Noch ganz nebenbei eine Frage zur korrekten lateinischen Bezeichnung. Wie lautet diese denn aktuell? Bis vor kurzem war ich mir mit "Neoboletus luridiformis" eigentlich relativ sicher. Auf Wikipedia findet sich der lateinische Name "Neoboletus erythropus" und auf Facebook wurde ich schon mehrmals darauf hingewiesen, dass das alles "veraltet" ist, die aktuelle, korrekte Bezeichnung "Neoboletus praestigiator" lautet. Dürfen wir nach eurer Meinung bzw. eurem Wissen zur (aktuell) gültigen, lateinischen Bezeichnung fragen?
Servus ihr drei,
das Grundproblem ist, dass Persoon einen Boletus erythropus beschrieben hat, dabei aber die Beschreibung mit dem Glattstieligen Hexenröhrling vermengt hat. Jetzt kann man den Namen wegwerfen als nomen dubium, ihn als den dann ältesten Namen für den Glattstieligen Hexenröhrling anwenden (in Suilellus ist das möglich) oder man interpretiert ihn doch als den Flocki.
Fries hat 1821 den Persoon'schen Namen übernommen und damit sanktioniert (also: Flocki = "Boletus" erythropus). Das gilt aber nur in der Gattung Boletus. Als Neoboletus aufgestellt wurde, brauchte die Gattung einen Typus. Die Autoren haben dafür (wohl sicherheitshalber) den jüngeren Namen Boletus luridiformis verwendet.
Die Verwirrung wäre aber komplett, wenn man jetzt den Glattstieligen plötzlich als Suilellus erythropus benennen würde, obwohl das Epitheton erythropus schon immer der Flocki war.
Deshalb habe ich, um den alten Namen weiter gebrauchen zu können, die Kombination Neoboletus erythropus (Persoon) C. Hahn aufgestellt.
Das Problem ist aber noch nicht gelöst. Würde man die Persoon'sche Beschreibung wirklich als Glattstieligen interpretieren, hätte ich nur eine Kombination erzeugt, die wenig Sinn ergibt, da der Glattstielige eben einer anderen Gattung zuzuordnen ist.
Allerdings bin ich der Meinung, dass man auch aus der Persoon'schen Beschreibung den Flocki gut herauslesen kann. Der Knackpunkt ist die Angabe, dass die Stielbasis rotes Fleisch hat. Das habe ich allerdings bei einem Flocki auch schon gesehen, wenn auch selten vorkommend. Ich habe daher mittelfristig vor, das Ganze durch eine nachträgliche Typisierung zu "zementieren".
Es ist nämlich auch so schon nervig: immer war es "Boletus erythropus". Dann kam in den 90er Jahren kurz mal "Boletus luridiformis" auf (was dann so im Krieglsteiner-Atlas übernommen wurde), um dann wieder gekippt zu werden. Es blieb bei Boletus erythropus. Und jetzt soll, nur weil die Gattung Neoboletus aufgestellt wurde (was ich wiederum richtig finde) jetzt schon wieder auf "luridiformis" gewechselt werden? Und dann auch noch das Gedöns mit Boletus praestigiator. Nein, da ist Neoboletus erythropus das, was das Epitheton schon immer bedeutete: der Flocki.
Einene "gültigen" Namen kann man aber nie festlegen (es sei denn, die Typisierung steht), da man die Beschreibungen dieser nicht typisierten Arten immer nur interpretieren kann. Insofern sind alle drei gültig und korrekt. Ich interpretiere die Persoon'sche Beschreibung als die älteste des Flocki. Andere interpretieren den als gelb beschriebenen Rostkov'schen Boletus luridiformis als Flocki und wer auch das nicht macht, da dieser Pilz eben gelb ist und auch den Persoon'schen nicht als Flocki akzeptiert, nimmt den B. praestigiator. Dass dieser aber jetzt der "richtige, gültige" sei, kann man so nicht sagen (Facebook halt?!).
Sollte ich 2018 einen passenden Flocki finden oder Hilfe (z.B. aus dem Forum hier) bekommen und so einen Flocki mit Rot in der Stielbasis bekommen (nahe Niederlande wäre optimal, also NRW), dann ist es allemal geklärt.
Meine Empfehlung: sag Neoboletus erythropus 
LG
Christoph