Acolium / Cyphelium / Thelomma oder so

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  • Hallo allerseits, bei Sonne habe ich mal wieder das Scheunentor studiert, diesmal die Westseite (=Wetterseite). Der Flügel dürfte noch das Original aus den 1930er Jahren sein. Wie man sieht, sind die Bretter unten alle schon großzügig ausgefranst.

    Da gibt es einiges an Arten, an Stecknadeln hatte ich bisher aber nur Ch. phaeocephala. Und die anderen ignoriere ich ja normalerweise. Eigentlich hatte ich gester eine schwarze Nadel gesehen, die heute bei anderen Lichtverhältnissen nicht wiederzufinden war. Kommt vor bei so Kleinzeug.

    Dafür ist mir diese graue Flechte mit verdächtig umrandeten Apothecien untergekommen.

    Unterm Auflicht ist die Oberfläche rau, könnte gut ein Mazaedium sein, die Apothecien (also nur der schwarze Teil) ist bis zu 0,4 mm im Durchmesser.

    mit dem 25er sieht das schon aus wie eine einzelne Spore, links, ziemlich weit oben:

    in Wasser, vom Rand

    Apothecium in KOH 3%, die Anordnung der Sporen entspricht noch denen von Asci, welche aber nicht mehr zu finden sind, Sporen braun, septiert, leicht eingeschnürt. Relativ glatt abgesehen von vereinzelten schrägen Kerben


    gleicher Beleg, nur deutlich mehr gequetscht

    Algen grün, rund und ziemlich groß; Sporen bis 18*10 µm, mitunter auch zerbrochen oder gänzlich unförmig


    Von den ungestielten coniocarpen Arten hatte ich bisher noch nichts. Bei Thelomma / Pseudothelomma heißt es, dass die selten Apothecien hat und stattdessen Isidien - die ist es dann wohl nicht. Italic 8 hat nicht viele Arten aus der Gruppe. Bei Wirth et al. 2013 komme ich am ehesten zu Cyphelium trachylioides, insbesondere da die Apothecien in Thalluswarzen eingesenkt und nicht aufsitzend sein sollen.

    Zu der Art gibt es leider kaum Vergleichsmaterial ... und bei Indexfungorum gehört die gar zu Arthonia


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    tausche ja da Scheunentor nicht aus, das scheint eine Fundgrube zu sein!

    Ich schlüssele zum gleichen Ergebnis (C. trachylioides) bei Wirth et al., Artbeschreibung und Habitat scheinen gut zu deinem Fund zu passen.


    LG & GR,

    Martin

  • N'abend,


    mit mikroskopischen Bilder von Cyphelium-Arten sieht es im Netz dünn aus


    ich hab' mal weiteres Bildmaterial erstellt, zunächst in BWB - sehr zäh, aber sie lösen sich etwas und gehen schließlich zu quetschen

    reife Sporen treten in 2 Formen auf, zum einen länlich, fast zylindrisch mit Längskerben, bis zu 18*5 µm groß

    und eher breite, bis 17*9 µm, bei denen die Längs-/Schrägfurchen nicht so ausgeprägt sind

    beide Formen sind nebeneinander zu finden und sehe bisher keinen Anhaltspunkt, dass das nur verschiedene Altersstadien sind, oder was ggf. die Einschrumpelung bewirkt

    Sporen im Asci haben oft noch Blasen/Tropfen auch nach der Herausbildung der Septen

    vor der Herausbildung der Septen sind diese Tropfen/Blasen weit stärker ausgeprägt, natürlich fehlt auch die Einschnürung. Statt der braunen Farbe, färben sehr unreife Sporen bläulich ein

    Die Blaufärbung im Ascus ist noch deutlich vor Herausbildung der einzelnen Sporen - es verbleibt aber am Rand der Asci ein ungefärbter Teil

    weitere Bilder

    Pilzhyphen, das ins Substrat reicht?


