Orange Ausblühungen bei der Seitlingszucht

Es gibt 51 Antworten in diesem Thema, welches 4.926 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von LilaAuster.

  • Hallo liebes Forum,


    ich bin ganz neu hier und gerade dabei, mit ersten Zuchtversuchen verschiedener Pilze zu arbeiten. Grundlage dazu waren gekaufte Nährlösungen mit Myzel, die ich erfolgreich auf Getreide zu Körnerbrut herangezogen habe. Auch erste Selbstherstellungen aus frischen Austernseitlingen und einem Kräuterseitling in Nährlösungen und das Beimpfen von Getreide waren erfolreich. In der Getreidebrut ließ ich auch Holzdübel bewachsen und experimentierte erfolgreich mit Kaffeesatz und Mischungen aus Kaffeesatz, Stroh, Strohpellets und Buchenholzhobelspänen.

    Im nächsten Schritt verteilte ich die Körnerbrut in Stroh und einer Mischung auf aufgelösten Strohpellets und Buchenholzhobelspänen. Im reinen Stroh konnte ich eine saubere Durchwachsung mit Austernseitlingsmyzel erreichen und warte auf die beginnende Fruchtung. Im Pellet-/Buchenholzgemisch sah es auch erst sehr gut aus, aber dann gab es nach dem Entfernen der Plastiktüte und dem Umsetzen in die große Kulturbox eine merkwürdige Entwicklung, die ich in Fotos festgehalten habe. Zunächst bildete sich ringförmig im unteren Teil um den Klotz helles und leicht gelbliches Mycel aus, das innerhalb weniger Stunden plötzlich stark orange ausblühte und bei Berührung als trockenes oranges Pulver herabrieselte. Ich habe einen Teil des Pulver als Proben aus der Box entnommen und den Rest vom Boxboden entfernt. Ein ganz vorsichtiger Geschmackstest des Pulvers mit der Zungenspitze, entsprach dem, was ich dem Schleifstaub bei der Holzbearbeitung zuordne. Etwas milder als Buchenholzstaub, der sich bei mir an der Schleifmaschine sammelt.

    Das Verblüffende war für mich die Menge und gleichzeitig der kurze Zeitraum der fast explosionsartigen Bildung des orangen Pulvers. Nach dessen Enfernung vermehrt sich jetzt deutlich das normale Myzel an der Oberfläche. Trotzdem beunruhigt mich die merkwürdige Ausblühung hinsichtlich möglicher Gesundheitsgefahren.

    Hat jemand schon einmal etwas ähnliches gehabt?

    Ich plane als Nächstes die Zucht auf reinen Pellets ohne Buchenholzspäne, um zu sehen, ob sich das wiederholt. Interessanter Weise habe ich gestern zufällig im Wlad an einer Fichte an einem Pilzbwuchs im Bodenbereich, etwas nahzu ähnliches entdeckt, was ich nie zuvor gesehen hatte. Ebenfalls eine Menge eher dunkelbeiges als oranges und trockenes Pulver, dass sich komplett über den Pilz verteilt hat.

    Ich hänge mal Fotos an, die die Entwicklung und den aktuellen Stand zeigen.

  • Ich beobachte das gleiche Phänomen nun beim wilden Austernseitling ebenfalls auf einer Pellets-/Buchenholzspanmischung nur nicht so stark ausgeprägt. Der Zeitraum zwischen den Fotos ist ungefähr 24-36 Stunden. Ich werde mir nun einen Pinsel besorgen, um das orange Pulver möglichst gut entfernen zu können. Ich poste dann neue Fotos, wie die Entwicklung fortschreitet.

  • Hallo "XXXX",


    ich bin kein besonderer Kenner der Zucht.

    Das erinnert mich an den Besuch bei einem Freund, der eine Zuchtanlage betrieb, da sah das ähnlich aus. Damals war es "Bäckerschimmel".


    Aber "Ferndiagnosen" sind nicht wirklich aussagekräftig.


    Freundliche Grüße

    Peter

  • Hallo Peter,


    die Recherche nach Bäckerschimmel führte mich hierher: https://www.haus.de/leben/rote…s-wirklich-roter-schimmel.


