Was meinst du mit "organisiert"?
Ich unterscheide da zwischen normalen Pilzberatungen (Korbkontrolle) und wirklicher Sachverständigentätigkeit (z. B. Notfalldiagnostik, die ohne Mikroskop nicht auskommt). Bei letzterer kann man Rechungen stellen (und sollte es auch). Dass manche Krankenhäuser tricksen, ist eine Schweinerei, aber das ändert ja nichts am Grundsätzlichen.
Staatlich? Indirekt ja - der in München läuft über die Uniklinik, die dem Staat gehört, klar. Aber es ist dennoch der Klinikbetrieb, der auch schwarze Zahlen schreiben muss. Der Giftnotruf München ist übrigens kompetent - und die haben auch eine Pilzsachverständige an Bord.
Früher hatte auch die DGfM ihre Pilzberater ehrlich und klar Pilzberater genannt. Später wurde einfach der Begriff auf PSV hochgehoben, ohne an den Anforderungen zu schrauben.
Die BMG verlangt von ihren Pilzsachverständigen sehr gute Mikroskopierkenntnisse und noch mehr. Das ist weit mehr, als das, was ein Pilzberater kennen muss. Wenn das auch klar ist, dann kann man als PSV im engen Sinn auch für die Gutachten deutlich mehr verlangen (höherer Qualifikation). Ich will da jetzt nicht zu weit ausholen, denn manchen ist der Titel PSV statt Pilzberater heilig.
Ich fände es auch viel besser, wenn der Staat die Pilzberater als wichtige Präventionshelfer entschädigt, die Ausbildung subventioniert (etc.). Der Staat sagt sich aber, "sollen die Leute weniger Wildpilze sammeln und essen". Das ist noch günstiger. Allerdings kommen die Vereine nicht gegen den Staat an - und manchmal stellen sich auch die Vereine (auch die DGfM) etwas unbeholfen an.
Wie oben geschrieben - du kannst niemanden zwingen, in deiner Nähe zu leben und Pilzberatung anzubieten. Pilzberatung ist gut und wichtig, aber es gibt kein Grundrecht darauf.
Wenn das Hobby (Pilzberater) zum Nebenberuf wird, dann wird es versicherungstechnisch schwierig bzw. schnell sehr teuer. Das kann nach hinten losgehen. Ich verlange keinen Cent für eine Pilzberatung. Manchmal bekomme ich Naturalien geschnekt (ich hab mal zwei Lachsforellen bekommen - frisch gefangen - oder eine kleine Spende für die Beratung). Ich fände einen Tarif pro Person aber ungünstig. Dann kommt auch eine Erwartungshaltung auf, die unschön sein kann.
Einheitlicher ist schön, aber problematisch. So hat beispielsweise die DGfM (leider!) die gesamte Ausbildungsordnung außer Kraft gesetzt. Will man PilzCoach werden, muss man (!) zig Module besuchen (da kann man offensichtlich nichts sich allein aneignen), aber wer PSV werden will, braucht gar keinen Kursnachweis mehr. Es gibt auch keine offiziell autorisierten Ausbildungsstätten mehr, nur noch eine Prüfungsordnung (immerhin).
Ich finde es ziemlich daneben, auf der Seite der Pilzberatung keinerlei Vorgaben der Qualifikationsart zu machen, beim Pilzserviettenfalten und Pilzpapierschöpfen aber mehrere Module und sonstwas vorzuschreiben. Ich bin daher froh, dass es neben dem DGfM-PSV andere Qualifikationsmöglichkeiten gibt. Macht ein Verein Unsinn, dann kann man wechseln.
Die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg hat beispielsweise auch eigene Pilzberater. Der VfP München ebenfalls. Und die BMG bietet ja ohnehin auch Kurse an (mit Versicherung für die Pilzberater etc.). Bei der BMG ging es darum, dass die DGfM in Bayern gar keine Kurse angeboten hat und somit alle Bayern hätten weit fahren müssen (bis auf die Oberfranken, die es nicht weit nach Thüringen haben). Auch solche Hürden für kommende Pilzberater werden kleiner, wenn es mehr Angebote gibt.
Es ist nur schade, dass die Zusammenarbeit schwierig ist. Wir verlinken auf die DGfM-Liste. Umgekehrt passiert das (natürlich?) nicht.
Mir liegt das Thema Pilzberatung sehr am Herzen. Ich habe schließlich jahrelang für die DGfM PSV ausgebildet. Ich hatte gehofft, das PSV-System sinnvoll zu gestalten, als ich noch Präsident der DGfM war (hatte aber auch nur eine Stimme im Vorstand) und bin dann später ausgetreten, als die PSV-Schiene meines Erachtens in den Graben gefahren wurde. Dazu gehört auch das Thema Fortbildungen (das war der Hauptgrund des Austritts, aber auch das Absachaffen der Ausbildungsordnung für PSV trotz intensiver Ausbildungsordnung für PilzCoaches).
Ich hoffe, dass in ferner Zukunft eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit im Bereich PSV mit der DGfM möglich ist. Fortbildungen bieten wir in Bayern weiterhin (auch für PSV der DGfM) an. Und sollte die DGfM irgendwann doch wieder Kurse in Bayern haben wollen, fämnde ich das auch gut. Ich sehe keine Konkurrenz , sondern Ergänzung. Man sollte um jeden Pilzberater froh sein, der sich findet - egal über welchen Verein.
Das einfachste wäre, wenn man die unsäglichen PilzApps abschaffen würde. Die führen hier in Bayern zu Vergiftungen. Der zweite Grund für viel Arbeit beim Giftnotruf sind Internetbestimmungen nebst Konsum der (unsicher) bestimmten Pilze. Das sehe ich hier ja quasi regelmäßig live. Und manchen ist da nicht zu helfen. Dagegen kommt auch ein PSV nicht an. Die PilzApp-User finden die PilzApp viel praktischer als den Gang zum Pilzberater (mein Eindruck).
Für die Sammler, die nicht leichtsinnig handeln wollen, sollte aber ein möglichst engamschiges Pilzberaternetz vorhanden sein. Und das geht nur über Zusammenarbeit auf allen Ebenen.
LG
Christoph