Zitat
Wenn das nur jedem bewusst wäre... warum werden denn so oft in der Literatur Messwerte auf 0,1 µm Genauigkeit angegeben?
Vielleicht weil sie nicht min-max sondern ein Konfidenzintervall angeben?
Äh... nein. Ich bin durchaus in der Lage, bei einer Publikation zu erkennen, ob die Autoren Konfidenzintervalle angeben oder Min-Max-Grenzen. Das kannst du mir ruhig zutrauen
Man findet beides - je nach Autor und Publikation.
ZitatMir ging es um die Aussage, das keine Standardverteilung (also wohl Normalverteilung) vorliegt, nur anhand eines Balkendiagramms zu bestimmen.
Ich bezog mich nur auf deine Aussage, die auf die meine (von dir zitierte) Aussage kam. O.k., dann weißt du, dass es Heterosporie gibt (und kennst auch Publikationen daraus).
Natürlich kann man an einem Balkendiagramm nicht sofort erkennen, welche Verteilung zugrinde liegt. Es ist halt nur ein bisserl "Zufall", dass das Diagramm rechtsschief erscheint (ich hatte auch da nur umgangssprachlich spekuliert). Ich hatte gedacht, dass mein "Aufruf", die Normalverteilung durch sehr viele Messungen zu prüfen, klar machen würde, dass ich auf hohe Stichprobenzahlen aus bin.
Zitatwas heißt bei dir verlässlich? Der Mittelwert hat eine Streuung, genau wie die Stichprobe. Die wird bei einer normalverteilten Stichprobe mit steigender Stichprobengröße kleiner.
Ja, und 2 + 2 = 4. Natürlich hat der Mittelwert eine Streuung. Ich gehe aber davon aus, dass bei genüpgend hoher Stichprobenzahl die Streuung kleiner sein dürfte, als die Streuung, die von Kollektion zu Kollektion auftritt. Bei Kremplingen weiß ich es, da ich ein paar Tausend Sporen vermessen hatte.
ZitatDas heißt, deiinem Prof war egal, mit was für einer Verteilung er es zu tun hat???? Das muß aber schon lange her sein. Heutzutage haben wir Computer können diese Tests in Millisekunden durchführen
Das habe ich nicht gesagt. Es war a) nicht "mein" Prof. (ich habe nicht bei ihm studiert) und nein, es war ihm nicht egal, welche Verteilung passen würde. Ich habe eher den Eindruck, dir ist es egal, weil du immer von Normalverteilung ausgehst. Kannst du so machen, tust du ja auch, auch dann, wenn es nicht normalverteilt ist. Wie gesagt, durch geeignetes Rausnehmen von Werten kann man sich immer eine Normalverteilung hinbiegen.
ZitatAlso ich vermute (anscheinend im Gegensatz zu dir) eine Normalverteilung.
Heureka! Ja, das ist es, was ich hier jetzt zum dritten Mal schreibe. Nur kann ich meine Vermutung sogar begründen - biologisch begründen.
ZitatAuf der Basis kann ich Ausreissertests machen. Auch wenn ich noch keine habe.
Meistens habe ich aber sowieso eine. Und selten mal Ausreisser.
Und erneut: erhöhe die Stichprobenzahl. Prüfe deine Annahme durch geeignet hohe Stichprobenzahl.
ZitatWenn es dir ums Beschreiben geht, dann mußt du ja erst recht einen Weg finden, eine schiefe oder logarithmische Verteilung mit seinen Parametern so beschreiben, dass die restliche Welt mathematische Vergleiche damit durchführen kann.
Ich will, dass die restliche biologische Welt Vergleiche anstellen kann. Das ist mein Ziel, wenn ich eine Art beschreibe. Deshalb finde ich bei begrenzter Stichprobenzahl die Angabe von Min-Max-Werten (unter Angabe der Stichprobenzahl) sinnvoller. Deshalb stütze ich mich lieber auf die Mittelwerte, da die mit einfachsten Mitteln gut greifbar sind.
Deinen Punkt des "Wegwerfens" verstehe ich aber immer noch nicht. Was nicht ind Konzept passt, wird gelöscht? Da wird's doch erst spannend.
ZitatAlso entweder Konfidenzintervall oder Min Max. Beides durcheinander funktioniert nicht.
Wo soll ich denn geschrieben haben, dass man beides durcheinander machen soll? Man kann aber beides getrennt angebem, wenn man mag. Also die subjektiv geschätzten Min-Max-Grenzen und anhand einer Gaußverteilung (als Grundannahme, die aber eben angreifbar ist) die Intervalle. (damit es nochmal klar wird: getrennt voneinander)
ZitatWie die angegeben werden, ist zweitrangig. Da habe ich schon alles gesehen. Manchmal sogar mit Mittelwertkonfidenzgrenzen.
Ich schrieb: wie die Min-Max-Grenzen angegeben werden. Und nein, da ist nicht zweitrangig, wie sie angegeben werden. Physiker sind da vielleicht penibler als Biologen - Übergenauigkeit bei Messwerten sind unschön (ich drücke es mal so aus).
ZitatHab ich schon lange. Da helfen dann tatsächlich die QQ und PP-Plots weiter. Und natürlich kann ein Scatterplot Häufungen zeigen.
Ausserdem kann ein Blick auf die Basidien auch Wunder wirken.
Was denn nun? Wenn du an den Basidien erkennst, dass die Art heterospor sein dürfte, zwängst du trotzdem die Normalverteilung (notfalls trotz zweier Maxima) auf?
Ich breche hier einfach mal ab, da es nichts bringt, fürchte ich. Wir reden ständig aneinander vorbei und ich habe den Eindruck, du leist gar nicht, was ich schreibe, da du immer wieder Dinge bringst, die ich weder geschrieben noch gemeint habe.