    Meine Irritation besteht vor allem darin, dass Pilze sehr viel Wasser enthalten, dass Pulver aber völlig trocken ist. Ich mache nun den Versuch, etwas davon in Nährlösung zu geben und zu beobachten, was passiert. Ich habe jetzt auch die gesamte Folie des Klotzes entfernt und schaue morgen, ob es dort bei Luftzufuhr wieder erst gelbliche und darauf orange pulvernde Ausblühungen gibt oder sich normaler weißer Flaum bildet.


    Aber Danke für Deine Rückmeldung.


    Gruß Udo

  • Du hast da eine Kontamination.


    Sind deine Substrate autoklaviert, heisst im DKT sterilisiert?


    Falls nicht, kann die Konti überall her kommen. Falls dein Substrat steril sein sollte, könnte die Konti bereits im Flüssigmycel stecken. Sowas breitet sich dann zusammen mit dem Pilz aus und kommt erst dann sichtbar zum Vorschein, wenn die Umgebungsbedingungen stimmen, meistens um zu fruktifizieren. Das tut es ja auch scheinbar bei dir, da es ja Sporen zu bilden scheint.


    Was ich damit sagen will, nur weil du es erst jetzt siehst, heisst es nicht, das es nicht schon von Anfang an mit in deinem Substrat gewesen sein kann.


    Ich selber habe sowas noch nicht gehabt. Ich habe massenhaft Blöcke an unseren Freund den Grünschimmel verloren, den roten hatte ich zum Glück noch nicht. Bakterien und Hefen habe ich mitlerweile auch genügend durch gehabt... aber rot bzw. orange, das wäre was neues. Möchte ich aber ehrlich gesagt nicht haben.

  • Hallo LilaAuster,


    das ist ja großer Mist mit der Kontamination. Das Flüssigmyzel habe ich zugesendet bekommen und auf sterilisiertem Getreide problemlos vermehrt. Ich hatte dieses auf Stroh und Strohpellets mit Buchenholzspänen (unsteril) weitervermehrt und dabei trat das Phänomen nur bei den Pellets mit dem Spänen auf. Dummerweise habe ich alle drei Blöcke in einer Kiste und hoffe, dass der Strohblock ausreichend bewachsen und dass es nicht auf ihn übergegangen ist. Auf jeden Fall zwei Blöcke für die Tonne.

    Da es sich um einen großen Sacke mit Pellets handelt, mache ich neue Experimente, um herauszufinden, ob die Pellets kontaminiert sind, bwz. werde die Beutel im Backofen bei 150°C eine Stunde erhitzen. Ich habe Beutel für den Krankenhaussteri, die das aushalten.

    Zum Glück habe ich noch ausreichend Körnerbrut und Kaffeebrut, um weitermachen zu können.

    Ich bin davon ausgegangen, dass ich ab der Phase des Einbringens der Körnerbrut das Material vorher nicht mehr steriliseren muss, was auch z.B. bei Dübeln, die man in Hartholzstämme setzt sowie bei dem Außeneinsatz großer Strohballen nicht geht.

  • Die Frage, um welchen Pilz es sich handelt, scheint nun geklärt zu sein. Es ist tatsächlich eine unerwünschte Form des Bäckerschimmels. Hauptgruppe ist der Neurospora. Es könnte nun der N. crassa, der N. intermedia oder der N. sitophila sein. Beide letzteren finden in der asiatischen Küche gezielte Anwendung zur Fermentation. Wen es interessiert, kann sich auf You Tube ein Video zur Arbeit mit dem Pilz ansehen:

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    Die Kulturballen sind damit leider unbrauchbar und schon entsorgt.

  • Das grenzt dann ja schonmal ganz gut das Flüssigmyvcel als Quelle aus. Das ist das wichtigste. Wenn die Holzpellets alle kontaminieren, dann liegt das höchstwahrscheinlich an denen. Hast die mit kochendem Wasser rehydriert und dann ein, zwei Stunden eingepackt stehen lassen? Wenn nicht, nächstes mal machen.


    Zusätzliche Nährstoffe gibst keine zu? keine Kleie oder Haferflocken oder sowas?


    Du kannst die kontaminierten Blöcke auch nehmen und im Garten eingraben. So zwei cm Erde drüber, evtl. im Blumentopf, das schützt etwas vor Nematoden. Habe ich mit meinen kontaminierten Austern gemacht, die haben jetzt im Herbst und Winter ALLE gefruchtet!

