Beiträge von Tricholomopsis


    Du sprichst viele Aspekte an, von denen ich keine Ahnung hatte. Mit "organisiert" meine ich klare, transparente und möglichst einheitliche Regelungen wie z.B. die Frage einer vernünftigen Vergütungsregelung. Das was da mit einigen Krankenhäusern läuft ist ja hanebüchen. In Berlin ist der Giftnotruf bei einem Landesamt, dem LAGESO angesiedelt. Offenbar ist das recht unterschiedlich organisiert. Dagegen spricht aber nichts, so lange es funktioniert.


    Servus Claudia,


    man kann da halt kaum was organisieren, denn der Titel "Sachverständiger" ist nicht geschützt. Um eine vernünftige Vergütungsregelung zu bekommen, bräuchte man staatlich anerkannte Sachverständige und eine zugehörige Vergütungsregelung. Das wird leider nicht kommen.


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    Nicht nachvollziehbar ist, dass es keine einheitliche Ausbildungsordnung gibt.


    Warum nicht nachvollziehbar? Wie gesagt: der Begriff Pilzsachverständiger ist nicht geschützt. Genausowenig sind Prüfungsregularien einheitlich, wenn es nicht etwas staatlich organisiertes ist. Und wenn nicht staatlich, wer soll festlegen, wie es alle anderen zu tun haben? Welcher e.V.? Der, der der älteste ist und die größte Tradition in der Ausbildung von Pilzberatern hat? Dann wäre das vermutlich die NHG Nürnberg (die NHG war beteiligt, dass sich die DGfM überhaupt gegeründet hat, ist selbst aber älter). Oder der Verein mit den meisten Mitgliedern? Also der NABU?


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    So wie ich es verstehe, ist das wie so oft eine Folge der Vereinsmeierei bzw. Folge der Egomanie einiger Vorstände.


    Das ist eine sehr extreme Interpretation, die ich nicht teile. Es hat etwas mit unserer freiheitlichen Grundordnung zu tun. Es gibt auch nicht nur ein Forum, nur ein Pilzbuchautor, der legitimiert ist, etwas zu schreiben (usw.). Staatliche Anerkennung hingegen wäre ein Alleinstellungsmerkmal. Das voranzutreiben hat die DGfM nach langer, langer Zeit der Versuche fallen gelassen. Leider wollte sie nicht auf regionaler Ebene eine staatliche Anerkennung. Ich wollte es für Bayern erreichen (für die DGfM), aber das wurde von oben abgeblockt - ist aber schon sehr lange her.
    Was ist beispielsweise deiner Meinung nach besser: gar keine Pilzberaterausbildung in Bayern oder eigene, bayerische Kurse, um mehr Pilzberater zu generieren?


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    Wenn sich die Vereine einig wären, würde der Staat natürlich in Zugzwang kommen.


    Warum sollte er? Er war auch nicht im Zugzwang, als die DGfM fast allein Vertreter für Pilzberater war. Er war auch nicht im Zugzwang, als im Osten Deutschlands, das dortige System fast überall zerschlagen wurde (da war es ja vorhanden und in Meck.-Pomm- wurde es teils erhalten, immerhin).


    In einem Punkt gebe ich dir aber recht: die Vereine sollten bessern zusammenarbeiten. Das geht aber nur auf Augenhöhe - dann arbeitet man wirklich zusammen (im Wortsinn). Ich würde mir das wünschen.


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    Aber so lange die Kooperation zwischen Sachverständigen und Giftnotruf irgendwie funktioniert und sich niemand beschwert, wird der Staat natürlich keinen Handlungsbedarf erkennen.


    Würden alle Pilzberater/PSV ihre Kooperation mit den Vergiftungsnotrufen einstellen, würde auch nichts passieren - von staatlicher Seite aus. Man kann rein symptomatisch behandeln. Das passiert eh sehr oft, wenn nämlich kein PSV erreichbar ist. Unterm Strich wäre das vielleicht teurer für den Staat, da öfter auf Verdacht behandelt wird. Aber das fällt im Staatshaushalt kaum auf. Die meisten Fälle sind Vergiftungen im Beruf/ der Industrie und Unfälle im Haushalt. Die Giftnotrufe sind nicht ständig mit Pilzen belegt.


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    Meinst Du nicht, dass die Verbände geschlossen agieren sollten, damit sich hier etwas ändert?


