Beiträge von Steigerwaldpilzchen

    Hallo,


    ich bin hier ganz bei Oehrling - ohne die wirkliche Sporenpulverfarbe zu kennen, macht für mich eine Bestimmarbeit nur begrenzt Sinn. Zudem ich leider auf den Mikrobildern, insbes. von den Sporen ziemlich wenig erkennen kann.

    Das Gilben ist in der Tat ein Indiz. Die Bluttäublinge bei mir im Wald schmecken nicht sehr scharf, sondern bitter und zugleich scharf, haben oft leicht herablaufende Lamellen und eine kaum abziehbare, pergamentartig-aderige Huthaut. Vielleicht hilft das weiter, falls du dergleichen verifizieren kannst.

    VG Thiemo

    Hallo,


    Mit den dicklichen Lamellen kommt neben R.nigricans auch eine, der von Stephan erwähnten, neu beschriebenen Arten in die engere Auswahl.


    Solltest du verifizieren können, dass der Fruchtkörper an verletzten Stellen stark rötet bevor er schwärzt, sollte das aber schon der klassische R.nigricans - Dickblättiger Schwärz-Täubling sein, da R.thuringiaca zudem einen deutlich lachsfarbenen Schein in den Lamellen haben müsste.


    VG Thiemo

    Hallo Werner,


    Vielen Dank für deine Bestätigung.


    Speziell beim Kuhroten Milchling war ich mir unsicher. Persönlich hatte ich von dem überall derart auffällig beschrieben Geruch mehr erwartet und an Hygrophorus Discoxanthus/Cossus erinnert er mich gar nicht sondern er ist irgendwie fruchtig.


    Die Milch wird zwar erst nach 5 Sekunden scharf, aber dann brennt die Zunge auch noch nach Abspülen 1-2 Stunden. :P So krass wie bei L.piperatus ist’s aber trotzdem nicht.


    VG Thiemo

    Hallo,

    Heute durfte ich (vermutlich?) zwei persönliche Erstfunde machen. :)


    #1 Orangeblättriger Milchling
    Lactarius badiosanguineus

    Milch: weiß, auf Taschentuch nicht sichtbar gilbend

    Geschmack: mild -> schwach bitter/schärflich werdend

    Ökologie: Fichte (Kiefer,Buche), Boden muss dort wohl etwas Kalk enthalten (Begleit-Milchlinge: L.pterosporus, L.scrobiculatus)


    Mir fallen vor allem die intensiveren Rottöne der Färbung an Hut und Stiel auf, was ich so nicht von ähnlichen Braunroten Milchlingen kenne. Fernab der Färbung lässt die glatte Hutoberfläche und der fast milde Geschmack L.rufus ausscheiden, die nicht gilbende Milch L.hepaticus & L.lacunarum.




    Noch ein kräftiger gefärbtes Baby dazu:





    Die Sporen sind mit kräftigen Graten zebriert, zum Teil auch mit Querverbindungen. Dazu kommen noch zahlreiche isolierte Warzen.
    -> L.sphagneti
    hätte kräftig genetzte Sporen und kann es auch nicht sein.




    Zwei Meter weiter:

    #2 Kuhroter Milchling Lactarius hysginus



    Ich dachte ich zuerst, das muss dieser zu L.trivialis gehörende "L.utilis" sein aber die (scharfe!) Milch verfärbte sich weder beim eintrocknen noch mit KOH und beim Blick durch das Mikroskop waren die Sporen dafür viel zu klein und zu kräftig genetzt. Da sich dann nach einigen Stunden (abtrocknen des Schleims) auch ein leicht eigenwilliger, fruchtiger Geruch entwickelt hatte und ich beim folgenden Blick auf die Cheilozystiden die in FoNE2 beschriebenen wurmförmigen Fortsätzte verfizieren konnte, komme ich zu keinem anderen Schluss als L.hysginus.








    Kennt jemand die zwei Milchlinge und kann meine Bestimmung bestätigen bzw. korrigieren?

    VG Thiemo

    Hallo claus,

    Ich habe noch einmal nachgeschaut und nachgeschlüsselt. Du bist Nirgends falsch abgebogen.


    Du landest klar bei der Schlüsselfrage [Amethystinae VS Integroidinae] und dann in den Integroidinae. Hier gibt es die Graustieltäubling - zu denen dein Pilz offenbar nicht gehört - und die nicht-grauenden Arten. Davon kennt meine Literatur zwei: R.caerula & R. sericatula. Der Buckel-Täubling ist es offensichtlich auch nicht, die Art ist konstant violett, prominent gebuckelt und braucht die Kiefer. Daher wäre ich ebenso beim Schwachreagierenden Wildleder-Täubling.