  • Hallo LilaAuster,

    Danke für Deinen wertvollen Tipps! Ich bin Anfänger und habe versucht umzusetzen und zu experimentieren, zu dem was ich so gelesen habe. Also probierte ich die Vermehrung von Körnerbrut (mit Buchenholzdübeln) auf Stroh, auf reinen Pellets (nur mit kochendem Wasser eingeweicht :rolleyes:) und die Dubel dann auf Kaffeesatz. Stroh und reiner Kaffesatz funktionierten sauber. Ich befürchte, dass ich durch das Umpacken in der Küche, als schon die orangen Ausblühungen auftraten und ich nichts von Schimmel wusste, ordentlich Sporen weitertergetragen habe, denn das Zeug staubt gewaltig.

    Ich bin nun ein Stück weiter. Nach dem ich die verkeimten Blöcke in den Garten verbracht habe, geht der Neurosporenbefall dort stark zurück. Interessanter Weise wurde der reine Strohblock nicht befallen, obwohl dort etwas vom abfallenden orangen Pulver drauf gerieselt war und er mit den beiden anderen Blöcken in einer großen Kiste war. Er steht jetzt alleine in einer kleineren desinfizierten Box bei 14°C und 90% Luftfeuchtigkeit. Heute sah ich neue Entwicklungen und dachte erst an einen weiteren Fremdpilz und holte die Kamera mit Makroobjektiv. Nach Betrachten der Bilder hoffe ich auf winzige Fruchtkörper des Austernpilzes. In ein paar Tagen werde ich es wohl wissen. Auch eine Zugabe einer Stroh-/Kaffeesatz/Buchholzspanmischung auf im Schnellkochtopf sterilisiertes Buchenholz zeigt nach 2 Tagen ein sich ausbreitendes Myzel. In der Anwachsphase von Flüssigmyzel hatte ich bislang weder mit Getreide (Roggen und Weizen) Probleme, sondern erst nach dem Einbingen ins Kultursubstrat.

    Spannend ist übrigens auch ein weiteres Experiment. Ich hatte im November im Wald Holunderholz gesammelt, an dem ich kleine Wolkenohren gesehen hatte, und das abgebrochen am Boden lag. Habe es gut angefeuchtet und in eine große Plasitikiste auf die Terrasse gestellt. Die Wolkenohren sind gut gewachsen und einzelne kleine kamen noch nach. Eine Vermehrung in Nährlösung gelang leider nicht. Das Wolkenohr ist sehr dünn und da ist es extrem schwierig, mit dem Skalpell wirklich 100% steril etwas aus dem Inneren zu entnehmen. Auch fand ich das Wolkenohr bislang außer auf altem Holunder nur einmal auf der Sägefläche einer gefällten Buche. Es scheint spezielle Wachstumbedingungen zu benötigen.

  • Da brauchst nicht lange warten, das sind defintiv die ersten Fruchtkörperansätze. Was allerdigns auch gleich auffällig, ist das längliche Wachstum, was auf CO2 Überschuss hindeutet. Austern sind da extrem anfällig, die brauchen viel Frischluft. Hast du die in einer geschlossenen Box? wenn ja, Löcher rein! Viele! Das Problem ist, wenn die Luft zu trocken wird durch die Frischluft, sterben dir die jungen Fruchtungen schnell ab bei Austern. Deshalb sind die Austern so schwierig zu züchten, obwohl sie "eigentlich" so einfach sind. Du kannst dem entgegen wirken, indem du den Boden der Kiste mit Perlit/Blähton oder ähnlichem bedeckst und selbiges dann schön mit Wasser begießt, so das es halb im Wasser steht. Der Substratblock darf da natürlich keinen direkten Kontakt mit haben, sonst Schimmel oder andere Konti.


    Das Klonen der Judasohren würde ich nicht über Nährlösung probieren, sondern über Agar-basiertes Medium in einer Petrischale. Da hast du dann zwar auch schnell Kontis mit drauf, kannst aber dann aus dem Randbereich des gewachsenen Mycels, von der Unterseite des Mediums, oft ein unbefallenes Stück abschneiden und dann überimpfen auf eine weitere Petrischale. Das muss man dann evtl. ein paar mal wiederholen, bis man alle Kontis raus hat, aber so funktioneirt es. Hierfür brauchst du aber zwingend eine STA (Still Air Box). Sonst fängst dir jedes mal was über die Luft ein.