    UJa, fände ich wie gesagt auch gut. Ich verstehe nicht, warum z.B. die DGfM nur ihre eigenen PSV auflistet und nicht auch die anderer Vereine. Aber ich kann sie ja nicht zwingen. Ich verstehe vieles dort nicht, aber letzten Endes geht mich das nichts mehr an, da ich kein Mitglied mehr in der DGfM bin. Ich habe, was den Verein angeht, aufgegeben und fahre gut damit. Ich biete gerne weiterhin Hilfe und Kooperation an. Auch dann, wenn die DGfM einseitig verfährt. Es geht um die Sache und nicht um einen Verein.


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    Ich sehe das wie Du. Wir brauchen ein engmaschiges Pilzberaternetz und dafür braucht es Anreize. Z.B. eine staatlich finanzierte einheitliche Ausbildung, eine staatliche Haftpflichtversicherung und eine einheitliche Regelung für eine Aufwandsentschädigung.


    Wenn du Ideen hast, wie man das erreicht...?! Die DGfM hat früher jahrelang / jahrzehntelang genau dafür gekämpft und hatte keine Chance. Wie willst du das schaffen? Ich sehe es nur auf regionaler Ebene, da man dort eher an die Zuständigen herankommt. Man kann leichter im Landtag Termine bekommen als im Bundestag. Aber auch im Landtag sind Pilzvergiftungen ein völliges Randthema. Und statistisch stimmt das sogar.


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    Wenn jemand auf das Geld verzichten will, kann er das gern. Aber dem Einzelnen die Honorarforderung zu überlassen setzt ihn moralisch unter Druck. Wir hatten ja in dem anderen Thread ein paar Meinungen dazu, die ich nicht weiter kommentieren will.


    Wie gesagt: für die Sachverständigentätigkeit gibt es Vorlagen, Präzedenzfälle (etc.). Die Pilzberatung sehe ich persönlich aber im Ehrenamt, damit keine Hürden aufgebaut werden.


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    Die Idee, die Pilzapps abzuschaffen, ist genauso realistisch, wie ein Verbot des Internets. So etwas wird nicht funktionieren.


    Natürlich kann man sie nicht abschaffen. Das war nicht wortwörtlich gemeint. Aber man kann offen gegen diese Apps eintreten und immer wieder davor warnen. Heute hat jemand bei einer Wanderung, die ich geführt habe, die 123-App verwendet. Die ist vielleicht gut gemeint, aber hochgradig fahrlässig und gefährlich, wie ich finde. Und das kann man immer und immer wieder betonen. Dann passiert vielleicht weniger. Manchen kann man aber auch dann nicht helfen.


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    Ich würde übrigens sofort die ganzen Ballspiele verbieten, wenn das ginge.


    Oh, da hätte ich aber viel dagegen. Und Verbote bringen ja meist wenig. Aufklärung ist wichtig. Und da wäre es gut, wenn die Vereine kooperieren und nicht Konkurrenzdenken aufbauschen, das völlig irrelevant ist.


    LG
    Christoph

    Servus Caludia...



    Hallo Foristen,


    die Pilzberatung ist meiner Ansicht nach suboptimal organisiert. Es gibt einige Ballungsgebiete, in denen Pilzberatungsstellen mit Öffnungszeiten existieren. Das ist, wenn ich es richtig verstehe, ein Angebot von Vereinen, bei dem Pilz-Sachverständige ehrenamtlich (unentgeltlich?) die Pilzbestimmung übernehmen, richtig?


    Was meinst du mit "organisiert"? Pilzberatung ist etwas freiwilliges. Wenn sich auf dem Land wenige Menschen finden lassen, die Pilzberatung anbieten wollen und sich entsprechend schulen lassen, dann ist das ein Grundproblem - aber organisiert werden kann da eben nichts, da das ja alles ehrenamtlich und freiwillig abläuft. Die Ballungszentren haben halt meist auch Pilzvereine, aus deren Reihen genügend interessierte kommen.


    Deshalb versuchen wir von der BMG, auch auf dem Land Kurse anzubieten, die auch bei geringer Teilnehmerzahl stattfinden. Auf unserer Pilzberaterliste (die noch viel zu kurz ist, wir bilden auch noch nicht so lange aus) finden sich doch einige "auf dem Land": http://www.pilze-bayern.de/ind…ng/liste-bayr-pilzberater


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    Ansonsten gibt es Listen mit Pilzberatern, also Sachverständigen die in ihrer Freizeit, wenn sie nicht gerade im Urlaub oder durch den Job verhindert sind, die Pilzbestimmung übernehmen. Geld gibts nicht dafür, auch keinen Kostensatz für die in Anspruch genommene Zeit, richtig?


    Jein. Ich unterscheide da zwischen normalen Pilzberatungen (Korbkontrolle) und wirklicher Sachverständigentätigkeit (z. B. Notfalldiagnostik, die ohne Mikroskop nicht auskommt). Bei letzterer kann man Rechungen stellen (und sollte es auch). Dass manche Krankenhäuser tricksen, ist eine Schweinerei, aber das ändert ja nichts am Grundsätzlichen.


