Beiträge von Pedro

    Oh, Entschuldigung, ich hatte nie davon gehört, dass man bei Porlingen mit 3% KOH arbeitet. Habe es eben ausprobiert. KOH 3% führt zur gleichen dunkelbraungrauen Farbreaktion wie 30%. (EDIT: die Reaktion ist natürlich etwas schwächer) Ich habe zum Vergleich daneben Wasser getropft, das zieht einfach nur ein, also liegt die Reaktion nicht nur an Feuchtigkeit.


    Ich habe leider nicht darauf geachtet, ob Braun- oder Weißfäule ausgelöst wird u kann auch nicht so schnell zum Fundort zurück.

    Liebe Pilzfreunde,


    letzte Woche habe ich auf einer alten, gefällten Buche (EDIT: ich hatte ursprünglich Buche notiert, aber aufgrund der rissigen Rindenstruktur hatte ich das dann zu Eiche revidiert; es ist aber doch Buche) einen effusen Porling gefunden, der stark nach Handcreme und Anis riecht und durch diesen sehr speziellen Geruch hoffentlich gut bestimmbar sein könnte. Ich glaube, der FK ist effuso-resupinat, aber da er sich an der Oberkante doch ein kleines Bisschen vom Substrat gelöst hat (evtl. aber zusammen mit der Rinde), will ich effuso-reflex nicht ganz ausschließen. Mit der mikroskopischen Bestimmung von Porlingen bin ich nicht wirklich vertraut, daher kann es durchaus sein, dass ich einzelne Strukturen falsch deute, deshalb unten ein paar mehr Bilder als evtl. notwendig wären.


    In-situ-Bild (ich glaube, man sieht hier auch ganz gut, dass der Pilz mMn mehrere Porenschichten hat also mehrjährig ist):


    Details vom Fundort:


    Detailbild der Poren:


    Mit KOH 30% verfärbt sich die Trama dunkelbraun (eingezogener Fleck rechts unten, der noch nicht eingezogene Fleck links daneben auf den Poren ist Melzers Reagenz):


    Melzer zeigt auf Sporen und Hyphen keine amyloide oder detrinoide Farbreaktion (Zystiden gabs keine):


    Die hyalinen Sporen (Sporenpulverfarbe weiß oder creme, habe nicht bei gutem Licht geschaut) sind wurst- bis kommaförmig mit sehr kleinem Apikulum, gemessen habe ich

    (4.5) 5.3 - 6.1 (6.8) × (1.8) 2.1 - 2.4 (2.7) µm

    Q = (2.2) 2.3 - 2.9 (3.3) ; N = 60

    Me = 5.7 × 2.2 µm ; Qe = 2.5


    Nach langem Suchen habe ich im Hymenium eine einzige dünnwandige Hyphe mit einer Schnalle gefunden; falls das nicht zufällig eine Fremdhyphe ist (wie gesagt habe ich nur eine gefunden), würde das heißen, dass die generativen Hyphen Schnallen besitzen.


    Die meisten anderen Hyphen im Hymenium sind kaum septiert, dickwandig, unverzweigt und insgesamt dicker und haben mMn (ich habe Septen bei diesen nur unter 400x beobachtet) keine Schnallen. Ich gehe daher davon aus, dass es sich, wenn die dünneren Hyphen mit Schnallen generative Hyphen sind, um skeletal hyphae (deutsch also "Skeletthyphen"?) handelt, was den Porling also zu einem dimitischen Porling machen würde:


    Weitere Hyphentypen, Seten oder Zystiden habe ich keine gefunden. Die einzige weitere Struktur, die ich gefunden habe und die zum Pilz selbst gehört, halte ich für recht lange Basidien, die eventuell quer septiert sind.


    Falls jemand eine Ahnung hat -- oder einfach auch nur meine Einschätzung bzgl dimitisch usw. absegnen könnte, damit ich selbst im Fungi-Europaei-Band von Bernicchia (das wäre ja das Werk der Wahl, nehme ich an) erfolgreich weiterschlüsseln kann -- würde ich mich sehr freuen. Ich habe den von mir entfernten Teil des Fruchtkörpers noch vorliegen und könnte nachmikroskopieren.

    Beste Grüße und schon mal Danke im Voraus, pedro.