    Rein vom optischen her wirkt das Glas unten so als wenn es eine bakterielle Kontamination hätte (kann man natürlich nicht 100% sicher über das Foto bestimmen). Hab gerade bestimmt 10 Gläser Körnerbrut deswegen entsorgen dürfen und ein paar warten noch auf ihren Abgang. Anzeichen dafür sind Flüssigkeitsansammlung und zögerliches Besiedeln von Passagen im Medium, während es drumherum viel schneller geht. Auch das Auslassen voin kleinen Stellen zeigt meist Bakterien an. Wenn man sich sehr sicher ist, kann man das Glas auch mal aufmachen (spätestens jetzt fängt man scih aber dann häufig was ein...) und dran riechen. Riecht es irgendwie unangenehm, fruchtig, Aceton-artig, Chemisch und nicht 100% pilzig, dann kann man das weg schmeissen. Nicht versuchen zu retten, das wird nichts. Habe ich auch am eigenen Leib erfahren dürfen. Habe ich schon soooo oft probiert weil "95% ja ganz normal besiedelt waren". Das geht dann am ende schief und man kann den Block, den man mit viel Mühe hergestellt hat, wegschmeissen.


    ich hab übrigens gerade letzten Freitag Judasohren gesucht und kein einziges gefunden. Wird hoffentlich noch!


    Nachtrag: Ich sehe gerade das das Glas erst 2 Tage alt ist, dann kannst mein Geschreibsel bzgl. Bakterien erstmal als Allgemeingültig, aber nicht auf dein spezifisches Glas bezogen abhaken. Denn dafür ist das Glas zu jung, da muss das so aussehen wie bei dir.

  • Deine Ausführungen sind wirklich sehr lehrreich! Habe den Deckel der großen Box verschoben, damit mehr Luft ran kommt. Die Luftfeuchtigkeit kontrolliere ich täglich. Kann sowohl mit einem Ultraschallvernebler als auch mit Sprühflasche nachsteuern. Wieviel Licht braucht der Austernseitling denn in der Fruchtungsphase? Viel kommt durch das Fenster nicht in den Kellerraum. Könnte alternativ unter das Dach ausweichen. Dort ist durch ein großes Fenster mehr Licht und eine konstante Temperatur von um die 16°C. Die Fruchtungsphase hatte ich übrigens mit einer Nacht bei 5°C auf der Terrasse versucht einzuläuten. Offensichtlich also erfolgreich.

    Mit den Judasohren ist das so eine Sache. Ich habe hier in Nähe Rosenheim vier bis fünf bekannte Stellen, die ich regelmäßig abgehe. Zum Teil finde ich nichts, wo auch schon Wolkenohren waren. Im November gab es fast überall eine starke Fruchtung und die größten Ohren hatten bis 7 cm im Durchmesser. Nach meiner Erfahrung halten sie auch Frost aus. Eingetrocknete Ohren am Baum erholen sich nach zwei Tagen Regen. Wenn sie sehr labrig sind, warte ich einen regenfreien Tag ab und sammle dann. In Buchloe gibt es ein paar Stellen, da wachsen sie zuverlässiger fast das ganze Jahr nach.
    Agar, Ahornirup und Agavendicksaft habe ich da. Müsste bei mir im Kliniklabor fragen, ob die Petrischalen haben. Ansonsten Apotheke? An sterile Pinzetten, Scheren und Skalpelle sowie Desinfektionsmittel komme ich immer. Zu den STA habe ich auch schon mal Videos angeschaut, wie man die bauen kann. Wäre dann was, wenn ich erste Zuchterfolge mit der Pilzernte geschafft habe. Bin jetzt erst einmal unglaublich glücklich, dass überhaupt was kommt.