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    Der Giftnotruf hingegen ist eine staatliche Aufgabe, also steuerfinanziert. Aber wir sind uns sicher einig, dass Vorsorge besser ist, als dann zu helfen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.


    Staatlich? Indirekt ja - der in München läuft über die Uniklinik, die dem Staat gehört, klar. Aber es ist dennoch der Klinikbetrieb, der auch schwarze Zahlen schreiben muss. Der Giftnotruf München ist übrigens kompetent - und die haben auch eine Pilzsachverständige an Bord.


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    Wenn ich mich so umsehe, arbeiten Sachverständige normalerweise nicht ehrenamtlich. In vielen Sparten gibt es festgelegte Kostensätze. Manchmal leben Gutachter von ihren Expertisen, z.B. bei Kfz- oder Immobilien ist das so. Manchmal ist es ein Nebenverdienst, wenn ein Gutachter Friseurarbeit oder Porzellan bewertet. In einigen Bereichen, vor allem dort, wo erwartet wird, dass die Gutachten besonders hohen Ansprüchen genügen, werden Gutachter sogar öffentlich bestellt und vereidigt (leider ist das nicht so nicht im Gesundheitswesen).


    Das ist auch bei Pilzen so. Wenn man ein forensisches Gutachten erstellt, kann man ganz normal die Kosten abrechnen und einen Stundensatz, der der Qualifikation entspricht, ansetzen. Das Problem ist hier halt der Begriff - Pilz"sachverständige" sind oft Pilzberater. Sie müssen nichtmal mikroskopieren können, sondern halt die gängigen Gift- und Speisepilze kennen. Das ist sehr wichtig und hilfreich, aber eigentlich keine Sachverständigentätigkeit, bei der belastbare Gutachten geschrieben werden.
    Früher hatte auch die DGfM ihre Pilzberater ehrlich und klar Pilzberater genannt. Später wurde einfach der Begriff auf PSV hochgehoben, ohne an den Anforderungen zu schrauben.


    Die BMG verlangt von ihren Pilzsachverständigen sehr gute Mikroskopierkenntnisse und noch mehr. Das ist weit mehr, als das, was ein Pilzberater kennen muss. Wenn das auch klar ist, dann kann man als PSV im engen Sinn auch für die Gutachten deutlich mehr verlangen (höherer Qualifikation). Ich will da jetzt nicht zu weit ausholen, denn manchen ist der Titel PSV statt Pilzberater heilig.


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    Ich verstehe nicht, warum Pilzsachverständige in ihrer Freizeit eine Aufgabe übernehmen sollen, bei der es um Leben und Tod gehen kann, und dafür nicht angemessen entschädigt werden. Ich habe viele Jahre als Rettungsschwimmerin gearbeitet. Da ging es manchmal auch um Leben und Tod und es gab immer eine Aufwandsentschädigung. Nix zum reich werden, aber eine die Anerkennung für die Arbeit.


    Ich fände es auch viel besser, wenn der Staat die Pilzberater als wichtige Präventionshelfer entschädigt, die Ausbildung subventioniert (etc.). Der Staat sagt sich aber, "sollen die Leute weniger Wildpilze sammeln und essen". Das ist noch günstiger. Allerdings kommen die Vereine nicht gegen den Staat an - und manchmal stellen sich auch die Vereine (auch die DGfM) etwas unbeholfen an.


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    Ich verstehe, dass der Zugang zur Pilzberatung so niedrigschwellig wie möglich seien sollte. Schließlich sollen unsichere Pilzsucher ihre Funde möglichst begutachten lassen, bevor sie sie verspeisen.


    Das ist genau der Ansatz, den ich wichtig finde. Deshalb auch ehrenamtlich.


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    Kosten dafür wären eine kleine Barriere, die würde m.E. kompensiert dadurch, wenn möglichst zuverlässig wohnort- oder pilzfundnah Pilzberater zu finden wären. Damit meine ich nicht, dass jedes Dorf einen haben sollte. Aber mehr als eine halbe Autostunde entfernt sollte der Berater nicht sein.


    Wie oben geschrieben - du kannst niemanden zwingen, in deiner Nähe zu leben und Pilzberatung anzubieten. Pilzberatung ist gut und wichtig, aber es gibt kein Grundrecht darauf.


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    Pilze sammeln ist ein Hobby. Wer einen schönen Tag im Wald verbringt und dabei Pilzfunde macht, wird sicher kein Problem haben, einen angemessenen Obolus zu entrichten, um unbeschwert die Pilze zu genießen und damit dem Pilzberater eine Anerkennung für die geopferte Freizeit zuteil werden lassen. So denn einer in der Nähe und die Information einfach zugänglich ist.


