseudocapillitium: flexibel, über 12 µm im Durchmesser
    Plasmodium: orange, pfirsichfarben, pink oder zinnoberrot, selten creme, ohne rote Töne


    In dem französischen Werk Les Myxomycètes[2] sind die beiden Arten auch getrennt, aber nicht einzeln bebildert. Sollten dort weitere Unterscheidungsmerkmale genannt sein, können sie gern ergänzt werden.


    Anhand der Beschreibung der Aethalien und des Pseudocapillitiums lassen sich die Arten relativ gut festmachen. Hier ein paar Bilder:


    Lycogala epidendrum s. str., typisch sind die vergleichsweise kleinen Fruktifikationen und die durch die dunklen Schuppen düstere Cortex.


    Lycogala terrestre, in verschiedenen Entwicklungsstadien:
    Sehr junge, helle Exemplare. In diesem Stadium sind sie meist blasser als L. epidendrum s. str.
    Nachgedunkelte, aber noch nicht reife Exemlare. Die Farbentwicklung deutet nicht darauf hin, dass die Fruktifikationen noch dunkler werden. Auch nach der Reife bleibt die Cortex normalerweise blasser als bei L. epidendrum s. str.


    Typisch für L. terrestre sind auch sehr gedrängte Aethalien, die dadurch sehr stark deformiert werden.


    Pseudocapillitium von Lycogala terrestre. Die Fasern sind bis über 20 µm breit.


    Diskussion
    Lycogala epidendrum s. str. und Lycogala terrestre lassen sich oft schon makroskopisch auseinanderhalten. Vor allem bei Übergängen der Farbe und der Größe bei unreifen Exemplaren ist das Mikroskopieren sicherlich ratsam. L. terrestre scheint die bei weitem häufigere Art zu sein.


    Was ich bisher überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Sporenpulverfarbe. Nach meinen Beobachtungen ist sie bei L. epidendrum s. str. rein rosa und bei L. terrestre eher grau-rosa, also praktisch umgekehrt zu den Angaben in der Literatur. Roland Labbé hat seine Beobachtungen in einer Tabelle zusammengefasst und bei flickr veröffentlicht.[3] Er relativiert die Sporenpulverfarbe frischer Exemplare von L. epidendrum s. str. immerhin mit grau-rosa (statt grau bei Ing).


    Für den maximalen Durchmesser des Pseudocapillitiums von L. terrestre gibt Labbé 25 µm an. Das entspricht meinen Beobachtungen, wobei der Wert in einigen Fällen sogar bis 65 µm gehen kann. Bei L. epidendrum s. str. geht der Durchmesser nach meiner Erfahrung meist bis 10 µm. Auch lässt sich feststellen, dass bei dieser Art deutlich weniger Fasern vorhanden sind. Auf den ersten Blick sind die beiden Arten am Pseudocapillitium oft nicht auseinanderzuhalten. Die breitesten Teile des Pseudocapillitiums befinden sich in der Nähe der Ansatzstelle an der Cortex. Dort finden sich bei L. terrestre die charakteristischen breiten Fasern. Am besten lässt sich das Pseudocapillitium m. E. ohne Wasser untersuchen, da die große Menge der wasserabweisenden Sporen sonst "verklebt" und die Sicht verdecken kann.


    Weitere ähnliche Arten
    Mit Lycogala exiguum und Lycogala confusum (syn. Lycogala epidendrum var. tesselatum) gibt es zwei weitere Arten, die für Verwechslungen in Frage kommen. Auch diese wurden erst vor kurzem getrennt. Offenbar existieren bisher keine gesicherten Nachweise einer der Arten aus Deutschland, wohl aber aus Nachbarländern. Erstere ist mit bis zu 3 mm im Durchmesser deutlich kleiner als die anderen Arten und besitzt ein dünneres Pseudocapillitium als L. confusum. Beide Arten sollen sich durch anders angeordnete Schuppen auf der Cortex, kleinere Sporen und ein dünneres Pseudocapillitium von L. epidendrum s. l. untrescheiden.


