Pilz im Keller

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 4.219 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von MarionS.

  • Liebes Forum,


    Ich wohne in Wien in einem 150 Jahre alten Haus mit meiner Familie. Seit dem Aufgehen eines Fruchtkörpers an der Keller Treppe zum Wohnbereich bin ich besorgt, da ich gehört habe, dass es auch giftige Sporenpilze gibt, die die Atemluft beeinträchtigen.
    Selbst habe ich mich noch nie mit Pilzen jenseits des Eierschwammerls tiefer befasst und bitte daher um eure Hilfe bei der Bestimmung. Auch jeden Ratschlag nehme ich sehr gerne an. Das Haus ist gemietet und daher interessiert mich in erster Linie ob es Gesundheitsbedenken gibt - wen dem so wäre würde ich einfach umziehen.


    Ich habe versucht alle Regeln zu den Fotos und notwendigen Infos zu berücksichtigen und habe natürlich bei Bedarf weitaus hochauflösende Fotos und liefere alle Infos nach.


    Der Keller ist ein Erdkeller der früher zur Kohleneinlagerung genutzt wurde.
    Er hat ein kleines Fenster, dass wir zum Lüften regelmäßig öffnen (ca. 3 Meter von der Treppe entfernt).
    Zur Lagerung - wie ich herausfinden musste - ist der Keller ungeeignet, da alles sofort Schimmel ansetzt - daher ist dieser komplett leer.
    Vor vielen Jahren waren die Kanten der Treppe aus Holzplanken - die moderten aber großteils weg und es wurde mit Beton ausgebessert.


    Besten Dank für jede Hilfe



    Harald


  • Hallo
    Schimmelpilze sind gefährlich, dein Pilz ist kein Schimmelpilz, sondern einer von den Rotfußröhrlingen. Der schädigt deine Atemluft nicht. Aber er zeigt einen Baumangel an. Das sollte unbedingt untersucht werden.

  • Hallo Harald!



    Was für eine vorbildliche erste Anfrage! :)


    Uwe hat Recht, die Sporen der Röhrlinge sind definitiv nicht giftig (werden aber oft selbst von Schimmel befallen, der dann wiederum nicht so gesund ist). Allerdings ist es schon seltsam, dass die Rotfußröhrlinge bei dir im Haus wachsen, die gehen nämlich immer eine Symbiose mit Bäumen ein. Das könnte darauf hindeuten, dass Baumwurzeln bei dir ins Kellermauerwerk hineinwachsen.


    Hab hier was gefunden: >LINK<


    Also, auf jeden Fall muss da was gemacht werden.

  • Vielen Dank für die schnellen und klaren Auskünfte.
    Ich bin eben ums Haus gegangen - an der Straßenseite ist eine Linden Allee - da gab es laut Nachbarn vor 2 Wochen ähnliche Fruchtkörper.
    Sonst könnte ich nichts entdecken. Gartenseitig haben wir noch eine 200 Jahre alte Eibe - ebenfalls keine Anzeichen von Pilz-Symbiosen.


    Symbiotische Pilze brauchen lebendes Holz zur Fruchtkörperbildung - richtig ?
    An den verrottenden Dielen der alten Treppe alleine kann es somit nicht liegen ?


    Ich werde das Problem an den Eigentümer melden - sieht nicht so aus als würde es dem alten Gemäuer gut tun, wenn man nichts macht.


    Besten Gruß


    Harald

  • Hallo Harald,


    ja, diese Art braucht lebende Bäume. Die können allerdings auch einige Meter weit weg stehen. Linde könnte als Baumpartner in Frage kommen, Eibe (soweit ich weiß) bei dieser Art eher nicht.


    Auf den verrottenden Dielen würden sich - wenn es denn dazu kommt - andere Pilzarten zeigen, aber nicht die von dir gezeigte. Der braucht schon Bäume und deren Wurzeln...

  • Ein sehr kurioser Fund. Das wird sicher noch viel Interesse auf sich ziehen. Bei einem Erdkeller ist natürlich die Konstruktion eine Frage. Meine Großeltern hatten so etwas. So etwas zieht für gewöhnlich schon Pilze an, wegen der Feuchtigkeit, aber eben keine Rotfüße. D. h. Der Pilz ein darunterliegenden Myzel, das mit den Bäumen kommuniziert, hat den Fruchtkörper durch die wahrscheinlich poröse Mörtelschicht geschossen. Phänomenal. Hab ich noch nie gesehen.


    Dass in dem Keller alles Schimmel ansetzt, ist klar. Der ist komplett voll mit Sporen. Das Phänomen tritt auch bei alten Kühlschränken auf. Ich frage mich ob, der Röhrling eventuell über den Luftweg da reingekommen ist. Der Rotfuss ist sehr schimmelanfällig. Vielleicht waren Schimmelsporen das Transportmittel. Gewagte Theorie, aber mal einen Gedanken wert.
    LG joseph


  • ...
    Symbiotische Pilze brauchen lebendes Holz zur Fruchtkörperbildung - richtig ?
    An den verrottenden Dielen der alten Treppe alleine kann es somit nicht liegen ?
    ...


