Es will einfach nicht klappen

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 481 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Digitalpilz.

  • Hallo zusammen,

    vor ca. 3 Jahren hat mich die Begeisterung für die Pilzzüchterei gepackt. Und trotz zahlreicher Fehlschläge lässt mich die Sache nicht los. Ich habe mit Kräuterseitlingen angefangen und war damit mäßig erfolgreich. Da ich zunächst nicht viel Geld ausgeben und nur herumexperimentieren wollte, habe ich die Substrattüten einfach in mein Büro gestellt und täglich mit Wasser besprüht. Meine Erfolgsrate bei Kräuterseitlingen lag bei geschätzt 30 %, was bei dem Setup auch nachvollziehbar war.

    Irgendwann habe ich auch mal mit Zitronenseitlingen experimentiert. Da ging aber gar nichts. Die Substrate sind immer schön und auch schnell durchwachsen, das war's dann aber. Sobald ich voll kolonisierten Tüten geöffnet habe, ist das Substrat ausgetrocknet oder es ist einfach gar nichts passiert, bis ich es nach einigen Wochen auf den Kompost geschmissen habe. Soweit aber auch nachvollziehbar. Von CO2-Wert und Luftfeuchtigkeit habe ich damals noch nicht viel Ahnung gehab.

    Inzwischen ist einige Zeit vergangen, ich habe viel gelesen und auch etwas investiert. Zunächst habe ich mir ein Martha-Tent gebaut: automatische Luftbefeuchtung, Be- bzw. Entlüftung, CO₂-Überwachung und Temperaturmessung sowie Beleuchtung.

    Meine Substrate habe ich inzwischen in wiederverwendbare Kunststoff-Eimer (3 L) gefüllt. Und wieder habe ich mit Kräuterseitlingen und Zitronenseitlingen losgelegt.

    Nach dem Durchwachsen des Substrates kamen die Eimer in mein Martha-Tent:

    21 °C, 85–95 % Luftfeuchte, CO₂ konstant unter 600 ppm, Beleuchtung 12 h pro Tag mit 5000 K Lichtfarbe.

    Nachdem die Substrate wieder problemlos und schnell durchwachsen sind, war ich gespannt und eigentlich voller Hoffnung, dass alle Fehlschläge von nun an der Vergangenheit angehören würden.

    Die Bedingungen im Martha-Tent sind ja eigentlich ideal.

    Aber was soll ich sagen … inzwischen stehen meine Eimer (deren Deckel ich zum Fruchten im Zelt abgenommen habe → Top Fruiting) seit knapp 4 Wochen im Zelt.

    Das Myzel sieht nach wie vor top aus, schneeweiß und flauschig. Aber das war's auch. 0 Veränderung, nicht ansatzweise Pins oder Ähnliches.

    Ich bin nun mit meinem Latein am Ende. Ich habe keine Ahnung, warum nicht mal die Kräuterseitlinge, die ich sogar teilweise auf der Fensterbank gezogen habe, auch nur ansatzweise anspringen. Von den Zitronenseitlingen ganz zu schweigen. Die habe ich noch nie zum Fruchten oder auch nur Pinnen gebracht.

    In zahlreichen YouTube-Videos (ja, auch in den seriösen) scheint das alles problemlos zu funktionieren.

    Hat jemand einen Tipp, was ich falsch mache?

    Noch ein paar zusätzliche Infos:

    Ich verwende 3,11-Liter-PP-Eimer mit Deckel. Das Substrat wird im Eimer sterilisiert und anschließend mit Roggen-Körnerbrut beimpft.

    Das Substrat besteht je nach Sorte hauptsächlich aus:

    • gehäckseltem Stroh
    • Buchenholzmehl aus 100 % naturbelassenen Buchenholzbriketts
    • etwas Buchenholzhäcksel, ca. 1 × 1 cm
    • Weizenkleie

    Strohpellets habe ich ebenfalls ausprobiert. Damit hatte ich allerdings wiederholt schlechte Erfahrungen. Das Substrat wurde damit meiner Meinung nach sehr dicht und das Myzel ist deutlich schlechter gewachsen. Deshalb verwende ich Stohpellets schon seit längerem gar nicht mehr..

    Die Substrate werden im Dampfdrucktopf sterilisiert. Mit der Kolonisation der Substrate hatte ich nie Probleme. Das klappt alles super, die Eimer durchwachsen schnell und Kontis hatte ich auch noch fast keine.
    Vielleicht hat hier jemand einen (oder mehrere) Tipps und ich klatsche mit anschließend an den Kopf, wie ich sowas nur vergessen konnte... Das ist jedenfalls meine Hoffnung :)
    Danke im Voraus!