  • Deine Ausführungen sind wirklich sehr lehrreich! Habe den Deckel der großen Box verschoben, damit mehr Luft ran kommt. Die Luftfeuchtigkeit kontrolliere ich täglich. Kann sowohl mit einem Ultraschallvernebler als auch mit Sprühflasche nachsteuern. Wieviel Licht braucht der Austernseitling denn in der Fruchtungsphase? Viel kommt durch das Fenster nicht in den Kellerraum. Könnte alternativ unter das Dach ausweichen. Dort ist durch ein großes Fenster mehr Licht und eine konstante Temperatur von um die 16°C. Die Fruchtungsphase hatte ich übrigens mit einer Nacht bei 5°C auf der Terrasse versucht einzuläuten. Offensichtlich also erfolgreich.

    Mit den Judasohren ist das so eine Sache. Ich habe hier in Nähe Rosenheim vier bis fünf bekannte Stellen, die ich regelmäßig abgehe. Zum Teil finde ich nichts, wo auch schon Wolkenohren waren. Im November gab es fast überall eine starke Fruchtung und die größten Ohren hatten bis 7 cm im Durchmesser. Nach meiner Erfahrung halten sie auch Frost aus. Eingetrocknete Ohren am Baum erholen sich nach zwei Tagen Regen. Wenn sie sehr labrig sind, warte ich einen regenfreien Tag ab und sammle dann. In Buchloe gibt es ein paar Stellen, da wachsen sie zuverlässiger fast das ganze Jahr nach.
    Agar, Ahornirup und Agavendicksaft habe ich da. Müsste bei mir im Kliniklabor fragen, ob die Petrischalen haben. Ansonsten Apotheke? An sterile Pinzetten, Scheren und Skalpelle sowie Desinfektionsmittel komme ich immer. Zu den STA habe ich auch schon mal Videos angeschaut, wie man die bauen kann. Wäre dann was, wenn ich erste Zuchterfolge mit der Pilzernte geschafft habe. Bin jetzt erst einmal unglaublich glücklich, dass überhaupt was kommt.

    Ich befürchte das das nicht reichen wird an Luft. Das zirkuliert da drinnen ja so nicht wirklich, du müsstest unten noch Löcher bohren, aber nicht zu tief, damit du im Bedarfsfall noch deine Perlit/Blähtonschicht in stehendem Wasser realisiern könntest. Vorsicht beim Bohren, das Zueg zerbricht schnell (frag nicht woher ich das weiß....).


    Als Nährstoff im Medium zum Klonen würde ich Malzextrakt nehmen, das mag so ziemlich ejder Pilz. Kriegst bei den Hobbybrauern, 500g kosten nicht die Welt. Und falls es nichts wird kannst dir n bischen Hopfen kaufen und Bier draus brauen ;) .

  • Und noch ein Nachtrag, es sieht so aus als hättest du deinen gesamten Subtstratblock ausgepackt. Das ist kontraproduktiv bei Austern aus mehreren Gründen. Es bilden sich potentiell viele viele Primordien, die dann auch zum Großteil zu Frucktkörpern werden. Auf Grund der hohen Anzahl werden die Fruchtkörpe aber eher klein. Wenn das Wachstum auf weniger FK begrenzt ist, werden die schön groß. Der Ertrag in Gewicht kann dadurch auch steigen. Außerdem trocknet durch die große freie Oberfläche der Block viel schneller aus. gerade für mehrere Erntewellen denkbar ungünstig. Die beste Lösung ist es den Beutel richtig enganliegend festzukleben und dann an definierter Stelle 1-3 Schnitte mit dem Messer zu setzen. Hier kommt dann Sauerstoff ans Mycel und der Pilz wird hier fruchten. Schön kontrolliert und auch viel einfacher zu ernten.


    Für die nächste Erntwelle die Schnitte zukleben und möglichst weit entfernt an anderer Stelle erneut Schnitte setzen (dazwischen 10-14 Tage Ruhepause).

  • Muss ich langsam bei Dir Kursgebühren entrichten? Du bist eine perfekte Praxisanleitung ;)

    Habe Deinen neuen Beitrag erst heute gelesen und gestern Abend zunächst stabil die Luftfeuchtigkeit auf 95-96% gesetzt und dazu den Ultraschallvernebler benutzt. Nach der Arbeit leihweise mit einem transportablem Sauerstoffgerät 0,25L Sauerstoff/Minute über Nacht in die dann geschlossene Box unten eingeleitet. Damit konnte gleichzeitig Luft oben durch den nicht dichten Deckel entweichen und so verstärkt Kohlendioxid abgeführt werden. Ist keine Dauerlösung, sondern sollte ein Mehrtagesversuch sein, den ich mit Makroaufnahmen begleiten wollte, um die Wirkung zu erkennen.