    Hier hast bei deinem Fund allgemein den großen Vorteil einen Täubling mit inkrustierten Primordialhyphenn und ohne Pileozystiden gefunden zu haben. Grob geschätzt scheiden damit schon mal ca. 85% aller Russula-Arten aus.


    Auch deine beobachteten Mikromerkmale (Sporenornament, Primordialhyphen, Terminalzellen d. Haare) passen zu R.sericatula. SARNARI erwähnt sogar den gelbbraun verfärbte Stielrinde. Ich denke, trotz des Einzelexemplars kannst du den Namen so drannschreiben. :)


    Vor ein paar Tagen hatte ich in einem anderen Thread einen Täubling als "möglicherweise R.maculata" betitelt. Da gab es auch keinerlei weitere Beiträge zum eigentlichen Thema, weder ein "danke" oder "ich sehe das anders" vom Anfrager(!), noch weitere Beiträge um die ich auch explizit gebeten hatte, da ich mich in der Sektion praktisch nicht auskenne. Urlaub, viel Arbeit, Hochsaison im Forum - sind wohl alles mögliche Gründ dafür.

    VG Thiemo

    Hallo beli 1


    Guajak soll man für Täublinge jedes Jahr frisch ansetzen/kaufen. Mein Guajak aus dem letzten Jahr reagiert bereits 1 Stufe schwächer aber das muss nicht repräsentativ sein und hängt von mehreren Faktoren (Lagerung, Gebrauch, Verunreinigungen) ab.


    Kannst du ja an bekannten Täublingen testen, ob es noch funktioniert. So müssen Schwärztäublinge augenblicklich dunkelblau werden.


    VG Thiemo

    Hallo,


    in der Verwandtschaft der Maculatinae würde ich hier auch suchen.

    Am Vorschlag R.decipiens melde ich Zweifel an. Dieser ist mikroskopisch durch unseptierte, aufgeblasene Pileozystiden definiert und sollte zudem deutlich dunkleres Sporenpulver haben.
    Tatsächlich gefällt mir da R.maculata besser: Pileozystiden 0-1 mal septiert, Guajak negativ, Sporenornament und -größe wäre auch im Rahmen ...
    Persönlich würde ich noch ein paar Zystiden mehr betrachten (am besten in Kongorot, in SV betrachtet man keine Strukturen wie Form, Aufbau und Größe) bevor man einen Namen dranschreibt. Aber ich habe in dieser Sektion ja bisher kaum Erfahrung, daher freue ich mich auf weitere Meinungen zum Fund.


    VG Thiemo

    Hallo Claus,

    Ich glaube das ist etwas zu viel des Lobes für mich. Zumindest wüsste ich selbst gar nicht, was ich dir beigebracht haben könnte. ==Pilz26


    Naja, das mit den Laticiferen wird aber bei jedem Schlüssel, ob MONEDERO, BRESINSKY, EINHELLINGER oder ROMAGNESI abgefragt, da muss man durch. Ich glaube auch kaum, dass da alleine das Sporen-Ornament eine saubere Trennung der Amethystinae von den Integroidinae erlaubt.

    Stimmt schon, dass das so in den Schlüsseln steht und ich wollte auch keine Kritik an deiner Vorgehensweise üben. Ich respektiere deine vollständigen Untersuchungen. :daumen:

    Für mich habe ich entschieden, dass Schlüssel zwar hilfreich sein können aber nicht das gedruckte Gesetz in der Vorgehensweise der Pilzbestimmung sein müssen. Du standest vor der Überlegung ob Amthystinae oder Integroidinae. Amethystinae mit gelben Sporenpulver gibt es letzlich nur R.turci/amethystina agg. & R.roseipes. Da würde ich überlegen, welche Merkmale diese denn abgrenzen. Neben dem Punkt, dass diese alle Guajak negativ wären, sind auch andere Merkmale wie der von dir beschriebene kräftige Stiel und wenige zerbrechliche Habitus, der eben nicht zweifarbigen Hut (selbst ausgeblasste R.amethystina haben eine dunklere Zone in der Hutmitte) neben dem Sporenornament und der Form der Haare für mich Ausschlusskriterium genug. Daher glaube ich man "muss" da nicht durch, man kann da durch ;) .

    VG Thiemo

    Hallo,


    Speziell für uns Pilzinteressierte hatte ich letztens in Tokyo eine Pilz-Gachapon entdeckt.

    Gachapons sind Verkaufsautomaten, bei denen man eine Kugel mit einem zufälligen der abgebildeten Inhalte bekommt. Das Prinzip kennt bestimmt jeder, so etwas gab es insb. früher auch häufiger bei uns. Im Gegensatz zu diesen, sind jedoch die Inhalte in Japan durchaus hochwertiger und detailliert verarbeitet. Dafür kostet es etwas mehr, zwischen 300-500 Yen (ca. 1,70-3,10€) pro Glücksspiel.