    Literatur
    [1] Bruce Ing: The Myxomycetes of Britain and Ireland: An Identification Handbook. Richmond, 1999, ISBN 0-85546-251-5.
    [2] Michel Poulain, Marianne Meyer and Jean Bozonnet: Les Myxomycètes. Fédération mycologique et botanique Dauphiné-Savoie, 2011, ISBN 2-9518540-2-1.
    [3] Roland Labbé: Tableau differentiel entre Lycogala epidendrum et Lacogala terrestre. 2011. (Link)


    So, das wäre es vorerst einmal. Ich hoffe, dass der Beitrag dem Einen oder Anderen weiterhilft.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Mausmann,



    Vielleicht hat man sogar mal Glück und man kommt dem einen oder anderen doch auf die Spur.


    dann versuche ich es mal.
    Nr. 1: Lycogala terrestre (Dazu habe ich schon lange vor, mal was extra zu schreiben.)
    Nr. 2: Ceratiomyxa fruticulosa var. fruticulosa
    Nr. 3: Sieht ebenfalls nach C. fruticulosa aus, vielleicht var. poroides, aber das ist reine Spekulation.
    Nr. 4/5: In so großen Gruppen und trotzdem flach könnte es Arcyria stipata sein.
    Nr. 6: Geht leider nicht.
    Nr. 7: Tubifera ferruginosa


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo,


    könnte semiaquatisch nicht auch bedeuten, dass der Pilz in einem Teil seines Lebenszyklus (viel) Wasser ausgesetzt sein muss oder kann? Z. B. wenn ein Pilz in Bereichen von nicht ständig existierenden Gewässern vorkommt, z. B. Sturzbäche oder Überschwämmungsgebiete. Es genügt dann, dass das Biotop hin und wieder von Wasser bedeckt ist, aber eben auch nicht unbedingt jährlich. Eine Nähe zu dauerhaften Gewässern wäre dann aber nicht erforderlich.


    Ich würde "semiaquatisch" dann weniger als ein räumliches, als eher ein ökologisches Kriterium sehen. Pilze, die im Randbereich von Gewässern vorkommen, können dann aquatisch oder semiaquatisch sein.
    Oder bin ich auf dem Holzweg mit meiner Theorie?


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Jan-Arne,



    Wikipedia sagt dazu:


    "Der Nördliche Zinnoberschwamm ist ein saprobiontischer Holzbewohner, der Laubhölzer besiedelt; bevorzugtes Substrat ist in Mitteleuropa die Rotbuche."


    Ich selbst finde diesen Pilz eigentlich fast ausschließlich an Birke.


    laut Großpilze BW kommt das hin; 216 an Buche und nur 23 an Birke. Ich meine sie aber auch oft an Birke gefunden zu haben.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo,


    ich habe hier einen seltsamen Fund, bei dem die Ascosporen nicht so recht zu den Konidien passen wollen. Makroskopisch dachte ich erst mal an Lasiosphaeria hirsuta.


    Ascosporen: farblos, 5-fach septiert, 22-28 x 4-5 µm
    Das passt nicht zu L. hirsuta. Deswegen bin ich erst mal bei Chaetosphaeria cupulifera rausgekommen.


    Seten: zylindrisch, gerade, oft auch wellig, an den Septen eben, ca. 4,5 µm breit
    Konidien: 60-70 µm lang
    Das passt nicht zu C. cupulifera, sondern wieder zu L. hirsuta.


    Was ist davon zu halten? Eine unreife L. hirsuta? Oder gibt es noch was ganz Anderes, für das beides passt?


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo,



    und dann habe ich endlich das erste Mal Prachtbecherlinge gefunden..der Boden dort ist sehr kalkig..wahrscheinlich ist es Weide aber auch Pappeln und Eschen stehen dort im nahem Umkreis..die Fk waren zwischen einem und drei cm groß..kann sie jemand sicher bestimmen ?


    ja, mit dem Mikroskop - im Idealfall. ;) Der Ökologie nach deutet das auf S. austriaca. Sicher lässt sich aber nichts sagen.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Jürgen,



    da habt ihr wohl was verwechselt, oder nicht (fertig)gelesen. Die gelben Pusteln sind was anderes als die schwarzen Stielchen. In Martins Beitrag auf Ascofrance werden die gelben Pusteln, wie in meinem Beitrag im Phytoparasiten-Forum, als eine Melampsorium angesprochen (von David Malloch). Eine genaue Bestimmung der Art ist nur möglich, wenn man die Uredosporen hat.


