Grünspanbecherling an Fichte?

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema, welches 341 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Ria.

  • Hallo zusammen,


    ich bin gerade in den Vogesen auf einen Zeltplatz. Nebenan ist ein Forst, in dem meine Kinder einen Bach aufstauen usw. Ich habe einige feste und fast vollständig grünspanfarbige Stöckchen gefunden und mich sehr über diese Souvenirs gefreut.


    Später habe ich jedoch ein größeres Stück "Fichten-Mumie" gefunden - mit der gleichen Verfärbung, aber völlig weich und spröde. In der Literatur finde ich jedoch nur die Angabe "Laubholz".


    Kann es sein, dass beides ein Grünspanbecherling (Chlorociboria) ist? Oder sind es mehr als eine Art?

    Oder liege ich völlig falsch?


    Danke

    Konstantin

  • Hallo Konstantin,


    es gibt Chlorociboria aeruginascens und Chlorociboria aeruginosa. Beides nur an Laubholz.

    Wenn das Holz keine Fruchtkörper zeigt, ist der Unterschied nicht mit den Augen/Mikroskop festzustellen. Ersterer ist häufiger. Entweder ist es eine andere Holzart, oder es ist eine seltene Ausnahme soweit meine Kenntnis reicht. Vielleicht wird ja noch was anderes geschrieben hier.

    Hübsch.

    Liebe Grüße

    Ria

  • Achso, es gibt das Phänomen, das Pilze, die nur auf Laubholz wachsen auch mal auf vermorschten Nadelholz vorkommen können, wenn die abwehrenden Harze schon langsam weg sind. Aber nur sehr selten.

  • Entweder ist es eine andere Holzart, oder es ist eine seltene Ausnahme soweit meine Kenntnis reicht.

    Danke für deine Nachricht. Es ist definitiv Nadelholz. Man kann die quirlig stehenden Äste auf dem Foto vielleicht erahnen. In diesem Bereich ist auch ein passender Fichtenforst.

  • Achso, es gibt das Phänomen, das Pilze, die nur auf Laubholz wachsen auch mal auf vermorschten Nadelholz vorkommen können, wenn die abwehrenden Harze schon langsam weg sind. Aber nur sehr selten.

    Danke nochmal, sehr hilfreich 👍🏼 In diese Richtung habe ich auch schon überlegt. Pilze halten sich wohl überhaupt nicht an die Bücher.


    Ich möchte das nicht hinterfragen, aber hast du eine Quelle dazu?


    Schönen Tag

  • Klar, immer hinterfragen, das bringt uns alle weiter und ist bereichernd.


    Ich habe jetzt keine Quellen zu Hand die genau das belegt, was ich gesagt habe. Meine Behauptung fußte eher auf eigenen Erfahrungen und gehörtem Erfahrungswissen. Ich hab mal zum Spaß ein bisschen recherchiert. Es gibt Studien die verschieden Punkte davon benennen.


    Z.B. Dixon, J. R. (1975). Chlorosplenium and its segregates. II. The genera Chlorociboria and Chlorencoelia. Mycotaxon 1(3): 193–237. Beschreibt als Substrat auch Nadelholz in Amerika.


    Tudor, D., Margaritescu, S., Sánchez-Ramírez, S., Robinson, S. C., Cooper, P. A. & Moncalvo, J. M. (2014). Morphological and molecular characterization of the two known North American Chlorociboria species and their anamorphs. Fungal Biology 118(8): 732–742. https://doi.org/10.1016/j.funbio.2014.05.003 Belegt, dass die amerikanischen Kollektionen genetisch gleiche Arten sind wie die europäischen.


    Rustøen, F., et al. (2023). Substrate affinities of wood decay fungi are foremost structured by wood properties not climate. Fungal Ecology 63: 101231. DOI: 10.1016/j.funeco.2023.101231. Beschreibt, dass sich Holz strukturell, physikalisch und chemisch verändert, während der Zersetzung und dass sich dadurch auch die Pilzgemeinschaften im Laufe des Prozesses verändert.


    Belt, T., Harju, A., Kilpeläinen, P., Venäläinen, M. et al. (2022). Fungal Degradation of Extractives Plays an Important Role in the Brown Rot Decay of Scots Pine Heartwood. Frontiers in Plant Science 13:912555. DOI: 10.3389/fpls.2022.912555 Während der Zersetzung bauen sich Harze ab, dadurch nimmt die Abwehr gegen weitere Zersetzer ab.

    ( Aber hier möchte ich anmerken, dass Grünspahnbecherlinge keine Zellulose, oder Lignin abbauen können, sind also keine klassischen Holzzersetzer.)


    Liebe Grüße

    Ria