Leucopaxillus albissimus?

Es gibt 9 Antworten in diesem Thema, welches 2.959 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von sarifa.

  • Hallo Forum!


    Ich hab mal wieder so einen Kandidaten, an dem ich mir die Zähne ausbeiße und zu einer wackeligen Bestimmung gekommen bin. Falls da noch jemand was zu sagen kann, wäre das toll.



    Gefunden in Nordgriechenland, Pindosgebirge, ca. 1500 m Höhe, Kiefern-Buchen-Mischwald, aber die Pilze standen direkt in der Nadelstreu im Wurzelbereich einer großen Kiefer. Ca. 20 Exemplare auf 10m ², zum Teil sehr eng, fast büschelig zusammenwachsend, zum Teil einzeln stehend.


    Hut bis 20cm Durchmesser, hellgelb bis weißlich, rau-schorfig bis filzig, halbrund bis trichterförmig
    Lamellen weiß, herablaufend, lassen sich nicht vom Hutfleisch trennen.
    Fleisch weiß, nicht verfärbend, zäh
    Stiel ca 2cm Durchmesser, 10cm lang, zylindrisch, vollfleischig, faserig, weiß. Bei einigen Exemplaren nicht zentral sondern leicht seitlich, das waren allerdings die, die im Büschel wuchsen, und ich halte das für eine untypische Verwachsung. Bei einzeln stehenden Exemplaren waren die Stiele zentral.
    Geruch leicht nach Kohl, irgendwie gemüsig
    Geschmack nicht getestet
    Sporenpulver weiß



    Inzwischen bin ich nach Suche bei allen möglichen Seitlingen (mich hat der dezentrale Stiel verwirrt) beim Cremeweißen Krempentrichterling, Leucopaxillus albissimus, gelandet. Allerdings eher zufällig als systematisch, und so richtig kann ich mit der Gattung noch nichts anfangen, und die Beschreibungen zum Pilz, die ich gefunden habe, sind eher nichtssagend und könnten auch auf alles mögliche Andere zutreffen. Angaben zum Standort, Größe und Hutoberfläche passen allerdings ganz gut, und es gibt auch viele ähnliche Bilder im Netz (wenn man denen denn trauen kann). In meinen Büchern ist der Pilz nirgendwo drin, bzw. nur als L. paradoxus (sind die nun synonym oder nicht? Da finde ich widersprüchliche Angaben...)



    Bilder:










    Schonmal Danke für alle Hinweise!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Sarah!


    Sehr interessanter Pilz.
    An einen Krempenritterling (Leucopaxillus) glaube ich eigentlich nicht. Auch wenn ich jetzt zur Taxonomie der beiden erwähnten Arten (hatte ich noch nicht in der Hand) nichts Erhellendes sagen kann. Aber einordnen kann ich den jetzt erstmal nicht, nur daß der nicht zu den krempenritterlingen passt, die ich bisher in der Hand hatte. Der sieht auch recht weich aus, die Lamellen sind bei krempenritterlingen meist Lepista - artig abschiebbar, die Huthaut sollte auch netwas anders strukturiert sein...



    Ratlose Grüße,
    Pablo.

  • Hallo Pablo,


    danke für deine Einschätzung. Nun bin ich so schlau wie vorher :D Das mit den relativ stark mit dem Fleisch verwachsenen Lamellen hat mich auch gestört, aber auch dazu waren die Informationen, die ich hatte relativ spärlich, war also nicht sicher wie das bei den Krempentrichterlingen ist.


    Ich recherchiere mal noch ein bisschen, vielleicht ist das wieder so eine seltene südliche Art, die in meinen Büchern nicht steht...

  • Hallo,
    möglich ist das schon. Wir haben mal in Kell am See im Fichtenwald (Rheinland-Pfalz) die ähnliche Leucopaxillus alboalutaceus gefunden.
    Da gingen die Meinungen auch in alle Richtungen und die Mehrheit dachte, irgendeinen der stinkenden weißen Ritterlinge vor sich zu haben.
    Groß war dann die Überrasschung, als sich beim Mikroskopieren deutlich warzige Sporen zeigten, wie sie ja bei albissimus auch zu finden wären.
    Grüße
    hübchen

  • Hallo hübchen,


    Dann bleibt wohl nur, dass ich die Sporen mal unters Mikro lege. Zumindest, wenn sich damit die Gattung abgrenzen lässt, wäre das ja schonmal was, damit wäre ich ja voll zufrieden.


    Auf facebook habe ich inzwischen nochmal in der Mittelmeergruppe angefragt, dort wurde auch Leucopaxillus vermutet, allerdings nur auf Gattungsebene, da dann wohl für die Artbestimmung wieder ein Mikro nötig ist.


    Danke für deine Einschätzung!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Sarah!


    Nachdem ich dann doch noch etwas rumgeblättert hatte, bin ich noch über die Zeichnungen im Ludwig von Leucopaxillus albissimus var. cutefractus gestolpert.
    Und muss sagen, daß das deinem Fund schon ziemlich ähnlich sieht. Dennoch, man muss es weiter überprüfen, finde ich. Und Hübchen sagt es ja schon: Ein Blick durch die Linsen gehört auch dazu. Die Amkyloidität der Sporen sollte man auch gut makroskopisch feststellen können, indem man von einem guten Sporenabwurf einfach mal eine Rasierklinge voll ins Melzers schiebt. Dann wird das blau. Oder auch nicht, wenn's inamyloid ist.



    LG, Pablo.

  • Seufz... Chemikalien...nach langer Suche habe ich endlich einen Löffel KOH-Pulver über drei Ecken und nette Leute organisiert, aber Melzer's krieg ich hier nicht. Und Portokosten aus Deutschland sind dreimal teurer als die Chemikalie... :D


    Geht anstelle von Melzer's auch Lugol? Das könnte ich mir zusammenmixen... aber an Chlorhydrat komme ich nicht so einfach ran. Oder Jodlösung?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Sarah!


    Theoretisch sollte auch Lugol gehen.
    Alleridings wird das vorwiegend bei Ascos benutzt, für Porusreaktionen. Wichtig ist aber wohl in erster Linie das Jod. Idealerweise kann man's mal bei einem sicheren Amyloidsporer vorprobieren, dann weiß man, ob es klappt.



    LG, Pablo.