Liebe Pilzfreunde,
Da ich mich Dank Eurer Hinweise hier im Forum oftmals selbst zur rechten Zeit auf den Weg machen konnte, möchte ich Euch fairerweise mitteilen, dass es aktuell in Berlin und Brandenburg reichlich Pilze zu finden gibt. Bereits vergangenen Sonntag fand ich mitten in Berlin an einem See zwischen frischem Hundekot viele Speisemorcheln. Das machte selbstverständlich Appetit, und so hielt ich Ausschau nach einer für Hunde und auch menschliche Pinkler unerreichbaren Stelle. Tatsächlich erspähte ich 10 knackige Speisemorcheln hinter einem Zaun, den ich zur Verwunderung der Passanten in einem Affentempo überwand. Habitat: Wassernähe, Erle, Weißdorn, Kalk durch Schotter.
Montag fiel mir dann in einem großen Park im Zentrum der Stadt eine Reihe Pappeln auf. Der Rasen war frisch gemäht, dennoch drückten sich etliche Speisemorcheln, sowohl gelbe als auch graue, ans Tageslicht. Der Weg war wieder geschottert, und die Morcheln standen wie mit dem Maßband abgemessen ca. 2 Meter von den Bäumen entfernt. Später gelbe Morcheln mitten auf einem Grünstreifen einer mehrspurigen Hauptstraße.
Dann heute in Brandenburg, nördlich von Berlin: Auf einer feuchten, fast matschigen Wiese unter Weißdorn unendlich viele runzlige Fingerhutverpeln. Beobachte sie dort bereits seit Jahren, dieses mal waren es aber so viele, dass ich mir erstmals eine Handvoll für Speisezwecke mitnahm. Gespannt eilte ich zu meiner (einzigen) Käppchenmorchel-Stelle – nichts. Den Rückweg kürzte ich über eine Wiese ab – und stand plötzlich in einem regelrechten Feld von frischen Speisemorcheln. Ich hatte dort noch nie welche gefunden, ehrlich gesagt auch nie gesucht. Denn: Kein Baum weit und breit, wirklich, auch nach hundert Metern nicht. Ich dachte immer, Speisemorcheln sind zwar saprobiont, aber mit bestimmten Baumpartnern. Und: bei den nächstgelegenen Bäumen (Kiefern und Birken) finde ich sonst immer, so auch heute, Lorcheln in allen Variationen, insbesondere Riesenlorcheln und Frühjahrslorcheln. Heute aber seltsamerweise außerdem auch die hochgerippte Becherlorchel (mag Kalk). Auf der Wiese bei den Speisemorcheln fielen mir hierzu drei Dinge auf: 1. An der Stelle war die Wiese leicht gesenkt. 2. Der Bewuchs karg aber frisch. 3. Und vor allem: ein verfallenes Haus, überall lagen die Steine rum (daher also der Kalk, der Regen wird ihn auch im Umkreis verteilt haben).
Die Krönung kam aber noch: in der von Kiefern und Birken dominierten Gegend kenne ich eine einzige Weide. Sie steht wirklich ganz alleine zwischen Kiefern und ist uralt. Und an deren Fuß, was reckte ich mir da entgegen? Die herrlichsten Zipfelmützen! Also, raus in die Sonne und rein in den Hundekot – nein, aber im Ernst: gerade Parks, Wiesen, karge Böden sind im Augenblick sicher vielversprechend … Hier noch ein Morchelsuchbild von heute (ja, ist gestellt, so nah standen die Arten nun auch wieder nicht

Ach so, und für die Neulinge: bitte sowas wie die rostbraunen Dinger da nicht essen, das sind tödlich giftige Lorcheln, obwohl ich hier über Morcheln schreibe … die Morchel hat sich versteckt.