    dort wurde über die beiden Arten diskutiert, ohne zu erwähnen, dass es sich tatsächlich um zwei Arten handelt. Die dort als Teleutosporen bezeichneten Sporen sehen deinen sehr ähnlich, die aber ausdrücklich keine Teleutosporen sein sollen. Oder verstehe ich das falsch? Deshalb hatte ich die Namen für Vermutungen gehalten. Erst am Ende erfolgte ja dann die Bestimmung des Pyrenos. Nur der Satz "That is a beautiful picture of the teleutospores of Melampsoridium sp." hätte Aufschluss geben können. So genau habe ich aber nicht gelesen. ;)


    Viele Grüße
    Toffel[hr]
    Hallo Ralf,



    Habe auch versucht, eine der schwarzen Stielchen zu mikroskopieren, was allerdings nicht so gut funktioniert hat. Jedenfalls konnte ich keine Ascis oder Sporen ausfindig machen.


    Habe die Blätter jetzt ebenfalls in eine feuchte Kammer gelegt. Speziell die
    Ophiognomonia ist was spannendes. Vielleicht tut sich ja noch was ... und es recken sich ein paar mehr schwarze Hälse in die Höhe..


    ich glaube, du musst die Basis der Stiele untersuchen, denn dort sitzen die Perithecien. Hier und hier gibt es Schlüssel. Etwas reifen lassen ist sicher nicht schlecht, ich weiß aber nicht, ob das bei Pyrenos geht.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Ralf,


    ich habe hier was gefunden. Es scheint sich also um die NFF einer (Ophio-)Gnomonia zu handeln. Auf dem zweiten Bild ist unten links doch tatsächlich die HFF zu erahnen.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Ralf und Ulla,


    ich zähle die Spiralleisten, indem ich den Verlauf einer Leiste um die Faser verfolge (rot) und dann die Leisten dazwischen zähle (blau):



    (Ausschnitt aus dem 3. Bild)


    Diese Faser hat also 5 Spiralleisten.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Ingo,



    4. Russula adusta


    Wahnsinn, wie der nigricans habituell ähnlich sehen kann. Farblich glaube ich dir das aber. War auch ein Grund, warum ich mir ein wenig unsicher mit meinem Tipp war. Dass aber noch andere so kräftig werden und so entfernte Lamellen entwickeln können, hätte ich nicht gedacht.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Ingo,


    hier meine Tipps:


    1: R. decolorans
    2: gemeint ist wohl R. paludosa. Optisch erinnert er schon an R. badia (wäre nicht direkt scharf, Obststand dann wegen den Holzkisten ;))
    3: R. turci, wegen der Geruchsangabe
    4: R. nigricans
    5: R. caerulea
    6: R. badia (der auch ocker gefärbt sein können soll)
    7: R. integra
    8: R. aeruginea
    9: R. xerampelina
    10: R. cessans
    11: R. sardonia
    12: R. albonigra, wegen dem Kaugummi
    13: R. sanguinea
    14: R. vesca


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Ulla,



    Deine Bemerkung zu den harten roten Nectria-artigen Fruchtkörpern rührt daher, daß ein Teil der Sporocarpien nicht richtig ausgereift sind, d.h. in der Entwicklung stecken geblieben sind. Das sieht man ganz gut auf Deinem Foto. Das passiert oft bei schlechten Witterungsbedingungen.


    können solche "gescheiterten" Fruktifikationen eigentlich jemals wieder vital werden, ähnlich wie ein Sklerotium? Oder ist es nach der Zellteilung zu spät? Aber es wäre nicht sehr vorteilhaft, wenn die Sterberate bei ungünstigen Bedingungen so hoch ist.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Pablo,



    Verwechslungen: Beachtet man die Wuchsweise, Aussehen, Geruch und Größe, ist der Pilz kaum mit anderen Ständer- oder Schlauchpilzen zu verwechseln.
    Ähnlich aussehen können allerdings verschiedene Schleimpilze


    bei Exikkaten kann man den Pilz auch mit dem Gewöll-Hornpilz (Onygena corvina) verwechseln, besonders wenn man beide noch nicht gesehen hat, wie es mir mal passiert ist. Interessant ist aber der lateinische Gattungsname des Hornpilzes, der sich in der Synonymie des Hütchenträgers wiederfindet. Durch Umkombination kann das ja schon mal zustande kommen, aber in diesem Fall bestand die Gattung Onygena also mal aus Basidio- und Ascomyceten.