    Ja, ich will Psilocybe s.str. auch nicht wirklich ausschließen, nur weil sich kein Bläuen zeigt... Aber die Psilocybe s.str. in den Schlüsseln, die ich verwendet habe, haben alle Sporen mit Länge über 10 µm..
    Liebe Grüße!

    Hallo Schrumz,


    danke für die schnelle Antwort! Meinen Angaben für die Art zufolge passt aber die Sporengröße nicht wirklich. Diese sind in der Funga Nordica mit 12.5-15 x 7.5-8.5 x 7-8 μm angegeben. Meine 7.5-8.5 x 4.5 - 5 sind fast nur halb so groß.. und kalibriert ist auch alles richtig.

    Liebe Pilzfreunde,


    bei der Begehung einer Saftlingswiese mit dem Pilzverein haben wir Sonntag auf einem vorjährigen (Kuh?)-Fladen diesen Pilz gefunden, den ich im Gelände als einen der nicht-blauenden Kahlköpfe ansprach, die jetzt ja aufgrund ihres Mangels an Psilocin eine eigene Gattung, Deconica, bekommen haben und nicht mehr zu den Psilocyben s.str. zählen.


       


    Der Blick unter das Mikroskop scheint meine Gattungsansprache zu bestätigen.


    Die Sporen sind dickwandig mit Keimporus und haben eine Mandel- bis subrhomboide Form.
    Die Maße (Sporenabwurf) betragen:

    (6.8) 7.4 - 8.5 (9) × (4) 4.5 - 5.1 (5.5) µm

    Q = (1.4) 1.5 - 1.8 (1.9) ; N = 85

    Me = 7.9 × 4.8 µm ; Qe = 1.6



    Die Cheilocystiden (Pleurocystiden nicht vorhanden) sind Gattungstypisch lageniform.
    Ich tue mich immer etwas schwer damit, diese auszumessen, weil die selbst in Quetschpräparaten (zumindest meinen) nicht wirklich gut ausgerichtet werden können.
    Aber mal annäherungsweise

    (23.5) 31 - 40 × (5.3) 5.4 - 7.5 (8) µm

    Q = (3.9) 4.3 - 6.3 (7) ; N = 9

    Me = 34.8 × 6.3 µm ; Qe = 5.5



    Ich habe mir die Fruchtkörper frisch unter dem Bino angeschaut (mittlerweile sind sie getrocknet und herbarisiert).


    Der alt flach ausgebreitete, leicht gebuckelte Hut ist stark hygrophan (feucht haselnussbraun, trocken ein helles Ocker) und am Rand gerieft.
    Die Huthaut ließ sich nicht abziehen (zumindest gelang mir dies nicht).
    An den Huträndern waren vergängliche membranöse Velumreste auffindbar, jedoch nur sehr wenige kleine Fitzelchen.
    Die angehefteten Lamellen schienen mir im Feld rotbraun zu sein; zu Hause waren sie durch das Sporenpulver schokoladenbraun.
    Der Stiel ist hauptsächlich dunkelbraun, an Stellen rot oder gelblich, und stellenweise kräftig silbrig-weiß übernattert.
    Das auf dem einen Hut abgelagerte Sporenpulver war bitterschokoladen-braun.
    Kein starker Geruch, Geschmack nicht getestet.

    Unten noch ein paar Bino-Bilder.



















    Ich bin mir bei der Artbestimmung tatsächlich ziemlich unsicher; was zu der Sporengröße passt, wächst eher nicht auf Dung. Vielleicht habt ihr ja eine Idee, auf die ich nicht komme. Oder vielleicht ist es auch ein Sequenzkandidat?

    Auf jeden Fall jetzt schon mal Danke fürs Darüberschauen,


    pedro.

    Hallo Sabine, das Programm, das das kann, heißt piximetre und ist kostenlos. Die homepage ist zwar nur auf franzöaisch, aber die Software selbst lässt sich auch ohne Französischkenntnisse bedienen. Lieben Gruß!

