Beiträge von Chorknabe

    Frage: Wie soll man sich verhalten, ohne dass eine entsprechende Warnung als Zurechtweisung oder Belehrung mißverstanden werden könnte?

    Hallo Josef,


    ich fürchte dass auch Dein Vorschlag missverstanden werden kann, denn es ist ebenso eine Belehrung. Der Belehrte muss dabei mitspielen - wenn er sich verweigert dann wird er mit Gegenwehr reagieren. Da kann man noch so höflich schreiben und auf Regeln hinweisen - es wird immer Leute geben die nicht damit umgehen können dass ihnen niemand mal schnell übers Netz schreibt ob der Pilz da auf dem verwackelten Foto unter Kunstlicht lecker ist oder nicht. Dann lieber klare Kante zeigen und bestimmt auf diese Grenze pochen - keine Verzehrfreigabe übers Netz. Ich denke nicht dass man mit diesem Hinweis ernsthaft interessierte Forums-Neulinge vergrault.

    In meinem Garten auf der Insel Madeira wachsen seit gestern Pilze.

    Um welche Pilze handelt es sich und kann man sie essen ??

    Die Lamellenfarbe weist darauf hin dass es sich bei Deinen Funden um eine Chamignon-Art handeln könnte. Eine genauere Bestimmung ist über Netz gerade bei Champignons kaum möglich und zudem unseriös. Wir können nun alle raten was Du da gefunden hast - und wenn Du Dir lediglich eine Notiz machen möchtest was da in Deinem garten wächst, dann ist eine Bestimmungshypothese ausreichend. Wenn Du Pilze essen willst, möchtest Du aber nicht nur wahrscheinlich gesund bleiben sondern sicher wissen ob Du da Giftpilze oder essbare Arten vor Dir hast. Das kann nur ein Experte vor Ort leisten.


    Aus diesem Grund geben wir hier übers Netz keine Verzehrfreigaben.

    Ich hab selbst erst vor 7 Jahren mit den Pilzen angefangen. Für mich war Das Handbuch für Pilzsammler von Andreas Gminder ein sehr hilfreicher Start. Vor allem hab ich hier zum ersten Mal eine Systematik an die Hand bekommen, um ganz langsam Schritt für Schritt einen Überblick zu bekommen. Ich mag es, wie die Gattungen vorgestellt und Gattungsmerkmale aufgelistet werden.


    Als schnelles Blätterbuch nutze ich nach wie vor gern Parey's Pilze.

    Hallo,


    ich möchte mich meinen Vorrednern anschließen, genau so kenne ich den Riesenrötling. Jung sind die Lamellen noch so wunderschön aprikosenfarbig wie beiDeinen Funden, später dann intensiv Rosa-fleischbräunlich.


    Spannend finde, dass der bei Euch in Portugal im November auftaucht. Bei uns hier in Mitteldeutschland ist es eine Art die man im August finden kann.


    Herzliche Grüße, Thomas.

    Hallo liebe Pilzfreunde,


    vor einigen Tagen durfte ich bei der Pilzpirsch einen sensationellen Fund machen. Die Gattung war schnell klar - aber die Art ist noch in keinem Buch beschrieben, scheinbar etwas bislang völlig Unbekanntes! Ich hab dem Pilchen gleich einen - wie ich finde treffenden - Namen verpasst. Aber Bilder sprechen mehr als tausend Worte! Darf ich euch voller Stolz präsentieren:


    Stropharia virescens - der Gründgefelderte Träuschling :P




    Dabei ist mir aufgefallen, dass die Namen bei Großer Buchenschneckling - Hygrophorus penarioides für mich nicht so recht zusammenzupassen scheinen.


    Auf der Positivliste steht der trockene Schneckling - Hygrophorus penarius. H. penarioides steht nicht drauf, bei 123pilze wird er als trockener Eichen-Schneckling übersetzt und scheint gemäß Verbreitungskarten extrem selten zu sein. Dann gibt es noch H. fagi, den Buchenschneckling. Thomas, auf welchen bezieht sich deine Bewertung?

    Hallo,


    ich beziehe ich auf H. penarioides, zweifelsfrei bestimmt (mit Hilfe, zugegeben). Ich habe gerade noch einmal geschaut: der deutsche Name lautet Trockener Eichenschneckling - ich habe da gestern Quatsch geschrieben. Hiermit geändert :) Der Pilz soll sehr selten sein, stand aber letztes Jahr in wahren Massen in meinem Hauswald.