    Hier gibt es hübsche Schlüsselanhänger in Pilzform zu ergattern. Dabei ist auch interessant zu sehen, welche Arten man in Japan so kennt.



    Welchen davon hättet ihr denn gerne? ^^



    Meine Ausbeute: Samtfußrübling (Zuchtform unter Lichtausschluss) & Shitake



    Der Fliegenpilz wäre natürlich ein Hingucker gewesen.


    VG Thiemo

    Hallo,


    für alle die es interessiert, möchte ich hier ein Bild von einem Schmierröhrling aus Japan zeigen.

    Fundort ist Amanohashidate, eine schmale mit Kiefern bewachsene Sandbank am Japanischen Meer. Die Huthaut war schmierig, der Stiel auch bei jungen Exemplaren stets unberingt, Guttationstropfen fehlen, Basalmyzel weißlich. Gattung Suillus steht für mich fest. Jedoch sieht das nach einer bei uns nicht vorkommenden Art aus. Wirkt auf mich wie ein ringloser Goldröhrling bzw. eine Kreuzung mit dem Kuhröhrling. Finde ich spannend :) .



    VG Thiemo

    Hallo Corinne,


    das Sporenpulver ist leider recht spärlich, da hätte ich Schwierigkeiten die genaue Farbe abzulesen.

    8,5cm Hutdurchmesser ist durchaus recht wuchtig für so einen "Zwergtäubling". Jedoch erwähnt Romagnesi, dass es größer und kräftiger wirkende Funde vom Kiefernweichtäubling gibt, daher will ich das nicht als Ausschlusskriterium heranziehen. Der Braune Ledertäubling ist leider auch ein ziemliches Chamäleon, daher wird das ohne Mikro schon schwierig.

    Eine makroskopische Auffälligkeit hierbei: Russula integra - "integer" sollen wohl die Lamellen sein, die ohne Gabelung von Stiel bis Hutrand durchgehen. Und tatsächlich konnte ich bei meinen Funden von R.integra noch nie eine gegabelte Lamelle, wie bei deinem Pilz zu sehen, beobachten. Daher wäre R.integra für mich hier auch fraglich.

    Besorg' dir ruhig ein Mikroskop - du bist über das "Anfängerlevel" bereits hinaus, das macht dir bestimmt Freue tiefer einzusteigen und solche Funde mit mikroskopischen Merkmalen festzuklopfen. :)

    VG Thiemo

    Hallo,


    es gibt auch noch den zwischen R.grata und R.(sub)foetens stehenden R.illota. Unverletzt erinnert der Geruch an Marzipan (ähnlich R.grata) aber mit einer leicht stinkenden Komponente, verletzt riecht er mehr nach Stinktäubling. Gerade der "schmutzig" wirkende Hut mit graulila Schleim auf dem ersten Bild und die auf dem letzten Schnittbild zu erahnenden Morsestriche der Lamellenschneiden überzeugen mich.


    VG Thiemo

    Hallo Karl,


    sehr schöne Bilderbuchfunde, danke. R.rubra, R.amarissima, R.decipiens - alles Arten die mir fehlen. Wie auch der Buchen Zwergtäubling/Mädchentäubling R.puellula. Es überrascht mich zu sehen, dass er doch so mittlere Größe erreichen kann.

    VG Thiemo

    Hallo,

    Außerdem kann man Beratungsgespräche so steuern, dass man gar nicht in die Lage kommt den Pilz ggf. freizugeben. :)

    Soso... kannst du das etwas näher erläutern?

    Haben meine Vorschreiber eigentlich schon erläutert. Ein paar Stichpunkte: Viel Aufwand - lohnt sich nicht - schmeckt trotzdem den meisten nicht - würde ICH nicht essen (wenn das der PSV sagt wirkt das meist durchschlagend), etc...

    Matthias's "ausgelutschte Nacktschnecke" gefällt mir dabei am besten, muss ich mir merken. :D

    VG Thiemo

    Hallo Stephan,


    Man deutet schließlich nicht auf einen Pilz und sagt "essen" oder "nicht essen". du führst mit den Ratsuchenden ein Beratungsgespräch. Du teilst dein Wissen, informierst über für und wider und kannst schließlich immer noch entscheiden, falls die Person den Pilz trotz Vor-/Sonderbehandlung probieren will und ihr die ganzen Punkte (individuelle Unverträglichkeit, schlechter Geschmack) bewusst sind, ihn bei ausreichender Frische freizugeben. Mit dem ganzen Disclaimer zusammen sehe ich da kein Hemmniss. Es muss nur ausreichend begründet sein. Außerdem kann man Beratungsgespräche so steuern, dass man gar nicht in die Lage kommt den Pilz ggf. freizugeben. :)

    Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das der Prüfer genau so sieht.

    VG Thiemo