    Wenn das Hobby (Pilzberater) zum Nebenberuf wird, dann wird es versicherungstechnisch schwierig bzw. schnell sehr teuer. Das kann nach hinten losgehen. Ich verlange keinen Cent für eine Pilzberatung. Manchmal bekomme ich Naturalien geschnekt (ich hab mal zwei Lachsforellen bekommen - frisch gefangen - oder eine kleine Spende für die Beratung). Ich fände einen Tarif pro Person aber ungünstig. Dann kommt auch eine Erwartungshaltung auf, die unschön sein kann.


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    Meine Frage ist, seht ihr das auch so und gibt es seitens der der organisierten Mykologen eine Diskussion und/oder das Bestreben, das Pilz-Sachverständigenwesen einheitlicher und für die Sachverständigen und Ratsuchenden attraktiver zu organisieren?


    Einheitlicher ist schön, aber problematisch. So hat beispielsweise die DGfM (leider!) die gesamte Ausbildungsordnung außer Kraft gesetzt. Will man PilzCoach werden, muss man (!) zig Module besuchen (da kann man offensichtlich nichts sich allein aneignen), aber wer PSV werden will, braucht gar keinen Kursnachweis mehr. Es gibt auch keine offiziell autorisierten Ausbildungsstätten mehr, nur noch eine Prüfungsordnung (immerhin).
    Ich finde es ziemlich daneben, auf der Seite der Pilzberatung keinerlei Vorgaben der Qualifikationsart zu machen, beim Pilzserviettenfalten und Pilzpapierschöpfen aber mehrere Module und sonstwas vorzuschreiben. Ich bin daher froh, dass es neben dem DGfM-PSV andere Qualifikationsmöglichkeiten gibt. Macht ein Verein Unsinn, dann kann man wechseln.
    Die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg hat beispielsweise auch eigene Pilzberater. Der VfP München ebenfalls. Und die BMG bietet ja ohnehin auch Kurse an (mit Versicherung für die Pilzberater etc.). Bei der BMG ging es darum, dass die DGfM in Bayern gar keine Kurse angeboten hat und somit alle Bayern hätten weit fahren müssen (bis auf die Oberfranken, die es nicht weit nach Thüringen haben). Auch solche Hürden für kommende Pilzberater werden kleiner, wenn es mehr Angebote gibt.


    Es ist nur schade, dass die Zusammenarbeit schwierig ist. Wir verlinken auf die DGfM-Liste. Umgekehrt passiert das (natürlich?) nicht.


    Mir liegt das Thema Pilzberatung sehr am Herzen. Ich habe schließlich jahrelang für die DGfM PSV ausgebildet. Ich hatte gehofft, das PSV-System sinnvoll zu gestalten, als ich noch Präsident der DGfM war (hatte aber auch nur eine Stimme im Vorstand) und bin dann später ausgetreten, als die PSV-Schiene meines Erachtens in den Graben gefahren wurde. Dazu gehört auch das Thema Fortbildungen (das war der Hauptgrund des Austritts, aber auch das Absachaffen der Ausbildungsordnung für PSV trotz intensiver Ausbildungsordnung für PilzCoaches).


    Ich hoffe, dass in ferner Zukunft eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit im Bereich PSV mit der DGfM möglich ist. Fortbildungen bieten wir in Bayern weiterhin (auch für PSV der DGfM) an. Und sollte die DGfM irgendwann doch wieder Kurse in Bayern haben wollen, fämnde ich das auch gut. Ich sehe keine Konkurrenz , sondern Ergänzung. Man sollte um jeden Pilzberater froh sein, der sich findet - egal über welchen Verein.


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    Oder aber, wie könnte Eurer Meinung nach eine Regelung aussehen, die die unterschiedlichen Interessen besser in Einklang bringen könnte, so dass am Ende auch die Giftnotrufzentrale weniger zu tun bekäme?


    Das einfachste wäre, wenn man die unsäglichen PilzApps abschaffen würde. Die führen hier in Bayern zu Vergiftungen. Der zweite Grund für viel Arbeit beim Giftnotruf sind Internetbestimmungen nebst Konsum der (unsicher) bestimmten Pilze. Das sehe ich hier ja quasi regelmäßig live. Und manchen ist da nicht zu helfen. Dagegen kommt auch ein PSV nicht an. Die PilzApp-User finden die PilzApp viel praktischer als den Gang zum Pilzberater (mein Eindruck).