    In Melzers hab ich das Ding nicht gequetscht gekriegt, da gibt es also nur Algen, Unterbau und etwas vom Mazaedium. Ich würde mal sagen, dass die Pilzhyphen für eine Flechte ziemlich dominant sind


    Sehr starke Strukturierung der Algen in Melzers - aber das ist vielleicht immer so und mir bisher nie aufgefallen


    Man kann nun sagen, dass die Asci erst relativ spät verschwinden. Und dass diese nicht zylindrisch, sondern, wenigstens teilweise deutlich beutelig sind, mit entsprechend angeordneten Sporen.


    Ich hatte wegen dieser Art auch Klaas van Dort angeschrieben, der das holländische Büchlein "Coniocarpen ..." verfasst hat. Für ihn ist das was Unbekanntes, er stimmt aber zu, dass das so aussieht, wie eine Art aus dem Komplex, der früher komplett zu Cyphelium gehörte.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    solche runzligen Sporen finde ich auch oft in diversen (Flechten-)Ascocarpen, zumeist bei Arten mit braunen Sporen. Aber vielleicht fällt der Effekt hier nur hesser auf: Ich halte solche Sporen für stark überaltert, bzgl. der Maße für nicht repräsentativ und ignoriere sie. Du findest sie auch gruppiert zu 8 in überalterten, meist ebenfalls kollabierten Asci. Wenn die Asci aus welchen Gründen auch immer (zu lange Trockenheit?) die fast reifen Sporen nicht mehr ausschleudern können, verbleiben diese im Ascus und kollabieren irgendwann.


    BWB färbt das Cytoplasma blau ein, während die Zellwände nicht gefärbt werden (Kongorot wirkt umgekehrt). Daher der helle Rand um den Ascus (Ascuswand, Tholus).

    Hyaline, unreife Sporen sind im Inneren damit auch blau gefärbt, das Ascoplasma um die Sporen herum ist blau gefärbt, ebenso das Plasma in den Paraphysen; an freien, halonaten Sporen in Wasser haftet manchmal die schön eingefärbte blaue Schleimhülle (Halo) an. Ascuswand, Septen und Hyphenwände bleiben farblos, plasmafreie Hyphen ebenso.


    Ich habe hoffentlich nichts Falsches aus dem Stegreif behauptet und es interessiert dich überhaupt. Ich möchte nicht naseweis rüberkommen, aber ich freue mich ja immer, wenn jemand etwas bei mir anmerkt und denke, dir geht es ähnlich. ==Gnolm23


    LG, Martin

  • Hallo Martin, ja immer gern, danke. Ich habe ja nur aufgeschrieben, was ich gesehen habe. Wenn das das ist, was normal ist und zu erwarten ist - umso besser. Ich bin mir halt nicht sicher, was hier artspezifisch sein könnte und damit relevant oder was so bei +/- allen Flechten ähnlich auftritt. Deswegen schreibe ich halt erst mal alles auf, was mir aufgefallen ist. Dass mir dabei geholfen wird, das dann zu sortieren, schätze ich sehr.


    Das mit den Sporen könnte schon gut sein, dass die langen schmalen einfach eingetrocknet sind oder sich nicht haben entwickeln können. Vielleicht ist das auch ganz banal, wenn junge Asci mehr oder weniger dünn sind und die sich dann bei Reifung zu dicken Beuteln entwickeln, dann kann ja der Platz fehlen für die sich etwas später entwickelnden Asci. Klingt das plausibel?

    Denn beide Formen hatte ich ja auch schon in der Erstuntersuchung und die war ganz frisch von draußen. Während gestern und heute die Probe natürlich schon über eine Woche liegt und viel zu warm und trocken sicher eingetrocknet ist. Ob wiederbelebbar?


    Ach ja, die ganz eingangs genannten einzelnen Nadeln neben Ch. phaeocephala haben sich auch als Ch. ph. herausgestellt. Anscheindend kommen da beim Expandieren erst die Nadeln, bevor das Lager sich dann auch entwickelt. Und - die scheinen den Frost wirklich zu lieben, die sind in voller Farbe aufgeblüht


    LG, Bernd