Man kann es nämlich so zusammenfassen:
Ich gehe davon aus, dass Normalverteilung nur in Ausnahmefällen vorliegen dürfte und sehe Konfidenzintervalle auf Basis der Normalverteilung als nette Spielerei an, aber nicht als zwingend sinnvoll. Ich gestehe natürlich zu, dass dies ein objektivierbares Verfahren ist - im Gegensatz zu subjektiven Min-Max-Abschätzungen.
Zudem gehe ich davon aus, dass der Faktor Mensch als Messperson größer ist als die Genauigkeit der Intervallangebane (manche messen eher größere Sporen mit als kleinere, andere messen öfter kleinere - die Verteilung kann personenabhängig sein - und es kann auch systemische Fehler geben - falsches Ansetzen der Messung, Messen vom Foto usw.)
Aus diesen Gründen sehe ich die Angabe der Konfidenzintervalle kritisch und in manchen Fällen als unsinnig an (weil Heterosporie wegwischend, was aber eine wichtige Eigenschaft von manchen Arten ist).
Du hingegen weißt, dass rechtsschiefe Verteilungen auftreten können, ignorierst das aber, da die Methode der Konfidenzintervalle einerseits praktisch und einfach ist und andererseits objektivierbar (abgesehen vom Faktor Mensch, dermisst).
Dahr gibst du Intervalle an, wenn du punlizierst(?), ich hingegen meist Min-Max-Grenzen mit Mittelwert.
Zwei Meinungen - jede hat Argumente dafür und dagegen. Kann man wertneutral hinnehmen. Falls es dich ärgert, dass ich keine Konfidenzintervalle (aus Prinzip) angeben will, muss ich dir leider sagen, dass dazu kein Grund besteht (ich vermute es, weil du mir doch arge Mangelbildung in Statistik unterstellst - ich habe auch schon Korrespondenzanalysen zu Fuß gerechnet, um die Algorythmen der Statistiksoftware zu prüfen, die ich dafür verwende - PcOrd).
Dieses "ad hominem" finde ich unnötig.
Besser fände ich es, wenn man neutral diskutieren und argumentieren könnte. Das sehe ich hier leider eher nicht, da du emotional betroffen bist (mein Eindruck). Falls ich mich täusche, fein.
Im Moment steht es halt so: du rechnest deine Intervalle, ich mache es bewusst nicht. Und gut ist. Du wirst meine Intervalle als subjektiv und nicht überprüfbar bezeichnen (vermute ich), ich werde dagegen argumentieren. Und du wirst deine Intervalle als das nonplusultra rühmen und ich werde dagegen argumentieren. Das Argumentieren werden wir aber nur machen, wenn es auch etwas bringt. Und da sind wir, fürchte ich, im Moment an einem Endpunkt angekommen.
Zitat
Ich teste einfach gegen. Hier ein Foto meines Objektmikrometers mit dem 100er Öl
Was testest du gegen? Dass du auf plusminus 0,5 µm sie 50 µm ausmessen kannst? Bei einem völlig plan liegendem Objektmikrometer? Das hätteich dir auch gleich sagen können.
Ich versuche es nochmal zu erläutern:
Du erkennst an deinem Foto, dass die Ränder des Gitters unscharf sind. Du setzt irgendwo in der Unschärfe mit der Maus den einen Messpunkt, irgendwo in der Unschärfe den zweiten Messpunkt (oder du versuchst, exakt die Mitte zu finden, also die Mitte der schwarzen Striche). Ich behaupte einfach mal, dass das Erkennen von Strukturen bei ca. 0,3 µm liegt, die Messgenauigkeit der Positionierung deiner Messpunkte ebenfalls. Man kann daraus für die Einzelmessung eine Fehlerabschätzung machen. Und du hast hier ein flaches, kontrastreiches Objekt, keine gewölbte, ev. kontrastarme Spore.
Ich "wage" daher zu sagen, dass Sporenmessungen nicht sooo einfach sind. Und ein Foto einer unscharfen Struktur ist nur ein Foto einer unscharfen Struktur. Messe ich am Originalobjekt, kann ich den Schärfetrieb nutzen, hoch und runter fahren, prüfen, ob die Spore richtig liegt - am Bildschirm verleitet es m.E. dazu, alles zu nehmen, wenn es nur irgendwie richtig liegt oder irgendwie scharf ist.
Ich bin halt altmodisch und schaue das Original an. Ich bin ja sogar so altmodisch, dass ich lieber zeichne, als zu Fotografieren (am Mikroskop) - man kann so eine größere "Tiefenschärfe" z. B. bei Hutdeckschihcten darstellen. Ich bin eben ein "Schüler" von Agerer, der ein "Schüler" von Oberwinkler war - und beide legten großen Wert auf saubere und klare Analysen und Zeichnungen. Uns ja, ich weiß, dass bei kontrastreichen Objekten wie anfärbbaren Sporen mit Ornament durch das Stacken sehr gute Resultate möglich sind.
Langer Rede kuerzer Sinn (zum zweiten): ich bin halt altmodisch - du kannst mich auch fossil nennen. Nur eins mache ich durchaus: ich mache das, was ich tue, bewusst und habe auch Argumente dafür. Ich mache es nicht wegen Unwissenheit oder weil ich zu blöd bin, zu wissen, was ein Konfienzintervall überhaupt ist oder dass auch ein Mittelwert nicht "der" Mittelwert ist, sondern ein Wert ist, der innerhalb eines Intervalls liegt, in dem auch der "wahre" Mittelwert liegt und dass die Größe des Intervalls von der Zahl der Messungen abhängt (und ja, auch davon, ob man 95%, 99% oder 80% oder was auch immer zugrunde legt).
LG
Christoph