    Liebe Freunde der Pilzkunde, liebe Ditte,

    bei Risspilzen bin ich mir immer etwas unsicher. Ich habe am 17.8. bei Gießen unter Buchen und Eichen folgende Aufsammlung gemacht, die ich für Inosperma maculatum oder Inosperma fulvum halte. Der Geruch ist kräftig, aber weder spermatisch noch nach Honig, sondern angenehm herb aromatisch; eher so wie manche Telamonien riechen können. Ich kann das schwierig beschreiben, ich hatte mal eingelegte Oliven vom Wochenmarkt, die ähnlich gerochen haben. Der helle Hut ist spitzkeglig und von rotbraunen Radialfasern überzogen, darüber liegt mehltauartig in unregelmäßigen Flecken weißlicher Velumfilz. Die Stiele waren anfangs ziemlich hell, aber nehmen im Alter bzw während des Dörrens hauptsächlich eine rotbraune Farbe an. Erstmal die Makrobilder:







    Die Sporen sind glatt, manchmal annähernd bohnenförmig, der Apex meist stumpf.

    (7) 8.4 - 10 (11.8) × (4.9) 5.2 - 5.9 (6.9) µm

    Q = (1.3) 1.5 - 1.8 (1.9) ; N = 133

    Me = 9.2 × 5.5 µm ; Qe = 1.7



    Die Cheilocystiden (Pleuros keine vorhanden) sind meist bis ca. 50 µm lang, keulig, mit Schnallen. Selten haben sie im unteren Bereich ein Septum eingezogen.






    Die Caulocystiden unmittelbar an der Stielspitze sehen so aus:





    Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen.

    Vielen Dank jetzt schon,


    pedro.

    Laut Baral (2020) https://www.mnhn.lu/science/monograph-of-orbiliomycetes/ sind in Europa die Arten mit frisch gelbem Pigment immer O. xanthostigma und solche frisch ganz ohne gelbes Pigment, oft mit Rosatönen, O. leucostigma. Mischkollektionen sind wohl nicht selten.

    "Species of the xanthostigma/leucostigma complex are readily recognized under the microscope (oil immersion) by small, cashew-shaped, semicircular ascospores of about 2.5–3 µm length (in situ), with distinct warts on the rounded dorsal side (see also Fig. 55) and a single globose SB at one of the two ends. However, this species complex varies in apothecial colour between whitish to pale chlorinaceous or pale rosaceous-lilaceous and pale to bright yellow(-orange). [...] Since our experience was that both pale and bright yellow apothecia belong genetically to O. xanthostigma, only those populations were identified as O. leucostigma which lack any yellow tints."


    Demzufolge präsentiere ich hier auch einmal meinen eigenen Fund Orbilia xanthostigma (Brandstelle Butzbach, 30. Mai 2025, auf Kiefer):


    Danke für das sehr hilfreiche Word-Dokument, das hilft auf jeden Fall!
    Ja, gut möglich, dass viele der Primärkonidien auch Sekundärkonidien sind; es gibt ja zwei Arten von Sekundärkonidien, wobei die ersteren aussehen wie Primärkonidien. Aber ja, damit ist es unmöglich, vernünftige Messungen nur von Primärkonidien oder nur von Sekundärkonidien zu machen.
    Die Konidienträger waren verzweigt, und es waren Zystiden / Rhizoiden vorhanden; im Schlüssel wurde auf diese Merkmale auch eingegangen.

    Nachtrag: Es handelt sich tatsächlich um eine Pandora sp. Ich habe diese mit Keller, S. & O. Petrini (2005) geschlüsselt. Entscheidend waren dann vor allem auch die "Hyphal Bodies" im Inneren der Köcherfliege:





    uUnd dass es sich bei dem Wirt tatsächlich um eine Köcherfliege handelt, sieht man an den Haaren auf den Flügeln:


    Liebe Freunde pilzbepelzter Arthropodenkörper,

    ich habe vorgestern in einem schlammigen Bachbett auf einem Stück morschem Holz folgenden Parasiten gefunden, bei dessen Bestimmung ihr mir ja vielleicht helfen könnt:


    Aufgrund der vier Flügel scheidet eine Fliege als Wirt schon mal aus; ich tippe aufgrund der Flügelstruktur, dem behaarten Kopf und dem generell mottenähnlichen Körperbau mal auf Trichoptera / Köcherfliege.

    Wegen der Konidienbildung würde ich das ganze mal ziemlich sicher in die Fliegentöterverwandtschaft packen.


