Servus zusammen,
ich will ich nicht bei euch einmischen, aber zur Guajakreaktion kann ich vielleicht etwas beitragen. Was ihr testet, ist die Aktivität von Phenoloxidasen, also die Weißfäulekapazität des Fruchtkörpers.
Beispiel Russula: die ganzen Russulales besitzen Phenoloxidasen, sind Weißfäulepilze. Ektomykorrhizaarten nutzen das, um auch durch Holz wachsen zu können. Im Fruchtkörper wird das aber nicht benötigt, weshalb die Enzymproduktion dort (hormonell?) eingeschränkt/gestoppt wird.
Es gibt zudem falsch-positive Ergebnisse, da auch Sauerstoffradikale Guajak zerlegen und die Farbreaktion auslösen. Und Bakterien können das auch bewirken.
Das Grundproblem - warum sollte ncht mal als Defekt das Bremsen der Enzymproduktion im Fruchtkörper wieder aufgehoben werden? Ihr testet also bei Pilzen, die alle im Prinzip Weißfäulepotential haben, wie viel der dies ermöglichenden Enzyme im Fruchtkörper / an der Stielspitze gebildet werden / aktiv sind. Es wird also innerhalb des gleichen Merkmals nur die Quantität gemessen, nicht ob vorhanden oder nicht. Ich würde das also nicht übergewichten (weder bei Tricholoma noch bei Russula)
Manchmal gibt es aber reproduzierbare Überraschungen. Ektotrophe Pilze haben meist nur noch ca. 5% der Weißfäulekapazität von saproben. Ich habe früher bei vielen Pilzen Enzymtests durchgeführt, drunter auch an Hygrophorus olivaceoalbus. Und sieh da, der war extrem potent - leg ein kleines Stück in Guajaklösung und ab geht die Post. Später stellte sich heraus, dass er wieder zum Wurzelparasit geworden ist. Er bildet die Mykorrhize und verdaut dann die Wurzel...
Die Enzymtests wurden auch veröffenlicht: AGERER R., SCHLOTER M. & HAHN C. (2000): Fungal enzymatic activity in fruit bodies. Nova Hedwigia 71: 315-336.
Leider habe ich kein pdf davon.
Das mit dem Parasitismus findet man in Lodge et al. 2014, Fungal Diversity 64:1–“99
LG
Christoph