    Nachtrag: gestern war ich nochmal im Park auf Pilzpirsch. Auf den Wiesen war der Jungfernellerling ein sehr häufiger Pilz - also hab ich mir mal eine Handvoll mitgenommen zur Verkostung. Fazit: gute Konsistenz nach dem Braten und sehr leckeres Pilzaroma. Für mich eine sehr solide 7 mit Tendenz zur 8. :)

    Nachtrag: gestern war ich nochmal im Park auf Pilzpirsch. Auf den Wiesen war der Jungfernellerling ein sehr häufiger Pilz - also hab ich mir mal eine Handvoll mitgenommen zur Verkostung. Fazit: gute Konsistenz nach dem Braten und sehr leckeres Pilzaroma. Für mich eine sehr solide 7 mit Tendenz zur 8. :)

    Ich denke es wäre für alle interessant, wenn die Bewertungen hier und da mit Kommentaren versehen sind. Dort drin können Gründe für hohe oder niedrige Bewertungen oder einfach Anmerkungen drin stehen. Damit sollten sich sicherlich nicht wenige Nachfragen erübrigen.


    Zum grünen Anistrichterling: habe ich letztes Jahr verkostet, ergibt eine 5 auf meiner Liste 😉

    Naja damals war er noch Essbar, deswegen hatte ich das so noch im Kopf.. Komme aus dem Osten.

    Um die Giftigkeit von Kahlen Kremplingen wusste man schon in den 50ern und selbstverständlich auch in der ehemaligen DDR. Sicher gibt es noch Pilzbücher in denen die Art als genießbar drin steht, diese stammen dann aber aus (Vor)Kriegszeiten. Daher bitte unbedingt einen aktuellen Pilzführer besorgen!


    Zur Giftigkeit hat ipari bereits alles Wichtige gesagt. Daher jetzt durchatmen, einsehen dass die Aktion leichtsinnig war, beim nächsten Mal vorm Verzehr einfach mal beim örtlichen Pilzsachverständigen schauen. Und vor allem NIEMALS Pilze essen die Du nicht zu 1000%. Das schont Deine Gesundheit und unsere Nerven 😉

    Hallo,


    wenn man schon einmal etwas seltenes findet, dann hat man ja mindestens moralisch gesehen die mykologische Pflicht zur genauen Dokumentation. ;) Ich habe also die Gelegenheit zum Anlass genommen, meine Funde etwas präziser zu dokumentieren und dazu Literatur zu wälzen. Ich bin daher noch einmal zum Fundort marschiert und habe neue Exemplare mitgenommen bzw. die Fundstelle genauer angeschaut. Außerdem habe ich (mehr oder weniger zum ersten mal nach einem Einführungskurs in die Pilzmikroskopie im Frühjahr diesen Jahres) das Mikroskop bemüht. Hier noch einmal zusammenfassende Ergebnisse:


    Fundort:

    Mischwald auf Kalk auf ca 300m, direkt neben einem geschotterten Forstweg. Bäume in der Umgebung von 10m waren Fichte, Pappel und Ahorn. Kiefer und Eiche waren in näherer Umgebung sicher auch vorhanden. Die Pilze wuchsen einzeln aber sehr gesellig direkt auf/im Moos unter einer einzeln stehenden mächtigen Fichte. Holz war unterm Moos nicht vorhanden, mit Sicherheit aber Nadelstreu von der unmittelbar daneben befindlichen Fichte. (Die kahle Stelle bei Bild 3. habe ich selbst geschaffen um freies Sichtfeld auf die Fruchtkörper zu haben)


          



    Hut:

    ca 1..2cm im Durchmesser, Hutrand wellig verbogen, im feuchten Zustand am Hutrand durchscheinend (und daher gerieft wirkend), hygrophan, dünnfleischig. Hutmitte vertieft (leicht genabelt). Hutoberfläche feucht glasig (aber nicht schmierig). Farbe lebhaft gelb-ockerlich, Hutmitte dunkler und ins bräunliche gehend.


    Lamellen:

    Gelblich orange, fast etwas wachsartig wirkend, bogig am Stiel herablaufend. Am Grund auffällig stark adrig verbunden.


    Stiel:

    Ca 2..4mm im Durchmesser, Länge um die 4..7cm. Sehr zäh, hohl aber zusamnmengdrückt so dass die Schnittfläche wie eine 8 aussieht. Stielfarbe an der Stielspitze (unterhalb Lamellenansatz gelblich, dann nach unten schnell ins tief braune wechselnd. Stielbasis keulig verdickt. Der gesamte Stiel ist mit ocker-orange-farbenen Härchen besetzt die nach unten immer mehr zunehmen; an der Stielbasis regelrecht filzig (auf den Bildern gut zu erkennen).


    Hier erst mal ein paar Bilder:

          


    Geruch:

    Der Geruch war wie oben beschrieben bemerkenswert. Vor allem weil er verhältnismäßig intensiv ist und eine Note hat die ich von den Pilzen eher nicht so kenne. Der Geruch ist komplex und schwer zu beschreiben (vielleicht Grund dafür dass er in der Literatur oft als indifferent beschrieben wird). Meine Nase riecht eine stark fruchtig-saure Note welche ich mit "Grüner Apfel" (dieses künstliche Zeugs wie in parfümierter Handseife oder einem Duftbaum fürs Auto) oder saure Drops assoziiere. Eine Note nach Blattwanze scheint mir auch dabei zu sein. Der Geruch ist bei getrockneten Fruchtkörpern nicht mehr vorhanden.