    Für die Sammler, die nicht leichtsinnig handeln wollen, sollte aber ein möglichst engamschiges Pilzberaternetz vorhanden sein. Und das geht nur über Zusammenarbeit auf allen Ebenen.


    LG
    Christoph

    Servus P.E.,


    wenn du aus Erding stammst: in München gibt es eine Pilzberatungsstelle (am kommenden Montagvormittag kannst du mich da in Pasing treffen - dann bin ich mal an der Reihe). Träger der Pilzberatungsstelle ist der Verein für Pilzkunde München: http://www.pilze-muenchen.de - dort kannst du auch hinkommen, wenn die Pilzberatungsstelle schon zu hat.


    Es lohnt sich auch, bei den Wanderungen teilzunehmen (morgen führe z. B. ich die Wanderung in Türkenfeld - ist eine S-Bahn-Station), wenn du Pilzbestimmung erlernen willst. Gerade im Großraum München hast du Glück, einen sehr aktiven und was die Mitglieder betrifft, jungen Verein vor der Nase zu haben.


    Wo ich den Vorschreibern aber recht geben muss, ist die Fahrlässigkeit, die ich hier sehe. Heute kam nicht umsonst im Radio, dass der Giftnotruf München heuer bisher mehr als doppelt so viele Vergiftungen als normal betreut hat.


    Als Grund wurde (zurecht) genannt: Pilz-Apps und Internetbestimmung. Esteres ist fatal, denn viele glauben wohl wirklich, man müsse Pilzarten nicht mehr kennen, es reiche ein Foto und ein Klick auf eine Taste.


    Man sollte wirklich nur die Pilze essen, die man zu 100% sicher kennt. Kennt man sie zu 100% sicher, muss man keine Kollektion im Internet vorzeigen, um die Bestimmung bestötigt zu bekommen.


    Und kennt man sie nicht zu 100%, dann macht man doch keinen Pilzhaufen, bei dem man keine Details sehen kann, sondern rupft nur ein paar wenige und macht dafür genaue Fotos und (!) eine genaue Beschreibung. Dann ein eigener Bestimmungsversuch (sonst bringt einem ein hingeworfener Name ich nichts - man lernt sonst nichts oder nur wenig) - und dann die Rückversicherung über Experten (vor Ort oder in Foren...).


    Erst dann, wenn man immer wieder richtig bestimmt hat, kann / sollte man zum Essen übergehen.


    Und gerade der Perlpilz ist leicht zu erlernen. Würdest du die Details per Fotos zeigen, die für die Bestimmung relevant sind, dann würdest du auch von Fachleuten die Bestätigung bekommen, dass du weißt, worauf es bei dem Pilz ankommt.


    So schaue ich deine Bilder an und sage mir, dass es schade um die Pilzhaufen ist. Die müssen ja alle entsorgt werden - und andere hätten sich über Speisepilze gefreut. Oder du isst sie doch, obwohl du dir nicht sicher bist. Dann sehen wir uns vielleicht (oder telefonieren), wenn ich deinen Fall betreuen sollte, nachdem du vielleicht mal sauber danebengelangt hast. Bislang waren es, wenn ich's richtig im Kopf habe, ca. 300 Vergiftungsfälle, die dem Goftnotruf München gemeldet wurden. Ich hoffe, dass du die Zahl nicht erhöhen wirst.


    Und vielleicht verstehst du so auch den Unmut über die Pilzberge. Wie soll man so auch erkennen, ob irgendwo ein kleiner, giftiger drunterliegt? Und wie soll so ein Übersichtsbild von abgeschnittenen Pilzen als Bestimmungsgrundlage dienen können?


    Niemand hat es heutzutage nötig, sich durch Pilze in Gefahr zu bringen. Auch du nicht...


    LG
    Christoph

    Servus P.E.,


    was die genaue Bestimmung angeht, stimmt es, dass es mehrere "Parasole" gibt. Du bräuchtest einen Sporenpulverabdruck (auf weißem Papier aussporen lassen) und müsstest den Farbton des Sporenpulvers kennen.
    Hat er sich wirklich gar nicht verfärbt? Nichtmal beim Kratzen an der Stielrinde?


    Die Fotos haben m.E. teils einen recht deutlichen Blaustich (Weißabgleich?). Die Farbtöne der Lamellen, am Hut usw. sind auch wichtig.


    Parasol i.w.S. stimmt aber (und da hören die meisten bei der Bestimmung eh auf).


