Liebe Freunde der coprophilen Pilze,
ich benötige eure Hilfe. Letzten Freitag (05.06.2026) habe ich im Mischwald östlich von Dornbirn zwischen Rickatschwende und Fohramoos Tierkot gefunden. Ich vermute, dass es sich um Kot vom Rehwild handelt. Darauf konnte ich drei Arten entdecken.

1) Lasiobolus ciliatus
Beim ersten Fund bin ich mir recht sicher, dass es sich um Lasiobolus ciliatus handelt. Bestimmt mit dem Schlüssel von Bezerra und Kimbrough (1974). Die Asci haben 8 Sporen, welche bei mir 21.5-25.4 x 8.7-10.1 um groß sind (Q = 2.4-2.7, N = 19). Die Seten sind bis zu 403 um lang (im Mittel 352 um) und an der Basis bis zu 43 um breit. Mit diesen Werten lande ich recht klar bei L. ciliatus. Die bauchige Basis der Seten sollten den Fund auch recht gut von L. cuniculi abgrenzen.



2) Sporormiella australis
Beim zweiten Fund handelt es sich um eine Sporormiella. Hier habe ich den Schlüssel von Ahmed und Cain (1971) verwendet. Die Sporen haben vier Zellen und sind biseriat. Auf den Perithecien konnte ich keine Haare entdecken. Sofern ich das richtig interpretiere, sind die Asci abrupt kurzstielig, bin mir bei diesem Merkmal aber nicht sicher. Bei den Sporen messe ich 36.0-40.5 x 6.3-7.3 um (Q = 5.0-6.1, N = 24) und somit für S. australis mit 38-46 x 7-8 um eigentlich zu klein. Für S. minimoides mit 28-36 x 6-7um sind meine Sporen jedoch deutlich zu groß. Zudem sollte diese Art einen stark schrägen Keimspalt haben, den ich bei meinem Fund so nicht beobachten kann. Weiters spricht die Größe der Asci für S. australis. Ich messe bei mir 131.7-142.1 x 16.7-18.5 um (N = 5). Für S. australis passt das mit den angegebenen 120-150 x 17-21 um sehr gut zusammen. Für S. minimoides mit 90-110 x 16-20 sind meine Asci deutlich ausserhalb der angegebenen Werte.
Alles zusammen tippe ich daher auf S. australis, wäre aber über eure Meinung dazu sehr dankbar.


Saccobolus verrucisporus
Bei der dritten Art handelt es sich wohl um einen Saccobolus und um meinen ersten Fund aus dieser Gattung überhaupt. Hierbei habe ich den Schlüssel von J. van Brummelen (1976) verwendet.
Im Ascus befinden sich je 8 Sporen, die in einem 3-3-2 Muster bzw. Pattern II (Abb. 24. f+g) angeordnet sind. Somit gehört diese Art wohl zu Saccobolus sect. Eriobolus.
Bei den Sporen messe ich 13.5-14.9 x 7.0-8.2 um (Q = 1.7-2.0, N = 12), bei den Sporenpaketen 34.1-37.1 x 11.0-12.2 um und bei den Asci 60.2-77.2 x 15.2-17.4 um. Dabei hat sich aufgrund der kompakten Cluster die Messung einzelner Sporen als recht schwierig erwiesen und die Werte sind vermutlich nicht ganz korrekt. Auf dem Epispor meine ich Warzen erkennen zu können, zumindest ist dieses nicht glatt. Im Schlüssel lande ich hier bei der Gruppe um S. beckii, S. verrucisporus, S. obscurus und S. thaxteri. Für S. beckii (17.5-23 x 8.5-10 um) sind meine Sporen wohl deutlich zu klein. Bei S. obscurus und S. thaxteri soll die Anordnung der Sporen bei Reife mehr oder weniger unregelmäßig werden. Das beobachte ich bei keinem meiner untersuchten Fruchtkörper. Bleibt dann noch S. verrucisporus, bei dem die Sporen immer nach Muster II angeordnet sind. Meine Sporen sind zwar etwas kleiner als mit 14-16 x 8-9 um angegeben, das kann aber gut an den Schwierigkeiten bei meiner Messung liegen. Für S. verrucisporus spricht zudem Kot vom Rehwild (roe-deer) als Substrat, welches bei den anderen Arten zumindest nicht explizit erwähnt wird.
Vor allem hier wäre ich an eurer Meinung interessiert, ob sich aufgrund der genannten Merkmale eine eindeutige Bestimmung ausgeht.




Gruß,
Bernhard