    Geschmack:

    Geschmack ist stark bitter und etwas zusammenziehend. Die Bitterkeit braucht ein zwei Sekunden, dann aber kräftig und man muss mit Getränk der Wahl nachspülen um den Geschmack aus dem Mund zu bekommen.


    Chemie:

    Die Lamellen verfärben mit KOH sofort nach lachsrosa (siehe Bild). (siehe Bild). Das Stieltrama und vor allem die feinen Härchen) verfärbt mit KOH ins dunkel-bräunliche.




    Mikromerkmale:

    Sporen ca 5,0..5,5 x 3 Mikrometer (das mit dem Sporen messen muss ich noch üben), zylindrisch bis elypsoid, amyolid. Die Lamellen weisen hier und da (man muss etwas suchen) fingerförmige Cheilozystiden auf, um die 40 Mikrometer lang. Am gesamten Stiel kann man koralloide Caulozystiden finden. Huthaut habe ich nicht untersucht.


    Sporen:


    Caulozystiden:




    Literatur:

    Beim Wälzen der mir vorliegenden Literatur (FN, GPBW, Gröger, Ludwig, PdS, 123Pilze) kommt man mit den obigen Merkmalen recht zuverlässig zu Xerompahlina cauticinalis (wobei mir im Schlüssel der FN die Abtrennung zu X. cornui nicht so richtig klar ist). Zumindest im weiteren Sinne - denn beim Wälzen der Bücher fällt auf dass sowohl die Beschreibung von als auch die Erfassung der Art an sich sehr indifferent ist (was vermutlich miteinander einher geht). Geschmack mild oder bitter, Geruch fehlend, indifferent oder parfümiert blumig, Standort auf feuchten moosige Stellen oder auf Nadelstreu, Verfärbung von Stieltrama und Lamellen hier fehlend, da so und dort wieder anders. Varietäten werden von einem Autor postuliert (teils mit Fragezeichen), von anderen Autoren in Zweifel gezogen.


    FN trennt X.cauticinalis var. cauticinalis und var. subfellea, wobei bei letzterem die Stieltrama mit KOH bräunlich verfärben soll. Gröger schreibt nur von X. cauticinalis. Ludwig wähnt zunächst in X. cauticinalis einen Schreibfehler und schlägt X. caulicinalis vor. Er beschreibt zudem Varietät var. cauticinalis als geruch- und geschmacklos, erwähnt aber bitte Varietäten var. acida und var. subfellea deren exakte Abtrennung er aber selbst in Zweifel zieht. GPBW hält X. caulicinalis für einen Schreibfehler und schlägt X. cauticinalis vor. :/ Außerdem synonymisiert er X. cauticinalis und X. fellea. PdS führt X. cauticinalis gar nicht sondern nur X. fellea. Unser User Tricholomopsis hat mir dankenswerter Weise einen Auszug der Monografie zur Gattung Xeromphalina geschickt. Die Autoren (Nooderloos, 2004) betonen zunächst in der Diskussion die sehr indifferente Artendefinition. Sie selbst kommen trennen X. cauticinalis var. cauticinalis (Stieltrama ocker bis braun in KOH) und var. subfellea (Stieltrama rötlich in KOH). Wo ocker-bräunlich aufhört und rötlich anfängt ist dabei allerdings wieder ein weites Feld.


    Dieses Durcheinander überfordert mich doch "etwas". Ich habe zugegebenermaßen noch nicht wissenschaftlich mit den Pilzen gearbeitet und daher fehlt mir das Gefühl dafür wie die Literatur zu lesen und zu interpretieren ist. Als (ambitionierter Laie) fühle ich mich zwischen den Fachmeinungen reichlich zerrieben, Eine saubere Abtrennung der Arten und Variabilitäten kann ich nicht erkennen, da jeder Autor etwas anderes schreibt. Woran soll man sich nun halten, wer hat recht und wer nicht?! Mein persönliches Fazit lautet: Mein Fund ist Xeromphalina cauticinalis. Punkt. Ohne .var und Schnerzchen. Alles weitere scheint mir eher Fischen im Trüben. Aber was weiß ich schon :P


    Nichts desto trotz habe ich durch diesen Fund einiges gelernt. Und wenn es nur dies ist, dass ich über kurz oder lang mal eine gescheite Kamera zum Mikroskop benötige :cool:

    Beim Milchling sieht man einige Bereiche in den Lamellen, die rosa verfärbt sind. Vermutlich also ein Korallenmilchling. L. lignyotus ist raus, der hat einen dunklen Stiel und eine markante Stielspitze die Dein Fund nicht hat. Man müsste noch einiges zum Fundort, Geruch und Geschmack wissen, dennoch werfe ich wegen des auffällig düsteren Hutes mal L. fuliginosus in den Raum.


    Grüße, Thomas.