    Wie lange braucht denn das Wachstum von Pirmordien zu ersten kleinen Fruchtkörpern mit mehr als 1 cm?

    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, braucht also nicht der komplette Block Sauerstoff, sondern nur die Stelle, wo das Fruchten stattfinden soll, richtig? Wie lang sollen die Schnitte in der Tüte sein? Nur in eine Richtung oder der Schnitt kreuzweise? Einen neuen passenden Beutel könnte ich mir heute Abend mitbringen.

    Darf ich fragen, wie lange Du Dich schon mit der Pilzucht beschäftigst? Deine Erläuterungen klingen nach einer Menge Erfahrung.

    Kannst Du mir vielleicht ein Foto posten, wie so eine Box mit Löchern bei Dir aussieht oder setzt Du rein auf Beutel?

    Die Löcher kann ich mit einem alten Lötkolben machen. Bohren führt tatsächlich schnell zu Bruch. Schmelzen nie, stinkt nur. Welchen Durchmesser brauchen die Löcher?

    Petrischalen haben wir im Kliniklabor nicht. Die machen nur die Schnelldiagnostik, wie ich gestern erfahren habe. Alle Bakterienkulturen werden extern bestimmt und auf die Wirksamkeit von Antiobiotika getestet. Ich denke Glas wäre dem Steriliseren haltbarer. Ist im Internet gut beziehbar.

    Übrigens, da ich noch rund 150 Liter selbst hergestellten Met (ich war Hobbyimker) zur Reifung in Ballons habe, lasse ich das mit dem Bierbrauen lieber, sonst mault irgendwann die Leber. :cool:

  • Von ersten Ansätzen bis voll erntereifen Fruchtkörpern vergeht in der Regel nicht viel Zeit bei Austern, die sind fix. 7-10 Tage schätze ich. wenn es kalt ist, auch schon mal mehr Zeit, aber wir stellen ja immer nur ein mal kurz kalt um die Fruchtung einzuleiten, danach gibt es wieder höhere Temperaturen.

    Du kannst dir das mit dem Sauerstoffbedarf eigentlich vom natürlichen Lebensraum ableiten. Die Auster besiedelt den Stamm. Unter der Rinde gibt es wenig Sauerstoff, das Mycel wächst trotzdem (etwas Sauerstoff braucht es, also in den Beuteln immer genügend Luft lassen und auch Belüftungsöffnungen vorsehen!). An den Stellen wo die Rinde aufbricht, kommt Sauerstoff ran und vor allem sinkt der CO2 Spiegel. Hier fruchtet dann das Mycel automatisch. Das Gleiche machen wir mit den Schnitten im Beutel. Vorher aber den Bereich des Beutels mit Luft drin Platt drücken und fixieren mit Klebeband, so das wirklich nur an den Schnittstellen Luft an den block kommt. Sonst gibt es nebenfruchtungen im Beutel, auch nicht richtig schlimm, da die am Ende eh verkümmern. Aber verschenkte Energie ist verschenkte Energie. Die Schnitte brauchen nicht groß sein. 5-10 cm, je nach Beutelgröße.


    Hier siehst was ich meine:

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    Du kannst im Internet unter "oyster mushroom shotgun " Beispiele für die Box finden. Z.B. hier:

    How To Build A Shotgun Fruiting Chamber (SGFC) in 5 Easy Steps - FreshCap Mushrooms
    A SGFC, also known as a shotgun fruiting chamber, is one of the cheapest, easiest and quickest ways to get a suitable mushroom growing environment.
    learn.freshcap.com


    Ich hatte vor ca. 7 Jahren den ersten Anflug von Pilzzucht, aber dann wieder fallen gelassen. Wirklich intensiv geht es jetzt erst seit ca. einem Jahr bei mir zu. Du findest dazu auch enorm viel auf Youtube. Internetseiten sind eher Mau, aber auf Youtube findest im englischsprachigen bereich wirklich enorm viel Infos, gerade zu Austern.