    LG
    Christoph

    Servus Patrick,


    der Bericht wäre sehr interessant, da alle Vertreter der Gattung Caloboletus giftverdächtig sind (also auch der Wurzelnde Bitterröhrling). Falls du ihn runterbekommen solltest, wäre es gut zu wissen, ob bei dir Symptome auftraten oder ob dir nichts passiert ist. Offenbar können manche den ja wegstecken (das Phänomen gibt es auch beim Karbolchampignon) - oder durch Länge der Kochzeit entgiften - ähnlich wie beim Satanspilz (der übrigens sehr nah mit Caloboletus verwandt ist - Rubroboletus ist die Schwestergattung und auch da sind alle Arten giftverdächtig).


    LG
    Christoph


    hast Du das Bild mal vergrößert? Der Hut weist doch durchaus noch einige flache Buckelchen und längsradiale Unebenheiten auf, und auch eine feine Sprenkelung ist rund um die Fraßstelle in der Hutmitte immer noch erkennbar.


    Servus Jürgen,


    ich hatte drauf geklickt, es ging in einem neuen Fenster auf und war genauso groß. Dass man nochmal draufklicken kann, habe ich nicht bemerkt. Jetzt habe ich es in "ganz groß" angeschaut und kann die Buckeligkeit/Unebenheit auch nachempfinden. Man muss nur genau hinschauen ;)


    (Im Gelände wär's einfacher)


    LG
    Christoph

    Hi Schupfnudel,


    Leccinum variicolor glaube ich nicht - der Hut sieht zu einheitlich gefärbt und zu glatt aus. Ohne genaues Wissen um die Fleischverfärbung geht da eh nichts, also ohne Schnittbilder, Detail der Stieloberfläche usw. - und ohne Mikroskopie (Leccinum variicolor hingegen ist leicht makroskopisch bestimmbar). So sieht es aus, wie das, was früher als Leccinum thalassinum bezeichnet wurde. Aber wie gesagt - anhand dieses Fotos allein ist eine Bestimmung nicht möglich.


    LG
    Christoph

    Servus Mario,


    wunderbar! Zunächst: es ist sicherlich keine Athelia im engen Sinn, auch wenn die Kristalle passen würden. Die deutlich rechtwinklig verzweigten Hyphen, die verwurschtelten Kandelaber, die so "unordentlich" sind und die kleinen Sporen un Basidien führen zu Leptosporomyces.


    Athelia epiphylla agg. hätte nur an den Basalhyphen Schnallen, niemals an den Basidien. Und die Sporen passen gar nicht.


    Eigentlich passt dein Fund gut zu Leptosporomyces galzinii - bis auf die Kristalle, die bei der Art nur vereinzelt / selten auftreten.


    Ich würde so auf die Schnelle Leptosporomyces cf. galzinii dazu sagen. Vielleicht hilft das als Ansatzpunkt für weitere Recherche. Ein schöner und spannender Fuznd.


    LG
    Christoph


    P.S.: Ich mag Athelia s.l. - Du kannst, wenn du magst, mir auch gerne was zuschicken.

    Servus Karl-Heinz,


    zu bestimmende Pilze putze ich niemals im Wald. Auch das von dir beschriebene Vorputzen zerstört Caulocystiden, Velumspuren, Rhizomorphen fehlen usw. Ein unbekannter Pilz sollte doch möglichst unbeschädigt komplett (!) gesammelt (und separat abgepackt) werden. Unbekannte Pilze, die man erstmal kennenlernen will, sollte man m.E. auch nicht essen - selbst dann nicht, wenn über ein Forum ein Bestimmungsvorschlag kommt. ;)


    Pilze, die ich aber kenne und essen will, putze ich dann lieber komplett im Wald, damit ich gar keinen Schmutz zwischen den Lamellen habe.


    Ich finde, "Pilze Erding" hat es prinzipiell völlig richtig gemacht. Die Frage ist nur, warum er so viele gesammelt hat, wenn es nur ums Kennenlernen und Bestimmen geht. Ich vermute daher, dass er sich nur nicht 100% sicher war und durchaus ans Essen dachte. Und auch dann finde ich Vorputzen dem Bestimmungsvrogang abträglich. Dann muss man halt nach Besuch der Pilzberatungsstelle länger "nacharbeiten". Dafür hat der Pilzberater alle Merkmale vor sich liegen. Gerade bei Wulstlingen sind Velumreste an der Stielbasis nicht so ganz unwichtig (auch wenn man Perlpilze auch ohne erkennt).


    LG
    Christoph

    Servus Frank,


    das ist keinesfalls ein Lentinellus, weder Lentinellus cochleatus, noch Lentinellus inolens (bei ersterem passen die Stiele gar nicht - abgesehen von der Fleischdicke, der Farben und der Hutform - bei letzterem treten zwar relativ normale Stiele auf, aber der Rest passt auch gar nicht).