    Ich habe folgende primäre Konidien gemessen:

    (25.1) 29.6 - 45.9 (56.3) × (9.1) 10.4 - 13.8 (17.1) µm

    Q = (2.2) 2.5 - 4 (5) ; N = 51

    Me = 38.3 × 11.9 µm ; Qe = 3.3




    Ich habe eine sekundäre Konidie gefunden mit den Maßen 26.3x12.3.


    Das, was ich für Überdauerungssporen halte, ist hyalin und rund:


    Der Pilz befindet sich noch in meinem Kühlschrank; ich kann also noch weitere Präparate anfertigen.
    Schon jetzt ein Danke fürs Drüberschauen,
    pedro.

    Dass der Pedicel wohl schnell vergänglich ist, macht Sinn; das hatte ich mir dann auch gedacht. Danke für deine Einschätzung! Ich sehe dann mal die Gattung als bestätigt an; das passt alles sehr gut. Es war mir aber wie gesagt leider nicht möglich, die Sporen zu messen. Daher kann ich dir darauf keine sinnvolle Antwort geben. Es muss dann mit der Bestimmung wohl bei Zopfiella sp. bleiben. Das ist aber schon eine viel bessere Bestimmung, als ich mir erhofft hatte.

    Björn Wergen hat auf FB die Vermutung geäußert, es könne sich um Cleistothecien von Zopfiella sp. handeln. Vergleiche ich dies mit anderen Bildern der Gattung, macht das durchaus Sinn. Auch wenn es dann natürlich kein imperfekter Pilz ist, wie ich anfangs vermutet hatte.

    Liebe Pilzfreunde,


    an der Universität haben wir die Sukzession von Pilzen auf frisch entnommenem Pferdedung dokumentiert. Nach drei Wochen konnte ich auf unverdauten Heustückchen heftend kleine (ich schätze 1mm) schwarze, glänzende Kissen finden, die ein bisschen wie abgeworfene Pilobulus-Sporenpakete aussehen. Werden die Kissen zerdrückt, ist die austretende, dunkle Sporenmasse flüssig. Unter dem Lichtmikroskop (leider haben die im Seminarraum kein Messokular o.ä.) zeigen sich im Inneren dieser Kissen melanisierte, annähernd zitronenförmige (an einem Ende abgeschnitten) Sporen mit einem dunklen ringförmigen Struktur im Inneren. Hat jemand von Euch eine Idee, um was es sich handelt? Leider habe ich keine Möglichkeit, bessere Aufnahmen nachzureichen, da Dung und somit auch Pilze an der Universität verblieben, aber vielleicht lässt sich das ja trotzdem auf Familie oder gar auf Gattung bestimmen.


    Mit bestem Gruß und Danke schon einmal,


    pedro

    Hab noch mal nachgeschaut, im Krieglsteiner (Großpilze BaWü, Bd. 5) steht zur Ökologie von Cortinarius vernus: "Mykorrhiza: Ausschließlich mit Laubbäumen, vor allem Hainbuche und Linde. Die Funde unter Nadelbäumen gehören sehr wahrscheinlich anderen Arten an. Carpinus betulus (2), Quercus robur (1), Tilia spec. (2), indet. Laubbaum (3)"


    Demgemäß würde Cortinarius vernus passen -- es sei denn, jemand widerspricht. Danke nochmal.

    Liebe Pilzfreunde,


    am Ostersonntag habe ich in Mittelhessen eine spannende Telamonie am Fahrradwegrand unter Tilia cordata / Winterlinde gefunden. Nun habe ich leider keine Spezialliteratur für Cortinarien bzw Telamonien. (Wird das noch was mit Band 5 von Ludwigs Pilzkompendium?) Der Geruch ist für mich dieser typisch angenehme, mild würzige Telamoniengeruch, der mich entfernt an schwarze Oliven erinnert. Der Stiel ist hohl. Vielleicht kriegen wir den Kollegen ja auf Artebene hin.

    Sporenmaße:

    (6.6) 7 - 8 (8.6) × (4.9) 5.2 - 5.7 (6.2) µm

    Q = (1.2) 1.3 - 1.4 (1.5) ; N = 108

    Me = 7.5 × 5.5 µm ; Qe = 1.4


    Ich kann gerne noch weitere mikroskopische Aufnahmen anfertigen oder ein paar Reagenzien auftragen, noch sind zwei FK da.


    EDIT: Cortinarius suberythrinus ist bestätigt.