    Ich hab die Boxmethode selber noch nicht funktionierend nutzen können, bis jetzt hatte ich immer zu wenig Löcher. ich hab gerade eine Black Pearl Oyster Kiste in mein ventiliertes Zelt gestellt, weil sie keine Hüte ausbilden wollten bei geschlossener Box. Im Zelt legen die jetzt RICHTIG los, die Fruchtkörper sind jetzt schon über zehn cm lang, und noch voll im Wachstum.


    Generell hab ich sehr viel experimentiert und auch sehr viele Misserfolge gehabt. Davon konnte ich aber auch sehr viel lernen und weiß jetzt was definitiv NICHT geht.

  • Jetzt hast Du gleich Fragen mitbeantwortet, die ich nun nicht mehr im Forum stellen muss, weil Du den natürlichen Vorgang des Gasaustausches im Holz beschrieben hast und wie sich das entwickelt.

    Habe heute ein große Tüte 8mm Dübel im Baumarkt geholt, die ich bewachsen lassen will und dann in recht frische Buchenholzbaumstämme und zum Test in ausreichend gewässerte größere Buchenbrennholzscheite einsetzen will. Wird auch erst einmal ein Lernfeld für mich. Zur Versiegelung habe ich noch 100% biologisches Bienenwachs übrig. Im Garten ist ein absoluter Schattenplatz vorhanden, wo sich auch nur Moos hält und jeder Versuch der Rasenansaat gerade mal bis zum Herbst funktionierte. Inzwischen lasse ich einfach das reine Moss dort und hätte Platz für eine Pilzkultur auf Holz.

    Die Besiedelung von Dübeln (Kaffesatz sowie Körnerbrut) war mir schon gut gelungen. Mangels Holz zum Einschlagen hatte ich die Dübel dann mit in die Kulturtüten gegeben.

  • Musst zusehen das die auch im Sommer noch feucht bleiben, während der Durchwachszeit. Ansonsten kannst die ab dem letzten Frost bedübeln! Ich hab auch ein paar Stämme im Garten, die haben dieses Jahr aber noch nicht gefruchtet und bei einem hat sich ein anderer Pilz ausgebreitet....

  • Ammoniakgeruch klingt für mich nach sich durch Bakterien zersetzendes Eiweiß. Ab wo begann denn die unsterile Arbeitsphase? Verhältnis von Brut zu Kultursubstrat?

    Nach der Sauerstoffbehandlung haben sich bei mir die Pirmordien in der Größe verdoppelt. Sieht aus wie Korallen beim Tauchen. Werde heute eine Box mit Löchern versehen und den Block umquartieren. Der Sauerstofftroller ist leer und geht zurück in die Arbeit.

  • Eiweißzersetzung kenne ich z.B. bei größeren Mengen gelagerter Kartoffeln. Eine einzige faulende Kartoffel reicht, um einen ganzen Kellerraum in unerträglichen Geruch zu versetzen. Sind die übrigen Kartoffeln in Ordnung, muss nur die Faule raus. Vielleicht kannst Du eine verkeimte Stelle entdecken und musst nicht gleich die ganze Kultur aufgeben, sondern kannst versuchen, das rauszuschneiden.

  • Das ist definitiv was bakterielles. Anzeichen davon hab ich schon bei der Durchwachsphase gesehen, aber die Auster hat das überwuchert. Ist halt Auster. Das Problem ist, auch wenn man es nicht mehr direkt sieht, ist es halt oft noch da. Deshalb auch mein obiger Kommentar bzgl. der Notwendigkeit von 100% kontifreier Körnerbrut. Es gibt nichts ärgerlicheres als erst während der Fruchtung festzustellen, das das alles nichts wird wegen Kontis, die man eh schon vorher gesehen hat. Man ist dann jeden Schritt trotzdem weiter gegangen, weil die Chanche besteht das das Mycelm das abwehrt, aber ganz ehrlich... nee. Das ist im besten Fall ne 1/3 Chance, für das Mycel zu gewinnen. Bis dahin hat man viel Zeit, Platz und auch Wartezeit investiert.


    Ich hab jetzt diverse Gläser mit frischer Brut, die werde ich in autoklaviertes Substrat geben. Das substrat werde ich zusätzlich tyndallisieren, heisst doppelt autoklavieren mit ca. 10h Abstand dazwischen, das killt dann wirklich alles da drin. Hatte gerade Ärger mit Körnern wo einzelne Kolonien überlebt haben. Die Gläser hatte ich aus Gründen doppelt autoklaviert, die sind alle clean (bis auf eines, aber da ist wahrscheinlich das FM infiziert).