    Panus conchatus kann sehr gut sein. Nur anhand des Fotos ist's halt schwer, aber ich wüsste beispielsweise nicht, welcher Pleurotus diese Hutfarbe haben sollte. Insofern denke ich schon, dass es ein Panus conchatus ist.


    LG
    Christoph

    Servus Mario,


    Fibulomyces mutabilis hätte Sporen, die nicht rotationssymmetrisch, sondern in Seitenansicht schmaler als in Aufsicht sind - und sie wären länger. Abgeflacht könnten die Sporen sein, aber das ist anhand der Fotos kaum zu interpretieren. ie Messbalken stören etwas die Sicht auf die Sporen selbst. Makroskopisch wäre der Fruchtkörper schon sehr athelioid, was auch nicht so gut passen würde.


    Ceraceomyces serpens passt m.E. makroskopisch gar nicht - mir fehlen die Gelb- bis Orangetöne und die merulioide bis labyrinthische Oberfläche (wären dann sehr sehr junge Fruchtkörper, aber schon sporulierend?!). Die Sporen müssten schön tropfenförmig sein (durch den großen Apikulus), was man an den Bildern auch nicht gut sehen kann.


    Es gibt so viele athelioide Pilze... Waren die Fruchtkörper komplett häutcheenartig abziehbar oder nur in kleinen Stücken? Wie genau sind die Kandelaber der Basidien geformt? Wie sieht die Schnallenverteilung aus? Welche Maße haben die Basidien? Wie breit sind die Basidienbasen, die Subhymenialhyphen und die Subiculumshyphen? Gibt es Cystiden? Falls ja, wie geformt, wie groß? Wie sieht die genaue Sporenform aus, wo ist die Spore am dicksten, wie ist das Hinterteil geformt, sind sie dünnwandig oder doch etwas dickwandig (usw.)?


    Welche Kristallformen sind genau vorhanden? Waren es vor allem die Nadeln, die man sieht (gibt es z.B. bei Athelia, aber auch bei Piloderma


    Dann kann man anfangen, athelioide Pilze zu schlüsseln. Durch die sehr kleinen Sporen fallen sehr viele Arten weg. Die von dir erwähnte Athelia bombacina hat beispielsweise Sporen von 4,5-6 x 2,5-3(-3,5) µm, sind also auch länger (und breiter). Wie viele Sporen hast du gemessen?


    Ich arbeite meist mit dem alten Jülich (Monographie der Atheliae - Beiheft 7 zur Willdenowia, 1972, um dann in neueren Werken wie der Bernicchia oder den nordischen Cortis nachzuschlagen).


    So sind die Angaben aber m.E. nicht ausreichend. ;)


    LG
    Christoph


    ...
    Insofern kann das durchaus Boletus mendax sein.
    Ärgerlich, den nicht ein Jahr später gefunden zu haben.
    aber so nebenbei: In der selben Datei sind auch Sporenmessungen (mit richtigem Mikro) von einer "richtigen" Netzhexe vom Mannheimer Friedhof mit einem Qm von 2,56. ;)


    Servus Pablo,


    erstaunlich, denn ich habe einige Aufsammlungen von Suillellus luridus mikroskopiert und hatte nie einen Durchschnittsquotienten über 2,3, meist zwischen 2,2 und 2,3. Der eventuelle S. mendax wäre jedenfalls makroskopisch sehr typisch. Ich vermute, würdest du mit einem guten Mikroskop nachmessen, käme vielleicht auch so um 2,6 oder 2,7 als Mittelwert heraus.
    Ich habe Suillellus vorgestern unterm Mikro und der hatte den Bilderbuchwert von Qm = 2,70.


    Ich hatte eher Probleme, netzlose Suillellus luridus von Suilellus queletii zu trennen. Letzterer hat einen noch kleineren Sporenquotienten, aber die beiden treffen sich fast.


    Ich muss mal wieder anfangen, Netzhexen zu vermessen - wichtig ist aber, dass die Fruchtkörper reif genug sind. Zu junge Fruchtkörper zeigen manchmal seltsame Werte beim Sporenquotienten.


    Zitat

    Dennoch, ich mache mal das Bild oben von der fraglichen Kollektion kenntlich, daß man das kritisch betrachten muss.


    Wie gesagt: makroskopisch wäre das ein typischer S. mendax. ;)


    LG
    Christoph

    Hi beli,


    einer der beidne ist es sicherlich. Der Filzige Gelbfuß ist bei mir nicht selten, aber ich wohne ja auch im Voralpenland. Mir passt nur die Huthautbeschaffenheit nicht für den Kupferroten Gelbfuß - der ist glatter und eingewachsen faserig, nicht so filzig wie hier abgebildet.


