Momentaufnahmen - 29.08.2010

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 2.004 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von LiebeMami.

  • Erika, Molly und ich haben uns bereits um 11.15 Uhr auf den Weg gemacht, was in Franken am Sonntag die perfekte Uhrzeit ist, weil fast alle sind mit ihrem Mittagessen beschäftigt. Aus diesem Grund begegnete uns heute auch niemand - ganz wie gewünscht. Und Molly freut sich dann auch immer, kann es gar nicht abwarten von der Leine gelassen zu werden:


    Molly im Fieber


    Zu Beginn der Tour waren die Funde recht spärlich gesät, aber erfreulich waren diese Raufußröhrlinge (Leccinum brunneogriseolum), die ich in den letzten Jahren nur selten und nie in diesem guten Zustand fand. Zudem habe ich nun endlich ein scharfes, licht- und farbechtes Foto für mein Lexikon:


    Wollstieliger Birkenröhrling (Leccinum brunneogriseolum)


    Die Zielsetzung des Tages war heute nicht ein voller Korb (wenngleich als schöner Nebeneffekt nicht zu verachten), sondern weitere unbekannte Arten sichten, fotografieren und bestimmen. Gleich zu Beginn fanden wir diese Pilze, die ich zwar schon einmal hier im Forum gesehen habe, deren Name mir allerdings mittlerweile wieder entfallen ist:


    Unbekannt


    An der selben Stelle wie bereits vor einer Woche durften wir weitere Totentrompeten (Craterellus cornucopioides) finden, eine passende Ergänzung zu den mittlerweile getrockneten Exemplaren. Auch fanden sich zahlreiche Violette Lacktrichterlinge alias Amethystblaue Lacktrichterlinge (Laccaria amethystea), die ich ebenfalls zur Verwendung als Würzpilz trocknen werde.


    Boletus edulis hält sich momentan zurück, Maronenröhrlinge ebenso, vereinzelte Sandröhrlinge sind zu finden, der Butterröhrling und der Lärchenröhrling stört sich ebenfalls nicht am wechselhaften Wetter. Weitere Pfifferlinge (genau richtig für unser heutiges Abendessen -> Rinderfilet mit Steinpilz-Pfifferling-Sauce und Herzoginkartoffeln) wanderten in den Korb und auch vereinzelte flockenstielige Hexenröhrlinge durften wir entdecken.


    Dieser Abschnitt war von vielen Lärchenröhrlingen übersät, von denen wir aber nur eine Handvoll mitnahmen:


    Waldabschnitt, Erika & Molly


    Ebenso erfreulich war dieser wunderschöne Milchbrätling, der nicht der einzige bleiben sollte...


    Milchbrätling


    Auf einem Seitenweg, den ich eigentlich gar nicht einschlagen wollte, kamen wir irgendwann an einem sehr dichten Abschnitt seitlich des Weges vorbei, wo man zwischen den Bäumen (Birken, Kiefern, Buchen, Fichten) riesige Fliegenpilze leuchten sah - für mich Anlass einen Blick hinein zu werfen, selbst wenn diese Aktion mit zahlreichen Asthieben ins Gesicht verbunden war. Molly begleitet mich immer sehr gerne bei solchen Zwischenausflügen und ich fühle mich dann auch ein wenig sicherer - wer weiß, was da neben Pilzen im Dickicht noch so auf einen wartet.


    Nach ca. 20 Meter Kampf durch's Gestrüpp sehe ich erneut etwas Rotes leuchten, ein anderes Rot als das der Fliegenpilze: Leccinum testaceoscabrum! Auch bekannt als Schwarzschuppige Birkenrotkappe oder Heidenrotkappe - eine, zwei, drei, vier, fünf... den Korb abgestellt, umgesehen, entschieden den Korb mitzunehmen, unterwegs zu ernten und einfach immer tiefer hinein zu laufen. Kleine, mittlere, große und riesige Exemplare so weit das Auge reichte. Zwischendurch in diesem dunklen Dickicht ein Foto gemacht, weil dieses Zwillingspaar einfach zu schön anzusehen war:


    Schwarzschuppige Birkenrotkappen


    Nun gut, nach einer guten Sammelaktion raus auf den Weg und Molly eine kleine Pause gegönnt - hier die Ausbeute vom ERSTEN Abschnitt ;)


    Molly bewacht die Rotkappen


    Ein gigantisches Exemplar, dass ich dann in kleine Stückchen zerteilt zum Aussporen wieder ausbrachte:


    Riesige Rotkappe


    Erika wollte eigentlich zurückgehen, weil das Wetter schlechter wurde, aber ich war im Jagdfieber und wenn wir in einer Woche zu dieser Stelle zurückkehren, ist jeder Röhrling im Regelfall bereits hinüber, der in dieser Woche noch ansehlich gewesen wäre - somit ging es noch einige Meter weiter. Molly gefiel das auch, denn sie saß in einigem Abstand zu uns lauernd, ob wir nun zurücklaufen oder ob die Wanderung noch fortgesetzt wird.