    Noch besser ist aber die Synonymliste, die mir noch nicht bewusst war:



    Dieser Basidiomycet wurde also schon zu den Ascomyceten, zu den Myxomyceten und zu den Rostpilzen (Basidiomyceten) gestellt. Eine sehr interessante Art. :)


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Peter,



    Diese Strukturen - ich nenne sie jetzt einfach mal: irrgartenartig -
    scheinen mir unverwechselbar.


    Einwände/Erweiterungen erwünscht.
    meistens gibt es ja denn doch noch eine/einige eng verwandte Arten...


    meist an Nadelholz gibt es noch Leucogyrophana und Pseudomerulius, die aber beide freudiger gefärbt sein sollen. Bei letzterem ist auch der Rand anders ausgeprägt.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Pablo,



    Der Status von H. albidum ist unklar.
    >SpeciesFungorum< synonymisiert den mit H. repandum. So halte ich das mittlerweile auch, weil bei mir immer mal wieder ganz weiße und farbigere Exemplare an den selben Stellen vorkommen. Oder auch mal durcheinanderwachsend, je nach dem, ob zB Laub auf den Hüten lag oder nicht. Ob es da Unterschiede in der Sporengröße gibt, habe ich allerdings noch nicht vermessen.
    Aber Steinpilze (B. edulis machen das ja auch, schwanken farblich zwischen weiß und schwarzbraun, sind aber doch ein und die selbe Art.


    den Unterschied in der Sporengröße soll es geben. Damit würde auch ich beide als unterschiedliche Arten ansehen. Blasse (u. U. weiße) Formen von H. repandum müssten dann auch große Sporen haben und somit nicht H. albidum entsprechen.


    Zitat


    Kompliziert wird die Sachlage bei Mycobank:
    Dort gibt es Hydnum repandum var. albidum, welcher mit H. repandum synonymisiert wird. Hydnum repandum var albidum ist aber das selbe wie Hydnum albidum, welches dort ein eigenständiges Taxon ist.
    Ergo: Da ist irgendwo ein Fehler.


    Es gibt ja gleich mehrere H. repandum var. albidum. Einige werden mit Hydnum albidum synonymisiert, einige stehen "allein", vermutlich weil die Beschreibung nicht gedeutet werden kann. Aber keiner der Namen wird mit H. repandum synonymisiert.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Emil,



    Eigentlich muss ich ja nur noch nach Kaulozystiden suchen und noch mal weitere Sporen begutachten.
    Die dickste Stelle kann man ja bei mir nicht als mittig bezeichnen, wenn ich also keine Kaulozystiden finde, sollte es C. saccarinus sein.


    ja, aber du musst aufpassen. Die Kaulozystiden fallen schnell zusammen, so dass sie unterm Mikroskop wie irgendwelche Fasern aussehen.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Thorben,


    Nr. 3 wird Hypholoma capnoides sein.
    Nr. 7 erinnert an Datronia mollis. Auf den ersten beiden Bildern erscheint sie mir aber ziemlich filzig.


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Mario,



    normalerweise sind die nicht so hell, an der Stelle wo ich die fand hatte ich schon öfter welche und die haben sonst eine sehr schöne orangene Färbung. H. albidus ist ja auch eine Varietät von repandum oder?


    wenn an der Stelle sonst anders gefärbte Exemplare wachsen, deutet das schon eine Variation an. Dann würde es sich nicht um H. albidum handeln. Möglicherweise kommen aber auch zwei Arten an einer Stelle vor. H. albidum unterscheidet sich von den anderen Arten der Gattung auch durch kleinere Sporen. Daher wird er auch als eigene Art angesehen. Eine schöne orangene Färbung spricht allerdings wieder für H. rufescens agg. ;)


    Viele Grüße
    Toffel

    Hallo Pablo,



    26 - Hemitrichia cf calyculata = Wuschelköpfiger Schleimpilz
    27 - Badhamia cf. utricularis = ???


    deine Vermutungen dürften hier stimmen. Für B. utricularis kennen die Österreicher den Namen Bauchige Badhamie.


    Viele Grüße
    Toffel