  • Hallo Glüxpilz,


    aus der Ferne ohne Fotos ist sowas immer schwierig zu beurteilen, aber ich würde mal vermuten, es liegt am fehlenden Fruchtungsreiz. Dass man Austernseitlinge zur Primordienbildung kalt stellen muss, ist weithin bekannt, aber auch andere Arten profitieren von einer Temperaturänderung.

    Kräuterseitlinge brauchen wohl 15 - 18 °C zur Einleitung der Fruchtkörperbildung, ich würde also mal versuchen, die Temperatur zu senken. Das sollte dann recht flott gehen.


    Wie sieht es mit Belüftung im Zelt aus? Die CO2-Werte alleine sagen nicht viel aus wenn keine Luftumwälzung stattfindet. Die Fruchtkörper gasen eine beachtliche Menge CO2 aus, was sich lokal an den Hüten sammeln und zu Missbildungen führen kann.


    Abschließend möchte ich dich noch bitten, von der Zucht von Zitronenseitlingen abzusehen. Diese haben einen stark invasiven Charakter und können heimische Arten verdrängen. Auf keinen Fall solltest du Zuchtmaterial von diesem Seitling auf dem Kompost entsorgen, ohne dass du es vorher im Backofen sterilisiert hast.


    Züchte doch besser Austernseitlinge oder andere heimische Arten, da ist es nicht schlimm, wenn welche in die Natur ausbüchsen.


    LG Suillus

  • Hallo Glüxpilz,


    krass, dass du bei diesen vielen Fehlschlägen nicht aufgibst!


    Wenn es bei mir so rum gelaufen wäre, hätte ich sicherlich schnell die Lust verloren.


    Aber ich schließe mich Suillus an:

    Züchte doch besser Austernseitlinge oder andere heimische Arten, da ist es nicht schlimm, wenn welche in die Natur ausbüchsen.

    Austernpilze sind total simpel.


    Früher habe ich fertige Körnerbrut gekauft und damit Eimer mit Kaffeesatz beimpft. Einfach irgendwo in den Garten gestellt, wo ich sie feucht halten kann, ohne dass sie ertrinken oder schnell austrocknen - fertig. Nach einer Anleitung, die jemand im Nachbarforum geschrieben hat, habe ich dann lange eigene Körnerbrut aus heimischen Austern gemacht, das ging auch super.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo Glüxpilz,


    in Videos läuft immer alles wie am Schnürchen, keiner zeigt da seine misslungenen Zuchtexperimente. ;)


    Für Kräuterseitlinge brauchst du einen Wachstumsreiz durch Kälte, also Absenkung der Temperatur auf ~15-16°C oder auch kühler, kommt sich nicht so genau. In der Fruchtung nicht zu warm, so ca 18°C.

    Meine Erfahrungen mit Strohpellets sind eigentlich recht gut, aber ich vermute, dass das auch stark von der Marke abhängt. Enorm wichtig ist aber die richtige Wassermenge, die sich auch von Marke zu Marke geringfügig unterscheiden kann. Zu nass ist schlecht, zu trocken auch. Zu schlecht durchlüftet auch. Ggf. Perlit oder Vermiculite zum Substrat geben (nass machen und gut abtropfen lassen, dann einfach zu dem Rest der Mischung und dann autoklavieren). Da dein Substrat aber gut durchwachsen ist, du keine Probleme mit Kontis hast, ist das gar nicht dein Problem. Strohpellets haben jedenfalls den Vorteil, dass man die auch in einer Stadtwohnung problemlos und platzsparend lagern kann, sie außerdem billig sind. Dein Substratrezept sollte aber definitiv auch funktionieren, so lange der Mehlanteil nicht zu groß ist (Durchlüftung). Am Ende entwickelt sowieso jeder sein eigenes Spezial-Substrat. ;)

    Ich denke, bei dir fehlt einfach der Kältereiz.

    Wie sieht denn dein Martha-Tent aus? Ich wusste nicht mal, dass man die heute so nennt, habe aber "damals" mein eigenes gebaut. Wichtig ist auch Umluft, nicht nur Entlüftung und Zuluft. Aber da du keine Kontis hast, scheint es da ja kein Problem zu geben.


    Bei nicht einheimischen Arten die Reste/Abfall bitte nicht auf den Kompost schmeißen, sondern in die graue Tonne (->Müllverbrennung) oder autoklavieren. Generell frühzeitig ernten, also vor Sporenabwurf. Man will die Masse an Sporen ohnehin nicht in der Wohnung haben.

    Grüße

    Oliver