    Hallöchen Harald,


    eine Symbiose (eine wechselseitig positive Beziehung) setzt natürlich zwei lebendige Partner (Symbointen) voraus, ein totholzzersetzender Pilz wäre ein Saprobiont und sowas würde sich über das Treppengeländer hermachen.
    Du solltest in deinem Keller einen sogenannten Mykorrhiza-Pilz haben, wenn die Bestimmung stimmt, was ich nicht beurteilen kann, da ich mich bisher fast ausschließlich mit Gehölzschädlingen beschäftige ... aber ich bin zuversichtlich, daß die Bestimmung hinhaut, sonst hätte es schon längst Widerspruch gegeben.
    Mykorrhiza-Pilze leben in Symbiose mit Bäumen - genauer: deren Wurzeln. Sie geben an den Baum Nährstoffe und Wasser ab, welche/was sie viel besser als der Baum aufnehmen können, da sie wesentlich weiter und feiner verzweigt sind und bekommen im Gegenzug vom Baum Assimilate (Zucker), welche(n) sie nicht selbst bilden können, da sie keine Photosynthese (diese Geschichte mit Energiegewinnung aus Licht) betreiben (können).


    Wenn man von gesundheitsgefährdenden Pilzsporen hört, geht es meist um Schwarzschimmel, welchen man im feuten Keller auch gern findet, der stellt allerdings keine so "dekorativen" Regenschirme auf. Gegen Sporen anderer Pilze soll es u.U. Allergien geben, da bin ich aber nicht gut informiert und das wissen andere hier besser als ich, hier im Forum sind auch studierte Mediziner unterwegs. Ich habe hier neulich einen (älteren) Thread gelesen, wo jemand bei seiner Familie Probleme mit Austernseitlings-Sporen vermutet und seine Zucht eingestampft hat. Ob es der Familie danach besser ging, weiß ich nicht.


    Dein Pilz(-fruchtkörper) scheint mir den Bildern nach aus dem Mauerwerk / aus gegossenem Beton zu wachsen. Es muß also eine (ausreichtend) feuchte Verbindung zwischen Innen (dem Pilzfruchtkörper) und Außen (einem passenden Baum) geben. in solche auch kleinste feuchte Ritzen wurzelt ein Baum schonmal rein und verursacht durch nachfolgendes Dickenwachstum der Wurzeln dann anständige Risse in der Bausubstanz mit entsprechenden Folgen. Ein Baum verursacht keine Schäden in der Bausubstanz, aber er kann vorhandene deutlich verschlimmern.
    Vor einigen Monaten habe ich ein "verstopftes" Abflußrohr gesehen ... eine Weide war duch einen nicht ganz so dichten Dichtungsring gewurzelt und hat auf fast 10m Länge das komplette Haus-Abwasser-Rohr zugewurzelt ... da gabs gut was zu holen für den Baum :D


    Entferne die Pilzfruchtkörper und schmeiß sie in die grüne Tonne. Wenn du sie erwischst, bevor sie reif sind, hast du kein Sporenproblem. Du hast allerdings das Problem mit dem Mauerschaden, um das du dich kümmern solltest ... :( ... was allerdings kein vom dir verursachter Fehler und damit Vermietersache ist. :giggle:

    Viele Grüße,
    Hessekopp


    Ich bin blutiger Pilz-Anfänger. Wer auf meine Bestimmung hin etwas isst oder auch nur in den Mund ninnt, begeht möglicherweise einen schweren Fehler.

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  • Na, einen Mauerschaden werden wir hier wohl nicht gleich haben.
    Pilzmycel ist sehr fein und krabbelt wie eine Wolke durchs Erdreich und auch eben durch poröses Mauerwerk. Dieser Pilz lebt von dem Zucker, den ihn vermutlich ein Baum spendet, der genau hinter dieser Mauer ist, und tut der Mauer dabei nichts. Da wo er auf Luft und gute Bedingungen trifft (Luftfeuchtigkeit) setzt er eben Fruchtkörper an, um sich weiterzuverbreiten. Kann er nicht wissen, dass das eine Sackgasse ist da.
    Rotfüße mögen Linden.


    Hier im Forum findest du in der Suche unter dem Stichwort "Keller" noch mehr solche Funde, inklusive meines eigenen. Hier fand es auch eine Rotfußart, die wohl wie etliche andere mit der Birke im Hof vergesellschaftet ist, in meinem kühleren und feuchteren Keller angenehmer als draußen im Sommerwetter und ließ einige Fruchtkörper aus dem Mörtel von Wand und Fenstersims sprießen. 30cm Altbauwand, unter und etwas über Erdbodenniveau.
    Mein Vermieter war ebensowenig beunruhigt wie ich und fand das amüsant.


    Dem Baum siehst du eine Vergesellschaftung mit Mykorrhiza nicht wirklich an, abgesehen von passenden Pilzarten, die zu ihrer Zeit aus dem Boden schießen. Sie arbeiten dem Baum zu, sind gute Partner in Notzeiten oder schützen den Baum vor äußeren Einflüssen. Meine Stieleichen z.B. zeigen eine auffällige Resitzenz gegen Mehltau im Vergleich zu vorher, seit ich sie mit Pilzen geimpft habe.

    Gruß,
    Marion


    Nein, ich esse meine Pilze nicht! :gklimper:
    Aber was essen meine Pilze? :gkopfkratz:

    Einmal editiert, zuletzt von MarionS ()