    Gerüche sind immer sehr subjektiv und daher in Kurzbeschreibungen oft nicht gut zu werten. Ich bin mir nichtmal sicher, ob das mit dem Geruch wirklich konstant ist. Ich habe bislang aber meist die ssp. tatrensis, also den Gelbfuß unter Fichte gehabt, nicht die ssp. helveticus unter Pinus cembra. Ich muss aber zugeben, dass ich selten an den Gelbfüßen geschnüffelt habe, da sie makroskopisch ja klar unterschieden werden können.


    Danke für den Geruchseinwurf - ich werde da in Zukunft mal drauf achten.


    LG
    Christoph


    Interessant! Zwei Fragen dazu:
    1) welche Milch genau nimmst Du? Ich vermute dass es nicht einfach die Dickmilch aus dem Supermarket ist..


    Servus Alexander,


    ich habe Rohmilch vom Bauern verwendet (gab es damals noch) und die sauer werden lassen (ging sehr schnell). Es geht sicher auch mit normaler Frischmilch.


    Zitat

    2) weißt Du ob im Lactarius turpis dadurch auch Necatorin abgebaut wird?


    Soweit ich weiß, wird das Necatorin eben nicht abgebaut. Deshalb würde ich Lactarius turpis niemals silieren wollen.


    Zitat

    Was ähnliches ist mir auch letztes Jahr passiert. Damals habe ich L. torminosus gewässert und eingesalzen und müsste ziemlich bald alles wegwerfen. Das lag aber daran dass ich einen Anfängerfehler gemacht habe - ich habe die Pilze bei Raumtemperatur gewässert. Nur deshalb sind sie shlecht geworden.


    Ich hatte das Sauerkrautfass einfach im Keller stehen - also bei gesenkter Raumtemperatur. Normalerweise geht das, wenn die Bakterien der Sauermilch sich schon durchgesetzt haben. Das Ganze schäumt dann auch richtig und riecht angenehm nach Jogurt (hat mit Jogurt natürlich nichts zu tun, das sind ja wärmeliebende Bakterien).


    LG
    Christoph


    Hi Craterelle...


    Zitat

    Seid ihr übrigens sicher, dass Milchsäuregärung überhaupt Harze/Terpene abbauen kann? Mein Kenntnisstand war, dass die verschiedenen Milchsäurebakterien ausschließlich Einfachzucker zu Milchsäure/Lactat verstoffwechseln (und hierbei bestimmte bevorzugen können, aber eben nicht andere organische Verbindungen zerlegen).


    Durch das Silieren werden die Harze definitiv abgebaut, denn sonst blieben die Pilze giftig. Gerade die "großen gelben" sind heftig Magen-Darm-giftig. Die Milchsäuregärung im engen Sinn ist natürlich der unvollständige Abbau von Zucker, klar. Ob die Harze nur indirekt aufgrund des absinkenden pH-Wertes oder durch Enzyme zerlegt werden, weiß ich nicht. Da wäre ein Biochemiker gefragt.


    LG
    Christoph

    Servus Jürgen...



    Ich habe mir übrigens - da in der normalen Pilzsammler-Literatur nur wenig spezifisch auf die Bewertung von Speisepilzen eingegangen wird - euer Taschenlexikon zugelegt und zitiere da manches Interessante.



    finde ich gut (hihi) :thumbup:


    Jetzt wieder ernsthaft: Ich habe vorgestern ebenfalls die Espenrotkappe verzehrt, zusammen mit einem Sommersteinpilz - nur gebraten - die Rotkappe entsprechend lange, den Steinpilz nur kurz und heiß - dann etwas Salz und Pfeffer, sonst nichts - äußerst köstlich :)


    LG
    Christoph

    Servus Dieter,


    vergleiche deinen Fund mal mit Chroogomphus helveticus, dem Filzigen Gelbfuß. Das Sporenpulver ist sehr dunkel, in dichter Lage fast schwarz - so sieht es auch auf dem Foto aus, finde ich.


    LG
    Christoph

    Servus Bernd,


    die Bitterkeit des Gallenröhrlings schwankt von Kollektion zu Kollektion, weshalb der "Zungentest" meines Erachtens unnötig buw. trügerisch ist. Es gibt sogar komplett milde Gallenröhrlinge. Dann werden die auch mal gegessen. Ich habe einmal eine Vergiftung fernbetreut - siehe http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1409.0.html


    Von weiteren Fällen habe ich nur indirekt gehört. Scheint in den Bereich individuelle Unverträglichkeit zu gehören, aber trotzdem ist es unangenehm, wenn man betroffen ist.


    LG
    Christoph