    Also was lernen wir daraus? Billige DKTs erreichen nicht den nötigen Druck, wer billig kauft kauft zwei mal, also teurer. Wenn großer DKT, dann nächstes mal was ordentliches.

  • Was heist denn Für Dich ein großer DKT? So was hier?

    Ich habe meine Box nun mit Löchern für die Lüftung versehen. Geht mit einem 8-10mm Holzbohrer ohne Bruch, wenn man nur minimal Druck ausübt und der Bohrer scharf ist. Wollte das auch gleich nutzen, um noch ein paar Makros der Primordien machen, aber das Licht ließ einfach schon nach und so hatte ich keine gute Blende für wirklich scharfe Tiefe im Bild.

  • Was heist denn Für Dich ein großer DKT? So was hier?

    Ich habe meine Box nun mit Löchern für die Lüftung versehen. Geht mit einem 8-10mm Holzbohrer ohne Bruch, wenn man nur minimal Druck ausübt und der Bohrer scharf ist. Wollte das auch gleich nutzen, um noch ein paar Makros der Primordien machen, aber das Licht ließ einfach schon nach und so hatte ich keine gute Blende für wirklich scharfe Tiefe im Bild.

    Ja genau sowas. Der sieht solide aus. Es gibt noch größere aus Amiland, die drüben auch bezahlbar sind, aber Importsteuer etc. machen die hier fast unerschwinglich. Die Firma heisst "All American". Wichtig wäre mir bei meinem nächsten Kauf das die Größe mindestens 25l ist (da dürften dann mindestens 2 mediumgroße Substratsäcke rein passen) und das da ein Manometer drauf ist, so wie bei dir auf dem Foto.


    Der Amoniakgeruch war gestern Abend fast weg, evtl. hat die Auster da wieder Bakterien gefuttert, mal gucken. Die Pilze werden jedenfalls gigantisch und trotzdem krüppelig. Die Hüte sind nicht massiv, sie sind eher eine Art Netzsruktur. Nicht matschig oder so, aber eben auch keine durchgehende Masse, so wie man Pilze kennt, sondern eher wie ein gewebtes Netz aus Fäden. Die Ansätze dazu kann ich übrigens auch auf deinen Fotos erkennen, besonders auf dem ersten mit den Primordien. Der Scharfe links oben im Bild zeigt das am deutlichsten.


    Laut Recherche ist das kein Problem für den Verzehr, nur optisch blöd. Grund ist zu hoher CO2 Gehalt in der Luft. Ich hab bei meinen Pilzen während der ersten 4-5 Tage Primordienbildung die Box zu gehabt, weil ich dachte das die Black Pearl Oystern das ab können (die könne viel mehr CO2 ab als normale Austern, ist ne hybride Züchtung). Das war aber wohl doch zu viel des Guten. Die ersten Tage haben sich da null Hüte entwickelt, nur weisser Stamm, erst als ich die Box auf gemacht habe und in das Zelt gestellt hatte, kamen schwarze Köpfchen, viel zu spät also. Das kann dann am Ende das Problem mit dem netzartigen Hut ausgelöst haben. Ich mach nachher mal Fotos und zeig dir das.


    Mit dem Holzbohrer habe ich auch ganz gute Erfahrungen gemacht, aber auch diverse Male zu doll gedrückt und dann Risse erzeugt :D.

  • Heute Morgen bin ich mir nach vorangehendem Wachstum und einem neuem Foto ziemlich sicher, dass es sich nicht um Austernseitlinge handelt, was da wächst, sondern um den Block mit den Kräuterseitlingen. Duch das Entsorgen von Beuteln mit Blöcken, die vom Bäckerschimmel befallen waren, gingen auch die Beschriftungen verloren. Insofern bin ich um dieses Wachtum heilfoh, da ich von Austernseitling und wilden Austernseitling noch Kulturen in der frühen Entwicklung habe und weitermachen kann. Habe auch eine 12 cm Petrischale mit Deckel aus Glas besorgt, um mich noch einmal dem Judasohr widmen zu können.