    Molly in Wartestellung


    Einige Meter weiter sah der Baumbestand identisch aus, also ging es noch einmal in dieses Dickicht und schon nach wenigen Metern weitere Rotkappen, eine schöner als die andere. Weitere Milchbrätlinge und selbst ein Steinpilz standen in diesem dunklen Wald und in Nullkommanix war mein Korb nun vollständig gefüllt. Ich begab mich zurück auf den Weg - ein kleiner Eindruck vom Korb, der von Molly bewacht wird:


    Molly bewacht den nun vollen Korb


    Eine Tour von dreieinviertel Stunden kann sehr ermüdend sein, aber es hat sich gelohnt - in jeder Hinsicht. Nun heisst es zwar viel putzen, schneiden und einfrieren, aber nach dem Verlust der Wintervorräte kommt dieser Fund sehr gelegen. Besonders die zahlreichen Rotkappen-Funde, von denen ich seit Wochen träumte, waren es wert.


    Die gesamte Ausbeute des Tages stellt sich so dar:


    Funde des Tages von der Seite


    Funde des Tages von vorne


    Ich wünsche allen weiterhin erfolgreiche Funde und bin über jeden Hinweis bezüglich meines Unbekannten dankbar.


    Grüße,
    Ralf

  • Der große Pilz ist bereits in kleinen Stücken zerteilt nahe günstiger Mykorrhiza-Partner ausgebracht, damit dort im nächsten Jahr viele neue Pilze sprießen :) Und nun ja: Regen... ich lasse mich davon nicht abhalten, selbst wenn es wie aus Eimern schüttet - wer schön sein will muss leiden ;)


    Grüße,
    Ralf

  • Hi Ralf,


    Wow kann man da nur sagen - großartiger Fundbericht 8| :thumbup:


    Dein "Schwarzschuppiger Birkenröhrling" würde ich als Leccinum brunneogriseolum (Wollstieliger Raufußröhrling) ansprechen. Diese Art finde ich recht häufig im Moor.


    viele Grüße,
    Andreas

  • Und diese Art finde ich auch auf 600 Meter Höhe Nahe Birken, Fichten, Kiefern auf mit Nadeln übersätem "normalem" Waldboden? Ich war mir da immer nicht so sicher, aber aufgrund der fehlenden Stielschuppung würde Deine These 100% Sinn ergeben.


    Grüße,
    Ralf

  • Ich mag deine Berichte und finde deinen Hund super. :D


    Süss, wie seine Herde (euch) durch den Wald führt und euch "hütet" wenn Ihr Pilze fangt. ;) Genau das richtige für diese Rasse. :thumbup:

  • Hallo Vera,


    besten Dank! Und ich bin gerade schwestens begeistert, dass Du die Natur des Bordercollie absolut richtig erkannt hast. Du liegst mit Deiner These absolut 100% richtig ;)


    Grüße,
    Ralf

  • Ich weiss nicht ob mir andere Hundebilder so gut gefallen hätten, Molly jedenfalls kann man von diesen Fotos so wunderbar von der Körperhaltung ablesen was sie tut :)Ich mag die Rasse, ich fand es einfach das Wesen zu erkennen, schade wenn sie als reine Leinengänger gehalten werden. Ich bin mal auf die Rasse aufmerksam geworden als jemand sie als gute Familienhunde anpries und habe dann festgestellt, dass sie leider damit verkannt sind. Diesen Hütehunden könnte man problemlos eine ganze Kinderschar auf eine Wiese stellen, keins der Kinder würde abhanden kommen.



    Molly sieht man einfach an, dass sie super zufrieden ist das erfeut mich und dann diese erstaunlichen Pilzwesen dazu , ein guter Fang ;)

  • Meine Maus ist in 99% der Zeit ohne Leine auf der Piste und das ist auch gut so. Ein Hütehund braucht Freiraum, sie hat keine Hütearbeit zu leisten, also muss es einen Ausgleich geben. Sie ist eine wunderbare, wilde und dennoch sehr liebe Hündin, die sich stets auf ihre neuen Aufgaben schnell einstellt.


    Die Touren mit mir sind ein absolutes Muss - schon um 9.00 Uhr am Samstag Morgen, wenn ich noch am Rechner sitze legt sie ihren Kopf auf mein Bein und drängt darauf, dass wir endlich losziehen. Und die Thematik hüten: oh ja, sie kann ohne Probleme eine Gruppe von vielen, vielen Leuten im Griff halten - eine Kinderschar? Kein Thema. Typisch Bordercollie :) Und ja... ich liebe meine Molly :) Die Touren mit diesem wunderbaren Wesen sind unbeschreiblich schön und wir haben soooooooo viel zusammen erlebt - ich möchte es nicht mehr missen. Und ja, Molly ist ein perfekter Fang - ohne Zweifel.


    Liebe Grüße,
    Ralf